Zurück nach vorn!

Meowing Cat
In vielerlei Hinsicht war es ein heißer Sommer. Die Temperaturen in Deutschland waren geradezu lächerlich hoch und während einige Orte eine außergewöhnliche Dürre und Waldbrände erlebten, bekamen es andere mit Starkregen und heftigen Gewittern zu tun. Das ist fast schon eine Metapher für mein Arbeitsleben. Es gab die üblichen Hochs und Tiefs der Sammlungsarbeit, verschärft durch die Wetterbedingungen. Dann ist da ein Nebenjob, der mit arbeitsrechtlichen Fragen und Konfliktlösung zu tun hat. Dieser forderte mehr Zeit und meine Fähigkeit zu schreiben ein als das üblicherweise der Fall ist. Um es kurz zu machen, ich erinnerte mich daran, das zu tun, was ich anderen gerne predige: dass gute Sammlungspflege immer damit beginnt, gut auf sich selbst aufzupassen.

Registrar Trek war eines der Dinge, die hintanstehen mussten. Ich verzichtete auf dieses sehr arbeitsnahe Blog und generell sehr weitgehend auf den Umgang mit Sozialen Medien und konzentrierte mich darauf, meine Fähigkeiten im Löten zu verbessern (die immer noch die Mikrocontrollerbastelei etwas einschränken), mit dem 3D-Drucker herum zu spielen und erste kleine Schritte in der Holzbearbeitung zu machen (Wenn Sie Englisch sprechen und daran interessiert sind, wie man Dinge repariert und etwas sicherer im Umgang mit Werkzeug wird, schauen Sie sich unbedingt einmal die hervorragenden Videos von Leah Bolden auf See Jane Drill an).

Mit dem heraufziehenden Herbst sehen die Dinge ein bißchen weniger turbulent aus und ich hoffe, dieses Blog wieder mit interessanten Dingen zu füllen. Natürlich ist das mit Ihrer Hilfe viel leichter, also schicken Sie Ihre BIlder, Geschichten und Artikel an story@museumsprojekte.de

Best wishes
Angela

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Jetzt trink mer noch a Flascherl… Whiskey – Wie würden Sie entscheiden?

Neulich erhielten wir einen Eisenbahnwagen. Er entstammt der Sammelreihe „Jim Beam Wheel Series, Beam Trains, Caboose – Red #91197“


Wie Sie wahrscheinlich schon vermutet haben, ist der Wagen nicht gerade „unschuldig“. Er enthält eine Whiskeyflasche aus Porzellan (mit Whiskey, der 150 Monate gereift war, als er abgefüllt wurde).


Und natürlich ist ein Teil des Whiskeys noch drin.


Und es gibt noch einen anderen Wagen, der auch noch Whiskey enthält – und hier ist das Steuersiegel noch intakt.


Sie sind dran: Was würden Sie tun?

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Wenn Sie die Flaschen entleeren würden, würden Sie...

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Objekte sind keine Ostereier und Museumsangestellte sind keine Osterhasen

Da ich in Mitteleuropa aufgewachsen bin, gehört zu meinen frühesten Ostererinnerungen das Suchen nach Ostereiern im Garten. Viele Jahre später ist eine immer wiederkehrende Aufgabe in meinem Job die Suche nach Dingen, die nicht dort sind, wo sie laut Datenbank sein sollten. Zum diesjährigen Osterfest dachte ich mir, dass ich mal etwas zu den Unterschieden schreibe:

Nach Objekten suchen ist kein Spaß

pic by OpenClipart-Vectors via pixabay (CC0)Während ein Kind, das nach Ostereiern sucht, von Freude erfüllt ist, ist beim Sammlungsverwalter bei der Objektsuche das Gegenteil der Fall. Man sucht nach einem Objekt, weil es aufgrund einer Forschungsanfrage, Ausleihe oder Ausstellung – oft dringend – gebraucht wird. Es herrscht Zeitdruck und wenn es nicht gefunden werden kann, hat das Konsequenzen. Es kann sehr viel Arbeit für andere Leute bedeuten, z.B. für AusstellungsmacherInnen, die sich ein Alternativobjekt überlegen müssen, das die gleiche Aussage transportiert. Es kann bedeuten, dass ganze Teile von Ausstellungen umorganisiert werden müssen, weil sie genau um dieses eine Objekt gestaltet waren. Es kann auch bedeuten, dass Forscher eine bestimmte Fragestellung, an der sie arbeiten, nicht beantworten können.

