#BestBlog-Stöckchen mit weißen Handschuhen angefasst

best-blog.jpgTanja Praske vom KULTUR-MUSEO-TALK bewarf mich neulich auf Twitter mit einem Blogstöckchen. Nachdem ich erstmal recherchieren musste, was das eigentlich ist, nehme ich es nun mit weißen Baumwollhandschuhen auf und beantworte ihre Fragen:

Wer bist du? Und was reizt dich an deinem Job?

Ich bin eigentlich viele. Nein, ich bin nicht schizophren, aber Registrar Trek ist ein Gemeinschaftsprojekt an dem vier feste Autoren, viele Gastautoren und im Moment 36 Übersetzer beteiligt sind. Die Spanne reicht vom Sammlungsbetreuer aus Kanada über die russische Marketingexpertin, die derzeit in Bulgarien lebt bis zum Pressesprecher aus Zimbabwe. Ich erlaube mir aber die Fragen als Angela Kipp zu beantworten, da ich die Mitbegründerin und Administratorin des Projekts bin.

Ich bin Depotleiterin am TECHNOSEUM. Es klingt abgedroschen, aber an meinem Job reizt mich die Vielfältigkeit. An einem Tag geht es darum, den Transport eines fragilen Großobjekts zu organisieren, am anderen Tag sucht man nach der perfekten Möglichkeit, 400 winzige Fahrschullehrmagnete so zu lagern, dass sie für zukünftige Generationen erhalten bleiben. Unser Sammlungsbestand umfasst ca. 170.000 Objekte und dafür zu sorgen, dass die nicht kaputt gehen und möglichst gut, effizient und wieder auffindbar gelagert sind ist eine Sisyphosaufgabe, positiv formuliert eine Lebensaufgabe.

Registrar Trek ist dagegen ein privates Projekt, in dem ich meine Leidenschaft fürs Schreiben und für die neuen Medien ausleben kann. Als positiver beruflicher Effekt fällt dabei ein weltweites Netzwerk von Kollegen ab, die alle in der Sammlungsbetreuung arbeiten oder zumindest mittelbar mit Museumsarbeit zu tun haben.

Wie lange plantet ihr die aktuelle Ausstellung/Projekt? Was war die größte Herausforderung dabei und wie wurde diese gelöst?

Platz schaffen für Haushaltsgeräte.

Platz schaffen für Haushaltsgeräte.

Oha, so einfach ist das gar nicht zu beantworten. Wir im Depot sind sozusagen das logistische Rückgrat für eine Menge von Aktivitäten im Museum, deshalb läuft bei uns vieles parallel. Gerade haben wir zum Beispiel „Die Sammlung 2: Der elektrische Haushalt“ eröffnet. Entgegen der landläufigen Meinung ist damit die Ausstellungsarbeit aber nicht beendet. Jetzt geht es darum, im Depot die Lagermöglichkeiten so zu verbessern, dass der Abbau und das Zurückfließen der Objekte reibungslos und schnell klappt. Je schneller wir beim Abbau sind, desto mehr Puffer haben wir für den Aufbau von „Herzblut“, unserer nächsten Ausstellung zur Geschichte der Medizintechnik.

Beide Ausstellungen werden zum großen Teil aus den eigenen Beständen bestritten, das heißt aber auch, dass bei den Vorbereitungen im Depot beide Teams parallel arbeiten müssen/mussten. Dabei dürfen logischerweise keine Objekte verwechselt werden oder gar verschwinden. Natürlich werden wesentlich mehr Objekte gesichtet, als dann schließlich in die Ausstellung kommen. Bei allen müssen die Datensätze überprüft und korrigiert, bei den meisten auch noch ein Foto gemacht werden.

Ob Feuerwehrauto oder Haarnadel - immer den Überblick behalten.

Ob Feuerwehrauto oder Haarnadel – immer den Überblick behalten.

