Archiv für Geschichten

Nomenclature 17.2 – die Vision eines Registrars

CC0 - by Master Tux via pixabayWährend ich in unserer Datenbank Fotos beschneide und Dinge umbenenne taucht vor meinen Augen eine wunderbare Vision auf – so wie die Grillgabel, die als Pfanne / Rösten katalogisiert war. Es geht um meine Vision für das unhandliche, schlecht gebundene grüne Buch, das mir sagt, wie ich ein Objekt nennen darf – oder nicht. Für ein Kind der Mitte del 20.Jahrhunderts sind einige der Dinge schwer zu identifizieren. Deshalb sehe ich vor mir eine digitale Version von Nomenclature. Wenn jemand bereit wäre, irgendwo die nötigen Mittel auf zu gabeln bekäme man etwas, das wie „Leafsnap“ funktioniert: man fotografiert etwas mit seinem Handy und zeigt es dem Nomenclature 17.2 Programm. Darauf sagt es: aha! Und Du sagst Heureka! Das Programm verrät Dir dann nämlich, wie das Objekt zu benennen ist. Wäre das nicht cool?

Anne T. Lane

Übertragung aus dem Englischen ins Deutsche von Brigitte Herrbach-Schmidt.

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„Unmanaged Collections“ ist erschienen! – Wir feiern das mit Bonusmaterial!

Wie Sie wissen wurde ich von der Auslieferung von „Managing Previously Unmanaged Collections“ völlig überrascht. Jetzt, nachdem ich mich etwas erholt habe, möchte ich das mit Ihnen feiern, mit den Lesern und treuen Unterstützern des Blogs. Ich habe mir überlegt, dass wir das mit „Bonusmaterial“ tun, Dingen, die es nicht ins Buch geschafft haben.

Der Umschlag

ManagingC1-1oldIch bekam einige Komplimente in Bezug auf den Umschlag. Vielen Dank! Tatsächlich war es so, dass der Umschlag ursprünglich anders aussah, wie man an der Abbildung sieht.
So sehr mir der Gedanke gefiel etwas schäbiges und chaotisches ebenso wie etwas sauberes und wohlgeordnetes auf dem Umschlag zu haben, so hatte ich doch den Eindruck, dass die Abbildung die Botschaft nicht deutlich genug transportierte – abgesehen davon, dass man vielleicht meinen könnte, die Flaschen wären beim Schreiben des Buches geleert worden…
Ich experimentierte mit anderen Aufnahmen, als Bernd, mein Kollege und Lebensgefährte, meinte: „Weißt Du was? Wir können das besser.“ Einige Stunden später waren wir mit einer Sammlung alter Spielzeugautos, Archivierungsmaterial und Fotoausrüstung versehen. Wir probierten verschiedene Arrangements aus, die zu unserem Erstaunen ergaben, dass die Autos, wenn sie verpackt und mit Inventarnummern versehen waren, ein sehr viel chaotischeres Bild abgaben, als wenn sie einfach so aufgestellt waren. So kam es schließlich zu den parkenden Spielzeugautos auf dem Umschlag.
Für die, die verzweifelt versucht haben die Autos in der oberen Bildhälfte mit denen unten in Übereinstimmung zu bringen: die oberen sind deutsch, die unteren vermutlich aus den Vereinigten Staaten – sie sind sich nie begegnet.

Mehr Geschichten!

Während der Entstehung des Buches habe ich eine Menge fantastischer Geschichten gehört und ich hätte sie gerne alle publiziert. Aber das war nicht immer möglich. Manchmal gab es einen Wechsel in der Direktion und die Erlaubnis zur Veröffentlichung wurde verweigert, manchmal liefen Verträge aus, ehe die Genehmigung erteilt war, manchmal kam das Leben in anderer Weise dazwischen. Ich hoffe, dass ich einige der Geschichten in Zukunft in diesem Blog veröffentlichen kann.
Eine Geschichte gab es aber, die mich immer zum Lächeln brachte, wenn ich an sie dachte. Aber ich konnte sie nicht verwenden, weil … Nun ich hatte es irgendwie geschafft die Mail zu löschen und konnte so den Absender nicht mehr kontaktieren, um die Erlaubnis ein zu holen. Aber auch wenn ich die Mail gehabt hätte, wäre das Buch vielleicht nicht der geeignete Ort für die Veröffentlichung gewesen. Aber hier und jetzt möchte ich mein Lächeln mit Ihnen teilen:
Die Person hatte ein Vorstellungsgespräch für eine Stelle zur Bearbeitung einer bis dahin nicht betreuten Sammlung. Als ihr die Sammlung gezeigt wurde, soweit ich mich erinnern kann eine Baracke, die vom Boden bis zur Decke mit Objekten vollgestopft war, entfuhr ihr, laut und vor all den Leuten, die für ihre Anstellung verantwortlich waren: „Was ist das denn hier für eine Scheiße?“ Und bekam die Stelle.

