Ein Käfer ist keine Kaffeetasse – Warum Umzüge naturkundlicher Sammlungen keine „normalen“ Umzüge sind

Dass ein Käfer kein Haushaltsgegenstand ist, kling zunächst trivial, ist es aber nicht. Geht eine Kaffeetasse bei einem Umzug zu Bruch, kauft man eben eine neue. Ärgerlich wird es, wenn das Service zu dem die Kaffeetasse gehörte nicht mehr hergestellt wird. Ein nicht ersetzbarer Verlust ist es, wenn diese spezielle Kaffeetasse mit einer besonderen Erinnerung verbunden war, etwa, weil sie der Urgroßmutter gehörte oder weil das Kind sie selbst getöpfert hatte.

Der Fall liegt bei Museumssammlungen ähnlich, nur geht es nicht um den Erinnerungswert für eine Person oder eine Familie, sondern um die Geschichte der Menschheit. Entsprechend schwer wiegt der Verlust eines Objektes hier.

Bei naturkundlichen Sammlungen kommt nun ein weiterer Aspekt hinzu: hier bedeutet der Verlust eines Sammlungsstückes gleichzeitig den unwiederbringlichen Verlust von Informationen, die für die aktuelle und zukünftige Forschung wichtig sind. Zwar ist das grundsätzlich auch bei kunst- und kulturgeschichtlichen Sammlungen der Fall, hier können aber die Auswirkungen des Verlustes zumindest teilweise durch gute Dokumentation und Digitalisierung gemildert werden. Unser Käfer ist jedoch selbst der Wissensspeicher für Informationen, die nur durch ihn zu bekommen sind. Nur dieses Exemplar ist zu exakt dieser Zeit an exakt diesem Ort gesammelt worden und birgt all die Informationen über seine damalige Umwelt in sich. Keine Form von Dokumentation und Digitalisierung kann alle Fragen erfassen, die zukünftige Generationen von Forschern an ihn haben werden. Ein Erhalt dieser Information ist nur über den Erhalt des Käfers selbst möglich.

Käfer in einer Museumssammlung. Die einzelnen Tiere befinden sich auf einer säurefreien Unterlage und sind mit dieser und ihrem Label zusammen auf eine Unterlage gespießt.
Käfer in einer Museumssammlung. Bild von Markéta Klimešová auf Pixabay

Nicht alle Käfer gehören in die Sammlung

Da der Erhalt der Sammlungsstücke von so großer Bedeutung ist haben Generationen von Forschern versucht, Schaden von ihren Objekten fernzuhalten. Naturkundliche Sammlungen sind für Schädlinge äußerst attraktiv und dementsprechend wurde alles, was die chemische Forschung und Industrie in den vergangenen Jahrhunderten an Bioziden entwickelt hat hier eingesetzt. DDT in Käfersammlungen, Arsen in Taxidermien, Quecksilber in Herbarien, vom Nervengift bis zur Phosphorsäure ist alles dabei, was die Gesundheit nachhaltig schädigen oder gar tödlich sein kann.

Für den Umzugsfall bedeutet dies, dass Sie gleich zwei Dinge mit bedenken müssen, die bei einem konventionellen Haushalts- oder Büroumzug gar keine Rolle spielen:

  • Sie müssen verhindern, dass Schädlinge die günstige Gelegenheit nutzen, um während eines Transportvorgangs in Ihre Sammlung zu gelangen. Das bedeutet, dass die Umzugsgebinde entsprechend verpackt sind und die Transportwege so mit Schleusen und Quarantänestationen ausgelegt sind, dass ein Befall ausgeschlossen werden kann.
  • In Ihren Arbeitsabläufen müssen Sie davon ausgehen, dass Sie mit hoch schadstoffbelasteten Gütern arbeiten. Biozideinsatz in Sammlungen wurde in der Vergangenheit meist nicht oder nur unzureichend dokumentiert. Gewissheit darüber, mit welchem Giftstoff in welcher Menge Sie es zu tun haben ist nur durch Messungen im Vorfeld zu ermitteln. Daraus ergeben sich dann Anforderungen für Schutzausrüstungen, Transport und Lagerung.

Davon abgesehen gibt es eine weitere Gefahrenquelle: die Objekte selbst. Manche von ihnen sind selbst giftig oder radioaktiv und müssen dementsprechend anders behandelt, transportiert und gelagert werden als eine Kaffeetasse.

Käfer auf Reisen – keine Pauschaltouristen

Transporte gehen dann schnell und unproblematisch, wenn Dinge standardisiert werden können. Vom Privatumzug kennen Sie das: Es gibt standardisierte Umzugskartons, die dann perfekt in den Umzugswagen passen. Sie müssen lediglich darauf achten, dass Sie diese Kartons gut packen und nicht überlasten.

In naturkundlichen Sammlungen gibt es auch viele Dinge, die sich für den Transport standardisieren lassen. Käfer werden z.B. meist mit vielen Artgenossen zusammen in einer Schublade gelagert und diese Schublade kann dann mit anderen Schubladen zusammen verpackt und transportiert werden. Viele andere Sammlungsgegenstände tun den Sammlungsverantwortlichen diesen Gefallen aber nicht.

Viele Objekte in naturkundlichen Sammlungen sind sogenannte Feuchtpräparate, die in mit Alkohol oder Formalin gefüllten Gläsern aufbewahrt werden. Diese Sammlungsobjekte sind nicht nur zerbrechlich, sie sind auch noch vibrationsempfindlich, der Inhalt feuergefährlich und gesundheitsschädlich. Darüber hinaus darf ihre Transportroute nicht durch ein Wasserschutzgebiet führen.