Objekte werden nicht absichtlich versteckt

Im Gegensatz zu Ostereiern versteckt niemand absichtlich Objekte. Während ein kleiner Teil tatsächlich gestohlen wird, gehen die meisten deshalb verloren, weil Leute es versäumen, den Datenbankeintrag zu aktualisieren oder die Standortänderung weiter zu geben (darauf haben wir in „Fehlschläge in Zahlen“ bereits einen Blick geworfen). Die Gründe sind vielfältig: Gedankenlosigkeit, Faulheit, Arroganz („Das ist nicht mein Job.“), Selbstvertrauen in die eigene Fähigkeit, sich alles merken zu können, der Glaube, dass man etwas nur kurz herausnimmt und gleich wieder zurück stellt. Keine Eigenschaften des Osterhasen, aber von vielen Museumsangestellten.
Neulich habe ich einen weiteren Grund entdeckt, warum Standorteinträge nicht aktualisiert werden: Magisches Denken. Der Glaube, dass, nur weil es WLAN im Depot gibt und jedes Objekt einen Barcode trägt eine sagenhafte Supermacht genau weiß, wo jedes Objekt ist. Entschuldigung Leute, so funktioniert das nicht!

An allen richtigen Orten suchen

Während Ostereier oft unsystematisch gesucht werden oder man einfach an einem Punkt X im Garten anfängt und an Punkt Y endet, erfordert die Suche nach Objekten einen anderen Ansatz. Wenn Ihr Depot 3000 Quadratmeter und noch viel mehr Regalfläche hat, kann man einfach nicht alles durchsuchen. Und man kann auch nicht einfach so ins Depot gehen und mal nach dem Objekt schauen. Statt dessen ist der erste Schritt nur eine Gedankenübung. Sie denken darüber nach, was am wahrscheinlichsten mit dem Objekt passiert ist.

pic by haru9999 via pixabay (CC0)

„Ich bin mir ziemlich sicher, dass da noch eines mehr war, oder?“

Der Ausgangspunkt ist der letzte Eintrag im Standortfeld. Wann war es dort und können Sie sich vorstellen, dass es in der Zwischenzeit irgendwo sonst gebraucht wurde? Eine gute Datenbank hat nicht nur ein Standortfeld, sondern auch ein Feld für das Datum der Standortänderung und eine Auflistung der bisherigen Standorte. Sie hat natürlich auch Einträge für das, was wann mit dem Objekt passiert ist: war es verliehen, musste es restauriert werden, wurde es fotografiert, wurde es zitiert… Alle diese Einträge liefern Ideen, wo man mit der Suche ansetzen könnte. Manchmal wurde das Foto nach der letzten Standortänderung gemacht – das Objekt könnte sich noch beim Fotografen befinden. Manchmal war das Objekt nach der letzten Standortänderung noch ausgestellt – möglicherweise ist es noch bei den Kisten, die beim Abbau dieser Ausstellung gepackt wurden. Andere Objekte, die auch in Vitrine X ausgestellt waren, befinden sich nun am Standort Y – möglicherweise ist das Objekt auch am Standort Y.
Nun können Sie sich eine Liste schreiben mit Leuten, die Sie anrufen sollten und Orten, an denen Sie nachsehen sollten.

Ein angemessener Einsatz der Energie

Als Kind ist es am Ostermorgen großartig, voller Energie durch den Garten zu rennen und nach den Ostereiern zu suchen. Als Museumsangestellte mit einem vollen Zeitplan und jeder Menge Aufgaben muss man sehr viel bewusster darüber nachdenken, wie man die Suche angeht. Man muss die Zeit, die man in die Suche investiert abwägen gegen die Wahrscheinlichkeit, ein Objekt zu finden.
Wenn das Objekt mit ein paar Telefonanrufen aufgetrieben werden kann, ist alles gut. Wenn das Objekt nächste Woche gebraucht wird und der letzte Standorteintrag bezieht sich auf einen Ort, der nicht mehr existiert (zum Beispiel, weil die Regale abgebaut wurden oder man aus diesem Depot schon vor 10 Jahren ausgezogen ist), ist es wahrscheinlich besser, den Wissenschaftler oder Ausstellungsmacher gleich zu informieren und sie oder ihn zu bitten, sich wenn möglich um eine Alternative zu bemühen. Wenn eine hohe Wahrscheinlichkeit besteht, dass das Objekt sich in einem Stapel Kisten befindet, die Objekte ohne korrekten Standorteintrag enthalten, ist es wahrscheinlich am besten, sich durch diesen Stapel zu arbeiten und gleich alle Standorteinträge in Ordnung zu bringen – Sie sparen sich eine Menge Zeit bei zukünftigen Anfragen.