Erstaunliche Korrekturen

Meine liebe Freundin und Kollegin Darlene Bialowski verbrachte unendlich viel Zeit, um mir mit Korrekturen und Verbesserungsvorschlägen zu helfen. Nicht nur einmal waren diese Korrekturen nicht nur hilfreich, sondern boten auch Anlass zum Schmunzeln: so, als ich feststellte, dass es tatsächlich zu viel Dokumentation geben kann oder als ich sie um den richtigen amerikanischen Ausdruck für den deutschen Begriff „Sägebock“ bat und ein Foto mitschickte. Ihre Antwort: „Der beste unter den nichtmenschlichen Assistenten (ich liebe ihn) ist das „sawhorse (Sägepferd)“. Ich weiß nicht, wie oft ich seitdem diese Formulierung schon gebraucht habe …

Als die letzten Korrekturabzüge kamen, sah sie, dass ich bei einem Beispiel aus dem echten Leben den Begriff „tin can“ verwendet hatte, das man sowohl als „Zinnkanne“ als auch „Blechdose“ verstehen kann und sie war immer der Meinung gewesen, dass es sich um eine Dose zum Aufbewahren von Lebensmitteln handelte. Erst als sie die Abbildung sah, erkannte sie, dass es sich in Wirklichkeit um eine Kaffeekanne handelte. Um dieses Missverständnis aus zu räumen wären mir fast die Korrekturzeichen ausgegangen:

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Mehr Abbildungen!

Als ich mit dem Verlag den Vertrag für das Buch verhandelte, hieß es, man hätte gerne Abbildungen. Ich war aber so davon überzeugt, dass niemand bereit wäre, Abbildungen von mit Objekten vollgestopften Schuppen zu teilen, dass ich darauf beharrte, dass es keine Abbildungen gibt. Um ehrlich zu sein, ich war zu diesem Zeitpunkt noch nicht sicher, dass ich jemanden davon überzeugen konnte, Beispiele aus dem echten Leben in schriftlicher Form mit zu teilen…

Als ich dann die Geschichte aus dem echten Leben sammelte, fand ich heraus, dass viele Kollegen doch Bilder hatten. Unglücklicherweise hatte ich einigen Beiträgern schon gesagt, dass ich keine Abbildungen brauche … Ich machte dann, was ich immer tue, wenn ich Zweifel habe: Ich sandte eine Mail an RC-AAM listserv (die Mailingliste des Registrar Committee der Allianz Amerikanischer Museen). Ich fragte, ob irgendjemand bereit wäre vorher / nachher Fotos ihrer Sammlungen bereit zu stellen. Ich war entzückt, einen ganzen Strauß toller unbetreuter Sammlungen kennen zu lernen, die dann doch betreut worden waren. Die meisten fanden ihren Weg in das Buch.
Eine Abbildung kam allerdings erst nach der Deadline. Es ist Alicia Woods Lieblingsbild von dem Ort, der im Buch unter dem Title „Leichenhalle der Objekte ( Artifact Morgue)“ zu finden ist:

Artifacat Morgue

Das Bein einer Schaufensterpuppe, das aus dem Regal ragt, sagt wohl alles über unbetreute Sammlungen. Oder?

Herzliche Grüße
Angela

Übertragung aus dem Englischen ins Deutsche von Brigitte Herrbach-Schmidt.

Dieser Beitrag ist auch auf russisch erhältlich, übersetzt von Helena Tomashevskaya.

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Ups – Managing Previously Unmanaged Collections ist schon da!

Gestern wurde ich davon überrascht, dass mir unsere Bibliothek in einer Mail schrieb, dass sie ihre Kopie von „Managing Previously Unmanaged Collections“ erhalten hätten und es gerade in den Katalog einarbeiten würden. Zwei Stunden später erhielt ich eine Mail von meiner lieben Kollegin Susanne Nickel mit Glückwünschen, sie habe gerade ihr Belegexemplar erhalten. Während des ganzen Tages, während ich verzweifelt auf einen wichtigen Transport für unser Museum wartete, trudelten Mails mit dem Inhalt „ich habe gerade mein Exemplar erhalten“ von meinen Mitstreitern in meinem Posteingang ein. Es schien als hätte JEDER mein Buch vor mir in den Händen.

Als ich schließlich heim kam, setzte mein Herz für einen Moment aus, als ich ein Päckchen im Hinterhof sah – klatschnass im strömenden Regen. Aber zum Glück war alles in Ordnung, als ich es öffnete:

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Die besten Neuigkeiten: Mein Verleger, Rowman & Littelfield, hat sich ein kleines Extra für Sie, die treuen Leser einfallen lassen: Sie erhalten 30% Nachlass, wenn Sie es direkt über den Verlag beziehen. Sehen Sie die Details im Flyer (dummerweise habe ich gerade erfahren, dass das nur für Bestellungen innerhalb der U.S.A. gilt):

Managing Previously Unmanaged Collections Flyer

Jetzt, mit einem Tag Verspätung habe ich es endlich geschafft, Sie alle zu informieren. Vielen herzlichen Dank für die Unterstützung und ich werde auch noch einen besser durchdachten Beitrag schreiben, um mit Ihnen zu feiern. 🙂

Auf Ihr Wohl,
Angela

Dieser Beitrag ist auch auf italienisch erhältlich, übersetzt von Marzia Loddo und auf russisch übersetzt von Helena Tomashevskaya.

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Regaltrenner-Recycling – Die Gartenbank eines Registrars

Neue Regale zu bekommen ist für jeden Registrar eine gute Nachricht. Mehr Lagerplatz, bessere Lagerungsbedingungen, klar. Aber für manche ist es damit nicht getan. Sie kennen diese Trennhölzer, die als Schutz zwischen den Regalteile liegen? Nun, schauen Sie sich an, was mein Kollege Bernd daraus gebaut hat:

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Der Plan ist eine Adaption von Jay’s Custom Creations.

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Von „Kojak“ zu „Go-Jacks“

Go-Jacks Image : bendpak.com

Go-Jacks
Image : bendpak.com


Der Tag, an dem Du einen Artikel für Registrar Trek übersetzt, und Du entdeckst, dass die Geräte, die die Transporteure immer „Kojak“ nennen (der Begriff, den Du immer verwendest, seit Du damit Kutschen bewegen musstest) in Wirklichkeit „Go-Jacks“ heißen…

 

(Aktualisieren des Vokabulars in meinem kleinen Kopf: erledigt !)