Dies ist nur ein Beispiel für die vielen Sonderfälle die beim Umzug einer naturkundlichen Sammlung auftreten und vom Standard abweichen. Manches ist so schwer, dass Sie eine Schwerlastfirma beauftragen müssen. Anderes ist so fragil, dass dafür erst spezielle Transportverpackungen gebaut werden müssen. Vieles ist sowohl schwer als auch zerbrechlich. Manche Präparate müssen dauerhaft gekühlt werden, um erhalten zu bleiben. Hier darf beim Transport die Kühlkette nicht unterbrochen werden. Eine präparierte Giraffe oder ein Walskelett kann so komplexe Herausforderungen an den Transport stellen, dass mehrere Experten mehrere Tage mit der reinen Planung der besten Transportmethode beschäftigt sind.

Käfer einlagern – kein Fall fürs Möbelhaus

Wenn Sie bis hierher gelesen haben, haben Sie es vermutlich schon erraten: Der Lagerort für eine naturkundliche Sammlung muss eine ganze Menge leisten. Er muss Schädlinge abhalten, ein stabiles Raumklima bieten, ausreichend Luftzirkulation haben und mit Möbeln ausgestattet sein, in denen die Objekte über Jahrzehnte so gelagert werden können, dass sie keinen Schaden nehmen und trotzdem leicht für die Forschung zugänglich sind.

Unterschiedliche naturkundliche Sammlungsarten können dabei sehr unterschiedliche Anforderungen haben. Hohe Luftfeuchtigkeit ist meistens das größte Problem, da sie Schimmel begünstigt und Schädlinge anzieht. Doch auch Trockenheit kann Schäden verursachen. Temperaturschwankungen lassen Felle an präparierten Tieren reißen und Fossilien auseinanderbrechen. Eine nicht ausreichende Belüftung lässt die Schadstoffkonzentration im Raum steigen und die Schimmelgefahr wächst. Gute Museumsdepots bieten für jede Art von Sammlung das jeweils passende Raumklima. Sie sind so konstruiert, dass selbst im Notfall, bei Ausfall sämtlicher Technik, mit konventionellen Mitteln schnell wieder gute Lagerungsbedingungen hergestellt werden können, bevor es zu Schäden an den oder gar Totalverlust von Sammlungsobjekten kommt.

Zur sicheren Lagerung gehört auch die Zugänglichkeit. Objekte müssen so entnommen werden können, dass sie und die mit ihnen zusammen gelagerten Objekte keinen Schaden nehmen. Unser Käfer ist dabei in seiner Schublade schon sehr platzsparend aufbewahrt. Andere Objekte brauchen mehr Platz, Sie müssen z.B. ein Feuchtpräparat mit seinem Glas so aus dem Regal nehmen können, dass die benachbarten Gläser dabei nicht bewegt werden müssen. Diese Bewegungsfreiheit kostet Lagerplatz, ist aber unabdingbar für die sichere Lagerung.

Für all diese Probleme gibt es gute Lösungen, die aber nicht im nächsten Baumarkt erhältlich sind. Es gibt Experten und Firmen, die sich auf dieses Fachgebiet spezialisiert haben.

Was am endgültigen Lagerort geplant ist, hat Auswirkungen auf den Umzug selbst: wenn sich unser Käfer zum Beispiel im Moment in einer Schublade befindet, die durch Biozide verseucht ist oder schlicht nicht ins Raster der neuen Sammlungsmöblierung passt, dann müssen er und seine Artgenossen vor dem Umzug in eine neue Schublade umziehen. Es kommt also durchaus vor, dass ein großer Umzug im Vorfeld mehrere kleinere Umzüge bedingt.

Fragen an den Käfer zu jeder Zeit

Kunst- und Kulturgeschichtliche Sammlungen schränken oft einen Großteil ihrer Sammlungs-, Ausstellungs- und Forschungstätigkeit während der Zeit eines Sammlungsumzugs ein. Eine naturkundliche Sammlung, die Teil eines internationalen Forschungsnetzwerks ist, wird sich diesen relativen Luxus in den meisten Fällen nicht leisten können.

Das bedeutet aber auch, dass ein Sammlungsumzug hier ganz anders angegangen werden muss. Es können nicht einfach ganze Sammlungsteile verpackt und bis zum eigentlichen Umzug kompakt und weitestgehend unzugänglich eingelagert werden. Zu jeder Zeit muss ein Zugriff auf einzelne Objekte und Sammlungsteile möglich sein.

Generell gibt es zwei Möglichkeiten mit dieser Anforderung umzugehen: Entweder wird die Zeit in der eigentlichen Umzugseinheit so kurz wie möglich gehalten, das heißt Transportvorbereitung, Verpacken, Transport, Entpacken und neu einlagern geschieht innerhalb weniger Tage. Oder die Umzugseinheiten werden so gewählt, dass auch während der Phase der Einlagerung ein Zugriff jederzeit gefahrlos möglich ist. Beide Möglichkeiten haben Vor- und Nachteile, bedeuten aber beide, dass an Start- und Zielort mehr Platz benötigt wird und ein Mehraufwand an Zeit und Personal im Vergleich zu anderen Sammlungstypen besteht.

Schlussbemerkung: Im Zweifel für den Käfer

Mit dem Erfahrungshorizont der eigenen Haushaltsumzüge erscheint der Zeit-, Kosten- und Personalaufwand für den Umzug von Museumssammlungen immer relativ hoch. Dieser Eindruck relativiert sich schnell, wenn man die Hintergründe kennt.

