Museum professional, lover of all collections work, former collections manager of the TECHNOSEUM in Mannheim, Germany. Now Professional Services Specialist for Gallery Systems. Independent museum professional.
Cat wrangler and #SciFi enthusiast.
Views are my own. Of course, they are. I can't make anybody responsible for the garbage my brain produces!
Ich habe endlich meine Autorenexemplare von Managing Previously Unmanaged Collections erhalten und ich bekam die Nachricht, dass es ein Problem gibt, wenn man versucht, die zweite Auflage über Amazon zu beziehen:
Umgekehrt, wenn Sie auf der deutschen oder UK Seite von Amazon sind und dort die “Kindle”- Ausgabe gewählt haben https://www.amazon.de/-/en/Angela-Kipp-ebook/dp/B0D7R1N7KC/ und dann aber auf die Taschenbuchausgabe gehen, werden Sie zur alten Taschenbuchausgabe geleitet.
Nur eine Warnung, da ich heute davon erfahren habe, dass Leute auf diese Weise aus Versehen die alte Ausgabe gekauft haben.
Sie erinnern sich vielleicht, dass ich im Neujahrspost angekündigt hatte, dass ein Freund von mir an einem Buch mit einer Sammlungsverwalterin als Hauptdarstellerin arbeitet, richtig? Raten Sie mal? Es ist veröffentlicht!
Ich bin ein bisschen stolz, dass es davon inspiriert wurde, dass ich so leidenschaftlich gerne von unserem Job erzähle. Naja, so in etwa. Wir sind ab und an mal darauf zu sprechen gekommen. Und wie das immer so ist wenn er, ich, und zwei Freunde von uns (eine schreibt Kriminal- und Horrorgeschichten, die andere Fantasy-Romane) uns unterhalten ist die Konversation abgedriftet. Ursprünglich ging es darum, dass es zu den schlimmsten Albträumen eines Registrars zählt, wenn etwas aus dem Museum verschwindet. Geendet hat es damit, dass wir uns vorgestellt haben was passiert, wenn man eines schönen Morgens plötzlich feststellt, dass eine mehr als zwei Meter hohe Statue plötzlich aus der gut geschützten Ausstellung verschwunden ist.
Paul hat die Geschichte mit seinem typischen Sinn für Humor aufgegriffen und mit seinem außergewöhnlichen Talent für ungewöhnliche Charaktere weitergesponnen. Ich habe sie ab und an einem Realitätscheck unterzogen aber ihm hoffentlich genügend künstlerische Freiheit gelassen, so dass es eine spannende Geschichte geblieben ist und nicht zu einem Buch über Museumsstatuten, Leihvorgänge und Interessenskonflikte geworden ist, zu dem es ohne Zweifel geworden wäre wenn ich es geschrieben hätte. Es hat mich bis zum Schluss gefesselt und manchmal laut auflachen lassen, also empfehle ich es wärmstens, gebe allerdings gerne zu, dass ich alles andere als neutral bin.
Am Rande bemerkt: Während er es geschrieben hat fühlte ich mich inspiriert eine parallel stattfindende Geschichte zu schreiben, in der eine andere Statue, Leonardo, sozusagen als Kollateralschaden zu den Ereignissen im Buch lebendig wird. Sie ist aus Leonardos Blickwinkel geschrieben und Sie können sich vorstellen, dass es sehr verwirrend ist, wenn man sich auf einem Podest in der Mitte eines Museums wiederfindet. Besonders wenn man vorher noch nie lebendig war. Und der Kopf aus Marmor ist. Das macht denken…hart. Leonardo und seine Freundin Betty, eine spitzenmäßige Barista, haben sogar in Pauls Buch einen Gastauftritt.
Ich denke, in diesen Zeiten können wir alle ein wenig leichtherzigen Humor vertragen und Egypt Calling hat reichlich davon. Falls Sie mögen, kann ich auch Leonardos Geschichte hier ins Blog stellen. Ist allerdings auf Englisch.
Normalerweise vermeide ich es hier, politisch zu werden aber ich glaube an Demokratie, den Gleichbehandlungsgrundsatz und daran, dass alle Menschen die Freiheit haben sollten, so zu leben, wie es ihnen passt, solang sie nicht etwas tun, was andere daran hindert, das gleiche zu tun. Ich glaube auch an die Bedeutung von Ehrlichkeit, an die Wissenschaft als den richtigen Weg, unsere Welt zu verstehen, und daran, dass es wichtig ist, alle Lebewesen, Menschen eingeschlossen, anständig zu behandeln.
Nachdem ich das gesagt habe, dürfte es klar sein, warum ich nicht auf Twitter bleiben kann ganz egal wie viele Verbindungen ich verliere, wenn ich den Account dort schließe. Und, ja, ich werde das Ding so lange Twitter nennen bis sein Inhaber den Namenswechsel seiner eigenen Tochter anerkennt.
Ich weiß, dass viele Bluesky als neue Alternative sehen, aber ich denke nicht, dass das eine nachhaltige Option ist, denn obwohl es theoretisch dezentral aufgestellt ist, bleibt es praktisch doch in der Hand von einem Unternehmen und damit im Endeffekt in der Hand von einer Person und wir sehen ja gerade am Beispiel von Twitter und Meta wo das hin führt. Statt dessen gehe ich zu Mastodon, wo ich schon 2022 einen Account eröffnet habe, als Musk Twitter übernommen hat.
Sie finden mich unter @registrartrek@glammr.us
Falls manche von ihnen ähnliches vorhaben aber nicht wissen, wie und wo sie anfangen sollen, hier sind ein paar Dinge, die ich gelernt habe (ich bin dort auch seit 2022 mit einem persönlichen Account aktiv):
Es beginnt alles damit, sich einen Server auszusuchen und das scheint bei weitem die größte Hürde für die meisten Menschen zu sein. Sie finden eine Liste mit Servern hier: https://joinmastodon.org/de/servers oder Sie können im restlichen Internet nach einem Server Ausschau halten, der Ihnen zusagt und dort einen Account eröffnen. Wenn Sie zum Beispiel zu https://glammr.us/@registrartrek gehen, dann sehen Sie eine Auflistung mit meinen Beiträgen in der Mitte (ich war dort bislang nicht sehr aktiv aber das gilt für meine professionellen Social Media Auftritte ganz allgemein). Auf der linken Seite sehen Sie meinen Server und auf was er sich spezialisiert hat.