 

Demonstration der Nutzung von Go-Jacks : https://youtu.be/mush3hNbnmY
Der Artikel, der die Entdeckung erst ermöglichte: Transport und Ausstellung des Rolls-Royce von John Lennon

Aurore

Préparation des « petites charriotes » qui seront visibles à la ré-ouverture de la Galerie des Carrosses du Château de Versailles dès mai 2016.  Image : © Aurore T

Vorbereitung der „Kleinen Kutschen“ die bei der Wiedereröffnung der Galerie der Kutschen im Palast von Versailles im May 2016 zu sehen sein werden.
Bild : © Aurore T

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Was passierte am zweiten September? Ein Klima-Kriminalfall für Registrare Teil 4 – Alternative Möglichkeiten

Ich hoffe, dass Ihnen unser kleines Klimarätsel Spaß gemacht hat. Bei vielen unserer Leser war es so und sie schickten uns mögliche Lösungen. Zwei von Ihnen fanden die richtige.

Geert Bellens vermutete sofort, dass der Logger in einen anderen Raum gebracht worden war und er erriet sogar den richtigen Ort:

„Wenn jemand nahe am Logger atmet, kann die Temperatur von 16 auf 30 Grad steigen, aber auch die Feuchtigkeit nimmt zu. Wenn eine Wärmequelle im Spiel ist (Heizkörper, Lampe …) dann ist ein Ansteigen der Temperatur zu erwarten, auch eine niedrigere Luftfeuchtigkeit, aber keine so dramatische Änderung.
Ich vermute, jemand brachte den Datenlogger in einen anderen (wärmeren, trockneren ) Raum, vielleicht auch die Nacht über in ein Auto und brachte ihn am 3. September zurück?“

Und Michael Hall lieferte eine komplette Analyse, die die Sache auf den Punkt brachte:

„Ich meine, der Logger wurde damals von seinem ursprünglichen Standort entfernt. Die Änderungen bei der Luftfeuchtigkeit erfolgen in Abhängigkeit von der Temperatur. Vor und nach den Ausschlägen sind die Bedingungen ziemlich stabil. Die plötzlichen Temperaturänderungen könnten daher rühren, das jemand den Logger aus Versehen in eine Tasche gesteckt hat, die aus einem warmen Umgebung kam, dann das Gebäude verließ, sodass die Temperatur absank, dann ins Auto stieg, mit Klimaanlage nach Hause fuhr und dort ca. 17. 30 ankam. Die Abendsonne erwärmte das Auto, bis es nach dem Sonnenuntergang die Nacht über abkühlte. Um 7.30 am nächsten Morgen fährt die Person zur Arbeit, merkt, dass sie den Logger eingesteckt hat und stellt ihn wieder an seinen Platz.“

Wenn das auch in diesem Fall die richtigen Lösungen waren, so kamen doch auch andere Vorschläge, die Sie in Betracht ziehen sollten, wenn Ihr Datenlogger so merkwürdige Graphiken liefert wie unserer:

„Das Wetter war Anfang September mild, mit Tagestemperaturen um die 24 Grad. Die Temperaturschwankungen sind aber zu groß, um von normalen täglichen Schwankungen hervorgerufen zu sein. Die Luftfeuchtigkeits-Schwankungen stehen im umgekehrten Verhältnis zu den Temperaturschwankungen, d.h. etwas beeinflusste die Temperaturen und es wird deutlich, dass es keine unabhängige Steuerung der relativen Luftfeuchtigkeit gibt. Das Sie sagen, es gäbe keine Klimaanlage, kann auch eine Fehlfunktion der Anlage ausgeschlossen werden. Irgend etwas führte zu dem gleichmäßigen und dann raschen Anstieg der Temperatur, dem langsamen Abfall während der Nacht und der raschen Normalisierung danach. Gibt es eine Zentralheizung in dem Gebäude die ansprang ,wodurch das Depot zu warm wurde und irgendjemand öffnete am Abend des 2. September ein Fenster, das über Nacht offen blieb und das dann am Morgen des 3. September geschlossen wurde?“

„Vielleicht wurde der Datenlogger durch irgend etwas abgedeckt, eine Schachtel, die darauf fiel oder Luftpolsterfolie? Die Angaben beziehen sich dann auf die unmittelbare Umgebung des Datenloggers. Am nächsten Morgen entfernte jemand die Abdeckung.“

„Meine erste Frage wäre die nach dem Zustand des Datenloggers. Wurden die Daten bei der Erfassung, der Interpretation, der Speicherung oder der Übertragung beschädigt oder falsch verarbeitet?
Gibt es zweitens andere Hinweise auf Änderungen bei Temperatur und relativer Luftfeuchtigkeit?
Drittens: Welche Objekte wurden dort aufbewahrt, konnten sie in irgend einer Weise Einfluss haben?
Vielleicht fänden sich in den Antworten auf diese Fragen Hinweise auf das, was passierte.“

„Ein Mitarbeiter tat etwas sehr trockenes als er nach Hause ging und hörte damit auf, als er am Morgen kam. Ich weiß aber nicht, was das war.“

„Ich stimme K. K. zu, es ist etwas auf den Datenlogger gefallen und hat ein besonderes Mikroklima geschaffen, ein Stück Luftpolsterfolie oder ein Stück Stoff – oder irgend ein Tier ist mit dem Sensor in Berührung gekommen – aber vielleicht ist ja auch ein Gespenst in dem Apparat?“

„Es gab starke Sonneneruptionen zwischen dem 1. und 3. September 2013 – könnte das etwas mit den Störungen bei den Aufzeichnungen des Datenloggers zu tun haben?“

Die interessanteste Alternative, etwas woran ich nun wirklich nicht gedacht hatte, kam von Doug Nishimura. Wir gehen ganz selbstverständlich davon aus, dass wir, oder das Gebäude, oder die technischen Geräte das Klima kontrollieren. Manchmal aber ist es anders herum. Dann kontrollieren die Objekte das Klima.