Dabei ist keine Art von Museumssammlung per se „einfacher“ oder „schwieriger“ umzuziehen als eine andere. Jede Art hat ihre eigenen Herausforderungen. Naturkundliche Sammlungen gehören dabei aber sicherlich zu den komplexesten mit denen man es zu tun haben kann. Und sie haben mit einem Manko zu kämpfen: während jeder einsieht, dass man die Mona Lisa nicht einfach auf die Ladefläche eines alten Lastwagens wirft, ist ein Käfer augenscheinlich „nur“ ein Käfer. Dass er ein Wissensspeicher ist, dessen unentdeckte und undokumentierte Informationen unter Umständen bedeutsamer sind als das umfassend untersuchte und dokumentierte Kunstwerk von Leonardo da Vinci sieht man ihm nicht an.

Zur eigentlichen Komplexität des Umzugs und der schieren Masse an Exemplaren, die von A nach B transportiert werden müssen, kommt also noch eine weitere Herausforderung: Der Öffentlichkeit klarzumachen, warum ein Käfer keine Kaffeetasse ist.

Vielleicht trägt dieser Artikel ja ein wenig dazu bei.

Angela Kipp

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Lasst uns über unbearbeitete Sammlungen reden

Die Neuauflage von “Managing Previously Unmanaged Collections” ist gerade in der Mache, aber noch nicht fertig. Tatsächlich poste ich hier während ich noch fieberhaft meine vielen Randbemerkungen durchfilze und wie verrückt all die Dinge eintippe, die ich beim letzten Mal vergessen oder übersehen habe.

Zeit, das Gespräch zu eröffnen, Ihnen zu zeigen wie weit ich bisher gekommen bin und meine Notizen mit Ihnen, den Leser:innen der ersten Auflage, meinen Kursteilnehmenden, oder ganz allgemein am Thema Interessierten abzugleichen.

Zeit in die Tasten zu hauen – oder das Mikrophon zu ergreifen.

Glückskatze liegt auf Keyboard und greift nach den Tasten.

Nehmen Sie kostenlos am Gespräch teil!

Museum Study veranstaltet kostenlos diesen „Unmanaged Collections Talk“ (in englischer Sprache) am Dienstag, 19. Dezember um 21 Uhr Mitteleuropäische Zeit, 20 Uhr in Großbritannien, 15 Uhr Eastern North America, 14 Uhr Central America, 13 Uhr Mountain, 12 Uhr Pacific, 11 Uhr Alaska, 10 Uhr Hawaii, Mittwoch 20. Dezember 9 Uhr in Neuseeland, 7 Uhr in Australien.

Wie kann ich mich anmelden?

Einfach per Mail an Webinar@MuseumStudy.com

Sie haben eine Frage oder eine Idee, können aber nicht teilnehmen oder lieber schreiben?

Kein Problem, hinterlassen Sie einfach hier einen Kommentar oder schreiben Sie an angela.kipp@museumsprojekte.de

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EODEM – Es ist da! Aber warum sollte mich das interessieren?

EODEM 1.0, das Exhibition Object Data Exchange Model (Ausstellungsdatenaustauschmodell – und habe ich erwähnt, wie sehr ich es liebe, dass man das auf deutsch zu einem Wort machen kann?), wurde am ersten September veröffentlicht. Aber warum sollten Sie als Registrar*in sich von diesen fünf Buchstaben begeistern lassen? Ist es nicht einfach noch ein Standard in einer Museumswelt, der es wahrlich nicht an Standards mangelt – aber an Menschen, Geld, Zeit und, leider all zu oft, der Unterstützung auf institutioneller Ebene sie in die Praxis umzusetzen?

Nun, zunächst einmal ist es kein Standard. Es ist ein Austauschmodell. Richtig gehört, es ist nicht etwas, das Sie dazu zwingen wird, Ihre Daten umzuorganisieren – obwohl das, ehrlich gesagt, nie ein Fehler ist, wenn man schon mal dabei ist und EODEM wurde auch als Profil des LIDO-Standards definiert. Nein, EODEM ist etwas, das es Ihnen ermöglichen wird, die Angaben, die Sie bereits über Ihre Objekte in der Datenbank haben mit anderen Kolleg*innen auszutauschen. Also etwas, das Sie höchstwahrscheinlich jetzt schon tun, wenn Sie am Leihverkehr teilnehmen und mit anderen Institutionen für Ausstellungsprojekte zusammenarbeiten.

Diese nervige Tipparbeit die Daten einer anderen Institution aus einem Formular oder einer Email in Ihre Datenbank zu übertragen könnte mit EODEM der Vergangenheit angehören! Wenn es in Ihrem System implementiert ist, können Sie einfach die EODEM-Datei, die Ihrer Kolleg*innen Ihnen geschickt haben importieren und die Informationen werden genau in den Feldern Ihrer Datenbank erscheinen, in denen Sie sie benötigen. Es ist nicht wichtig, mit welchem Datenbanksystem die Kolleg*innen in der anderen Institution arbeiten. Wenn dieses System EODEM-Datensätze aus den dortigen Dateien erzeugen kann, dann können Sie die Daten bei sich importieren, egal welches System Sie benutzen!

Logo of the Exhibition Object Data Exchange Model, yellow letters EODEM with an arrow pointing from the E through the O and another coming from the M
EODEM logo

Es gibt ein großes Aber: Nur, weil EODEM da ist, heißt das noch lange nicht, dass es auch in Ihrer Datenbank ist. Die gute Nachricht: EODEM wurde zusammen mit Datenbankanbietern entwickelt, so dass es von Anfang an so aufgebaut wurde, dass es einfach in die meisten Sammlungsverwaltungssysteme zu implementieren sein sollte. Die schlechte Nachricht? Anbieter für Sammlungsverwaltungssysteme sind keine großen Softwarefirmen, die Museumswelt ist ja auch keine besonders große Industrie. Also sitzt da keine Armada von Software-Entwickler*innen, die nichts anderes zu tun haben, als darauf zu warten, dass EODEM endlich fertig ist und sie es implementieren können. Statt dessen steht es auf einer langen Liste mit den vielen anderen Dingen, die eingebaut, entwickelt, und/oder in Ordnung gebracht werden müssen.