Viele Dinge müssen erst in die Restaurierung, bevor sie fotografiert werden können, das bedeutet noch einen Transport mehr. Man kann sich also ungefähr vorstellen, was da beim elektrischen Haushalt mit seinen 1750 Objekten und bei Herzblut, wo allein schon über 200 Objekte im Katalog publiziert werden, an Kulturgütern „auf den Beinen“ ist. Dazu kommt das normale Alltagsgeschäft mit Neuerwerbungen und Ausleihen an andere Museen.

Die eigentliche Herausforderung ist also zunächst einmal in diesem Riesen-Tetris den Überblick zu behalten und dafür zu sorgen, dass die Arbeitsabläufe und die Dokumentation stimmt. Wenn im Vorfeld alles wie am Schnürchen klappt, steckt man dann Kleinigkeiten wie einen Wasserrohrbruch auf der Sonderausstellungsfläche, wie wir ihn dieses Mal hatten, leichter weg.

Was ist das oder eines der kleinsten Objekte eurer Sammlung?

Grammophonnadeldose "His Master's Voice, 1910-1920, EVZ:2004/0324  TECHNOSEUM, Bild Hans Bleh

Grammophonnadeldose „His Master’s Voice, 1910-1920, EVZ:2004/0324
TECHNOSEUM, Bild Hans Bleh

Das ist vermutlich eine Grammophonnadel. Die sind nur einen Zentimeter lang und sehr dünn. Schon die zugehörigen Döschen sind so klein, dass ich bequem acht Stück auf meiner Handfläche balancieren kann (nicht, dass ich das aus konservatorischen Gründen empfehlen würde).

Gibt es eine kuriose Geschichte/Erlebnis um ein Objekt/Ausstellung? Erzähle sie uns. Es kann auch einfach ein kurioses Objekt aus der Sammlung sein.

Da gibt es sehr viele. Unter „kreative Verpackungslösungen“ fällt mir da besonders eine Spende an das Museum ein. Das Objekt tut in dem Fall nichts zur Sache. Es kam jedenfalls in einem Karton, in dem wir erst einmal jede Menge „grüne Säcke“ (das sind Müllbeutel, die in Mannheim kostenlos zur Verfügung gestellt werden, um wiederverwertbaren Kunststoffmüll zu sammeln) fanden. Gefüllt waren diese Säcke mit fein säuberlich ausgeschnittenen Kapseln von Milchverpackungen. Diese dienten als flexibles Puffermaterial. Das Objekt selbst war dann in einem Badvorleger mit U-Ausschnitt für die Toilette eingewickelt. Der war auch schon historisch und offensichtlich nicht gewaschen worden, bevor er seinen neuen Dienst als Verpackungsmaterial angetreten hatte…

Hast du ein Lieblingsstück? Warum?

AEG Magnetophon K 2, 1936, EVZ:2002/0057-001  Bild: TECHNOSEUM

AEG Magnetophon K 2, 1936, EVZ:2002/0057-001
Bild: TECHNOSEUM

Fragen Sie mal eine Großmutter nach ihrem Lieblingsenkel… Vielleicht am ehesten das K2 von AEG, das älteste erhaltene Tonbandgerät der Welt. Seine Vorgänger wurden beim Brand einer Messehalle auf der Funkausstellung 1935 zerstört, vom Nachfolger K2 existiert nach unseren Recherchen nur noch das Exemplar in unserer Sammlung. Während es in Gemäldesammlungen ganz natürlich ist, dass jedes Stück ein Einzelstück ist, ist es für eine Sammlung von hauptsächlich industrieller Massenware schon etwas ganz besonderes das Letzte seiner Art zu haben.

Welches Objekt habt ihr zuletzt warum restauriert bzw. restaurieren lassen und nach welchen Kriterien?