Stellen Sie sicher, dass Sie wissen, dass Sie es nicht wisssen

Erinnern Sie sich, wie Sie als Kind einen Platz zweimal abgesucht haben, weil Sie nicht mehr wussten, ob Sie unter diesem Baum schon geschaut hatten? Sie sollten sicherstellen, dass das nicht passiert, wenn Sie nach einem Objekt suchen. Das wichtigste ist, dass sie das Objekt gleich mit einem „Standort unbekannt“ versehen, sobald Sie merken, dass es nicht dort ist, wo es sein sollte. So weiß jeder gleich, dass das Objekt im Moment nicht zugänglich ist und kann über Alternativen nachdenken. Es hilft auch, die „Standort unbekannt“-Einträge im Blick zu haben: Wenn ihre Zahl abnimmt, leisten Sie wahrscheinlich gute Arbeit als Sammlungsmanager. Wenn ihre Zahl zunimmt, gibt es wahrscheinlich Probleme in der Sammlungsverwaltung und in der Logistikkette und Sie möchten vielleicht mal genauer hinschauen, wo der Hase im Pfeffer liegt.
Dass Sie auf ihrer Liste die Dinge, die Sie schon versucht haben, um das Objekt zu finden, abhaken sollten, muss wohl nicht extra erwähnt werden.

Ich hoffe, dass das einzige, was Sie gerade suchen, wirklich Ostereier sind.

Frohe Ostern zusammen!

Angela

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Dokumentation der Sammlung – Überblick

Was macht Ihre Sammlung so besonders?

Die Dokumentation der Sammlung ist neu für uns alle. Darum fangen wir ganz einfach an:

Überblick über die Sammlung

  1. Elevator Pitch: Stellen Sie sich vor, eine berühmte Persönlichkeit besucht ihre Sammlung und sie haben 30 Sekunden Zeit, ihr das wichtigste darüber mitzuteilen.
    Beschreiben Sie Ihre Sammlung in drei Sätzen. (Normale Sätze, keine wissenschaftliche-Abhandlung-fünf-Komma-Sätze). Inhalt der Sammlung, Größe, Bedeutung.

    Auf dem Gang zum Depot kommen noch ein paar höfliche Fragen. Nun haben Sie ein bißchen mehr Zeit. Bleiben Sie aber bei einem Überblick und gehen Sie nicht in die Details unterschiedlicher Sammlungskonzepte oder die Biografie des Stifters.

  2. Einordnung der Sammlung: Ist die Sammlung Teil einer größeren Museumsammlung? Wie ist sie in der Datenbank von anderen Sammlungsbereichen zu unterscheiden (z.B. Inventarnummer, Klassifizierung, …)?
  3. Bedeutung der Sammlung: Wie bedeutend ist die Sammlung im Verhältnis zu anderen Sammlungen des Museums? Gibt es ähnliche Sammlungen in anderen Museen? Wie bedeutend ist ihre Sammlung im Verhältnis zu diesen Sammlungen? Was unterscheidet diese Sammlungen voneinander?

Maria Scherrers

Maria Scherrers ist Museumswissenschaftlerin mit Abschlüssen der HTW Berlin und der University of Leicester. Sie hat fast ihr gesamtes bisheriges Arbeitsleben in Firmenmuseen und -Sammlungen gearbeitet. Es fasziniert sie, wie sehr Unternehmen mit ihren Marken unseren Alltag und damit unsere Kulturgeschichte verändern. Inzwischen berät Sie Unternehmen dabei, ihre historischen Produktsammlungen aufzubauen und nutzen.
In ihrer Freizeit verbringt Maria Scherrers viel Zeit mit ihrer Familie und engagiert sich politisch.
www.historicalassetmanagement.de

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Was nicht auf den Karteikarten steht – Die Dokumentation der Dokumentation

Dokumentieren was man wie und warum getan hat hilft dem zukünftigen Ich.

Sammlungsarbeit ist mehr als Standort- und Objektinformationen in einer Datenbank. Manchmal realisieren wir gar nicht, was noch alles dazu gehört. Doch dann geht ein wichtiger Kollege und wir sitzen da und müssen uns die einfachsten Antworten aus verschiedenen Quellen zusammenpuzzeln, weil wir ihn nicht mehr einfach fragen können.

Wie oft habe ich mir gewünscht vor 20/50/80 Jahren hätte einer meiner Vorgänger aufgeschrieben, was er macht, warum er es gemacht hat und wie er es gemacht hat. Wäre es nicht toll, wenn wir wüssten was die sprechende Inventarnummer eigentlich sagen will, wer diesen Teil der Sammlung so extrem gründlich und detailliert auf Karteikarten dokumentiert hat oder wann und wo dieser Teil der Sammlung im Laufe der Jahre gelagert war?