„Ich wollte darauf hinweisen, dass die Stellen, wo die Temperatur und relative Feuchtigkeit zumindest über kurze Strecken gleich ansteigen oder abfallen, so aussehen, als ob die Objekte die Lagerungsbedingungen beeinflussen. Wir haben das in einem historischen Gebäude gesehen, bei dem die Temperaturen im Dachgeschoss anstiegen und fielen je nach Tageszeit. Tagsüber stieg die Temperatur, manchmal begleitet von einem geringen Absinken der relativen Luftfeuchtigkeit, die dann stark anstieg ehe sie wieder abfiel. Wenn die Temperaturen ihren Höhepunkt erreichten und anfingen wieder zu fallen, sah man eine kleine Aufwärtsbewegung der RL, der dann ein rascher Abfall folgte, wenn die Temperaturen sanken, um dann aber wieder zu steigen. Die Erklärung war das Holz des Dachstuhls, das Wasserdampf abgab, wenn die Temperaturen stiegen (und somit den mit dem Steigen der Temperaturen erwarteten Rückgang ausglichen) und die Absorption des Wassers durch das Holz, wenn die Temperatur wieder fiel. Neulich hatten wir mit einem großen Lager mit Keramik aus archäologischen Ausgrabungen zu tun. Auch der Ton absorbierte Wasser wenn die Temperaturen sanken und gab es wieder frei, wenn sich die Keramik erwärmte.

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Ich habe die Abbildung eines Experiments meines Kollegen, Jean-Louis, eingefügt, das er mit Sensoren innerhalb einer Schachtel mit Fotos machte. Er hatte einen Sensor innerhalb des Stoßes von Fotografien angebracht, einen oben auf dem Stapel, einen daneben und einen außerhalb der Schachtel. Der große Pfeil zeigt die ersten Spitzen der Kurve, die die Wirkung des Materials auf die relative Luftfeuchtigkeit innerhalb der Schachtel anzeigen. Man sieht, wie die Temperatur ansteigt und die Luftfeuchtigkeit dem genau folgt, bis sie langsamer zu einem Gleichgewicht gleitet. Wenn die Temperatur sinkt gibt es einen scharfen Abfall bei der RL und dann eine langsame Bewegung zum Gleichgewicht. Als wir uns dann Daten ansahen die im eClimate Notebook hochgeladen wurden, sahen wir, dass dieses Muster erstaunlich oft erschien und wir bekamen heraus: Wenn man man von einem leeren Raum mit nicht-hygroskopischen Wänden ausgeht, dann ist die klimatische Umgebung so so wie sie ist.

Wenn wir anfangen, den Raum mit Objekten zu bestücken, dann kontrolliert der Raum die Objekte. Schließlich erreicht man aber den Punkt, bei dem das Verhältnis des hygroskopischen Materials zum freien Luftraum so ist, dass die Objekte beginnen, den Raum zu kontrollieren. Wir sehen den Effekt allerdings nicht wirklich bei der Temperatur, wenn ich auch darauf hinweisen möchte, dass ein Ries normales Büro-Kopierpapier (Amerikanisches Kopierpapier hat die Maße 8,5 x 11 Inch, bzw. 215,9 mm x 279,4 mm und ein Ries wiegt 5 pounds bzw. 2268 Gramm) eben so viel Wärme speichert oder abgibt wenn es seine Temperatur um ein Grad ändert, wie 3,64 Kubikmeter trockene Luft. Vielleicht fällt der Effekt nicht so auf wegen der geringen thermalen Leitfähigkeit von Papier – aber es ist ein Beispiel dafür, was passieren kann.“

Also Leute, achtet auf Eure Klimadaten!

Übertragung aus dem Englischen ins Deutsche von Brigitte Herrbach-Schmidt.

Dieser Beitrag ist auch auf russisch erhältlich, übersetzt von Helena Tomashevskaya.

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Was passierte am zweiten September? Ein Klima-Kriminalfall für Registrare
Teil 3 – Die Lösung

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„Sieht nach Hosentasche aus“ meinte mein Kollege.

Nun, es ging nicht um eine Hosentasche, aber so kamen wir auf die richtige Spur. Eindeutig war es die Spur einer Person. Ein Depot von der Größe der erwähnten Halle kann nicht innerhalb von 10 Minuten 20% Luftfeuchtigkeit verlieren, außer im Fall wirklicher Katastrophen. Der Grund war also nicht, dass in dem Depot etwas passiert war, sondern dem Datenlogger war etwas zugestoßen.

Und das ist die Geschichte:

Zu Beginn jedes Monats werden die Daten vom Datenlogger auf einen Laptop geladen, nach Möglichkeit am 1. Tag des Monats. Da der 1. September 2013 ein Sonntag war, sollten die Daten am 2. September gesichert werden.

An diesem Tag um 16.30 rief mich der Restaurator an, der für die Datenlogger zuständig ist, dass er es einfach nicht schaffen würde, die Daten an diesem Tag herunter zu laden. Da wir aber am nächsten Tag ein Teamtreffen hatten und ich gerade in diesem Außendepot war, fragte er mich, ob ich den Logger holen und am nächsten Tag ins Museum bringen könnte.

