Größere und kleinere Dinge

CoverVor etwa eineinhalb Jahren fragte mich mein Lektor bei Rowman & Littlefield, ob ich Interesse daran hätte, eine Neuauflage meines Buches Things Great and Small: Collections Management Policies (Große und kleine Dinge: Richtlinien für Sammlungsmanagementkonzepte) vor zu bereiten. Da die erste Auflage 2006 erschienen war, war ein Update des Buches längt überfällig und so sagte ich natürlich ja (ich wollte die zweite Auflage Größere und kleinere Dinge nennen, was aber leider nicht geschah).

Als ich mit dem Projekt begann wurde mir erst klar, wie viel sich in der Museumsarbeit seit 2006 geändert hat, besonders die Menge der Informationen und wie wir dazu Zugang haben. Nachdem ich einen ganzen Berg von neuen Büchern, Zeitschriftenartikeln und Online-Diskussionen durchgesehen hatte, war ich ganz erschlagen davon, wie viel mehr Material jetzt zugänglich ist, verglichen mit der Zeit der ersten Auflage. Ich erinnerte mich an den Anfang meiner Museumslaufbahn – das war allerdings schon im Pleistozän, auch als 70er Jahre bekannt – damals gab es sehr wenig Museumsliteratur und es gab keinen Zugriff auf Internet-Ressourcen (weil es noch kein Internet gab). Der einzige Weg einen Kollegen um Rat zu fragen, war der, ihn an zu rufen (und damals zahlte man noch für jedes Telefonat) oder man wartete, bis man bei dem einen oder anderen Treffen dem Kollegen begegnete.
Die große Bandbreite an Druckwerken und Netzressourcen die heute leicht zugänglich sind und die Möglichkeit unmittelbar mit einer Gruppe von Spezialisten in Verbindung zu treten, sei es durchs Handy, durch E-Mail oder mittels Diskussionsgruppen im Netz, haben das ganze Umfeld beträchtlich verändert und zwar sehr zum Besseren.

Wenn ich erwähnte, dass ich eine Neuauflage des Buches vorbereite, wurde ich in der Regel gefragt, was ich denn ändern wolle. Tatsächlich gibt es viel Änderungen, beginnend damit, dass ein großer Teil des Textes umgeschrieben, einige neue Abschnitte eingefügt und auch ein paar Fotos der revidierten Fassung beigefügt wurden. Die Themen Deakzessionierung und Urheberrechte wurden auf den neuesten Stand gebracht und erweitert und ein neues Kapitel über Digitale Sammlungen eingefügt. Der Anhang mit Gesetzestexten und Gerichtsurteilen wurde revidiert und die Bibliographie erweitert. Die zweite Ausgabe spiegelt auch den Wandel unseres Denkens über die Normen für Sammlungsbetreuung und Depots.
Einige Informationen zum Sammlungsmanagement von Zoos und botanischen Gärten wurden hinzugefügt und auch für die Betreuung kultursensitiver Sammlungen. Eine der auffälligsten Änderungen ist die, dass die Beispiele aus real existierenden Sammlungen durch Musterpolicen erfundener Institutionen ersetzt wurden. Da die Beispielpapiere in der ersten Ausgabe alle von wirklichen Museen stammten, war ihre Anwendbarkeit in anderen Situationen und bei anderen Fällen begrenzt und außerdem waren sie inzwischen meist überholt. Wenn ich auch die Leser der ersten Ausgabe davor gewarnt habe, irgendetwas zu kopieren und empfohlen habe, besser eigene Richtlinien zu schreiben, brauchten doch die meisten Nutzer etwas, wovon sie ausgehen konnten. So bietet die neue Ausgabe nun Modelle, von denen ausgegangen werden kann.

Gute Sammlungsmanagementkonzepte sind die Grundlage einer großartigen Sammlung.

Die neue Ausgabe enthält auch viel von dem was ich von den Lesern gelernt habe. Feedback erhielt ich vor allem bei Workshops, in Unterrichtsstunden und bei Webinars und auch von Leuten, die sich die Zeit nahmen, mich wissen zu lassen, was sie über das Buch dachten. Es ist etwas entmutigend, aber immer lehrreich, das eigene Buch in einer Klasse zu verwenden und dann zu beobachten, wie sie interpretiert, was man gesagt hat.

Wenn das Festlegen eines Sammlungskonzeptes und Regeln zum Umgang mit Sammlungsgut auch sehr wichtig sind, muss ich doch zugeben, dass das Erarbeiten der jeweils zutreffenden Regeln, nun, sagen wir, langweilig sein kann. Um da eine Hilfe zu geben, habe ich ein Spiel entwickelt, das die Neuausgabe von Things Great and Small begleiten wird. Ich nenne das Spiel Monopolicies (Sie dürfen raten, welches Spiel mich inspirierte) und nach einigen Beta-Versionen ist es jetzt fast für die Veröffentlichung fertig. Meine Vorstellung war, dass man statt der trockenen und endlosen Diskussionen mit Kollegen über die Gestaltung des Sammmlungsmanagements ihrer Institution dies in einer entspannteren Atmosphäre tun könnte, während man Spaß hat bei einem Spiel. Monopolicies wird im frühen Frühjahr als kostenloser Download erhältlich sein – halten Sie danach Ausschau! (Neu am 4.2.2018: Es ist jetzt hier erhältlich: http://www.museumstudy.com/courses/course-list/monopolicy/ )

Things Great and Small ist jetzt beim Verleger und im Buchhandel erhältlich: (https://rowman.com/ISBN/9781933253039/Things-Great-and-Small-Collections-Management-Policies)

John E. Simmons
Museologica
und
Sammlungsmitarbeiter (Earth and Mineral Sciences Museum & Art Gallery, Penn State University)

Übertragung aus dem Englischen ins Deutsche von Brigitte Herrbach-Schmidt.

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Ein Kommentar

  1. Did you know that John Simmons has also created a board game to help you understand Collections Management Policies called Monopolicy? You can download if for free. http://www.museumstudy.com/courses/course-list/policies-for-managing-collections/

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