Archiv für Buch: Unmanaged Collections

„Unmanaged Collections“ ist erschienen! – Wir feiern das mit Bonusmaterial!

Wie Sie wissen wurde ich von der Auslieferung von „Managing Previously Unmanaged Collections“ völlig überrascht. Jetzt, nachdem ich mich etwas erholt habe, möchte ich das mit Ihnen feiern, mit den Lesern und treuen Unterstützern des Blogs. Ich habe mir überlegt, dass wir das mit „Bonusmaterial“ tun, Dingen, die es nicht ins Buch geschafft haben.

Der Umschlag

ManagingC1-1oldIch bekam einige Komplimente in Bezug auf den Umschlag. Vielen Dank! Tatsächlich war es so, dass der Umschlag ursprünglich anders aussah, wie man an der Abbildung sieht.
So sehr mir der Gedanke gefiel etwas schäbiges und chaotisches ebenso wie etwas sauberes und wohlgeordnetes auf dem Umschlag zu haben, so hatte ich doch den Eindruck, dass die Abbildung die Botschaft nicht deutlich genug transportierte – abgesehen davon, dass man vielleicht meinen könnte, die Flaschen wären beim Schreiben des Buches geleert worden…
Ich experimentierte mit anderen Aufnahmen, als Bernd, mein Kollege und Lebensgefährte, meinte: „Weißt Du was? Wir können das besser.“ Einige Stunden später waren wir mit einer Sammlung alter Spielzeugautos, Archivierungsmaterial und Fotoausrüstung versehen. Wir probierten verschiedene Arrangements aus, die zu unserem Erstaunen ergaben, dass die Autos, wenn sie verpackt und mit Inventarnummern versehen waren, ein sehr viel chaotischeres Bild abgaben, als wenn sie einfach so aufgestellt waren. So kam es schließlich zu den parkenden Spielzeugautos auf dem Umschlag.
Für die, die verzweifelt versucht haben die Autos in der oberen Bildhälfte mit denen unten in Übereinstimmung zu bringen: die oberen sind deutsch, die unteren vermutlich aus den Vereinigten Staaten – sie sind sich nie begegnet.

Mehr Geschichten!

Während der Entstehung des Buches habe ich eine Menge fantastischer Geschichten gehört und ich hätte sie gerne alle publiziert. Aber das war nicht immer möglich. Manchmal gab es einen Wechsel in der Direktion und die Erlaubnis zur Veröffentlichung wurde verweigert, manchmal liefen Verträge aus, ehe die Genehmigung erteilt war, manchmal kam das Leben in anderer Weise dazwischen. Ich hoffe, dass ich einige der Geschichten in Zukunft in diesem Blog veröffentlichen kann.
Eine Geschichte gab es aber, die mich immer zum Lächeln brachte, wenn ich an sie dachte. Aber ich konnte sie nicht verwenden, weil … Nun ich hatte es irgendwie geschafft die Mail zu löschen und konnte so den Absender nicht mehr kontaktieren, um die Erlaubnis ein zu holen. Aber auch wenn ich die Mail gehabt hätte, wäre das Buch vielleicht nicht der geeignete Ort für die Veröffentlichung gewesen. Aber hier und jetzt möchte ich mein Lächeln mit Ihnen teilen:
Die Person hatte ein Vorstellungsgespräch für eine Stelle zur Bearbeitung einer bis dahin nicht betreuten Sammlung. Als ihr die Sammlung gezeigt wurde, soweit ich mich erinnern kann eine Baracke, die vom Boden bis zur Decke mit Objekten vollgestopft war, entfuhr ihr, laut und vor all den Leuten, die für ihre Anstellung verantwortlich waren: „Was ist das denn hier für eine Scheiße?“ Und bekam die Stelle.