Natürlich konnte ich das. Also holte ich sofort den Logger und verstaute ihn in meinem Auto, um ihn bei der Schließung des Depots nicht zu vergessen. Während ich nun meine Arbeit in dem Außendepot zu Ende brachte, lag der arme Logger, wie man sehen kann, in meinem Auto, das in der vollen Sonne parkte. Ungefähr 20 Minuten später schloss ich das Depot ab und machte mich auf den Weg. Da es im Auto heiß war, kurbelte ich die Fenster herunter, sodass die Temperatur auf angenehme 25 °C (77 °F) sank. Um halb sechs parkte ich mein Auto zu Hause, wieder in der vollen Sonne eines wunderbaren, milden Septemberabends. Es war einer jener letzten warmen Septembertage, an denen man mit einem kühlen Getränk vor dem Haus sitzen und die warmen Strahlen der untergehenden Sonne genießen kann. Offensichtlich war es im Auto nicht ganz so angenehm, da wurden 30 °C (86 °F)erreicht.

Am nächsten Morgen kam ich wieder zum Auto, das in der Nacht auf 13 °C (55.4 °F) abgekühlt war. Mich fror und so stellte ich die Heizung an. Als ich dann um 8.10 vor dem Museum einen Parkplatz fand war das Auto angenehm warm mit 22.5 °C (72.5 °F). Ich nahm den Logger und brachte ihn unserem Restaurator und so registrierte er von da an das gleichbleibende Klima im Inneren unseres Museums.

Ich hoffe, dieses Rätsel aus der wirklichen Welt hat Ihnen Spaß gemacht!

Wie alles begann
Die Spur

Übertragung aus dem Englischen ins Deutsche von Brigitte Herrbach-Schmidt.

Dieser Beitrag ist auch auf russisch erhältlich, übersetzt von Helena Tomashevskaya.

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Was passierte am zweiten September? Ein Klima-Kriminalfall für Registrare
Teil 2 – Die Spur

what_happened

Ich sah mir die Klimakurve an. Sie sah für diesen Tag ganz normal aus, jedenfalls bis etwa 16.30. Es gab einen langsamen Temperaturanstieg von 21 auf 25 Grad Celsius (von 69.8 auf 77 Grad Fahrenheit) und einen Rückgang der Luftfeuchtigkeit von 60% auf unter 50 %. Das ist nichts Außergewöhnliches in der keineswegs idealen Halle in der Übergangszeit eines Deutschen Herbsts. Wenn man die Daten mit denen einer nahegelegenen Wetterstation vergleicht, sieht man, dass unsere Innenraumdaten denen von außen entsprechen: http://archiv.mannheim-wetter.info/2013/pcws/20130902.gif (die dicke grüne Linie gibt die Temperatur, die dünne lila Linie die Luftfeuchtigkeit wieder).

Dann, nach 16.40 Uhr, wurde es skurril. Die Temperatur stieg plötzlich auf 29 °C (84 °F) bei einem Absinken der Luftfeuchtigkeit von 44% auf 23% in bloß 10 Minuten. Als ob das nicht merkwürdig genug gewesen wäre, sehen wir die Temperatur 20 Minuten später wieder auf 25 °C (77 °F) sinken, wobei die Feuchtigkeit langsam bis auf 32% ansteigt. Um 17.30 steigt die Temperatur wieder und klettert bis auf über 30 °C (86 °F) wo sie bis 19.00 verharrt und dann in den nächsten Stunden ganz langsam zu fallen, bis am nächsten Morgen um 7.30 dann 13 °C (55,4 °F) erreicht sind. Dann steigt die Temperatur ganz plötzlich und auf ungewöhnliche Weise wieder: um 7.40 erreicht sie 16 °C (60.8 °F), um 17.50 fast 19 °C (66.2 °F) um dann um 8.10 einen Höhepunkt bei 22,5 °C (72.5 °F) zu erreichen. Anschließend blieb die Temperatur ganz stabil bei 21 °C (68.8 °F) und die relative Luftfeuchtigkeit bei 57%.

Immer wieder sah ich mir die Daten an und diskutierte sie mit Kollegen. Dann murmelte ein Kollege: „Sieht nach Hosentasche aus“.

Nun war mir mit einem Blick auf die Graphik die ganze Geschichte klar. Ihnen auch?

Wie alles begann
Die Lösung

Übertragung aus dem Englischen ins Deutsche von Brigitte Herrbach-Schmidt.

Dieser Beitrag ist auch auf russisch erhältlich, übersetzt von Helena Tomashevskaya.

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Was passierte am zweiten September? Ein Klima-Kriminalfall für Registrare
Teil 1

Ich erhielt einen Anruf von unserer Restaurierungspraktikantin. Sie untersuchte gerade die Klimadaten unserer Depots für das Jahr 2013 und entdeckte etwas wirklich, wirklich Merkwürdiges. Sie schickte mir die Daten und fragte mich, ob ich mir die Daten des 2. und 3. Septembers dieses Jahres irgendwie erklären könnte. Sehen Sie sich das Diagramm unten einmal an, das die Temperatur in Celsius (rote Linie) und die relative Luftfeuchtigkeit in Prozent (blaue Linie) zwischen dem 2. September um 7 Uhr morgens und dem dritten September 12 Uhr zeigt. Können Sie sich das erklären?

what_happened

Der Datenlogger ist ein portables Gerät mit Batterie, das seinen Standort ziemlich zentral in einem großen Depot (etwa 2000 qm, 5 Meter hoch) ohne Klimatisierung hat. Im nächsten Teil werden wir uns das Diagramm genauer ansehen und ich gebe Ihnen auch den Tipp eines Kollegen, der schließlich zur Lösung führte.

