Spiel’s noch mal, Registrar!

Haben Sie sich je überlegt, wie es wäre, wenn man die gleiche Ausstellung noch einmal machen würde? Welche Möglichkeit Fehler zu vermeiden, es anders, besser zu machen! Nun, wir hatten gerade diese Chance!
 
Wie es alles anfing

TECHNOSEUM, Bild Klaus Luginsland

Einrichtung der Ausstellung "Die Sammlung : 1001 Objekte zum Hören und Sehen"
TECHNOSEUM, Bild Klaus Luginsland

Im Jahr 2010 waren in unserem Museumsgebäude verschiedene Sanierungsmaßnahmen nötig, die einen großen Teil des Etats fraßen. Aber natürlich wollten die Besucher trotzdem etwas sehen. Kein Geld, kein Personal, keine Zeit – gab es einen Ausweg? Ja! Wir hatten schließlich unsere eigene Sammlung! Ein Minimum an Transportkosten, keine Ausgaben für Kuriere, keine Versicherungsprobleme. Wenn wir nur Depotregale als Vitrinen nutzen würden und Archivmaterial für die Präsentation, dann würden wir nicht sehr viel Ausstellungsdesign brauchen und das Material später weiter nutzen können. Je länger wir darüber nachdachten, desto besser gefiel uns die Idee. Ganz nebenbei könnten wir so eine Revision eines großen Teils unserer Sammlung vornehmen und dabei Einträge in der Datenbank korrigieren, vielleicht einige der Objekte mit „Standort unbekannt“ wieder finden und einige der Rätsel um „in der Sammlung gefunden“ lösen. Um es kurz zu machen: 2011 eröffneten wir: „Die Sammlung: 1001 Objekte zum Hören und Sehen“. Eine Präsentation unserer Sammlung an Radios, Fernsehgeräten, Kassettenrecordern, Filmprojektoren, Fotoapparaten, Tonbandgeräten, Videogeräten… Unsere Besucher waren begeistert!

Sie können sich vorstellen, dass wir alle ganz aufgeregt waren, als klar war, dass wir das nochmal machen würden, diesmal mit unserer Sammlung von Haushaltsgeräten. Bei der Vorbereitung der ersten Ausstellung, beim ersten Mal, war die Stimmung im Team ein bisschen wie bei der Vorbereitung einer Schiffsexpedition, die ins Unbekannte aufbricht. Diesmal war es mehr wie ein Fußballspiel gegen uns selbst, gegen die, die wir damals waren: wir wollten es größer, besser und bunter machen als das letzte Mal.

Größer, besser, bunter: Die Sammlung 2. Bild: Bernd Kießling

Größer, besser, bunter: Die Sammlung 2.
Bild: Bernd Kießling


 
Der Wille zur Verbesserung: rechts oder links – was ist meine Position?

Wir wussten, was das letzte Mal gut funktioniert hatte und so hatten wir einen Plan, dem wir folgen konnten. Aber statt ihm sklavisch zu folgen, nach dem Motto „wir habe es schon immer so gemacht“, war diesmal die treibende Kraft der Wunsch nach Verbesserungen.

Arbeit an Bestückungsregal im Depot, 2 Teams arbeiteten auf gegenüberliegenden Seiten

Arbeit an Bestückungsregal im Depot, 2 Teams arbeiteten auf gegenüberliegenden Seiten

Zum Bespiel hatten wir das letzte Mal die Verteilung der Objekte auf den einzelnen Regalböden im Vorfeld ausprobiert. Wir hatten ein Bestückungsregal im Depot, ähnlich den Regalen in der Ausstellung, so konnten wir die Dinge gruppieren, bis sie den bestmöglichen Anblick boten. Diese Investition an Zeit reduziert den Stress bei dem endgültigen Aufbau beträchtlich. Außerdem ist es dann nicht so wichtig, wer den endgültigen Aufbau vornimmt. Die Position der Objekte im Regal ist klar und jeder, der Erfahrung im Umgang mit Objekten hat, kann ihn vornehmen, ohne groß über das perfekte Layout nachdenken zu müssen. Wenn die Objekte platziert waren, erhielten sie Positionsnummer für den Regalboden. Das letzte Mal hielten wir die Positionen verbal fest, die Packlisten sahen dann so aus:

Inventarnummer, Objektbezeichnung, Regalnummer, Nummer des Fachbodens, links

Wenn das auch recht gut funktionierte, war uns doch aufgefallen:

  • Rechts und links, das ist auf dem Papier zwar klar, aber wenn man im Team Leute hat, die rechts und links schon mal verwechseln (wie es mir passiert), dann können doch Fehler beim Platzieren vorkommen.
  • Links, Mitte und Rechts, das funktioniert ganz gut, wenn man nur drei Radios im Fach hat. Wenn es mehr Objekte werden, muss man Begriffe wie „Rechts außen“ und „Mitte Links“ erfinden. Das klingt ganz nett, ist aber unpraktisch.

So wechselten wir zu Positionsnummern von 1 bis unendlich, vergeben von links nach rechts. Jetzt sah unsere Packliste so aus:

Inventarnummer, Objektbezeichnung, Regalnummer, Nummer des Fachbodens, Pos. 3

Beispiel: Packliste mit Foto

Beispiel: Packliste mit Foto

Aus dem gleichen Grund entschieden wir uns, einen zusätzlichen Schritt bei der Vorbereitung ein zu führen: das letzte Mal hatten wir die Position im Regal in unserer Datenbank nur schriftlich fixiert, diesmal fotografierten wir jedes Probearrangement im Fach und schrieben zusätzlich die Positionsnummer dazu. Wir hängten die Bilder jeder Packliste an. So konnte jeder, der ein Objekt an seinen Platz brachte, sich auf das Foto als Referenz beziehen.

Das ist nur ein Beispiel für die vielen Verbesserungen, die wir vornahmen.

Eine zweite Verbesserungsrunde

Wir waren also alle auf „Verbesserungsmodus“ geschaltet und das blieb auch während des Aufbaus so. Dabei fielen und einige Dinge auf, die wir das nächste Mal besser machen können.

Zum Beispiel haben wir die Inventarkarten abgenommen und eingesammelt, nachdem wir die Ausstellungsbeschriftungen angebracht hatten. Das letzte Mal hatten wir sie alle nach Inventarnummer geordnet in eine Schachtel getan, sodass man sie anhand der Inventarnummer rasch finden konnte. Plötzlich sagte unsere wissenschaftliche Hilfskraft: „Augenblick, wäre es nicht besser, sie nach Regal- und Fachnummer zu sortieren?“

Das "Pakenis-Manöver"

Das „Pakenis-Manöver“

Wir besprachen uns kurz, fanden die Idee gut und nannten sie ihm zur Ehre „Pakenis Manöver“. Von da an sammelten wir die Inventarkarten, mit Regal- und Fachnummer versehen, in Beuteln mit Reißverschluss, jeweils einen für jedes Regal. Wenn wir die Ausstellung abbauen kann sich jeder den Beutel „seines“ Regals (das er packen muss) holen und ist so mit allen nötigen Inventarkarten gut versorgt.

Ein anderes Beispiel sind die Layout-Bilder. Ich habe Ihnen gesagt, wie wir sie angefertigt haben, und das klang doch ganz gut, oder? Wir waren sehr stolz auf die Idee. Aber während des Ausstellungsaufbaus merkten wir, dass die gute Idee nicht die beste war.

  • Wir hatten an jede Packliste ein Foto angehängt, das war nicht nötig. Meistens nahmen wir gleich das Bild von der ersten Kiste, legten es in das Fach und nützten dieses Bild als Referenz. D. h., das nächste Mal können wir uns den Aufwand sparen, das Bild auch noch an die Packliste an zu heften. Wir werden alle Bilder kurz vor dem Ausstellungsaufbau ausdrucken und sie auf die passenden Fächer verteilen. Das spart auch Papier und Druckfarben.
  • Die Positionsnummer auf den Bildern war hilfreich – aber man musste zwischen Bild und Packliste hin und herwechseln, dann man hatte die Inventarnummer auf dem Objekt selbst und auch auf der Packliste, nicht jedoch auf dem Foto. Das führte zu Verwirrungen bei Objekten im gleichen Fach, die sehr ähnlich aussahen. Das nächste Mal werden wir die Inventarnummer auf den Fotos vermerken.