Und raten Sie mal? Genau. Hier kommen Sie ins Spiel.

Je mehr Nutzer*innen eines bestimmten Sammlungsverwaltungssystems ihren Anbieter fragen, wann EODEM für sie verfügbar sein wird, desto wahrscheinlicher bekommt es eine Topplatzierung auf der Liste der Entwickler*innen. Also ist das, was Sie, ja, genau, Sie, der/die einzige Registrar*in in ihrem Museum, der/die überarbeitete Überarbeiter*in von Daten, die Person, die ohnehin schon viel zu viel gleichzeitig zu tun hat, selbst tun kann, um in Zukunft Ausstellungsdaten mit einem Klick auf einen Knopf zu exportieren und zu importieren, ist einfach, Ihren Anbieter zu fragen, wann denn diese Möglichkeit in Ihrer Datenbank zur Verfügung stehen wird.

Jemandem auf die Nerven fallen bis die andere Seite es tut, weil es einfacher ist, als immer wieder „nein“ oder „mal schauen“ zu sagen kommt Ihnen bekannt vor? Ha! Hab ich es mir doch gedacht! Das ist eigentlich die Stellenbeschreibung eines/einer Registrar*in. Was im Umkehrschluss bedeutet, dass Sie EODEM bekommen werden, wenn Sie sich dahinter klemmen.

Sie schaffen das!

Angela

Mehr zu EODEM:

Alles über EODEM auf der Website von CIDOC:

EODEM Spezifikationen und Beispiele:

Rupert Shepherd hält Sie auf seiner persönlichen Website auf dem Laufenden:

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Update zur zweiten Ausgabe von Managing Previously Unmanaged Collections – und Registrar Trek kommt nach Aberdeen!

Bild von <a href="https://pixabay.com/de/users/jmclellon-23686126/?utm_source=link-attribution&utm_medium=referral&utm_campaign=image&utm_content=7146389">Jamie McLennan</a> auf <a href="https://pixabay.com/de//?utm_source=link-attribution&utm_medium=referral&utm_campaign=image&utm_content=7146389">Pixabay</a>
Aberdeen South Breakwater Head Lighthouse (erbaut 1815), Bild von Jamie McLennan über Pixabay

Ein kurzes Update: Die Arbeit an der nächsten Ausgabe von “Managing Previously Unmanaged Collections” hat begonnen. Zunächst mit einer Durchsicht, bei der ich veraltete, schlecht formulierte (so habe ich zum Beispiel oft „he or she“ geschrieben, das wird jetzt zu „they“) oder unklare Stellen notiere. Falls Ihnen so etwas aufgefallen ist, lassen Sie es mich wissen, vier Augen sehen mehr als zwei.

Ich konnte ein paar Kolleg*innen gewinnen, die Geschichten aus dem wahren (Sammlungs-)Leben beitragen möchten, aber mir fehlen immer noch Beispiele von indigenen Sammlungsgütern (die vorzugsweise von Menschen verwaltet werden, die selbst einen Bezug zu den betroffenen Nationen haben, obwohl das kein Muss ist) und digitalen Sammlungen.

Falls Sie jemanden kennen, die jemanden kennt, der jemanden kennt… bitte weitersagen!

Und nun zu etwas ganz anderem: Ich komme Anfang September nach Aberdeen, meine eigene Variante von arbeiten und reisen – ich schule einen unserer Kunden und nutze gleich die Gelegenheit zum Sehenswürdigkeiten gucken und wandern. Das freut mich deshalb so besonders, weil die Stadt und Aberdeenshire immer noch auf meiner inneren Landkarte fehlen. Falls Sie in der Nähe wohnen und Lust auf einen Kaffe oder Tee und Fachsimpeln haben, geben Sie mir bescheid.

Bleiben Sie bitte gesund, gewässert und glücklich!

Angela

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Je mehr sich die Dinge ändern…

Calico cat grabbing computer keyboard

Als ehemalige Depotleiterin hätte es mich eigentlich nicht überraschen sollen, dass ein Blog wenn man es über fast 4 Jahre unbetreut lässt Staub ansetzt. Also, nicht richtigen Staub, eher… virtuellen Staub?

Google hat seinen RSS-Abonnement-Service eingestellt und so brauchte es eine Weile, bis ich entdeckte, dass die neuen Beiträge gar nicht mehr ausgeliefert werden. Also haben Sie möglicherweise verpasst, dass ich nachgefragt habe, was Ihnen in Managing Previously Unmanaged Collections gefehlt hat und was in einer Neuauflage unbedingt enthalten sein sollte.

Nach einigem hin und her habe ich mit follow.it eine Alternative zu Feedburner gefunden. Wenn Sie die Updates jetzt also von einem anderen Service erhalten – daran liegt es. Ich hoffe, das funktioniert, falls nicht, lassen Sie es mich bitte wissen.

Das nächste Dings, das auf meiner Zu-Erledigen-Liste stand, und das schon seit Jahren, war ein Layout zu finden, das auch auf Smartphones einigermaßen gut funktioniert. Dabei habe ich leider die lokalisierte Kopfzeile verloren und auch etwas von dem Charme der Anfangsjahre, aber ich hoffe, dass die Seite jetzt unabhängig vom Endgerät gut funktioniert. Feedback ist auch hier erwünscht!