Was ist in diesen 29 Stunden passiert, was denken Sie?

Datenblatt

Die Spur
Die Lösung

Dieser Beitrag ist auch auf russisch erhältlich, übersetzt von Helena Tomashevskaya.

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Wie man Objekte NICHT nummeriert!

Es fing alles an einem Freitagmorgen damit an, dass mir eine gusseiserne Gedenktafel in die Hände fiel, die irgendjemand mit einem Post-It mit der Inventarnummer, dem Objekteigename und dem Herstellungsjahr versehen hatte. Und damit das auch ganz bestimmt hält war der Post-It an allen vier Seiten mit Tesafilm festgeklebt worden. Ich fand das zugleich furchtbar und furchtbar komisch, also erzählte ich es den Kollegen von der RCAAM-Emailliste (http://www.rcaam.org/Listserv). Offensichtlich war ich nicht alleine. Hier sind die Erlebnisse, die die Kolleginnen und Kollegen daraufhin mitteilten:

  • Ich habe mal mit einem Objekt gearbeitet, bei dem die Inventarnummer über das Original-Herstellerschild gepinselt war.
  • Das klingt nach den Dingen, die ich gesehen habe als ich meinen Job angefangen habe! Meine Vorgänger wussten nicht, wie man etwas inventarisiert oder wo man die Inventarnummer hinschreibt. Einige der schönen Bilderrahmen haben an allen vier Seiten Inventarnummern, geschrieben in gigantischen Eddingziffern. Es ist furchtbar!
  • Und dann war da noch das feine Leinentaschentuch aus dem 19. Jahrhundert, dessen Inventarnummer in anderthalb Zentimeter großen Buchstaben mit rotem Nagellack direkt auf das Gewebe geschrieben wurde. Wenn ich daran denke, treten mir immer noch die Tränen in die Augen.
  • Ein Kartenspiel aus den 1880er Jahren mit weißer Farbe und Tintennummern.
  • Ich habe selbst gesehen wie der Abteilungsleiter der Abteilung Sammlung dort wo ich damals gearbeitet habe eine Inventarnummer mit einem großen, schwarzen Edding auf eine Hutschachtel aus Pappe geschrieben hat!!
  • Edding auf unglasierter Keramik…
  • Another example of stapling the tag to the textile

    Ein weiteres Beispiel dafür, dass ein Etikett eingetackert wurde.

    Das Etikett in den Pelzkragen eintackern statt es einzunähen.
  • Edding auf Panzerband, das um ledergebundene Bücher aus dem 19. Jahrhundert geklebt wurde (um sie am aufgehen zu hindern).
  • Wow – ihr hattet alle die noblen Eddings. In meinem Museum mussten sich die Mitarbeiter mit der minderwertigen Billigvariante zufrieden geben, um Pappe und Seide zu beschriften.
  • Ich hatte rote Ölfarbe auf unglasierter Keramik. Zählt die Größe? Die Nummern waren fast 2 cm groß…
  • Wie wäre es mit Papieranhängern, die mit einem Bleistift beschrieben wurden welcher nach weniger als 5 Jahren schon komplett verblichen ist?
  • Viele unserer älteren Gemälde sind Opfer der alten „roter Nagellack“ Methode….
  • An einem meiner früheren Arbeitsplätze waren fast alle Inventarnummern in Edding auf den Sammlungsgegenständen angebracht. Zusätzlich stimmte die Nummer oft nicht mit dem Inventarbuch überein, z.B. war es ein anderes Zugangsjahr.
  • Viele Dokumente in unserem Archiv sind so beschriftet: erst kommt eine Schicht weißer oder durchsichtiger Kunstharzlack, dann mit einem archivtauglichen Stift die Nummer und dann eine weitere Kunstharzschicht… das wundert ich immer wieder.
  • Die Universitätsverwaltung verfolgte den Verbleib ihrer „Sachen“ indem sie Inventarnummern vergab, die zum Teil als Metallplatten fest mit den „Sachen“ verbunden waren. Zum Glück machen wir das nicht mehr. Ja, wir lernen… wir sind ja schließlich auch eine Bildungseinrichtung.
  • An einem Museum an dem ich vor Jahren gearbeitet habe gab es eine Landkarte auf Pergament von 1770, die auf der Frontseite mit großen Lettern mit einem blauen Kugelschreiber nummeriert war. Und wer auch immer das gemacht hat wollte wohl sicher gehen, dass sie da drauf blieb denn er hat richtig feste aufgedrückt.
  • Ich fand eine Kiste vollgestopft mit Objekten. Einige in (zu großen) Plastiktüten und ein Paar Mokkasins (nicht alt, sehr, sehr modern). Jemand hatte mit Edding auf die Plastiktüten geschrieben, hatte das nicht trocknen lassen und hat alle Tüten zusammen mit den ungeschützten Mokkasins in die Kiste gestopft…. tja, die Eddingfarbe hat sich auf die Mokkasins übertragen. Die haben jetzt eine Inventarnummer in Spiegelschrift oben drauf.
  • Ich habe schon eine Menge Tinte in Büchern gesehen. Und nicht nur Nummern…
  • Wir finden dauernd Dinge, die vor 50 oder mehr Jahren gemacht wurden und die bei uns leichtes Kopfschütteln hervorrufen. Hier sind meine beiden Lieblinge.

    1. Bei Metallwerkzeugen hatte ich den Fall, dass jemand einen nicht unerheblichen Teil der Oberfläche abgeschliffen hat (genügend, um die Form des Objekts zu verändern) um es schön glatt zu machen und dann wurden mit einem Dremel die Nummern in die Oberfläche eingefräst.