Links sehen Sie die Serverinformationen, inklusive der Administrierenden, Zahl der aktuellen User, und eine Beschreibung der generellen Zielsetzung “glammr.us ist ein Raum für Leute, die sich für Galerien, Bibliotheken, Archive, Museen, Gedenkstätten und Aufzeichnungen interessieren. Aber Sie müssen nicht auschließlich zu GLAMMR-Themen posten, bringen Sie ihre ganze Persönlichkeit ein!“ In der Mitte sehen Sie mein Profil und – wenn sie auf der Seite sind und scrollen – meine Beiträge. Auf der rechten Seite können Sie ihren eigenen Account erstellen.
Mastodon ist eine Stadt
Das Konzept von „Servern“ klingt vielleicht etwas fremd und viele Menschen befürchten, dass sie ihre Möglichkeiten einschränken wenn sie sich für einen bestimmten Server entscheiden, also lassen Sie uns das Ganze etwas anders angehen. Sagen wir einfach Mastodon ist eine Stadt, in die sie umziehen möchten. Sie sehen sich verschiedene Straßen an, was da für Leute leben, was es an Einkaufsmöglichkeiten gibt und wie ganz generell die Atmosphäre dort ist. Das ist ihre neue Nachbarschaft, also möchten Sie sicher gehen, dass sie sich dort auch wohl und sicher fühlen.
Wie erfahren Sie etwas über diese neue Nachbarschaft? Eine gute Ausgangsbasis sind die Serverregeln. Diese finden Sie, wenn Sie auf den „about“ Abschnitt in der linken Spalte klicken (ich habe darauf verzichtet, meinen Account auf deutsch umzustellen, Sie mögen mir das nachsehen):
Sie sehen die Regeln, die für ihre Straße gelten und Sie können sich überlegen, ob das nach einem Ort klingt in dem Sie gerne leben möchten. Und natürlich kennen Sie vielleicht andere Leute, die bereits in diese Straße gezogen sind und können sich mit denen darüber austauschen, wie es ihnen dort gefällt.
Wenn Sie eine Straße gefunden haben, die ihnen gefällt, dann ziehen dort in ein Haus, indem Sie einen Account anlegen. Und Sie bekommen natürlich eine Adresse, damit andere Sie finden können. Meine Adresse lautet @registrartrek@glammr.us weil ich registrartrek heiße und in der glammr.us Straße lebe.
Viele Leute befürchten, dass Sie keinen anderen Leuten mehr folgen können, wenn sie sich einmal für einen Server entschieden haben. Das stimmt nicht. Natürlich können Sie Menschen in anderen Straßen besuchen, wenn Sie in diese Stadt gezogen sind! Straßen sind mit anderen Straßen verbunden, und sie können sich in der Stadt frei bewegen. Eine Einschränkung gibt es allerdings: Ihre Straße hat sich vielleicht entschieden, keine Brücke in eine schlechte Nachbarschaft zu bauen, weil sich deren Einwohner unmöglich aufführen und sich so verhalten, dass es den Regeln Ihrer Straße widerspricht. Vielleicht wurde auch eine Brücke zerstört, weil zu viele Leute aus dieser Nachbarschaft herüberkamen und angefangen haben, in ihrer Straße Leute anzupöbeln und zu bedrohen. Um es in der Mastodon-Sprache zu sagen: Die eigentliche Idee ist, dass Server sich mit anderen Servern verbinden (federate). Auf der anderen Seite gibt es aber eine schon lange etablierte Kultur, sich um die Einwohner zu kümmern, also entscheidet jede Straße für sich, ob sie nun mit einer anderen Straße verbunden sein will oder nicht und ob sie sich ggf. von einer solchen Verbindung auch wieder löst (defederate), wenn die andere Straße ein Verhalten an den Tag legt, das sie nicht akzeptabel findet.
Ihr neues Zuhause einrichten
Mit diesem Hintergrundwissen klicken Sie jetzt auf “create an account” und folgen den weiteren Schritten, genau so wie sie das auf jeder anderen Social-Media-Plattform tun würden. Es gibt Server, die komplett offen sind und auf denen Sie sofort Zugang haben. Viele andere Server sind so eingerichtet, dass Sie entweder von der administrierenden Person zugelassen werden müssen oder eine Einladung brauchen von einer Person, die bereits auf diesem Server ist. Das ist eine kleine Hürde, aber sie hilft, Spammer und bekannte Rowdys von Servern fern zu halten. Falls Sie eine Einladung zu meiner „Straße“ glammr.us haben möchten, dann schreiben Sie mir einfach unter story@museumsprojekte.de und ich schicke Ihnen eine (allerdings weiß ich nicht, ob ich aufgrund von Arbeit und Alltag wirklich schneller bin als die Admins).
Übrigens können Sie auch später noch in eine andere Straße umziehen. Wenn Sie herausfinden, dass Ihnen eine andere Straße besser gefällt, dann können Sie ihre Sachen packen und dahin umsiedeln, es gibt eine Import/Export-Funktion. Dies gilt allerdings nur für ihre Follower, nicht für Ihre Beiträge.
Lernen Sie die Nachbarschaft kennen
Wenn Sie in Ihr neues Zuhause eingezogen sind und die Vorhänge aufgehangen haben… ich muss Ihnen nun wirklich nicht erklären, wie man ein Social-Media-Profil einrichtet, das machen Sie schon ihr ganzes Leben, oder? Aber wir schauen uns jetzt mal die Umgebung an.
Rechts sehen Sie die Option “Live Feeds”, wenn Sie da drauf klicken, gibt es das Tab „This server“ das Ihnen die Beiträge von allen Leuten auf Ihrem Server zeigt. Das heißt, je mehr die Leute, Themen und Kultur auf Ihrem Server mit ihren eigenen Interessen übereinstimmt, desto mehr interessante Beiträge und Leute, denen Sie gerne folgen möchten werden Sie hier finden. Wenn Sie mehr entdecken möchten, dann klicken Sie auf “Other Servers”, das zeigt Ihnen dann alle Beiträge von allen Servern, die mit Ihrem verbunden sind, also das Gequassel auf allen Straßen in der Stadt, abzüglich der Straßenzüge, zu denen die Verbindung abgebrochen wurde. Und wenn Ihnen das immer noch nicht genug ist, gibt es auch noch „All“ das Ihnen ALLE Beiträge von allen Leuten auf Mastodon zeigt. Uff, das ist zu viel, lassen Sie uns schnell zu ihrer eigenen Zeitleiste wechseln, die Sie sehen, sobald Sie auf “Home” klicken.