Schließlich und endlich werde ich wohl nicht mehr so aktiv sein wie vor ein paar Jahren, dazu haben sich zu viele Dinge verändert, aber das Blog ist immer noch hier, also wenn Sie etwas interessantes aus unserem Berufsbereich zu berichten haben, immer her damit!

Bleiben Sie gesund!

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Managing Previously Unmanaged Collections – Überarbeiten, Anreichern, Aufmotzen

Was möchten Sie darin sehen?

Eine Glückskatze schläft auf dem Buch

Gibt auch ein gutes Kopfkissen ab!

Es ist sieben Jahre her seit “Managing Previously Unmanaged Collections” herausgekommen ist. Rowman & Littlefield haben mich netterweise gefragt, ob ich eine Neuauflage in Angriff nehmen möchte, und ich fühle mich versucht “Ja klar doch!” zu brüllen.

Aber seit der ersten Auflage ist es schon eine ganze Weile her und eigentlich habe ich damals schon alles gesagt, was ich sagen wollte. Also spanne ich Sie mit ein: Welche Passagen möchten Sie erweitert sehen? Was haben Sie vermisst? Was ist unnötig und kann in der nächsten Auflage “entsammelt” werden?

Ich möchte auch mehr von Ihren Geschichten mit einfließen lassen. Hat Ihnen das Buch bei einer unorganisierten Sammlung geholfen? Möchten Sie diese als Beispiel aus dem richtigen Leben einfließen lassen? Schreiben Sie mir, ich wäre hoch erfreut.

Haben Sie das Buch im Einsatz gehabt und das zeigt sich an Eselsohren, gekritzelten Kommentaren und Klebezetteln? Bitte, ich möchte diese “Action-Fotos” gerne sehen und eventuell auch hier veröffentlichen.

Blick in ein chaotisches Zimmer, ein Tisch lehnt gegen ein Fenster, jede Menge unorganisiertes Zeug liegt rum.Die Welt hat sich verändert, andere Dinge nicht. Sie erreichen mich immer noch unter angela.kipp AT museumsprojekte.de

Nachdem Twitter von Leuten übernommen wurde, mit denen ich mich nicht assoziert sehen möchte und die auch mit mir keine Geschäfte machen sollen, bin ich auf Mastodon als die freundlichere Alternative gewechselt. Sie finden mich dort als @registrartrek@glammr.us obwohl ich immer noch dabei bin herauszufinden wie das alles funktioniert.

Ach ja, das Registrar-Trek-Blog hat auch seine eigene Instanz, Sie erhalten die Updates, wenn Sie @admin@world.museumsprojekte.de von Ihrem Mastodon-Account aus folgen.

Passen Sie auf sich auf und ich freue mich, von Ihnen zu hören!

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Hallo mal wieder!

Liebe Leserinnen und Leser,

aus Versehen wurde heute ein Testbeitrag versandt. Dieser Beitrag wurde aufgesetzt, um mit der Funktionalität der Website zu experimentieren und, ja, sie funktioniert noch. Ich habe die Veröffentlichung vor Jahren auf ein Datum in der Zukunft gesetzt und offensichtlich ist die Zukunft heute. Also, Entschuldigung hierfür!

Ich vermute mal, das soll ein Zeichen dafür sein, dass ich die Arbeit hier wieder aufnehmen soll, aber, ehrlich gesagt, bin ich immer noch dabei meine Füße zu finden, wie das der Engländer so schön ausdrückt. Außerdem ist es familiär wie arbeitstechnisch gerade alles andere als unproblematisch, also muss ich Sie um Geduld bitten.

Das letzte Jahr war kein gutes, also freue ich mich auf 2020. Bessere Neuigkeiten sind, dass ich im September einen Ausflug nach London und Schottland unternommen habe und einige großartige Kolleginnen und Kollegen getroffen habe. Ab Februar werde ich wieder einen Kurs zum Thema managing preciously unmanaged collections leiten und es gibt Anzeichen dafür, dass dieses Jahr die 6. Edition der „Bibel“ Museum Registration Methods herauskommen wird.

Bis ich wieder in der Lage bin, etwas zu schreiben, gibt es hier noch ein paar Reisebilder.

Bis dann!

Angela

Mein Emailanbieter hat übrigens gewechselt und ich weiß, dass ich beim Überspielen einige Mails verloren habe. Ab jetzt erreichen Sie mich über: angela.kipp (at) museumsprojekte.de Danke!

Ich habe Schottland immer geliebt und ich habe mich dieses Mal noch mehr verliebt. Ich bin per Bahn durchs Land gereist, ohne wirkliches Ziel außer dem einen, nämlich Leute zu treffen und die Atmosphäre auf mich wirken zu lassen.

Auf dem Weg nach Norden habe ich aufgrund einer Verspätung den Zug nach Thurso verpasst. Scot Rail hatten ein Taxi organisiert, um den Anschlußzug einzuholen. Ich wünschte, die Deutsche Bahn hätte so einen Service. Nette Überlandfahrt war es dazu auch noch.

Eines Tages fand ich mich auf einer Fähre in Richtung der Orkney Islands wieder.


Zufällig fand ich mich am Ende der Buslinie in St. Margaret’s Hope wieder. Eine nette Ortschaft. Falls Sie da je vorbei kommen, versuchen Sie die Muscheln im Murray Arms Hotel, die Besitzer tauchen selbst danach und so bekommen Sie die nirgends frischer.
Übrigens habe ich für dieses Bild die Empfehlung eines Einheimischen befolgt: „Wait til the sunn cumms uuut“ (Warten Sie, bis die Sonne herauskommt).