    2. Kennen Sie die Plastik-Klebestreifen in die Nummern mit einer kleinen Handstanze eingedrückt werden? Ich habe solche direkt auf Objekte geklebt gefunden und dazu wurden die noch an beiden Enden festgetackert. Der Klebstoff ist so stark dass sie sich scheinbar kaum entfernen lassen, ohne dass das Objekt Schaden nimmt, deshalb lasse ich es meist wie es ist wenn ich so etwas sehe.

    Man findet schon sehr interessante Dinge in einer über 100 Jahre alten Sammlung!

  • How about carved inside a wood mask? I can say this was not done by anyone claiming to be a museum professional. It was done by the donor in an effort to keep an inventory of the collection. As you can see from the photo, hanging hardware was included for no extra charge. Lucky me!

    Wie wäre es mit in eine Holzmaske eingeritzt? Ich kann zumindest sagen, dass dies nicht von jemand gemacht wurde, der sich als Experte bezeichnet hat. Es wurde vom Spender gemacht, um einen Überblick über seine Sammlung zu behalten. Wie man am Foto sieht wurde die Aufhängevorrichtung gleich mitgeliefert. Hab ich ein Glück!

    Unser Büro für Bestandsverwaltung an der Universität vergibt immer noch Inventarnummern, aber schon vor langer Zeit hat ihnen jemand erklärt, dass Kunstwerke Schaden nehmen, wenn man die direkt draufklebt. Jetzt schicken sie nur noch die Aufkleber und ich sortiere sie in die Objektunterlagen ein.

    Als ich hier anfing fand ich es amüsant, dass, wenn die Bestandsverwaltung stichprobenartig Inventur machte, sie das Objekt gar nicht sehen wollten, sondern nur die Aufkleber. Das hat sich seit ein paar Jahren geändert und jetzt wollen sie beides sehen. Ich schätze es sehr dass ihnen scheinbar wirklich an der Sammlung gelegen ist und dass sie sicher gehen wollen, dass wir sie aufpassen.

    So witzig das alles ist, wir sollten uns daran erinnern, dass zu irgendeinem Zeitpunkt die Leute dachten, dass sie mit der Markierung das richtige tun. Ich frage micht, was zukünftige Registrare in 50 Jahren über uns sagen…

  • Das hat so direkt mit Objektbeschriftung nichts zu tun, aber… wir haben vor einigen Jahren eine Spende von Büchern, Fotografien und andere Kleindrucksachen erhalten, die nun Teil unseres Archives sind. Ich vermute, es wurde gemacht, um die Eigentümerschaft klar zu stellen und/oder vielleicht für die Nachwelt, jedenfalls hat die Spenderin alles mit ihrem Ex-Libris-Stempel versehen, der auch ihren Namen enthält. Die meisten Werke wurden mehrfach gestempelt (vorne, hinten, auf der Umschlagseite). Und in vielen Fällen (mein Lieblingsärgernis) steht der Stempel auf dem Kopf…
  • Wir hatten einen ähnlichen Fall am Thomas Wolfe Memorial in Asheville, aber mit Namenszügen. Thomas Wolfe gehörten einige Bücher in unserer Sammlung und er hat sie auf dem Vorsatzblatt signiert. Nach seinem Tod ist eine seiner Schwestern die Bücher durchgegangen und hat überall „Tom hat das geschrieben“ dazugesetzt, dazu einen dicken Pfeil, der auf seine Signatur deutet.
  • Ich habe 45 Jahre alte Kugelschreibertinte auf Malerkrepp, die auf hunderten von Objekten aus den frühen 1970ern vor sich hinaltert.
  • Im Farmers‘ Museum in Cooperstown, New York, hat eine arbeitsame Seele in den 1940ern mit einem Eimer roter Farbe und einem kleinen Pinsel Inventarnummern auf viele dreidimensionale Objekte geschrieben. Dank der offensichtlich fehlenden Begabung für diese Tätigkeit wird er oder sie traditionell als „Roter Kleckser“ bezeichnet. Die Nummer zu finden ist nie das Problem aber eine 5 von einer 6 oder eine 8 von einer 9 (ad nauseam) zu unterscheiden kann ein unmögliches Unterfangen sein.
  • Ich erinnere mich auch an eine Geschichte der verstorbenen Caroline Keck, betreffs der Nummern auf hunderten von archäologischen Metallgegenständen, die katalogisiert und in ein klimatisiertes Depot eingebracht wurden. Das schnelle Austrocknen der korrodierten Oberflächen bewirkte, dass fast alle Objekte ihre äußerste Schicht abwarfen… zuammen mit der Nummerierung.
  • Ich arbeitete mal irgendwo wo die ObjeKte mehrfach nummeriert worden waren, mit einer ganzen Bandbreite von Nummerierungssystemen und einer ganzen Bandbreite von Größen und Materialien. Wir spielten oft „kannst Du es jetzt noch sehen?“ indem wir Gegenstände hoch hielten und ausprobierten, von wie weit entfernt man die Nummern noch lesen konnte…
  • Großartiges Thema, könnte ein Kapitel eines Buches sein. Hier ist mein persönlicher Favorit: Wenn die schwarze 4 cm große Nummer nicht lesbar ist, sollte es zumindest die weiße 4 cm Nummerierung sein. Was auch immer als durchsichtige Schutzschicht verwendet wurde, es hat bislang allen meinen Versuchen widerstanden sie zu entfernen. Ich habe schon an Sandstrahlen gedacht aber ich fürchte, es wird eher das Metall verschwinden als die durchsichtige Schutzschicht (nur ein ganz klein wenig Galgenhumor).
  • Die Plage der verrückten Nummerierer hat auch die hintere Pampa heimgesucht. Wir haben Beweise, wie die bereits geschilderte mehrfarbige Nummerierung. Auf einigen Objekten wurde die Nummer auch eingraviert, manchmal mit einem Schnitzwerkzeug, manchmal mit einem angeschliffenen Nagel.
  • Cupboard
    Someone, long, long ago, must have found a sale on house paint. Several of our objects look like the pics I am attaching.  The second shows the bottom of a totem, you can see my little number in the center, as well as the yellow painted number I found on it. I just had to re-number it myself to indicate my disgust at the first method. At least they could have gotten the number right the first time (you'll see it is marked out and rewritten, as if one go-round with paint wasn't enough - sheesh!!).