Wenn Sie gerade erst eingezogen sind, dann wird Ihre Zeitleiste natürlich leer sein. Sie wird sich aber bald füllen, sobald Sie Leuten und Hashtags folgen.
Nachbarn treffen
Also, Sie sind jetzt in diese Straße gezogen, aber die Leute kennen Sie nicht und Sie kennen die Leute nicht. Wenn Sie Glück haben, dann kennen Sie zumindest schon mal eine Person in der gleichen Straße oder zumindest der gleichen Stadt. Fangen Sie am besten damit an, dass Sie meine Adresse @registrartrek@glammr.us in das Suchfeld kopieren und auf den „follow“ Knopf klicken. Hi! Jetzt erscheinen meine Beiträge in Ihrer Zeitleiste. Das können Sie jetzt auch nochmal mit @admin@world.museumsprojekte.de machen, dann erscheinen auch alle aktuellen Blogbeiträge von Registrar Trek in Ihrer Zeitleiste.
Das ist ja ganz nett, aber mich kennen Sie ja schon. Sie können auf mein Profil gehen und sich ansehen, wem ich folge und wer mir folgt. Vielleicht sind da ja auch Leute dabei, denen Sie gerne folgen möchten.
Aber das war jetzt das gleiche, als hätten Sie mich zu Ihrer Einweihungsparty eingeladen und ich hätte ein paar Freunde mitgebracht. Die kennen Sie nun auch, aber das ist ja nicht die ganze Nachbarschaft. Sie wissen immer noch nicht welche Bäckerei die besten Croissants macht und in welcher Bar man brauchbare Margaritas serviert bekommt, sozusagen.
Als nächstes folgen Sie Hashtags über Dinge, die Sie interessieren. Ich hoffe immer noch, dass wir #MuseumDocumentation zu seiner alten Stärke zurück bringen, zum Beispiel. Also geben wir das in das Suchfeld ein und Sie sehen sowohl Leute, die den Hashtag in ihrem Profil haben, als auch den Tab „Hashtag“. Wenn Sie da drauf klicken, sehen Sie eine Liste mit Hashtags wenn es mehrere mit dem Begriff gibt und wenn Sie auf einen davon klicken, gibt es einen Knopf „Follow Hashtag“ mit dem Sie ab Klick jeder Beitrag, der #MuseumDocumentation enthält in Ihrer Zeitleiste sehen können. Es gibt z.B. auch #croissants und #SilentSunday oder was auch immer Ihr Herz begehrt. Hashtags sorgen dafür, dass sich die Mastodon-Welt dreht, also nutzen Sie sie in Ihren Beiträgen und scheuen Sie sich nicht, vielen zu folgen. Sie können immer noch später Begriffe entfolgen, wenn Ihre Zeitleiste zu unübersichtlich wird.
Sagen Sie “hallo”
Als nächstes möchten Sie allen sagen, dass Sie hierher gezogen sind und wer Sie sind. Dafür möchten Sie vielleicht einen Beitrag schreiben, in dem Sie sich kurz vorstellen und in dem Sie den Hashtag #introduction verwenden. Vergessen Sie nicht Hashtags mit Ihren Interessen zu verwenden, auf diesem Wege entdecken Sie vielleicht Gleichgesinnte, die Sie sonst nie kennen gelernt hätten.
Und da Leute sicherlich auf Ihr Profil schauen, um Sie besser kennen zu lernen und Sie sich ja nicht andauernd wiederholen möchten, heften Sie diesen Beitrag einfach an Ihr Profil an. Auf den meisten Servern können Sie mehr als einen Beitrag anheften, auf glammr.us bis zu fünf.
Oh, und scheuen Sie sich auch nicht, einfach mal einen Beitrag von jemandem zu kommentieren, der Ihnen gefallen hat. Mastodon lebt viel mehr davon, dass Leute sich einfach miteinander unterhalten als andere Plattformen (mehr dazu im nächsten Abschnitt). Also keine Angst vorm Quasseln mit Leuten.
Dezentralisiert und kein Algorithmus – was heißt das eigentlich?
Sie haben vielleicht schon gehört, dass Mastodon ein dezentrales Netzwerk ist und keine Algorithmen verwendet, aber es ist vielleicht etwas nebulös was das denn nun wirklich im täglichen Umgang bedeutet. Hier sind meine Erkenntnisse kurz zusammengefasst:
Die Server werden von einzelnen Leuten oder Gruppen betrieben, die das aus dem eigenen Geldbeutel und ohne kommerzielle Hintergedanken tun. Deshalb gibt es auf den meisten Servern auch keine Werbung. Das ist ziemlich einmalig in einem Zeitalter, in dem oft schon das eigene Betriebssystem einem Dinge aufschwätzen will.
Punkt eins mag Sie dazu bewegen, dass Sie ab und an mal was an Ihre Serveradmin spenden, um ihnen mit den Serverkosten zu helfen.
Twitter und andere von Unternehmen betriebene Plattformen arbeiten mit Algorithmen um manche Beiträge vor anderen zu priorisieren. Fragen Sie sich, warum Sie Musks Gesicht so oft auf Twitter sehen? Ja, genau, daran liegt das. Sie analysieren auch, wie oft ein Beitrag gemocht wird und Beiträge mit mehr Likes werden als wichtiger eingestuft als solche mit weniger Likes. Das ist auf Mastodon nicht der Fall. Hier sehen Sie nur die Beiträge von Leuten und Hashtags denen Sie folgen in chronologischer Reihenfolge, nichts weiter. Niemand ist wichtiger als der andere.
Davon ausgehend: Wenn Sie auf Mastodon einem Beitrag ein Like geben, dann sagen Sie den Beitragsschreibenden, dass Ihnen gefallen hat, was sie gesagt haben. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Diejenigen, die Ihnen folgen bekommen davon nichts mit.