Erstaunliche Korrekturen

Meine liebe Freundin und Kollegin Darlene Bialowski verbrachte unendlich viel Zeit, um mir mit Korrekturen und Verbesserungsvorschlägen zu helfen. Nicht nur einmal waren diese Korrekturen nicht nur hilfreich, sondern boten auch Anlass zum Schmunzeln: so, als ich feststellte, dass es tatsächlich zu viel Dokumentation geben kann oder als ich sie um den richtigen amerikanischen Ausdruck für den deutschen Begriff „Sägebock“ bat und ein Foto mitschickte. Ihre Antwort: „Der beste unter den nichtmenschlichen Assistenten (ich liebe ihn) ist das „sawhorse (Sägepferd)“. Ich weiß nicht, wie oft ich seitdem diese Formulierung schon gebraucht habe …

Als die letzten Korrekturabzüge kamen, sah sie, dass ich bei einem Beispiel aus dem echten Leben den Begriff „tin can“ verwendet hatte, das man sowohl als „Zinnkanne“ als auch „Blechdose“ verstehen kann und sie war immer der Meinung gewesen, dass es sich um eine Dose zum Aufbewahren von Lebensmitteln handelte. Erst als sie die Abbildung sah, erkannte sie, dass es sich in Wirklichkeit um eine Kaffeekanne handelte. Um dieses Missverständnis aus zu räumen wären mir fast die Korrekturzeichen ausgegangen:

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Mehr Abbildungen!

Als ich mit dem Verlag den Vertrag für das Buch verhandelte, hieß es, man hätte gerne Abbildungen. Ich war aber so davon überzeugt, dass niemand bereit wäre, Abbildungen von mit Objekten vollgestopften Schuppen zu teilen, dass ich darauf beharrte, dass es keine Abbildungen gibt. Um ehrlich zu sein, ich war zu diesem Zeitpunkt noch nicht sicher, dass ich jemanden davon überzeugen konnte, Beispiele aus dem echten Leben in schriftlicher Form mit zu teilen…

Als ich dann die Geschichte aus dem echten Leben sammelte, fand ich heraus, dass viele Kollegen doch Bilder hatten. Unglücklicherweise hatte ich einigen Beiträgern schon gesagt, dass ich keine Abbildungen brauche … Ich machte dann, was ich immer tue, wenn ich Zweifel habe: Ich sandte eine Mail an RC-AAM listserv (die Mailingliste des Registrar Committee der Allianz Amerikanischer Museen). Ich fragte, ob irgendjemand bereit wäre vorher / nachher Fotos ihrer Sammlungen bereit zu stellen. Ich war entzückt, einen ganzen Strauß toller unbetreuter Sammlungen kennen zu lernen, die dann doch betreut worden waren. Die meisten fanden ihren Weg in das Buch.
Eine Abbildung kam allerdings erst nach der Deadline. Es ist Alicia Woods Lieblingsbild von dem Ort, der im Buch unter dem Title „Leichenhalle der Objekte ( Artifact Morgue)“ zu finden ist:

Artifacat Morgue

Das Bein einer Schaufensterpuppe, das aus dem Regal ragt, sagt wohl alles über unbetreute Sammlungen. Oder?

Herzliche Grüße
Angela

Übertragung aus dem Englischen ins Deutsche von Brigitte Herrbach-Schmidt.

Dieser Beitrag ist auch auf russisch erhältlich, übersetzt von Helena Tomashevskaya.

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Ups – Managing Previously Unmanaged Collections ist schon da!

Gestern wurde ich davon überrascht, dass mir unsere Bibliothek in einer Mail schrieb, dass sie ihre Kopie von „Managing Previously Unmanaged Collections“ erhalten hätten und es gerade in den Katalog einarbeiten würden. Zwei Stunden später erhielt ich eine Mail von meiner lieben Kollegin Susanne Nickel mit Glückwünschen, sie habe gerade ihr Belegexemplar erhalten. Während des ganzen Tages, während ich verzweifelt auf einen wichtigen Transport für unser Museum wartete, trudelten Mails mit dem Inhalt „ich habe gerade mein Exemplar erhalten“ von meinen Mitstreitern in meinem Posteingang ein. Es schien als hätte JEDER mein Buch vor mir in den Händen.