    Jemand muss vor langer, langer Zeit mal ein Schnäppchen bei gelber Wandfarbe gemacht haben. Einige unserer Objekte sehen so aus wie es die Bilder zeigen.
    Das zweite zeigt die Unterseite eines Totems, man kann meine kleine Nummer im Zentrum erkennen, zusammen mit der gelben Nummer, die ich vorgefunden habe. Ich musste es einfach nochmal nummerieren um meine Verachtung für die erste Methode herauszustellen. Sie hätte wenigstens beim ersten Mal die Nummer richtig schreiben können (man sieht, dass sie durchgestrichen und darüber geschrieben wurde, as ob ein Anstrich mit Farbe nicht schon genug wäre – tztztz!!)

    Gut zu wissen, dass man unter Freunden ist! Hier sind einige unserer Sünden der Vergangenheit… Edding, roter Nagellack, gelber Nagellack, Metallgravur, Schlagzahlen, Kugelschreiber auf Papier, Tipp-Ex (ja, die Objekte wurden quasi mit Tipp-Ex angestrichen), verschiedene Nummernsysteme auf einem Objekt, Heftklammern in Textilien, Malerkreppetiketten, Metallklammern… Nummern in verschiedenen Größe und Formen… wir haben soweit ich weiß sogar ein paar neonfarbene Beschriftungen… Seufz.
  • Ich bin ja so froh, dass meine Institution nicht die einzige ist, das eine Geschichte hat in der mit diesen Plastikbeschriftungsdingern gearbeitet wurde! Unsere unerschrockenen Vorfahren hatten offensichtlich Angst, dass wir bei manchen Dingen den Zweck nicht mehr erfassen würden, also haben sie uns Plastikschilder hinterlassen, auf denen Dinge stehen wie „hölzerne Schale“ oder „Buttermodel“. Direkt auf der Vorderseite des Objekts. Diese armen Schalen hatten nicht den Hauch einer Chance.
  • Tatsächlich habe ich die teuflischste aller Nummerierungsmethoden vergessen. Vor Jahren hat ein Kurator für die historischen Stätten im Staat North Carolina die Mitarbeiter in den einzelnen Gedenkstätten angewiesen, die Inventarnummern auf Klebeetiketten zu schreiben und diese auf die Objekte zu kleben. Über die Jahre sind die Etiketten ausgetrocknet, sind abgefallen und die dienstbaren Mitarbeiter haben sie zusammengefegt und weggeworfen. Nicht nur, dass wir jetzt eine klebrige Stelle dort haben, wo das Etikett war, wir haben auch ziemliche Mühe herauszufinden, welches Objekt zu welchem Datensatz passt – dank schlechter Maßangaben und Beschreibungen. Aber das ist eine andere Geschichte. (Seufz)
  • Bevor ich hier arbeitete gab es mal einen Direktor, der seinen Mitarbeitern Anweisung gab silbernen Nagellack als Grundierung zu verwenden, auf die dann die Inventarnummer mit rotem Edding geschrieben wurde. Gefolgt von einer Schutzschicht aus klarem Nagellack. Über die Jahre sind die Nummern so ausgeblichen, dass sie fast unmöglich zu lesen sind. Wenn es kein silberner Nagellack war, dann war es Tipp-Ex.

    Der selbe Direktor nahm auch den Radierer am anderen Ende von Tintenschreibern, um ein Areal auf einer Münze zu „reinigen“, bevor er die Nummer darauf schrieb.

    Einen hab ich noch – als die Sammlung noch an einer Hochschule war, wurde ein emeritierter Professor Direktor. Er entschied, dass alles gekennzeichnet werden müsse. Er malte also einen großen weißen Klecks auf alles, schrieb die Nummer mit Tusche darauf und versah das Ganze mit einer Schutzschicht aus Schellack, der oft am Objekt herunterlief. Das machte er meistens an der auffälligsten und herausragensten Stelle an der Vorderseite des Objektes und die Größe änderte sich nie. Es war immer RIESIG! Manchmal schrieb er noch zwei- oder dreimal die exakt gleiche Nummer auf das gleiche Objekt. Wir haben einen wunderschönen Zuni Pueblo Topf bei dem die Nummer auf das Muster gemalt ist. Der Schllack ist dann an den Seiten des Topfes heruntergelaufen. Oh, die Menschheit!

Und der Gewinner ist…

Drei Tage nach meinem ursprünglichen Aufschrei gab es einen Beitrag, den wir einvernehmlich als ultimativen Gewinner auszeichneten:
“An einer ehemaligen Arbeitsstelle hatten wir einen menschlichen Schädel auf dem die Inventarnummer irgendwann im letzten Jahrhundert pflichtschuldigst mit schwarzem Stift mitten auf die Stirn aufgebracht wurde. Und das war ausgerechnet einer der Fälle, den wir repatriiert haben.”

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