Da es mich auf dem Weg von den Standing Stones völlig durchnässt hatte, suchte ich im Besucherzentrum von Maeshowe Zuflucht und Tee and traf dabei auf diese knuddeligen Gefährten. Ja, ich weiß auch, dass Wikinger keine Hörner an den Helmen hatten. Aber wissen Sie was? Wenn das die nicht stört, stört es mich auch nicht.


Als Whovianerin war ich natürlich äußerst erfreut über diesen Anblick in Glasgow. (Ich könnte sagen, dass die Sache mit dem Testpost mit einer wibbelig-wobbeligen Sache zu tun hat, aber diese Referenz werden die meisten von Ihnen vermutlich wenig überzeugend finden.)


Die Sache, die mir am meisten in Erinnerung bleiben wird ist die Freundlichkeit und Höflichkeit der Menschen, die ich getroffen habe. Stellvertretend hierfür dieser Teebeutel, der lediglich empfiehlt, wie man ihn eventuell verwenden könnte.


Interessanter Weise hatte ich die einzig nahe Begegnung mit einem Hochlandrind nur 5 km von meinem Wohnort in Deutschland entfernt. So viel dazu.


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Liebe Leserinnen und Leser, Registrare und Sammlungsspezialisten,

Die Hausbachklamm bei Weiler-Simmerberg, Bernds Heimatort.

Es ist meine traurige Pflicht Sie und Euch zu informieren, dass am 25. März, auf den Tag genau 11 Jahre nach seinem Vater, 4 Tage nach seinem 51. Geburtstag mein Kollege, Lebensgefährte, Seelenverwandter und bester Freund Bernd plötzlich und unerwartet verstorben ist. Ich bin immer noch dabei mich zu sammeln und kann mich im Moment nicht um diesen Blog kümmern. Ich hoffe, dass ich in der Zukunft darauf zurückkommen kann, da er immer gesagt hat, dass die Arbeit daran mich sichtbar glücklich macht.

Wir haben sogar mal einen Beitrag zusammen geschrieben, den Sie vielleicht noch einmal lesen möchten: „Haushaltsgeräte, Möbel und darüber hinaus – Technische Objekte erfassen

Bis hoffentlich bald

Angela

Dieser Beitrag ist auch auf italienisch erhältlich, übersetzt von Marzia Loddo.
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Fachkongress FOCUS: Museum – Depotplanung und Sammlungsmanagement

Treffen Sie die KollegInnen in Brandenburg / Havel
Foto: Fritz Fabert

Vom 15. Bis 17. April 2019 findet im Archäologischen Landesmuseum in Brandenburg an der Havel wieder die Fachveranstaltung FOCUS: Museum statt. In diesem Jahr dreht sich alles um Depotplanung und Sammlungsmanagement.
Der dreitägige Fachkongress im Paulikloster in Brandenburg an der Havel widmet sich in zahlreichen Vorträgen, Erfahrungsberichten und Diskussionsformaten den Themen: ganzheitliches Projektmanagement für Neu- und Umbau bzw. Sanierungen von Sammlungsdepots, Umzugsmanagement, Logistik und Transportwesen, Sammlungsmanagement, Sicherheit, Notfall- und Risikomanagement, Schädlingsprävention, Lagertechnik, Sammlungssoftware, Inventarisierung, Raumklima, Lichtschutz, Energieeffizienz, konservatorische Aspekte, Fördermöglichkeiten sowie Betriebskonzepte.
Die FOCUS-Veranstaltung geht dabei übergreifend auf unterschiedliche Kultureinrichtungen ein, große und kleine Museen, Archive sowie den Sonderfall Archäologische Sammlungen.

In den begleitenden Kommunikationsformaten in Form von Workshops und einer Fishbowl-Diskussion aber auch bei einem gemeinsamen Abendessen am ersten bzw. einem kleinen Get-together am zweiten Veranstaltungstag besteht die Möglichkeit, mit den Teilnehmern Kontakte zu knüpfen und fachübergreifend zu diskutieren. Im rund 1000 m² großen historischen Kirchenschiff werden wie gewohnt technische Produkte und Dienstleistungsangebote von Fachunternehmen zum besagten Themenfeld präsentiert.

Das Programm, weitere Informationen und Tickets gibt es hier: www.focus-museum.de.
FOCUS: MUSEUM wird veranstaltet vom gemeinnützigen Förderverein ‚Freunde des Archäologischen Landesmuseums Brandenburg e.V. (FALB)‘ im Auftrag von und in Kooperation mit dem Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege und Archäologischen Landesmuseum (BLDAM).

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Die Wetterfeuerzwerge oder: Ein paar Gedanken über Sensoren – Teil 3

Ich weiß, was Sie denken, nachdem Sie die ersten beiden Teile dieser Beitragsreihe gelesen haben: Welche Datalogger sollte ich am besten kaufen, um mein Klima zu messen? Es gibt eine große Auswahl auf dem Markt und einige davon sind ziemlich teuer.

Die Sache ist die: Es sind Faktoren wie die Genauigkeit, die den hohen Preis von Dataloggern ausmachen, vor allem, wenn es darum geht, die relative Feuchtigkeit zu messen. Sie können auch recht günstige Modelle kaufen, aber was diese wirklich billig macht, sind meistens billige Sensoren. Nun fragen Sie sich sicherlich, wie schlimm eigentlich ein billiger Sensor ist. Wie fast immer, ist diese Frage mit: „Es kommt darauf an …“ zu beantworten. Auf was es ankommt? Beispielsweise darauf, wie stabil Ihr „Raumklima“ ist (auch wenn wir bereits gesehen haben, dass es so etwas eigentlich gar nicht gibt) und wie genau Ihre Messung sein soll.