Als ich schließlich heim kam, setzte mein Herz für einen Moment aus, als ich ein Päckchen im Hinterhof sah – klatschnass im strömenden Regen. Aber zum Glück war alles in Ordnung, als ich es öffnete:

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Die besten Neuigkeiten: Mein Verleger, Rowman & Littelfield, hat sich ein kleines Extra für Sie, die treuen Leser einfallen lassen: Sie erhalten 30% Nachlass, wenn Sie es direkt über den Verlag beziehen. Sehen Sie die Details im Flyer (dummerweise habe ich gerade erfahren, dass das nur für Bestellungen innerhalb der U.S.A. gilt):

Managing Previously Unmanaged Collections Flyer

Jetzt, mit einem Tag Verspätung habe ich es endlich geschafft, Sie alle zu informieren. Vielen herzlichen Dank für die Unterstützung und ich werde auch noch einen besser durchdachten Beitrag schreiben, um mit Ihnen zu feiern. 🙂

Auf Ihr Wohl,
Angela

Dieser Beitrag ist auch auf italienisch erhältlich, übersetzt von Marzia Loddo und auf russisch übersetzt von Helena Tomashevskaya.

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Unbearbeitete Sammlungen – Letzte Feinjustierungen

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Vielleicht fragen Sie sich, wie es dem Buchprojekt zum Thema „Unbearbeitete Sammlungen in den Griff kriegen“ geht. Nun, letzte Woche kamen die Korrekturfahnen, also verbringe ich die meiste freie Zeit damit, Korrektur zu lesen. Ich habe Kontakt aufgenommen zu allen, die Praxisbeispiele und Bilder geliefert haben, damit sie überprüfen können, ob auch alles korrekt ist und die Bildunterschriften stimmen.

Zusätzlich arbeite ich gerade am Index, was gar nicht so einfach ist, wie ich zunächst gedacht habe. Ich nahm an, dass ich mehr oder weniger einen Suchbegriff eingebe, den Computer das Dokument durchsuchen lasse und notiere, auf welcher Seite welcher Suchbegriff auftaucht und das war’s dann. Nun habe ich festgestellt, dass es so eben nicht funktioniert. Meine Erfahrung aus der Dokumentationsarbeit hätte mir das eigentlich sagen müssen… Woran es liegt:

Sagen wir, jemand möchte wissen, ob man etwas zum Thema „deaccessioning“ (entsammeln, Deakzise) im Buch findet. Nun, es gibt da schon eine ganze Menge Seiten, auf denen ich über die Entscheidung, was in der Sammlung verbleiben soll und was nicht schreibe, aber es ist durchaus möglich, dass ich auf diesen Seiten nicht ein einziges Mal den Begriff „deaccessioning“ verwendet habe. Natürlich würde der Computer diese Seiten überspringen. Also muss ich, während ich die Korrekturfahnen durchlese, jene Begriffe notieren, von denen ich glaube, dass sie im Index Sinn machen.

Das mache ich auf veralteten Visitenkarten, die ich nicht weggeworfen habe, weil man nie wissen kann, wann man kleine, stabile Kärtchen braucht, die alle die gleiche Größe haben. Tja, jetzt, 10 Jahre nachdem die Karten nicht mehr aktuell sind, haben sie endlich einen neuen Verwendungszweck gefunden. Ich sortiere die Begriffe in alphabetischer Reihenfolge, so dass ich, wenn ich auf einen Begriff stoße, den ich bereits verwendet habe, einfach die zugehörige Karte suchen und die neue Seitennummer darauf notieren kann. Ich habe mich entschlossen, breit zu sammeln und immer aufzuschreiben, wenn ich mir vorstellen kann, dass ein Begriff hilfreich sein könnte, statt zu stark einzuschränken. Ich werde erst ganz am Ende entscheiden, welche Begriffe es dann endgültig in den Index schaffen. Während „deaccessioning“, „collections policy“ (Sammlungskonzept) oder „cataloging“ (Inventarisierung) es definitiv schaffen werden, bin ich mir bei „Grandmother’s Fixes“ (Großmutters Remedur), „upper management, dealing with“ (Entscheidungsträger, Umgang mit) oder „numbers, spellbound by“ (Nummern, hypnotisiert sein von), nicht ganz so sicher.

Was wirklich interessant ist, ist, dass diese Karten jetzt sogar so etwas wie eine Topographie des Buches abbilden. „Hazards“ (Gefahren, Gefahrstoffe) scheint das wichtigste Thema zu sein mit bis jetzt 12 Erwähnungen und ich bin erst bis zur Hälfte des Buches gekommen. Nun, mal schauen, ob das so bleibt.

Weiter geht’s! Ich muss einen Termin einhalten, damit dieses Buch im Mai erscheinen kann.