Wäre es nicht auch schön, wenn wir neuen Mitarbeitern ein Heftchen mit allen wichtigen Informationen in die Hand drücken könnten, damit sie nicht immer wieder diesselben Fragen stellen müssten?

In den nächsten Wochen möchte ich Fragen veröffentlichen, die jeder Sammlungsmanager oder Registrar sich selbst stellen sollte. Denken Sie an all die Leute, die nach Ihnen in dieser Sammlung arbeiten werden. Sie werden es Ihnen danken!

Folgende Themenblöcke werden in diesem Fragebogen behandelt werden:

  1. Sammlungsüberblick
  2. Geschichte der Sammlung
  3. Sammlung und Sammlungskriterien
  4. Dokumentation und Schreibanweisungen
  5. Digitalisierung und Objektfotografie
  6. Verwendung der Sammlung
  7. Lagerung und Konservierung
  8. Pläne und Entwicklungsmöglichkeiten

Viel Spaß damit!

Maria Scherrers

Maria Scherrers ist Museumswissenschaftlerin mit Abschlüssen der HTW Berlin und der University of Leicester. Sie hat fast ihr gesamtes bisheriges Arbeitsleben in Firmenmuseen und -Sammlungen gearbeitet. Es fasziniert sie, wie sehr Unternehmen mit ihren Marken unseren Alltag und damit unsere Kulturgeschichte verändern. Inzwischen berät Sie Unternehmen dabei, ihre historischen Produktsammlungen aufzubauen und nutzen.
In ihrer Freizeit verbringt Maria Scherrers viel Zeit mit ihrer Familie und engagiert sich politisch.
www.historicalassetmanagement.de

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Tell Me More, Database – Das „Fundstück“ Lied

Neulich erinnerte mich die Mail einer Kollegin an einen Vorfall, der dazu führte, dass ich den alten Lagerfeuer-Klassiker „Country Roads“ von John Denver umgedichtet habe, nachdem wir das Problem gelöst hatten:

Es war ein dunkler Freitag im Februar als ich mit einer meiner Hilfskräfte Emailschilder überprüfte und umlagerte. Wir stießen auf zwei Straßenschilder, die sich ziemlich ähnlich sahen und auf der Rückseite stand auch die gleiche Inventarnummer. Natürlich war kein Foto in der Datenbank. Wir riefen unsere Datenbankmanagerin um Hilfe an. Nach einer Weile fand sie ein verwaistes Foto in den Exponatakten, das zeigte, dass der Pfeil auf dem einen Schild nach links zeigte, während es ein Schild mit einer anderen Inventarnummer gab, auf dem der Pfeil nach rechts zeigte. Dieser Datensatz hatte vor langer Zeit den Eintrag „Standort unbekannt“ erhalten. Endlich konnten wir die richtigen Nummern anbringen.

Also, für all die verlorenen und wiedergefundenen Objekte in unseren Sammlungen, bitte alle mitsingen (singt sich besser auf Englisch)… und eins, und zwei, und….


Almost Weekend, in the storage
Found a sign there, right next to another.
Both look similar, similar like twins,
And they both have same accession number.

(Beinahe Wochenende, in dem Depot,
Taucht ein Schild auf, ganz nah an nem andren.
Sehen gleich aus, haargenau ganz gleich,
haben auch die gleiche Inventarnummer.)

Refrain:
Database, tell me more,
Where the things do belong.
Show the files me,
Backlog Mamma, tell me more,
Database.

(Datenbank, sag mir mehr,
wo die Dinge hingehörn.
Zeig die Akten mir,
Rückstands-Mamma, sag mir mehr,
Datenbank.)

Unwrap the sign now, take a look there,
Accession number, written on the backside.
Dark and dusty, written black on black.
Misty taste of neglect, teardrops in my eye.

(Schild auspacken, erstmal anschaun,
eine Nummer steht auf der Rückseite.
Schwarz und staubig, geschrieben schwarz auf schwarz.
Schlecht behandelt, hab Tränen im Auge.)

Database, tell me more,
Where the things do belong.
Show the files me,
Backlog Mamma, tell me more,
Database.

(Datenbank, sag mir mehr,
wo die Dinge hingehörn.
Zeig die Akten mir,
Rückstands-Mamma, sag mir mehr,
Datenbank.)

I find a file in the „missing things“, it calls me
Seems a lot like one we missed a long time ago
Looking at the pic I got the feeling
That we finally solved this mystery, mystery!