Wenn Sie möchten, dass diejenigen, die Ihnen folgen auch einen Beitrag sehen, der Ihnen gefallen hat, dann müssen Sie ihn boosten. Auf Twitter hieß das retweeten, boosten ist nichts anderes. Es transportiert den Beitrag in die Zeitleiste derjenigen, die ihnen folgen. Wieder der einzige Unterschied: kein Algorithmus zählt wie oft etwas geboostet wurde und schiebt ihn irgendjemandem ins Gesicht, der den gar nicht sehen wollte.
Oh, übrigens, Sie können Beiträge auch im Nachhinein bearbeiten, also wenn Sie nach dem posten schlauer sind, zum Beispiel, weil Sie jemand in einem Kommentar auf einen Fehler hingewiesen hat, dann können Sie einfach zu ihrem ursprünglichen Beitrag gehen und das korrigieren. Diejenigen, die davor mit Ihrem Beitrag interagiert haben, werden über der Änderung informiert (wenn sie diese Funktion nicht ausgeschaltet haben, um ihre Mitteilungen zu entlasten).
Kultur
Die Atmosphäre auf Mastodon kann variieren, je nachdem welchen Server Sie gewählt haben und welchen Leuten Sie folgen. Generell finde ich es viel angenehmer als Twitter. Allerdings sind bislang nur sehr wenige Museumsleute vertreten, daher vermisse ich die aktiven Gespräche, die sich an anderer Stelle oft ergeben haben. Aber das ist mehr eine Frage wie viele hier wie oft aktiv sind, es hat mit der Plattform an sich nichts zu tun.
Generell gibt es eine Kultur der Inklusion und das bedeutet auch, dass es ein ungeschriebenes Gesetz ist, dass Bilder und Gifs mit Alternativtext versehen werden, damit seheingeschränkte Personen auch mitbekommen, um was es Ihnen ging, als Sie das Medium gepostet haben.
Wenn Sie über sensible Inhalte schreiben – oder auch einfach einen Spoiler zu einer aktuellen Fernsehepisode oder Film – können und sollten Sie die sogenannten Content Warnings (CW) nutzen. Das sorgt dafür, dass in der Zeitleiste zunächst nur angezeigt wird, was Sie als Warnung geschrieben haben und erst, wenn man auf den Post klickt sieht man den eigentlichen Inhalt. Es kann sein, dass Ihr Server Inhaltswarnungen für bestimmte Inhalte vorschreibt. Schauen Sie sich auf der „About“ Seite an, was für Sie gilt.
Falls Sie von einem anderen Menschen auf Mastodon beleidigt werden, dann melden Sie den verletzenden Beitrag, damit die Server-Administration sich das ansehen und geeignete Maßnahmen ergreifen kann. Wie damit umgegangen wird unterscheidet sich wieder von Server zu Server, wenn die Instanz nur von einer Person betrieben wird dauert es in der Regel länger als wenn es ein Moderatorenteam gibt. Aber im Großen und Ganzen fand ich die Reaktionszeiten und Reaktionen viel angemessener als an anderen Orten, besonders da andere Plattformen nun wieder Hassparolen, Sexismus, Rassismus, Homophobie, Transphobie und Lügen als akzeptables Verhalten betrachten.
Zum Schluß
Obwohl ich bislang nicht sehr aktiv auf dem Mastodon-Account von Registrar Trek war, plane ich das zukünftig mehr zu sein. Aber das hängt natürlich sehr davon ab, ob auch andere Leute mitmachen. Sind Sie dabei?
Angela
Mehr dazu
Fedi.Tips gibt einen guten Überblick wie das Ganze funktioniert.
Das hier sagt so ziemlich das, was ich auch gesagt habe, nur besser und mit weniger Wörtern, inklusive einiger Bereiche, zu denen ich nix gesagt habe wie z.B. private Nachrichten.
Hi und willkommen zurück bei Registrar Trek. Obwohl ich dank dem „richtigen Leben“ und meinem neuen Job hier nicht mehr so oft wie früher zugange bin ist die Gemeinschaft der Sammlungsspezialisten mir immer noch sehr wichtig.
Für Museum Study LLC habe ich im November eine Präsentation darüber gemacht, was neu in der zweiten Auflage ist. Hier ist die Aufzeichnung: https://www.youtube.com/watch?v=1s2BOt8S17M
Ich bin sehr glücklich darüber, dass ich mich momentan in Gesprächen zu einer spanischen Version befinde. Nun ist es nur noch eine Frage den richtigen Verlag zu finden, die Übersetzer stehen bereit. Übrigens habe ich mir dieses Mal die Rechte an fremdsprachigen Ausgaben gesichert, falls also jemand einen interessierten Verlag in seiner Landessprache kennt…
Sie finden ihren Artikel “Public art and artefacts – who cares: caring for art and artefacts in the public realm; ethical considerations “ auf Seite 401, aber das ganze Buch ist es wert, gelesen zu werden. Zusammenfassen wird schwierig, ich würde vermutlich nur versuchen umzuformulieren, was Christina Kreps von der University of Denver, Colorado dazu gesagt hat, von daher übersetze ich das einfach direkt:
„Ein bahnbrechendes Werk, das sich kritisch mit Sammlungsverwaltung aus anderen Perspektiven auseinandersetzt. Die Mitwirkenden nehmen das orthodoxe Verständnis von „Best Practice“ auseinander, wobei sie den Blickpunkt auf kulturell angemessenere Modelle der Bewahrung richten, und ihn hin zu einer integrierteren, ganzheitlicheren Praxis zu verschieben. Über die typische Domänen der Sammlungsverwaltung hinausgehend, erfassen die Kapitel die hervorstechendsten Themen der heutigen Museologie. Ein „muss man gelesen haben“ der Museumsanthropologie und für Studierende der Museumswissenschaften, Praktizierende und Wissenschaftler.“
Dann ist noch etwas Lustiges passiert: ich hab mich in Rom verlaufen. Okay, nein, das allein ist noch nicht lustig, das Lustige ist, dass ich den richtigen Weg zur European Registrars Conference nicht gefunden habe und während ich also völlig unnötiger Weise einen der berühmten Hügel hochgeschnauft bin auf dem diese Stadt erbaut wurde, habe ich eine andere Registrarin getroffen, die auch auf dem Weg zur Konferenz war. Während wir also herausgefunden haben, wo wir eigentlich hin müssen, stellte sich heraus, dass Sandy Esne mehr als nur Registrarin ist (gut, man könnte sagen, dass das schon mehr als genug ist, das sind ja gleich zwei Jobs auf einmal, das geht nun wirklich nicht… aber Sie wissen, was ich meine) in ihrer Freizeit schreibt sie auch noch Belletristik! Ihre Protagonistin Alex Philothea findet sich in einem ausgesprochenen Abenteuer wieder, in dem es um das Alte Ägypten, Magie, Geheimnisse, düstere Machenschaften… geht. Mehr verrate ich aber nicht. Sie finden ihre KHNM-Serie hier: https://www.amazon.de/dp/B0B5NWH5FW
Und wo wir gerade so schön bei Büchern sind… Ein Freund von mir, der nicht aus der Museumsszene kommt (ja, das gibt es!) schreibt gerade an einem lustigen und spannenden Buch mit einer Kuratorin und Sammlungsmanagerin als Heldin. Es geht auch um das Alte Ägypten und das kollektive Trauma aller Registrare, es verschwindet nämlich eine Leihgabe aus einer Ausstellung. Es wird noch alptraumhafter wenn man bedenkt, dass es sich dabei um eine über zwei Meter hohe Statue von Ramses II handelt, die eines schönen Morgens nicht mehr da ist. Statuen können nicht einfach weglaufen. Oder vielleicht doch?