Angela

Dieser Beitrag ist auch auf russisch erhältlich, übersetzt von Helena Tomashevskaya.

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Unbearbeitete Sammlungen – und ein wenig Hilfe von meinen Freunden

Managing Previously Unmanaged Collections - Book CoverAnfang des Jahres fragte ich Sie, ob Sie mich begleiten würden bei dem Abenteuer, ein Buch über bislang unbearbeitete Sammlungen zu schreiben. Und Sie waren dazu bereit. Viele von Ihnen unterstützten das Projekt mit Geschichten, Fotos, Kommentaren und aufmunternden Bemerkungen.
So kann ich heute stolz ankündigen dass ich das Manuskript abgegeben habe und man das Buch im Prospekt der ”Essential New Books for Museum Professionals“ bei Rowman & Littlefield auf Seite 7 schon angezeigt finden kann.
In der letzten Woche feierten unsere Kollegen in den Vereinigten Staaten Thanksgiving und in Deutschland gibt es eine entsprechende Tradition, am Ende der Erntezeit Dank zu sagen, das Erntedankfest. Heute möchte ich mich bedanken bei all denen, die zu dem Projekt beigetragen haben. Danke, dass Sie ihre Zeit und ihre Kenntnisse eingebracht und dass Sie Sich Gedanken gemacht haben.
Vor allem möchte ich die Gelegenheit ergreifen meinem persönlichen „Beirat“ zu danken. Wenn man ein Buch schreibt, sollte man sich einiger Fallstricke bewusst sein. Aber auch wenn sie einem ganz allgemein bewusst sind braucht man doch manchmal ein zweites Augenpaar, damit man sie entdeckt.

Erster Fallstrick: ich weiß, worüber ich schreibe!

Natürlich wissen Sie, worüber Sie schreiben. Sonst würden Sie dieses Buch nicht schreiben. Aber ihre persönliche Erfahrung formt das Buch. Man braucht jemanden, der eben so tief in diesem Arbeitsbereich verankert ist, wie man selbst und der deshalb helfen kann zu erkennen, wo wichtige Punkte übersehen wurden oder wo die Ratschläge, die man gibt unter bestimmten, nicht bedachten Umständen auch nach hinten losgehen können. Und man braucht diese Person um auftauchende Rätsel und Fragen der Definition zu besprechen, denn nicht alles ist so eindeutig und logisch wie man selbst das denkt – eine Tatsache, auf die man erst stößt, wenn man versucht darüber zu schreiben.
Für mein Buch übernahm diese sehr zeitaufwändige Aufgabe Darlene Bialowski, Vorstand der Darlene Bialowski Art Services, und frühere Vorsitzende des Registrar Committees der American Alliance of Museums, die selbst eine große Zahl von unbetreuten Sammlungen gesehen hat. Sie las jedes Kapitel mindestens zweimal, manchmal noch öfter, machte Vorschläge und wir diskutierten viele Aspekte des Buches via Email. Bis heute weiß ich nicht, wie sie das alles in ihrem sowieso engen Zeitplan untergebracht hat, aber ich bin ihr ewig dankbar, dass sie es getan hat. Ganz herzlichen Dank Darlene!

Zweiter Fallstrick: Ein Registrar hat nicht immer die beste Lösung

Wenn man einen bestimmten Beruf ausübt, konzentriert man sich sehr auf die wichtigsten Aspekte der täglichen Arbeit. Dadurch übersieht man leicht Dinge, die zu einem größeren Zusammenhang gehören. Um das zu erkennen braucht man die Hilfe von Jemanden mit einem Beruf, der mit dem eigenen Beruf eng verbunden, aber eben nicht identisch ist. Ich bin sehr dankbar, dass Susan L. Maltby, Restaurator bei Maltby & Associates Inc., die Verantwortung auf sich genommen hat, mein Manuskript aus dem Blickwinkel eines Restaurators zu lesen. Sie hat es um viele praktische Ideen bereichert und sie machte mich auf Stellen aufmerksam, bei denen ich mögliche Schäden an den Objekten nicht berücksichtigt hatte und auch an eventuelle Gesundheitsschäden nicht gedacht hatte. Vielen Dank Sue!

Dritter Fallstrick: Worum geht es hier überhaupt?