Eine Sache, die Sie wissen sollten ist, dass Sensoren immer innerhalb einer Spannweite arbeiten. Feuchtigkeitsfühler tun dies für gewöhnlich und logischerweise zwischen 0 und 100% relativer Feuchtigkeit. Innerhalb dieser Spanne sind Abweichungen hinsichtlich der Genauigkeit möglich. Feuchtigkeitsfühler funktionieren typischerweise im mittleren Bereich um die 50% rF am exaktesten und werden ungenauer, wenn sich die Feuchtigkeit auf Werte im Randbereich unter 10% oder über 90% zubewegt. Auch in einer sehr kalten oder sehr heißen Umgebung, kann ein Messfühler seine Genauigkeit einbüßen. Normalerweise sind die Angaben zu den möglichen Abweichungen in den Datenblättern von Sensoren oder Geräten dargestellt.

Da sich das alles ziemlich theoretisch anhört, habe ich einen Versuch gemacht, um zu zeigen, was das alles bedeutet (im Nachhinein betrachtet, hätte ich vielleicht ein bunteres Farbspektrum für das Diagramm verwenden sollen, Entschuldigung hierfür). Ich habe drei Sensoren an einer Stelle ausgelegt:

DHT22 (hellgrün), Korrektur DHT22 (blau), SHT31 (dunkelblau), Sensirion SHT35 (grün)

 

1. Ein recht günstiges Modell, einen DHT22/AM2302 1 bei dem es sich um einen gewöhnlichen Temperatur- und Feuchtigkeitsmesser aus dem Bereich der Maker/Mikrokontroller-Szene handelt, die man oft in selbstgebauten Geräten findet. Normalerweise zeigen diese Fühler Werte mit einer Genauigkeit von +/- 2% rF und einer maximalen Abweichung von +/- 5% rF an (es wird jedoch nicht angegeben, in welchem Messbereich diese maximale Diskrepanz erreicht wird). Diese Messdaten werden durch die hellgrüne Kurve dargestellt.

2. Aus dem mittleren Preissegment eine chinesische Version des Sensirion SHT31 2, denen man gelegentlich in etwas raffinierteren DIY-Projekten begegnet. Die Genauigkeit dieses Geräts wird mit +/- 2% rF angegeben. Dargestellt wird diese Messung von der dunkelblauen Kurve.

3. Aus der höheren Preisklasse einen original Sensirion SHT35-Sensor 3, den man in professionellen Geräten findet. Es wird eine Genauigkeit von bis zu +/- 1,5% rF innerhalb eines Messbereichs von 0 und 80% relativer Feuchtigkeit angegeben, was bedeutet, dass es außerhalb dieser Werte weniger genau misst. Dargestellt wird dieser Sensor von der grünen Kurve.

4. Zusätzlich ist eine blaue Kurve zu sehen: Hierbei handelt es sich um die lineare Korrektur des DHT22, der auf einem Abgleich mit einer Messung beruht, die ich mit einem Assmann-Psychrometer durchgeführt habe. Ich habe herausgefunden, dass der DHT22 31 Prozentpunkte von der „tatsächlichen“ relativen Feuchtigkeit abweicht, die ich mit dem Assmann-Psychrometer bei 55% gemessen habe. 4

 

Was zeigt uns diese Grafik an und was können wir daraus lernen?

Alle Sensoren funktionieren ziemlich ähnlich, wenn es um Temperaturmessungen geht. Das bedeutet für uns, dass wir getrost auf günstigere Varianten zurückgreifen können, wenn es um reine Temperaturmessungen geht.

Sobald es aber um die Feuchtigkeitsmessung geht, wird es sehr interessant:

1. Die ursprünglichen DHT22-Aufzeichnungen zeigen eine viel zu hohe Feuchtigkeit an, was wir bereits nach der Messung mit dem Psychrometer vermutet haben. Da der Sensor maximal bis 100% messen kann, hören die Kurven natürlich abrupt bei 99,9% auf. Die Kurve unserer Korrekturmessung dieses Sensors ergibt sich hauptsächlich durch lineare Subtraktion, sodass die abgeflachte Kurve des DHT22 direkt auf 68,9% transferiert wird.

2. Das teure Original des SHT35 und die günstigere Variante SHT31 sind nicht wirklich weit voneinander entfernt. Wenn die Feuchtigkeit langsam auf 70% und darüber hinaus ansteigt, scheint der günstigere Sensor (dunkelblaue Kurve) ein bisschen weniger Feuchtigkeit zu messen als die teurere Version (grüne Kurve). 5

3. Wirklich lustig ist jedoch die Tatsache, dass der günstigere Fühler dazu tendiert, Ereignisse dramatisch überspitzt darzustellen. Wenn wir uns den Kurvenverlauf der Feuchtigkeitsmessung des DHT22 vom 27. Juli genauer anschauen, sehen wir, dass die Kurve von 100% am Morgen drastisch auf 49,7% um 3 Uhr nachmittags abfällt. Auch die korrigierte Version beschreibt einen ebenso dramatischen Klimaverlauf von 68,9% zu 18,7%. Wenn wir uns die anderen beiden Sensoren anschauen, passiert nichts dramatisches. Der teuerste Sensor misst einen Abfall der Feuchtigkeit von 66,3% auf 40,7%. Dies wäre zwar immer noch eine kleine Katastrophe, wenn es sich um das Klima in einer Ausstellung oder einem Depotraum handeln würde (was nicht der Fall war), aber es ist ein riesiger Unterschied, ob man einen Klimaabfall von 25% oder von 50% hat.