Ich fungiere als Beraterin für dieses Projekt und stelle sicher, dass er nicht etwas völlig Verqueres schreibt aber dennoch genügend künstlerische Freiheit hat, damit es für die Allgemeinheit kurzweilig bleibt (lies: ich überschütte ihn mit Details und ausschweifenden Erklärungen über Leihverträge und Zustandsprotokolle und er schreibt dann „es ist geliehen“). Ich halte Sie auf dem Laufenden wenn es veröffentlicht ist.
Was ist sonst noch los? Im Februar halte ich wieder meinen Kurs zu Managing Previously Unmanaged Collections für Museum Study LLC https://www.museumstudy.com/managing-previously-unmanaged-collections und noch gibt es ein paar freie Plätze. Ich freue mich auf die Collective Imagination, die Anwender:innen-Konferenz von Gallery Systems, die dieses Mal „zu Hause“ in Berlin stattfindet und auf der ich ein paar Workshops und Vorträge machen werde https://ci.gallerysystems.com/. Und ansonsten versuche ich nicht zu pessimistisch in die Zukunft zu schauen, was bei der momentanen Weltlage immer schwieriger wird. Aber ich versuche mich einfach auf die guten Dinge im Leben zu konzentrieren, und unser Fachgebiet und speziell das Gemeinschaftsgefühl, das ich immer wieder habe, wenn ich jemandem von Ihnen begegne gehören da definitiv dazu.
Ah, Herbst. Die Blätter fallen, die Tage werden kürzer, kleine Kinder überfallen einen an der Tür und betreiben Schutzsüßigkeitenerpressung, so wie es die Tradition verlangt. Und, ja, genau, Scharen von Registraren, Sammlungsverwaltern und Dokumentaren reisen um die ganze Welt, um ihre geheimen – oder nicht ganz so geheimen – Versammlungen abzuhalten. Die Saison hat begonnen!
Ich bin gerade zurück aus St. Pölten, Wien und Berlin und als nächstes geht es nach Zürich und Rom. Ich freue mich darauf, auf der European Registrars Conference bekannte Gesichter zu treffen und neue Kolleg*innen kennen zu lernen. Falls Sie auch da sind, sagen Sie doch einfach mal „hallo“, ich freue mich darauf mit Ihnen zu quatschen.
Falls Sie neugierig sind, ich rede ein bißchen darüber, und zwar für Museum Studies LLC am Dienstag den 19. November um 21 Uhr darüber (wenn Sie in Mitteleuropa sind. In Großbritannien ist es 20 Uhr, 15 Uhr U.S. Ostküste, 14 Uhr U.S. Central, 13 Uhr U.S. Mountain, 12 Uhr U.S. Pacific, 11 Uhr Alaska, 10 Uhr Hawaii, in Neuseeland ist es 9 Uhr morgens in Australien 7 Uhr morgens und bereits Mittwoch).
Dass ein Käfer kein Haushaltsgegenstand ist, kling zunächst trivial, ist es aber nicht. Geht eine Kaffeetasse bei einem Umzug zu Bruch, kauft man eben eine neue. Ärgerlich wird es, wenn das Service zu dem die Kaffeetasse gehörte nicht mehr hergestellt wird. Ein nicht ersetzbarer Verlust ist es, wenn diese spezielle Kaffeetasse mit einer besonderen Erinnerung verbunden war, etwa, weil sie der Urgroßmutter gehörte oder weil das Kind sie selbst getöpfert hatte.
Der Fall liegt bei Museumssammlungen ähnlich, nur geht es nicht um den Erinnerungswert für eine Person oder eine Familie, sondern um die Geschichte der Menschheit. Entsprechend schwer wiegt der Verlust eines Objektes hier.
Bei naturkundlichen Sammlungen kommt nun ein weiterer Aspekt hinzu: hier bedeutet der Verlust eines Sammlungsstückes gleichzeitig den unwiederbringlichen Verlust von Informationen, die für die aktuelle und zukünftige Forschung wichtig sind. Zwar ist das grundsätzlich auch bei kunst- und kulturgeschichtlichen Sammlungen der Fall, hier können aber die Auswirkungen des Verlustes zumindest teilweise durch gute Dokumentation und Digitalisierung gemildert werden. Unser Käfer ist jedoch selbst der Wissensspeicher für Informationen, die nur durch ihn zu bekommen sind. Nur dieses Exemplar ist zu exakt dieser Zeit an exakt diesem Ort gesammelt worden und birgt all die Informationen über seine damalige Umwelt in sich. Keine Form von Dokumentation und Digitalisierung kann alle Fragen erfassen, die zukünftige Generationen von Forschern an ihn haben werden. Ein Erhalt dieser Information ist nur über den Erhalt des Käfers selbst möglich.
