Post-its sterben nie, sie verblassen nur!

Ein faszinierende Experiment im Hinblick auf Lichtschäden

Judith Haemmerle, Executive Director
Digital Game Museum, Santa Clara, California

In unserem Museum für Videospiele, einem Start-up Unternehmen, wird alles von Ehrenamtlichen gemacht und das mit einem lächerlich geringen Budget. So müssen wir immer versuchen, das Gleichgewicht zu halten zwischen der Pflege der Sammlung – und einfach allem übrigen. Meine größte Sorge im letzten Jahr waren Schäden durch Licht.

Wir entfernten die Hälfte der Neonröhren in dem Sammlungsbereich und versahen die übrigen mit UV Folien; das war nicht sehr kostspielig und eine Arbeit, die leicht zu erledigen war. Aber die große Fensterfront in dem Raum, in dem wir unsere Ausstellungen zeigen, blieb ungeschützt. Niemand war gewillt, die mühsame Arbeit auf sich zu nehmen, eine UV-Folie an zu bringen und das in Auftrag zu geben war viel zu teuer, zumal in einem Gebäude, für das wir nur einen Mietvertrag mit kurzer Laufzeit hatten. Wir stellten Dinge aus, die von Interesse sind, die aber leicht ersetzt werden konnten und ich machte mir Sorgen wegen des Lichts. Dann kam uns eines Tages unsere Vergangenheit zu Hilfe.

Zu der ersten öffentliche Veranstaltung die wir gemacht hatten gehörte ein 10×10 Fuß großer Raum, den kein Besucher so leicht von sich aus betreten hätte. So hielten wir jeden an, der vorbei ging und baten ihn, den Namen seines liebsten Videospiels und sein Geburtsjahr auf einen farbigen Post-it-Zettel zu schreiben. Das war natürlich nur zum Spaß und keine ernsthafte Forschung, aber wir fanden auch so ein paar interessante Dinge heraus 1. Wir befestigten die Zettel an der Rückwand, nach Dekaden gruppiert und das erwies sich als Blickfang. Und da wir so auch hunderte von Personen für unsere Mailing-List gewannen war es auch eine sehr effektive Strategie.

The Post-it wall, photo by Brian Quan

Die Post-it-Wand, Foto von Brian Quan

Wir hatten Berge von Post-it-Zetteln übrig, denn wir hatten eine Menge gekauft, um eine gute Auswahl bei den Farben zu haben. Eines Tages, als ich mir gerade wieder Gedanken wegen des Lichts machte, nahm ich eine Pappe von der Rückseite eines Notizblocks und reihte dort Post-its in verschiedenen Farben auf, sodass sie halb hinter der Pappe waren und zur Hälfte dem Licht ausgesetzt. Aus irgend einem Grund befestigte ich sie so, dass sie sich gegenseitig überlappten. Und dann hängte ich das ins Fenster.

Monate gingen vorbei. Ich weiß nicht mehr wie viele, denn ich hatte kein Datum angebracht. Ich schätze es waren sechs oder acht. Wir kauften schließlich die Lichtschutzfolien, auch wenn keiner Lust hatte, sie an zu bringen und ich nahm den Farbtest mit den Post-its ab und bat unseren Fotografen ein paar Aufnahmen zu machen. Die folgenden Aufnahmen zeigen das Vorher und Nachher.

Post-its from the outside, photo by Brian Quan

Post-its von Außen, Foto von Brian Quan

Das Foto oben zeigt den Zustand von außerhalb des Fensters als ich das Ding herunter holte. Das Foto unten zeigt, wie es aussah, als wir die Zettel umklappten, um den von der Pappe geschützten Teil mit dem der Sonne ausgesetzten zu vergleichen.

Faded post-its, photo by Brian Quan

Verblasste Post-its, Foto von Brian Quan

Der Kontrast zwischen den Originalfarben und denen, die dem Sonnenlicht ausgesetzt waren ist überwältigend, dabei sind es die Rückseiten der Zettel – das Verblassen ging durch bis auf die Rückseite. Darüber hinaus haben die überlappenden Farben miteinander reagiert, sodass das Orange auf dem Blau nicht nur zu Gelb verblasste, sondern von dem Blau auch einen Stich ins Grüne erhielt. Einige der Teile in Rosa und Pink sind fast zu Weiß verblasst; das waren zwei deutlich unterschiedliche Farben als wir anfingen: ein kräftiges Rosa und ein leuchtendes Pink.

Overlapping Post-its, photo by Brian Quan

Überlappende Post-ist, Foto von Brian Quan

Ich zeigte das den Ehrenamtlichen und die Folien waren rasch angebracht! Wir heben den Post-it-Verblassungs-Test im Museum auf und zeigen ihn den Besuchern, wenn wir die Bedeutung von Konservierung und Sammlungspflege erklären. Manchmal können die einfachsten Mittel unsere größten Probleme lösen!

Übertragung aus dem Englischen ins Deutsche von Brigitte Herrbach-Schmidt.

  1. Erstens: das Spiel, das die ältesten (über 60) und die jüngsten (5) Teilnehmer wählten war das gleiche: Angry birds! Zweitens, die Dekade der Leute, die in den 1960er Jahren geboren wurden wählte viele Arcade-Spiele. Vorher gab es keine und kurz nach 1970 hört das abrupt auf. Für diejenigen von Ihnen, die Rohdaten lieben, sind sie hier einzusehen.
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This post is also available in: Englisch

2 Kommentare

  1. Daniel Venet sagt:

    Judith,

    My partner, Carol Borow, sent me on your article. With our experience, this comes as no surprise to me. However, I wonder if you’d be interested in one additional experiment. Here goes.

    My understanding is that solar fading damage is caused (approximately) by Ultraviolet radiation (40%); Visible Light (30%); and Infrared radiation (30%); and that installing Ultraviolet-blocking film will give you protection against only 40% of the sun’s damaging rays. At the same time, there are spectrally-selective (virtually clear) window films, e.g., VKool VK-70, which block not only all of the sun’s UV rays, but all of the sun’s IR radiation as well; thereby providing protection against 70% of the sun’s damaging rays.

    If you wish to experiment with both a UV film and a spectrally-selective UV/IR film, let me know. Should provide a vivid demonstration of how solar fading happens, and what you can do to mitigate the damage that results.

    Kind regards,

    Dan Venet
    CHB Industries, Inc.

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