Mein Buch ist für Leute bestimmt, die nie mit einer unbetreuten Sammlung zu tun hatten. Es wäre gut, wenn sie eine Grundausbildung in Sammlungsbetreuung und präventiver Restaurierung hätten, aber es soll auch eine Handreichung für diejenigen sein, die bis dahin noch nie mit Sammlungen in Berührung gekommen sind. Wie konnte ich sicher sein, dass jemand, der noch nie für eine Sammlung verantwortlich gewesen ist, überhaupt versteht, wovon ich schrieb? Ich brauchte jemanden, der genügend Phantasie hatte, um sich in die Situation einer Person hinein zu versetzen, die zum ersten Mal mit der Aufgabe konfrontiert wird, eine bis dahin unbetreute Sammlung zu betreuen. Nun, es fand sich ein Freund der genügend Phantasie hat, um sich in einen Heizer auf einem Dampfschiff des 19. Jahrhunderts zu versetzen oder in einen Soldaten, der im Bürgerkrieg bei Bull Run kämpfte. Deshalb fragte ich Paul N. Pallansch von Up-Close Realism, Silver Spring, ob er sich in die Rolle eines Sammlungsmanagers hineinversetzen wolle, der mit einer chaotischen, unbearbeiteten Sammlung konfrontiert würde, mit nichts als meinem Handbuch als Hilfsmittel. Ich bin sehr froh, dass er Ja sagte und war sehr erleichtert, als er zurück schrieb, er hätte so seine Zweifel gehabt, als ich ihn fragte, aber jetzt, nach der Lektüre meint er, er könnte die Aufgabe in Angriff nehmen, wenn er auch noch alles nachschlagen würde, was die Sammlungspflege betrifft. Genau das sollen die Leser auch denken und fühlen, wenn sie das Buch gelesen haben. Vielen Dank Paul!

Das Manuskript durchläuft nun noch die Endredaktion und ich werde Sie über den weiteren Fortschritt des Projekts auf dem Laufenden halten. So wie es im Augenblick aussieht, wird ”Managing Previously Unmanaged Collections – A Practical Guide for Museums“ (Link zur Seite des Verlags mit Vorbestellmöglichkeit) Anfang nächsten Jahres erhältlich sein.

Viele Grüße
Angela

Übertragung aus dem Englischen ins Deutsche von Brigitte Herrbach-Schmidt.

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Nicht betreute Sammlungen – Großmutters Remedur

Picture by Mimirebelle via pixabayWenn man anfängt mit einer bis dahin nicht betreuten Sammlung zu arbeiten wird man in der Regel mit einer ganzen Reihe von Faktoren konfrontiert, die die Sammlung schädigen: Klimabedingungen, Ungeziefer, undichte Dächer, tropfende Wasserleitungen, Risse in den Wänden… Während jeder dieser Faktoren ganz oben auf der Liste stehen sollte, die die Dinge auflistet, die professionell angegangen werden müssen wird es doch eine Weile dauern, bis das nötige Geld dafür aufgetrieben ist. In der Zwischenzeit leidet die Sammlung jeden Tag. Das ist dann die Zeit und der Ort für etwas, das ich „Großmutters Remedur“ nenne.

Wir wissen alle, dass Großmütter die wunderbare Fähigkeit haben, Dinge zu heilen – gleich ob es eine zerbrochene Vase, ein gebrochener Finger oder eingebrochens Herz ist. Großmütter haben viele Erfahrung dabei gesammelt ihre Familie durch schwere Zeiten zu bringen oder mit knappen Ressourcen aus zu kommen. Bei „Großmutters Remedur“ (von remedium = Heilmittel) geht es darum, Dinge sofort zu verbessern – mit eigenen Händen und mit Sachen, die zur Hand sind und wenig bis gar nichts kosten. Natürlich sollte man keine Vase mit Schnellkleber reparieren, wie es die eigene Großmutter tun würde. Die Großmutter, die ich vor Augen habe ist ein Ideal von einer Großmutter, eine Superheldin mit überaus ausgeprägtem gesundem Menschenverstand und ebenso großer Kreativität. Sehr alt, sehr weise und sehr aufmerksam. Einfach ein Bild von einer „Großmutter“.