(Finde eine Akte in den „vermissten Dingen“, sie ruft mich,
sieht aus als ob wir das schon lang, lang suchen.
Ich schaue auf das Bild und hab das Gefühl
dass es sich auflöst das Mysterium, Mysterium!)

Database, tell me more,
Where the things do belong.
Show the files me,
Backlog Mamma, tell me more,
Database.

(Datenbank, sag mir mehr,
wo die Dinge hingehörn.
Zeig die Akten mir,
Rückstands-Mamma, sag mir mehr,
Datenbank.)

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Größere und kleinere Dinge

CoverVor etwa eineinhalb Jahren fragte mich mein Lektor bei Rowman & Littlefield, ob ich Interesse daran hätte, eine Neuauflage meines Buches Things Great and Small: Collections Management Policies (Große und kleine Dinge: Richtlinien für Sammlungsmanagementkonzepte) vor zu bereiten. Da die erste Auflage 2006 erschienen war, war ein Update des Buches längt überfällig und so sagte ich natürlich ja (ich wollte die zweite Auflage Größere und kleinere Dinge nennen, was aber leider nicht geschah).

Als ich mit dem Projekt begann wurde mir erst klar, wie viel sich in der Museumsarbeit seit 2006 geändert hat, besonders die Menge der Informationen und wie wir dazu Zugang haben. Nachdem ich einen ganzen Berg von neuen Büchern, Zeitschriftenartikeln und Online-Diskussionen durchgesehen hatte, war ich ganz erschlagen davon, wie viel mehr Material jetzt zugänglich ist, verglichen mit der Zeit der ersten Auflage. Ich erinnerte mich an den Anfang meiner Museumslaufbahn – das war allerdings schon im Pleistozän, auch als 70er Jahre bekannt – damals gab es sehr wenig Museumsliteratur und es gab keinen Zugriff auf Internet-Ressourcen (weil es noch kein Internet gab). Der einzige Weg einen Kollegen um Rat zu fragen, war der, ihn an zu rufen (und damals zahlte man noch für jedes Telefonat) oder man wartete, bis man bei dem einen oder anderen Treffen dem Kollegen begegnete.
Die große Bandbreite an Druckwerken und Netzressourcen die heute leicht zugänglich sind und die Möglichkeit unmittelbar mit einer Gruppe von Spezialisten in Verbindung zu treten, sei es durchs Handy, durch E-Mail oder mittels Diskussionsgruppen im Netz, haben das ganze Umfeld beträchtlich verändert und zwar sehr zum Besseren.

Wenn ich erwähnte, dass ich eine Neuauflage des Buches vorbereite, wurde ich in der Regel gefragt, was ich denn ändern wolle. Tatsächlich gibt es viel Änderungen, beginnend damit, dass ein großer Teil des Textes umgeschrieben, einige neue Abschnitte eingefügt und auch ein paar Fotos der revidierten Fassung beigefügt wurden. Die Themen Deakzessionierung und Urheberrechte wurden auf den neuesten Stand gebracht und erweitert und ein neues Kapitel über Digitale Sammlungen eingefügt. Der Anhang mit Gesetzestexten und Gerichtsurteilen wurde revidiert und die Bibliographie erweitert. Die zweite Ausgabe spiegelt auch den Wandel unseres Denkens über die Normen für Sammlungsbetreuung und Depots.
Einige Informationen zum Sammlungsmanagement von Zoos und botanischen Gärten wurden hinzugefügt und auch für die Betreuung kultursensitiver Sammlungen. Eine der auffälligsten Änderungen ist die, dass die Beispiele aus real existierenden Sammlungen durch Musterpolicen erfundener Institutionen ersetzt wurden. Da die Beispielpapiere in der ersten Ausgabe alle von wirklichen Museen stammten, war ihre Anwendbarkeit in anderen Situationen und bei anderen Fällen begrenzt und außerdem waren sie inzwischen meist überholt. Wenn ich auch die Leser der ersten Ausgabe davor gewarnt habe, irgendetwas zu kopieren und empfohlen habe, besser eigene Richtlinien zu schreiben, brauchten doch die meisten Nutzer etwas, wovon sie ausgehen konnten. So bietet die neue Ausgabe nun Modelle, von denen ausgegangen werden kann.

Gute Sammlungsmanagementkonzepte sind die Grundlage einer großartigen Sammlung.