Käfer in einer Museumssammlung. Bild von Markéta Klimešová auf Pixabay
Nicht alle Käfer gehören in die Sammlung
Da der Erhalt der Sammlungsstücke von so großer Bedeutung ist haben Generationen von Forschern versucht, Schaden von ihren Objekten fernzuhalten. Naturkundliche Sammlungen sind für Schädlinge äußerst attraktiv und dementsprechend wurde alles, was die chemische Forschung und Industrie in den vergangenen Jahrhunderten an Bioziden entwickelt hat hier eingesetzt. DDT in Käfersammlungen, Arsen in Taxidermien, Quecksilber in Herbarien, vom Nervengift bis zur Phosphorsäure ist alles dabei, was die Gesundheit nachhaltig schädigen oder gar tödlich sein kann.
Für den Umzugsfall bedeutet dies, dass Sie gleich zwei Dinge mit bedenken müssen, die bei einem konventionellen Haushalts- oder Büroumzug gar keine Rolle spielen:
Sie müssen verhindern, dass Schädlinge die günstige Gelegenheit nutzen, um während eines Transportvorgangs in Ihre Sammlung zu gelangen. Das bedeutet, dass die Umzugsgebinde entsprechend verpackt sind und die Transportwege so mit Schleusen und Quarantänestationen ausgelegt sind, dass ein Befall ausgeschlossen werden kann.
In Ihren Arbeitsabläufen müssen Sie davon ausgehen, dass Sie mit hoch schadstoffbelasteten Gütern arbeiten. Biozideinsatz in Sammlungen wurde in der Vergangenheit meist nicht oder nur unzureichend dokumentiert. Gewissheit darüber, mit welchem Giftstoff in welcher Menge Sie es zu tun haben ist nur durch Messungen im Vorfeld zu ermitteln. Daraus ergeben sich dann Anforderungen für Schutzausrüstungen, Transport und Lagerung.
Davon abgesehen gibt es eine weitere Gefahrenquelle: die Objekte selbst. Manche von ihnen sind selbst giftig oder radioaktiv und müssen dementsprechend anders behandelt, transportiert und gelagert werden als eine Kaffeetasse.
Käfer auf Reisen – keine Pauschaltouristen
Transporte gehen dann schnell und unproblematisch, wenn Dinge standardisiert werden können. Vom Privatumzug kennen Sie das: Es gibt standardisierte Umzugskartons, die dann perfekt in den Umzugswagen passen. Sie müssen lediglich darauf achten, dass Sie diese Kartons gut packen und nicht überlasten.
In naturkundlichen Sammlungen gibt es auch viele Dinge, die sich für den Transport standardisieren lassen. Käfer werden z.B. meist mit vielen Artgenossen zusammen in einer Schublade gelagert und diese Schublade kann dann mit anderen Schubladen zusammen verpackt und transportiert werden. Viele andere Sammlungsgegenstände tun den Sammlungsverantwortlichen diesen Gefallen aber nicht.
Viele Objekte in naturkundlichen Sammlungen sind sogenannte Feuchtpräparate, die in mit Alkohol oder Formalin gefüllten Gläsern aufbewahrt werden. Diese Sammlungsobjekte sind nicht nur zerbrechlich, sie sind auch noch vibrationsempfindlich, der Inhalt feuergefährlich und gesundheitsschädlich. Darüber hinaus darf ihre Transportroute nicht durch ein Wasserschutzgebiet führen.
Dies ist nur ein Beispiel für die vielen Sonderfälle die beim Umzug einer naturkundlichen Sammlung auftreten und vom Standard abweichen. Manches ist so schwer, dass Sie eine Schwerlastfirma beauftragen müssen. Anderes ist so fragil, dass dafür erst spezielle Transportverpackungen gebaut werden müssen. Vieles ist sowohl schwer als auch zerbrechlich. Manche Präparate müssen dauerhaft gekühlt werden, um erhalten zu bleiben. Hier darf beim Transport die Kühlkette nicht unterbrochen werden. Eine präparierte Giraffe oder ein Walskelett kann so komplexe Herausforderungen an den Transport stellen, dass mehrere Experten mehrere Tage mit der reinen Planung der besten Transportmethode beschäftigt sind.
Käfer einlagern – kein Fall fürs Möbelhaus
Wenn Sie bis hierher gelesen haben, haben Sie es vermutlich schon erraten: Der Lagerort für eine naturkundliche Sammlung muss eine ganze Menge leisten. Er muss Schädlinge abhalten, ein stabiles Raumklima bieten, ausreichend Luftzirkulation haben und mit Möbeln ausgestattet sein, in denen die Objekte über Jahrzehnte so gelagert werden können, dass sie keinen Schaden nehmen und trotzdem leicht für die Forschung zugänglich sind.
Unterschiedliche naturkundliche Sammlungsarten können dabei sehr unterschiedliche Anforderungen haben. Hohe Luftfeuchtigkeit ist meistens das größte Problem, da sie Schimmel begünstigt und Schädlinge anzieht. Doch auch Trockenheit kann Schäden verursachen. Temperaturschwankungen lassen Felle an präparierten Tieren reißen und Fossilien auseinanderbrechen. Eine nicht ausreichende Belüftung lässt die Schadstoffkonzentration im Raum steigen und die Schimmelgefahr wächst. Gute Museumsdepots bieten für jede Art von Sammlung das jeweils passende Raumklima. Sie sind so konstruiert, dass selbst im Notfall, bei Ausfall sämtlicher Technik, mit konventionellen Mitteln schnell wieder gute Lagerungsbedingungen hergestellt werden können, bevor es zu Schäden an den oder gar Totalverlust von Sammlungsobjekten kommt.
Zur sicheren Lagerung gehört auch die Zugänglichkeit. Objekte müssen so entnommen werden können, dass sie und die mit ihnen zusammen gelagerten Objekte keinen Schaden nehmen. Unser Käfer ist dabei in seiner Schublade schon sehr platzsparend aufbewahrt. Andere Objekte brauchen mehr Platz, Sie müssen z.B. ein Feuchtpräparat mit seinem Glas so aus dem Regal nehmen können, dass die benachbarten Gläser dabei nicht bewegt werden müssen. Diese Bewegungsfreiheit kostet Lagerplatz, ist aber unabdingbar für die sichere Lagerung.
Für all diese Probleme gibt es gute Lösungen, die aber nicht im nächsten Baumarkt erhältlich sind. Es gibt Experten und Firmen, die sich auf dieses Fachgebiet spezialisiert haben.