Meine eindrucksvollster Fall einer „Großmutter Remedur“ wurde bei einer Sammlung angewendet, die in einer großen Industriehalle gelagert war. Etwa 50% des Dachs bestand aus Fenster, sodass der Platz wunderbar hell zum Arbeiten war – aber auch sehr ungeeignet für eine Sammlung. Eine Notiz mit Kugelschreiber auf Papier verblasste so rasch, dass sie nach 6 Monaten in dieser Halle nicht mehr lesbar war. „Großmutters Remedur“ war unglaublich einfach: die Fenster wurden zugestrichen. Das war in wenigen Tagen getan, kostete nur ein paar Eimer Farbe und reduzierte den Lichteinfall beträchtlich. Die Langzeitlösung bestand darin, die Sammlung ein paar Jahre später in ein passenderes Magazin zu überführen, aber die Remedur reduzierte die Belastung für die Sammlung unmittelbar.

Was war Ihre eindrucksvollste „Remedur“ bei der Betreuung einer Sammlung?

Übertragung aus dem Englischen ins Deutsche von Brigitte Herrbach-Schmidt.

Dieser Beitrag ist auch auf russisch erhältlich, übersetzt von Helena Tomashevskaya.

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Unbetreute Sammlungen: Schlimmste erste Eindrücke

alttextWie ich neulich angekündigt habe, suche ich nach Beispielen aus dem wahren Leben für mein Buch über nicht betreute Sammlungen. Das erste Kapitel wird davon handeln, wie man einen ersten Überblick darüber bekommt woraus die Sammlung besteht, wie man Prioritäten setzt und wie man eine Strategie entwickelt um dann die Probleme zu lösen.
Der schlimmste Moment ist wahrscheinlich, wenn man die Sammlung zum ersten Mal sieht. Es ist der Augenblick, in dem man eine erste Vorstellung davon bekommt, wie viel Arbeit das sein wird und wie vielen Aufgaben man sich wird stellen müssen. Was war Ihr schlimmster erster Eindruck?

Bei mir war es wohl ein Schuppen voll mit Oldtimern und landwirtschaftlichen Geräten, alles so ineinander geschoben, dass man kaum durch kam und zum Teil über Objekte klettern musste, um weiter in die Sammlung vor zu dringen. Alle Objekte waren rostig und ein großer Teil der Windschutzscheiben war zerschlagen. Die Tatsache, dass hier Mäuse, Marder und Tauben lebten war nur zu offensichtlich. Um die Sache noch schlimmer zu machen waren einige empfindliche Objekte ganz achtlos zwischen größeren Objekten verstaut und etwas, das wie ein Damenkleid aussah, lag unter einem Pflug.

Was war ihr schlimmster erster Eindruck, als Sie für eine unbetreute Sammlung zu Arbeiten begannen?

Übertragung aus dem Englischen ins Deutsche von Brigitte Herrbach-Schmidt.

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Bisher unbearbeitete Sammlungen in den Griff kriegen – machen Sie mit?

Liebe Leserinnen und Leser von Registrar Trek,

über den Zeitraum der letzten drei Jahre haben wir immer mehr Leserinnen und Leser gewonnen, die nicht nur mitlesen, sondern auch beitragen, indem sie Beiträge mit anderen teilen, Kommentare verfassen und Kolleginnen und Kollegen zum Meinungsaustausch anstiften. Einige haben sogar Geschichten und Artikel für das Blog geschrieben. Das ist großartig!

Heute möchte ich Ihnen ein neues Projekt vorstellen, an dem ich arbeite und Sie einladen, mitzumachen.

In meinem Arbeitsleben stoße ich immer wieder auf einen Widerspruch: Es gibt wirklich fantastische Bücher über die besten Arbeitsweisen in der Sammlungsverwaltung – die großartige fünfte Ausgabe von „Museum Registration Methods“ steht einem natürlich sofort vor Augen, aber es gibt eine Vielzahl von wirklich guten Werken. Man liest darüber, was das Beste für das Sammlungsgut ist, wie man die Objekte handhabt, dokumentiert, lagert… Alle diese Bücher sind in Hinblick auf „best practice“, die bestmögliche Vorgehensweise, geschrieben und das ist sicherlich gut, denn natürlich wollen wir alle das Beste für unsere Sammlungen. Das Problem ist nur, dass der Ausgangspunkt oft ales andere als „best practice“ ist. Nehmen Sie die Geschichte „Matchball für den Registrar“ von Antony Aristovoulou als Paradebeispiel: man wird für den Umzug und die Dokumentation einer Tennissammlung unter Vertrag genommen, um dann festzustellen, dass alles in einem riesigen Überseecontainer gelagert ist und man von Punkt Null anfängt und sogar Lagerort und Material selbst auftreiben muss.