Die neue Ausgabe enthält auch viel von dem was ich von den Lesern gelernt habe. Feedback erhielt ich vor allem bei Workshops, in Unterrichtsstunden und bei Webinars und auch von Leuten, die sich die Zeit nahmen, mich wissen zu lassen, was sie über das Buch dachten. Es ist etwas entmutigend, aber immer lehrreich, das eigene Buch in einer Klasse zu verwenden und dann zu beobachten, wie sie interpretiert, was man gesagt hat.

Wenn das Festlegen eines Sammlungskonzeptes und Regeln zum Umgang mit Sammlungsgut auch sehr wichtig sind, muss ich doch zugeben, dass das Erarbeiten der jeweils zutreffenden Regeln, nun, sagen wir, langweilig sein kann. Um da eine Hilfe zu geben, habe ich ein Spiel entwickelt, das die Neuausgabe von Things Great and Small begleiten wird. Ich nenne das Spiel Monopolicies (Sie dürfen raten, welches Spiel mich inspirierte) und nach einigen Beta-Versionen ist es jetzt fast für die Veröffentlichung fertig. Meine Vorstellung war, dass man statt der trockenen und endlosen Diskussionen mit Kollegen über die Gestaltung des Sammmlungsmanagements ihrer Institution dies in einer entspannteren Atmosphäre tun könnte, während man Spaß hat bei einem Spiel. Monopolicies wird im frühen Frühjahr als kostenloser Download erhältlich sein – halten Sie danach Ausschau! (Neu am 4.2.2018: Es ist jetzt hier erhältlich: http://www.museumstudy.com/courses/course-list/monopolicy/ )

Things Great and Small ist jetzt beim Verleger und im Buchhandel erhältlich: (https://rowman.com/ISBN/9781933253039/Things-Great-and-Small-Collections-Management-Policies)

John E. Simmons
Museologica
und
Sammlungsmitarbeiter (Earth and Mineral Sciences Museum & Art Gallery, Penn State University)

Übertragung aus dem Englischen ins Deutsche von Brigitte Herrbach-Schmidt.

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Alles Gute zum 5. Geburtstag, Registrar Trek!

pic by OpenClipart-Vectors via pixabay (CC0)„Nach fünf Jahren kann man ein Projekt als erwachsen geworden betrachten.“ Das waren mehr oder weniger die Worte, die der Moderator auf der Dokumentationstagung des Deutschen Museumsbundes wählte, als ich einen Vortrag über unser Projekt hielt. In vielerlei Hinsicht denke ich, dass das richtig ist. Aber auf der anderen Seite möchte ich mit Tom Waits (oder den Ramones, falls Sie diese Version bevorzugen) singen: „I don’t wanna grow up!“ („Ich möchte nicht erwachsen werden!“). Ich hoffe, dass wir nie die Neugier verlieren, um neue Dinge auszuprobieren und dabei zu lernen und ich hoffe auch, dass wir niemals so ernsthaft werden, dass kein Platz mehr für einen guten Lacher selbst in unseren seriösesten Artikeln ist.

Dieses Jahr haben wir eine ganze Bandbreite von sehr aktuellen Aspekten abgedeckt, vom schnellen Eingreif-Sammeln zum Katalogisieren einer Smartphone-App. Generell haben wir unseren Einzugsbereich vom klassischen Sammlungsmanagement auf weitere Aspekte der Museumsdokumentation ausgedehnt. Das ist eine gute Sache, denn Dokumentation ist die Grundlage von allem, was wir tun. Trotzdem möchte ich das Blog natürlich ausgewogen halten, deshalb plane ich eine Serie zum Thema „Werkzeuge des Registrars“ ins Leben zu rufen, in der von Lieblinsgwerkzeugen und Lieblingssspielzeugen die Rede sein wird. Sie sind alle herzlich eingeladen, dazu Texte, Bilder und Gedanken beizutragen.

Als Projekt hoffen wir, dass wir dieses Jahr neue Übersetzer gewinnen können. Viele, die vor fünf Jahren mit uns angefangen haben, haben nun so herausfordernde Tätigkeiten angenommen, dass sie nichts mehr beitragen können. Das ist nicht weiter verwunderlich, denn Menschen, die bereit sind, sich ehrenamtlich in einem Projekt über ihre Arbeit zu engangieren, zeigen genau die Einstellung und Einsatzbereitschaft, die von Museen gesucht wird. Also hoffe ich, dass wir neue Freiwillige finden, die die fehlenden Übersetzungen im Blog ergänzen.

Und natürlich hoffe ich auch, dass viele die Zeit finden werden, sich hinzusetzen und die Geschichte oder den Artikel über den Aspekt unserer Arbeit zu schreiben, über den sie schon immer schreiben wollten. Wie immer, schicken Sie ihn an story@museumsprojekte.de

Lasse Sie uns nun ins Neue Jahr 2018 starten und möge es ein Gutes sein!