Ausschnitt der Klimakurve vom 27.Juli

Vor allem der letzte Punkt sagt viel über günstige und teure Datalogger aus. Nicht, weil günstige Geräte unbedingt einen alten, abgenutzten DHT22 beinhalten, sondern weil hier ein grundsätzliches Problem von Sensoren verdeutlicht wird: sie funktionieren nicht immer unbedingt linear. Sie benötigen möglicherweise eine Kalibrierung.

Nun ist jede Kalibrierung ein kostspieliger Schritt. Für gewöhnlich sind Geräte an bestimmte Referenzpunkte angepasst, was bedeutet, dass der Hersteller in etwa das gleiche getan hat, was ich mit dem DHT22 getan habe: Es wird eine kalibrierte Quelle beprobt (zum Beispiel Salzlösung) und das Ergebnis wird dementsprechend angepasst.

Wenn es sich um ein günstiges Gerät handelt, kann es sein, dass diese Anpassungen nur an einen einzigen Referenzpunkt angepasst sind, was Folgen hat, die wir beispielsweise beim der Messkurve des DHT22 sehen können. Nur weil dieser Sensor bei einer Feuchtigkeit von 55% um 31 Prozentpunkte abweicht, muss dies nicht bei der ganzen Spannweite des Messbereichs der Fall sein. Stattdessen ist es sogar sehr unwahrscheinlich für einen Sensor, innerhalb eines ganzen Spektrums linear zu reagieren. Vielmehr fällt die Reaktion bei unterschiedlichen Bereichen der Feuchtigkeit ebenso unterschiedlich aus. Aus diesem Grund werden teure Geräte an mehreren Referenzpunkten getestet und dementsprechend kalibriert. Das Ergebnis sind viel genauere Aufzeichnungen innerhalb der ganzen Bandbreite.

Ich vermute, dass der SHT31 auch nur mit einer Referenz getestet wurde und dass allein schon der Unterschied, den wir bei steigender Feuchtigkeit im Vergleich zu den Aufzeichnungen des originalen Sensirion sehen bereits ein Zeichen dafür ist – aber da sich die Kurven noch im möglichen Toleranzbereich befinden, kann ich das nicht beweisen.

Ich persönlich würde den DHT22 aus offensichtlichen Gründen nicht mehr verwenden. Mit dem SHT31 kann ich leben, wenn ich einen groben Eindruck über die klimatische Raumsituation bekommen möchte oder in einer weniger problematischen Umgebung. Wenn es allerdings um Klimaaufzeichnungen für Leihgaben oder kritische Depotsituationen geht, würde ich mich immer für die teureren Originalteile entscheiden.

Um es also etwas allgemeiner zusammenzufassen: Kann man Kosten sparen, wenn man ein günstiges Gerät anschafft? Ja, wenn es lediglich darum geht, die Temperatur zu messen. Und ja, wenn es nur darum geht, eine grobe Vorstellung von Schwankungen der relativen Feuchtigkeit zu bekommen, man jedoch keine genauen Messwerte benötigt. Sie müssen sich dann immer der Tatsache bewusst sein, dass ein Gerät einen viel dramatischeren Klimasturz anzeigt, als dies eigentlich der Fall ist, aber dass es ebenso denkbar ist, dass die Aufzeichnungen weniger dramatisch ausfallen, als das, was tatsächlich passiert ist.

Wahrscheinlich ist es besser, qualitativ hochwertigere Produkte zu wählen, wenn es um heikle Einsatzgebiete geht und es ist immer ratsam, einen kritischen Blick auf die Datenblätter eines Produktes zu werfen, um zu wissen, was man kauft.

Mögen Ihre Depots und Ausstellungen stets ein schönes und stabiles Klima haben!

Angela

 

Übertragung aus dem Englischen ins Deutsche von Edith Harmati.

  1. Siehe hierzu das Datenblatt: https://www.sparkfun.com/datasheets/Sensors/Temperature/DHT22.pdf
  2. Details sind hier zu finden: http://vi.raptor.ebaydesc.com/ws/eBayISAPI.dll?ViewItemDescV4&item=162728071099&category=65460&pm=1&ds=0&t=1509175725000&ver=0
  3. Das komplette Datenblatt der Sensirion SHT 3x-Serie ist hier zu finden: https://www.sensirion.com/de/umweltsensoren/feuchtesensoren/digitale-feuchtesensoren-fuer-diverse-anwendungen/
  4. Fairerweise muss ich zugeben, dass ich diesen einen Fühler in den vergangenen Jahren nicht sehr pfleglich behandelt habe, sodass man ihn als etwas veraltet und verbraucht bezeichnen kann. Ich habe herausgefunden, dass man mit vielen DHT22-Messfühlern viel näher an die originalen Feuchtigkeitswerte herankommt und man normalerweise keine Sensoren mit einer höheren Abweichung als 2% für seine Feldforschung benutzen sollte. Aber beim Weiterlesen, werden Sie verstehen, warum ich diese Sensoren überhaupt nicht mehr für kritische Bereiche benutze.
  5. Wenn ich die extremsten Abweichungen betrachte, befinden sich diese in einem Bereich von 2-3 Prozent. Dies würde bedeuten, dass die Werte immer noch in einem akzeptablen Toleranzbereich liegen, vorausgesetzt, der eine Fühler irrt sich im Plus-Bereich und der anderere Fühler im Minus-Bereich des jeweiligen Spektrums.

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