hhViel zu oft besteht, besonders bei historischen, landwirtschaftlichen und/oder technikhistorischen Sammlungen, ein Riesenunterschied zwischen den in den Büchern beschriebenen Voraussetzungen und der Realität. Über die besten Verfahrensweisen zu lesen ist gut und wichtig, aber wenn man in einem heruntergekommenen Schuppen steht, in dem es durchs Dach regnet und in dem stapelweise rostiges Zeug herumliegt, das im Vertrag etwas euphemistisch als landwitschaftliche Sammlung bezeichnet wird, ist man meilenweit davon entfernt, aus säurefreiem Karton eine passgenaue Lagerbox für ein einzelnes Objekt basteln zu können.

Um es kurz zu machen: ich arbeite an einem praktischen Handbuch zum Umgang mit bisher unbearbeiteten Sammlungen. Das Buch wird ausgehend vom schlimmstmöglichen Fall geschrieben, angefangen mit nichts als einer Sammlung in erbarmungswürdigem Zustand, um sich dann Schritt für Schritt damit zu beschäftigen, wie man die Situation verbessert 1. Es wird für die Praktikerin und den Praktiker vor Ort geschrieben sein, die oder der mit allen möglichen und unmöglichen Umständen zu kämpfen hat während sie oder er versucht, seine Sammlung in den Griff zu kriegen. Es wird besonders für den Personenkreis geschrieben sein, der zum ersten Mal mit einer solchen Situation konfrontiert wird – entweder als Berufsanfänger oder als Profi, der bislang nur in größeren und/oder gut organisierten Einrichtungen gearbeitet hat.

DSCF0373Und hier kommen Sie, die Leserinnen und Leser ins Spiel. Das Buch wird sicherlich besser und ermutigender sein, wenn es genügend Beispiele aus dem wahren Leben enthält. Natürlich, jeder ist gerne das Beispiel für „best practice“, aber was ich benötige sind Beispiele, wie mit Schwierigkeiten umgegangen wurde und wie Lösungen gefunden wurden. Wie Sammlungen aus einem erbrarmungswürdigen Zustand in einen besseren Zustand gebracht wurden. Vielleicht immer noch nicht „best practice“ aber sicherlich wesentlich besser als zuvor. Ich sammle auch alle möglichen Arten von schlimmstmöglichen Szenarien, eingebracht von alten und jungen Museumsveteranen, die Unglaubliches in der Sammlungsverwaltung gesehen haben (ich habe eine Hauptabwasserleitung gesehen, die direkt über den Regalen eines Archives verlief, die Möglichkeiten sind also endlos…).

Ab und zu werde ich hier auf diesem Blog über Aspekte schreiben, die ich gerade bearbeite und Sie nach Ihren Erfahrungen und Gedanken dazu fragen. Es wäre großartig, wenn Sie bereit wären diese zu teilen. Ich verspreche Ihnen schon jetzt, dass ich diese Bereitschaft nicht mißbrauchen werde und immer abklären werde, ob die Art und Weise, wie ich einige dieser Beispiele im Buch verwenden möchte für Sie und/oder Ihre Institution akzeptabel ist.

Danke fürs Lesen und beste Grüße

Angela

Dieser Beitrag ist auch auf russisch erhältlich, übersetzt von Helena Tomashevskaya.

  1. Janice Klein und ich haben einen kurzen Artikel unter dem Titel ”Tackling Uncatalogued Collections“ („Undokumentierte Sammlungen in den Griff bekommen“) für die diesjährige März/April Ausgabe von ”museum“, dem Magazin der American Alliance of Museums, verfasst (Seite 59-63). Hier finden Sie weitere Ideen und in welche Richtung das Projekt generell gehen wird, wobei das undokumentiert sein nur einen Teilaspekt des Problems einer unbearbeiteten Sammlung darstellt.
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