Angela

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Weihnachtliche Grüße!

christmas tree on counter

Unser Weihnachtsbaum im Sozialraum: Ein künstlicher Baum, LED-Kerzen und klein genug, so dass er auf die Anrichte passt und niemand versehentlich hinein rennt.

Die schwierigste Zeitspanne des Jahres für den Sammlungsmanager ist endlich zu Ende. All die Jahresendspenden sind da, alle Leihgaben zurück gegeben oder Leihverträge erneuert, alle Kerzen durch LEDs ersetzt (wer hat eigentlich ernsthaft geglaubt, dass es eine gute Idee ist, echte – meist trockene – Tannenzweige und Feuer zu kombinieren?), die letzten Datenbankeinträge gemacht. Zeit, die Gläser zu erheben!

Wir wissen, dass in der Welt „da draußen“ schwierige Zeiten angebrochen sind, vielleicht schwieriger als je zu unseren Lebzeiten. Aber es gibt auch Freundschaft und Zusammenarbeit, ganz besonders in unserem Beruf. Dafür können wir dankbar sein. Dieses Jahr sind an unserem Küchentisch im Sozialraum des Depots Kollegen aus ganz Deutschland, aber auch aus China und Ägypten gesessen und wir haben Gedanken und Einsichten ausgetauscht. Vielleicht ist das größte Geschenk, dass wir in der Lage sind uns gegenseitig zuzuhören und uns zu verstehen, auch, wenn es Sprachprobleme und kulturelle Unterschiede gibt.

Im Namen des gesamten Teams von Registrar Trek:

Fröhliche Weihnachten,
Einige geruhsame Tage abseits der Arbeit und
Ein glückliches Neues Jahr 2018!

Angela

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Museumsdokumentation ist ein Akt der Fürsorge

Wir alle, deren Aufgabe es ist, die Dokumentation in unserem Museum zu verbessern, haben oft große Probleme den Kollegen die zentralen Punkte klar zu machen, wenn sie in die Diskussion um Standards und Langzeiterhaltung nicht so eingebunden sind. Vielleicht sind wir zu tief in die Probleme verwickelt, um die Idee dahinter deutlich zu machen. Vielleicht sollten wir mal einen anderen Zugang versuchen. Vielleicht sollten wir einfach einmal einen anderen Blickwinkel einnehmen. Versuchen wir es einmal so:

Wer würde sich nicht gerne um so eine flauschige alte Dame kümmern?

Diesen Sommer habe ich mich um eine ältere Dame gekümmert. Sie ist 17 Jahr alt. Das ist für eine Katze schon ein beachtliches Alter, es entsprich über 80 menschlichen Jahren. Der Eigentümer ging für zwei Wochen in Urlaub, deshalb sprang unser örtlicher Katzensitter-Verein ein, um sicher zu stellen, dass die Katze in ihrer gewohnten Umgebung bleiben konnte. Mau war eine sehr vornehme, liebenswerte, ältere Dame, aber wie das mit zunehmendem Alter nicht zu vermeiden ist, sie hatte einige gesundheitliche Probleme. Sie musste jeden Tag verschiedene Medikamente nehmen. Das kann schon schwierig werden, wenn es sich um einen menschlichen Patienten handelt. Wenn man aber eine Katze versorgt, dann kann das eine entmutigende Erfahrung werden. Und da Mau unter anderem Leber- und Nierenprobleme hat, war es sehr wichtig fest zu halten, ob sie regelmäßig aß. Wenn sie für 24 Stunden die Nahrung verweigerte war das ein Warnsignal. Dann musste etwas getan werden, um sie zu überzeugen, zum Beispiel eine Dose Thunfisch öffnen. Wenn sie aber 48 Stunden nicht aß war es ein Notfall, der besondere Medikamente, vielleicht sogar einen Besuch beim Tierarzt erforderte.

Da der Besitzer seine Katze liebte, notierte er auf ein paar Seiten eine „Bedienungsanleitung“ mit all den Bedürfnissen der Katze. Da war festgehalten, welche Medikamente, wie viele, wann und auf welche Art und Weise ihren Weg in die Katze finden sollten. Er hielt auch einige Tricks fest, die in der Vergangenheit geholfen hatten, z.B. die Pillen in eine besondere Sorte Wurst zu verstecken. Es gab sogar ein Training ehe er verreiste, sodass wir die Verabreichung der Medizin unter seiner Aufsicht üben konnten.