Was am endgültigen Lagerort geplant ist, hat Auswirkungen auf den Umzug selbst: wenn sich unser Käfer zum Beispiel im Moment in einer Schublade befindet, die durch Biozide verseucht ist oder schlicht nicht ins Raster der neuen Sammlungsmöblierung passt, dann müssen er und seine Artgenossen vor dem Umzug in eine neue Schublade umziehen. Es kommt also durchaus vor, dass ein großer Umzug im Vorfeld mehrere kleinere Umzüge bedingt.
Fragen an den Käfer zu jeder Zeit
Kunst- und Kulturgeschichtliche Sammlungen schränken oft einen Großteil ihrer Sammlungs-, Ausstellungs- und Forschungstätigkeit während der Zeit eines Sammlungsumzugs ein. Eine naturkundliche Sammlung, die Teil eines internationalen Forschungsnetzwerks ist, wird sich diesen relativen Luxus in den meisten Fällen nicht leisten können.
Das bedeutet aber auch, dass ein Sammlungsumzug hier ganz anders angegangen werden muss. Es können nicht einfach ganze Sammlungsteile verpackt und bis zum eigentlichen Umzug kompakt und weitestgehend unzugänglich eingelagert werden. Zu jeder Zeit muss ein Zugriff auf einzelne Objekte und Sammlungsteile möglich sein.
Generell gibt es zwei Möglichkeiten mit dieser Anforderung umzugehen: Entweder wird die Zeit in der eigentlichen Umzugseinheit so kurz wie möglich gehalten, das heißt Transportvorbereitung, Verpacken, Transport, Entpacken und neu einlagern geschieht innerhalb weniger Tage. Oder die Umzugseinheiten werden so gewählt, dass auch während der Phase der Einlagerung ein Zugriff jederzeit gefahrlos möglich ist. Beide Möglichkeiten haben Vor- und Nachteile, bedeuten aber beide, dass an Start- und Zielort mehr Platz benötigt wird und ein Mehraufwand an Zeit und Personal im Vergleich zu anderen Sammlungstypen besteht.
Schlussbemerkung: Im Zweifel für den Käfer
Mit dem Erfahrungshorizont der eigenen Haushaltsumzüge erscheint der Zeit-, Kosten- und Personalaufwand für den Umzug von Museumssammlungen immer relativ hoch. Dieser Eindruck relativiert sich schnell, wenn man die Hintergründe kennt.
Dabei ist keine Art von Museumssammlung per se „einfacher“ oder „schwieriger“ umzuziehen als eine andere. Jede Art hat ihre eigenen Herausforderungen. Naturkundliche Sammlungen gehören dabei aber sicherlich zu den komplexesten mit denen man es zu tun haben kann. Und sie haben mit einem Manko zu kämpfen: während jeder einsieht, dass man die Mona Lisa nicht einfach auf die Ladefläche eines alten Lastwagens wirft, ist ein Käfer augenscheinlich „nur“ ein Käfer. Dass er ein Wissensspeicher ist, dessen unentdeckte und undokumentierte Informationen unter Umständen bedeutsamer sind als das umfassend untersuchte und dokumentierte Kunstwerk von Leonardo da Vinci sieht man ihm nicht an.
Zur eigentlichen Komplexität des Umzugs und der schieren Masse an Exemplaren, die von A nach B transportiert werden müssen, kommt also noch eine weitere Herausforderung: Der Öffentlichkeit klarzumachen, warum ein Käfer keine Kaffeetasse ist.
Vielleicht trägt dieser Artikel ja ein wenig dazu bei.
Die Neuauflage von “Managing Previously Unmanaged Collections” ist gerade in der Mache, aber noch nicht fertig. Tatsächlich poste ich hier während ich noch fieberhaft meine vielen Randbemerkungen durchfilze und wie verrückt all die Dinge eintippe, die ich beim letzten Mal vergessen oder übersehen habe.
Zeit, das Gespräch zu eröffnen, Ihnen zu zeigen wie weit ich bisher gekommen bin und meine Notizen mit Ihnen, den Leser:innen der ersten Auflage, meinen Kursteilnehmenden, oder ganz allgemein am Thema Interessierten abzugleichen.
Zeit in die Tasten zu hauen – oder das Mikrophon zu ergreifen.
Nehmen Sie kostenlos am Gespräch teil!
Museum Study veranstaltet kostenlos diesen „Unmanaged Collections Talk“ (in englischer Sprache) am Dienstag, 19. Dezember um 21 Uhr Mitteleuropäische Zeit, 20 Uhr in Großbritannien, 15 Uhr Eastern North America, 14 Uhr Central America, 13 Uhr Mountain, 12 Uhr Pacific, 11 Uhr Alaska, 10 Uhr Hawaii, Mittwoch 20. Dezember 9 Uhr in Neuseeland, 7 Uhr in Australien.
EODEM 1.0, das Exhibition Object Data Exchange Model (Ausstellungsdatenaustauschmodell – und habe ich erwähnt, wie sehr ich es liebe, dass man das auf deutsch zu einem Wort machen kann?), wurde am ersten September veröffentlicht. Aber warum sollten Sie als Registrar*in sich von diesen fünf Buchstaben begeistern lassen? Ist es nicht einfach noch ein Standard in einer Museumswelt, der es wahrlich nicht an Standards mangelt – aber an Menschen, Geld, Zeit und, leider all zu oft, der Unterstützung auf institutioneller Ebene sie in die Praxis umzusetzen?
Nun, zunächst einmal ist es kein Standard. Es ist ein Austauschmodell. Richtig gehört, es ist nicht etwas, das Sie dazu zwingen wird, Ihre Daten umzuorganisieren – obwohl das, ehrlich gesagt, nie ein Fehler ist, wenn man schon mal dabei ist und EODEM wurde auch als Profil des LIDO-Standards definiert. Nein, EODEM ist etwas, das es Ihnen ermöglichen wird, die Angaben, die Sie bereits über Ihre Objekte in der Datenbank haben mit anderen Kolleg*innen auszutauschen. Also etwas, das Sie höchstwahrscheinlich jetzt schon tun, wenn Sie am Leihverkehr teilnehmen und mit anderen Institutionen für Ausstellungsprojekte zusammenarbeiten.