Derzeit wird vieles für die „Herzblut“-Ausstellung restauriert. Reinigungsmaßnahmen mit eingerechnet bewegen wir uns da im Bereich von einigen hundert Einzelobjekten, die unser Restaurierungsteam gerade in Arbeit hat. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir der „Blaue Heinrich“, ein blaues Fläschchen, das als Spucknapf für Tuberkulosekranke diente. Wer den „Zauberberg“ von Thomas Mann gelesen hat, wird sich vielleicht daran erinnern. Da nicht auszuschließen war, dass sich noch infektiöses Material darin befindet, musste er von unseren Restauratoren desinfiziert werden. Ich schätze, das sind die Details an die man nicht denkt, wenn man anfängt Restaurierung zu studieren…

Welchen Stellenwert besitzt das Blog für das Haus?

Wir sind kein Blog des TECHNOSEUM, das hat ein eigenes Blog unter http://www.technoseum-blog.de (lohnt sich!), daher kann Registrar Trek offiziell keinen Stellenwert haben. Aber natürlich ist der ein oder andere Artikel durch meine Arbeit inspiriert, wir haben einige treue Leser in der Belegschaft und das internationale Netzwerk bewährt sich auf vielfältige Weise in der täglichen Arbeit.

Hast du einen Artikelfavoriten im Blog? Wenn ja, warum?

Auch wieder die Großmutter und ihr Lieblingsenkel… Vielleicht „Der Registrar bei Leihen“ von Derek Swallow http://world.museumsprojekte.de/?p=2864&lang=de in dem er die unterschiedlichen Professionen auflistet, die ein Registrar bei Leihvorgängen verkörpert – vom Jongleur zum Rechtsanwalt. Und die Bilder, die er dazu aus den Archiven gekramt hat sind einfach klasse.

Was bedeutet dir Kultur?

Kultur ist mir sehr wichtig. Dabei denke ich allerdings nicht unbedingt an erster Stelle an Museen, Theater, Oper, also die sogenannte „Hochkultur“, sondern Kultur im allgemeinen, die Alltagskultur, der Umgang miteinander. Ich finde es unglaublich spannend, etwas über andere Kulturen zu lernen. Dazu muss man nicht unbedingt ins Ausland reisen und auch nicht unbedingt auf Menschen mit Migrationshintergrund blicken. Es reicht schon im eigenen Umfeld zu sehen, wie sehr eine Kultur, die vom Fernsehen vorgelebt wird im Alltag kopiert wird. Wie es die Sprache, die Kleidung, die Wünsche prägt, zum Beispiel. Es lohnt sich, das zu beobachten und zu hinterfragen. Oft sind z.B. nordamerikanische Kollegen und Bekannte überrascht, was wir alles für „typisch amerikanisch“ halten. Das Zerrbild, das wir durch amerikanische Serien haben ist nicht sehr weit vom Deutschen als Nazi in Lederhose entfernt. Parallelen und Gegensätze in anderen Kulturen zu finden und über die eigene Kultur oder vielleicht besser die eigenen Kulturen nachzudenken, das finde ich spannend.

Wenn du kulturell „fremdgehst“ (außerhäusliche Aktivitäten), was machst du?
Ich gehe in andere Museen und gucke, was ich anders gemacht hätte. Das ist kein feiner Zug, macht aber Spaß. Ansonsten habe ich so viel geballte Kultur in meiner Arbeit, dass ich privat die Natur bevorzuge.

Du hast drei Wünsche frei, welche sind das?
1. Gesundheit für mich und meine Familie. Je nachdem wie gerechnet wird sind damit schon drei Wünsche weg, ansonsten…
2. Finanzielle Sicherheit bis zum Lebensende
3. Den dritten Wunsch verschenke ich an jemanden, der ihn nötiger braucht

Puh, geschafft!