Die “Bedienungsanleitung” für die Katze

Als dann ein anderer Katzensitter und ich die Verantwortung übernommen hatten, stellten wir bald fest, dass es nötig war, die Angelegenheiten rund um die Katze zu überwachen, zum Beispiel: hat die Katze ihre Pillen genommen und hat sie ordentlich gegessen? Da einer von uns morgens, der andere abends nach der Katze sehen würde, bekämen wir uns nicht zu Gesicht. Und da wir beide arbeiteten und sehr enge Zeitpläne hatten, war ein Anruf keine Option. Auch Mailen oder Texten erschien mühsam und nicht wirklich verlässlich.

So platzierten wir in der Küche in Blatt Papier, mit dessen Hilfe wir den Zustand der Katze von Tag zu Tag überwachen konnten. Wir notierten Dinge wie „Verabreichung der Nierenmedikamente ging gut, aber sie weigerte sich, die rote Pille zu schlucken“ oder „Futternapf war noch voll“. Wir nutzten dieses „Tagebuch“ auch, um Beobachtungen zu teilen wie “liebt es gebürstet zu werden“ oder Tricks wie „wenn man die Pille in einem Leckerli versteckt, nimmt sie das Leckerli nicht. Aber wenn man ihr einige Leckerli ohne Pille hinwirft und sie beginnt diese zu fressen, dann kann man die Pille in das nächste Leckerli hineinschmuggeln“.

Das Tagebuch

Wie Sie sich vorstellen können ging alles gut und wir konnten dem Besitzer, als er zurückkam, einen glückliche, wohl versorgte Katze übergeben.

Was hat diese Geschichte nun mit Dokumentation zu tun?

Nun, das Tertium Comparationis 1 ist die Fürsorge. Alle beteiligten Menschen taten das, was sie taten aus Fürsorge. Zugegeben, die Objekte in unseren Sammlungen sind keine lebenden, schnurrenden Kreaturen. Aber da wir uns um sie sorgen, tun wir mit der Dokumentation etwas sehr Ähnliches:

  • Wir stellen sicher, dass alles Wissen über unsere Sammlung, ganz wie bei der „Bedienungsanleitung “, in einem zentralen Dokument oder Dokumenten festgehalten wird. So wird festgehalten, was, warum, wann und wie zu geschehen hat. Das sind dann unsere Handlungsanweisungen und manches davon findet sich sogar in den Leitlinien der Sammlung.
  • Wir stellen auch sicher, dass diese Dokumente allen zugänglich sind, die in die Betreuung der Sammlung eingebunden sind.
    In unserer Geschichte lag die „Bedienungsanleitung “ auf dem Küchentisch, sodass jeder im Zweifelsfall Zugriff darauf hatte. Wenn der Eigentümer jedem der Katzensitter ein Exemplar gegeben hätte, wäre das keine gute Lösung gewesen: im Fall der Krankheit eines Katzensitters hätte der Ersatz keinen Zugang zu dem Dokument gehabt.
  • Wir schaffen Voraussetzungen, die es erlauben fest zu halten, was mit unseren Objekten passiert. Wir stellen sicher, dass jeder erfahren kann, was wann mit einem Objekt passierte, gleich ob er oder sie in einer Stunde mit dem Objekt arbeiten müssen oder erst in 20 Jahren. Deshalb halten wir in den jeweiligen Datensätzen objektrelevante Fakten fest wie Schäden, Standortwechsel, Ausleihen oder konservatorische Behandlung – so wie wir das mit dem „Tagebuch“ für die Katze gemacht haben.
  • Wir drücken uns präzise aus und vermeiden umgangssprachliche Wendungen, sodass jeder, der in Zukunft die Dokumentation liest, sie auch verstehen kann.
  • Zu guter Letzt verlassen wir uns nicht alleine auf die Dokumentation. Wir vermitteln in praktischen Übungen wie die Aktualisierung der Datensätze korrekt erfolgt und wie mit den Objekten um zu gehen ist.

Wenn also das nächste Mal ein Kollege vergisst, einen Standortwechsel oder eine Beschädigung ein zu tragen, dann werden Sie ihn oder sie vielleicht nicht mit einer Lektion über die Wichtigkeit der Dokumentation langweilen. Sie könnten es vorziehen, die Geschichte einer liebenswürdigen, älteren, schnurrenden kleinen Katze zu erzählen.

Angela

Übertragung aus dem Englischen ins Deutsche von Brigitte Herrbach-Schmidt.

  1. Lateinisch: „das Dritte des Vergleiches“, die Gemeinsamkeit zweier Dinge, die man miteinander vergleicht.
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