Diese nervige Tipparbeit die Daten einer anderen Institution aus einem Formular oder einer Email in Ihre Datenbank zu übertragen könnte mit EODEM der Vergangenheit angehören! Wenn es in Ihrem System implementiert ist, können Sie einfach die EODEM-Datei, die Ihrer Kolleg*innen Ihnen geschickt haben importieren und die Informationen werden genau in den Feldern Ihrer Datenbank erscheinen, in denen Sie sie benötigen. Es ist nicht wichtig, mit welchem Datenbanksystem die Kolleg*innen in der anderen Institution arbeiten. Wenn dieses System EODEM-Datensätze aus den dortigen Dateien erzeugen kann, dann können Sie die Daten bei sich importieren, egal welches System Sie benutzen!
EODEM logo
Es gibt ein großes Aber: Nur, weil EODEM da ist, heißt das noch lange nicht, dass es auch in Ihrer Datenbank ist. Die gute Nachricht: EODEM wurde zusammen mit Datenbankanbietern entwickelt, so dass es von Anfang an so aufgebaut wurde, dass es einfach in die meisten Sammlungsverwaltungssysteme zu implementieren sein sollte. Die schlechte Nachricht? Anbieter für Sammlungsverwaltungssysteme sind keine großen Softwarefirmen, die Museumswelt ist ja auch keine besonders große Industrie. Also sitzt da keine Armada von Software-Entwickler*innen, die nichts anderes zu tun haben, als darauf zu warten, dass EODEM endlich fertig ist und sie es implementieren können. Statt dessen steht es auf einer langen Liste mit den vielen anderen Dingen, die eingebaut, entwickelt, und/oder in Ordnung gebracht werden müssen.
Und raten Sie mal? Genau. Hier kommen Sie ins Spiel.
Je mehr Nutzer*innen eines bestimmten Sammlungsverwaltungssystems ihren Anbieter fragen, wann EODEM für sie verfügbar sein wird, desto wahrscheinlicher bekommt es eine Topplatzierung auf der Liste der Entwickler*innen. Also ist das, was Sie, ja, genau, Sie, der/die einzige Registrar*in in ihrem Museum, der/die überarbeitete Überarbeiter*in von Daten, die Person, die ohnehin schon viel zu viel gleichzeitig zu tun hat, selbst tun kann, um in Zukunft Ausstellungsdaten mit einem Klick auf einen Knopf zu exportieren und zu importieren, ist einfach, Ihren Anbieter zu fragen, wann denn diese Möglichkeit in Ihrer Datenbank zur Verfügung stehen wird.
Jemandem auf die Nerven fallen bis die andere Seite es tut, weil es einfacher ist, als immer wieder „nein“ oder „mal schauen“ zu sagen kommt Ihnen bekannt vor? Ha! Hab ich es mir doch gedacht! Das ist eigentlich die Stellenbeschreibung eines/einer Registrar*in. Was im Umkehrschluss bedeutet, dass Sie EODEM bekommen werden, wenn Sie sich dahinter klemmen.
Aberdeen South Breakwater Head Lighthouse (erbaut 1815), Bild von Jamie McLennan über Pixabay
Ein kurzes Update: Die Arbeit an der nächsten Ausgabe von “Managing Previously Unmanaged Collections” hat begonnen. Zunächst mit einer Durchsicht, bei der ich veraltete, schlecht formulierte (so habe ich zum Beispiel oft „he or she“ geschrieben, das wird jetzt zu „they“) oder unklare Stellen notiere. Falls Ihnen so etwas aufgefallen ist, lassen Sie es mich wissen, vier Augen sehen mehr als zwei.
Ich konnte ein paar Kolleg*innen gewinnen, die Geschichten aus dem wahren (Sammlungs-)Leben beitragen möchten, aber mir fehlen immer noch Beispiele von indigenen Sammlungsgütern (die vorzugsweise von Menschen verwaltet werden, die selbst einen Bezug zu den betroffenen Nationen haben, obwohl das kein Muss ist) und digitalen Sammlungen.
Falls Sie jemanden kennen, die jemanden kennt, der jemanden kennt… bitte weitersagen!
Und nun zu etwas ganz anderem: Ich komme Anfang September nach Aberdeen, meine eigene Variante von arbeiten und reisen – ich schule einen unserer Kunden und nutze gleich die Gelegenheit zum Sehenswürdigkeiten gucken und wandern. Das freut mich deshalb so besonders, weil die Stadt und Aberdeenshire immer noch auf meiner inneren Landkarte fehlen. Falls Sie in der Nähe wohnen und Lust auf einen Kaffe oder Tee und Fachsimpeln haben, geben Sie mir bescheid.
Bleiben Sie bitte gesund, gewässert und glücklich!
Als ehemalige Depotleiterin hätte es mich eigentlich nicht überraschen sollen, dass ein Blog wenn man es über fast 4 Jahre unbetreut lässt Staub ansetzt. Also, nicht richtigen Staub, eher… virtuellen Staub?
Google hat seinen RSS-Abonnement-Service eingestellt und so brauchte es eine Weile, bis ich entdeckte, dass die neuen Beiträge gar nicht mehr ausgeliefert werden. Also haben Sie möglicherweise verpasst, dass ich nachgefragt habe, was Ihnen in Managing Previously Unmanaged Collections gefehlt hat und was in einer Neuauflage unbedingt enthalten sein sollte.
Nach einigem hin und her habe ich mit follow.it eine Alternative zu Feedburner gefunden. Wenn Sie die Updates jetzt also von einem anderen Service erhalten – daran liegt es. Ich hoffe, das funktioniert, falls nicht, lassen Sie es mich bitte wissen.
Das nächste Dings, das auf meiner Zu-Erledigen-Liste stand, und das schon seit Jahren, war ein Layout zu finden, das auch auf Smartphones einigermaßen gut funktioniert. Dabei habe ich leider die lokalisierte Kopfzeile verloren und auch etwas von dem Charme der Anfangsjahre, aber ich hoffe, dass die Seite jetzt unabhängig vom Endgerät gut funktioniert. Feedback ist auch hier erwünscht!
Schließlich und endlich werde ich wohl nicht mehr so aktiv sein wie vor ein paar Jahren, dazu haben sich zu viele Dinge verändert, aber das Blog ist immer noch hier, also wenn Sie etwas interessantes aus unserem Berufsbereich zu berichten haben, immer her damit!
Bleiben Sie gesund!
Angela
Das Projekt: Die Mauern der Sprache durchbrechen und Registrare weltweit verbinden.