Nun geht es ans Weiterwerfen. Viele Blogs, die ich für herausragend halte haben dieses Blogstöckchen schon mal bekommen. Eines ist mir aber noch eingefallen, das sich auf jeden Fall lohnt: Das Deutsch/Russisch/Englische Gemeinschaftsblog „Musum, Politics and Power“ http://museumspoliticsandpower.org/ Duckt euch, Katrin, Linda und die anderen, die ich noch nicht kenne, diese Fragen sind für euch:

1. Wie seid ihr auf die Idee mit dem Blog gekommen?
2. Wie organisiert ihr die Zusammenarbeit über Sprachgrenzen hinweg?
3. An welchem Projekt/welchen Projekten arbeitet ihr gerade?
4. Welcher eurer Blogbeiträge hat euch besonders berührt?
5. Welcher eurer Blogbeiträge hatte am meisten Außenwirkung/Feedback?
6. Welche Museumsblogs findet ihr besonders gelungen?
7. Welche Ausstellung hat euch in letzter Zeit besonders gut gefallen?
8. Welche Trends im Museumsbereich findet ihr derzeit besonders interessant?
9. Wenn ihr mit dem Team von „Museum, Politics & Power“ ein Museum gründen dürftet und ihr hättet alles Geld der Welt zur Verfügung, was wäre das Thema?…
10. …welche drei Objekte müssten auf jeden Fall darin stehen…
11. …und wo würde es stehen?

Und nun?

Soweit ich das verstanden habe:

– Beantwortet meine elf Fragen. Ihr dürft sie euch auch passend hinbiegen.
– Baut das Best Blog Award-Bildchen ein und verlinkt es mit demjenigen der es euch verliehen hat bzw. verlinkt auf den Artikel des Werfers.
– Verfasst elf neue Fragen, spielt damit und reicht das Best Blog Blogstöckchen an zehn Blogger eurer Wahl weiter, es können auch weniger sein.

Ach ja, toll wäre, wenn ihr einen Kommentar mit dem Link schreibt, wenn ihr die Fragen beantwortet habt.

Eine schöne Woche, alle zusammen!
Angela

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8 Kommentare

  1. Its fantastic as your other posts : D, thanks for posting . „History is a pact between the dead, the living, and the yet unborn.“ by Edmund Burke.

  2. […] du einen Artikelfavoriten im Blog? Wenn ja, warum? Registrar Trek: Die Nächste Generation » #BestBlog-Stöckchen mit weißen Handschuhen angefasst. It’s dangerous to be on […]

  3. Katrin sagt:

    Liebe Angela,
    gerne fange ich für unser Blogteam das Stöckchen auf, vielen Dank! Manche Deiner Fragen haben wir für uns oder andere schon einmal beantwortet (wenigstens vorläufig). Aber ob wir uns mit unseren ganz unterschiedlichen Hintergründen auf ein Museum und noch dazu einen Standort einigen können – wer weiß! Vielleicht wird es ein Mehrspartenhaus oder ein fliegendes Museum. Wir melden uns auf alle Fälle an dieser Stelle zurück, sobald unser Blogbeitrag dazu online gegangen ist.
    Mit herzlichen Grüßen
    Katrin

  4. Tanja Praske sagt:

    Liebe Angela,

    superfein! Jetzt bist du als Person und Idealistin pro Kultur für mich greifbarer geworden. Ich habe mir schon gedacht, dass ich spannendes über RegistrarTrekDe via #BestBlog Blogstöckchen erfahren werde. Mir war nicht klar, dass du für das Technoseum arbeitest. Das freut mich sehr, da das Blog des Museums sehr agil ist und tolle Blicke hinter die Kulissen gewährt.
    Jetzt finde ich es herrlich, noch mehr über deine Arbeit im Depot zu lesen. Eine Tätigkeit, die dem Laien nicht so bewusst ist, vor allem wenn parallel mehrere Ausstellungen vor- oder nachzubereiten sind. Ich liebe diese Geschichten und bedanke mich ganz herzlich bei dir für dieses wunderbare Blogstöckchen. Bin auch sehr neugierig, wie es mit dem Weiterwurf weitergeht.

    Schönen Sonntag, you’ve made my day!

    Herzlich,
    Tanja

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