Blick auf eine Puppenküche...

Blick auf eine Puppenküche…


 
Die Kunst Fehler zu machen

Bei der Vorbereitung und dem Aufbau der Ausstellung wurde uns auch bewusst, dass uns Fehler unterliefen, die wir schon das letzte Mal gemacht hatten. Fehler nicht zugeben zu wollen ist menschlich, den gleichen Fehler zweimal zu machen töricht. Der Hauptfehler, den wir das letzte Mal gemacht hatten, war, dass wir nicht sofort notiert hatten, was nicht funktionierte. So konnten wir nur die Dinge verbessern, an die wir uns erinnerten und mussten alle Fehler nochmal machen, die wir vergessen hatten.

Da wir im „Verbesserungsmodus“ arbeiteten, beschlossen wir, es diesmal besser zu machen. Jedes Mal wenn uns etwas auffiel, das man besser machen könnte, sagte jemand: „Halt! Schreib das auf!“ Und so geschah es. Ganz gleich, ob wir gerade auf einer Leiter standen, Acrylglas reinigten oder Beschriftungen befestigten, jemand machte eine kurze Notiz von dem, was uns aufgefallen war.

Kurz nach der Ausstellungseröffnung setzten wir uns hin, trugen alle Notizen zusammen, und besprachen alles, woran wir uns erinnerten. Wir wollen das alles in einem Heft zusammentragen, einschließlich der Dinge, die gut funktioniert haben, die wir unbedingt wieder genau so machen wollen. Das kann dann als Referenz für kommende Ausstellungen dienen und wenn auch manches sehr spezifisch für diese Ausstellung war, so kann es doch auch für andere Projekte hilfreich sein.

...moment mal, ist das die Küche eines Registrars?

…moment mal, ist das die Küche eines Registrars?


 

Das Endergebnis

Am 19. Februar eröffneten wir „Sammlung 2: der elektrische Haushalt“. Unser Teammitglied Bernd Kießling hat einen virtuellen Rundgang durch die Ausstellung zusammengestellt. Falls Sie eine 3D-Brille (rot-cyan) zur Hand haben, gibt es den auch noch in 3D.

Einen weiteren Einblick bieten zwei Fernsehvideos:

http://www.rnf.de/mediathek/kategorie/themenserien/technoseum-mannheim/#.UwoZBYUnYyM

http://www.swr.de/swr4/bw/nachrichten/rhein-neckar/technoseum-in-mannheim-ausstellung-der-ungewoehnlichen-haushaltsgeraete/-/id=258328/did=12909124/nid=258328/m1pgqm/index.html

Einrichtung der Ausstellung "Die Sammlung 2: Der elektrische Haushalt"

Einrichtung der Ausstellung "Die Sammlung 2: Der elektrische Haushalt"
Bild: Bernd Kießling

Ich habe uns mit einem Fußballteam verglichen, das gegen sein früheres Selbst spielt. Was ist nun das Ergebnis?

  • Wir zeigen sehr viel mehr Objekte als das letzte Mal (1750 gegen 1639, außerdem waren beim letzten Mal ca. 300 kleine archivalische Objekte dabei, während wir diesmal fast nur Produkte zeigen)
  • Wir haben enger mit der Marketingabteilung zusammengearbeitet, was zu mehr Blog-Beiträgen geführt hat und zu einem Weihnachtsbaum, der mit Haushaltsgegenständen geschmückt war und schließlich zu einem Tweetup (#Sammlung2)
  • Wir haben mehr Objektgruppen gesichtet und konnten deshalb mehr Einträge in der Datenbank korrigieren.
  • Wie das letzte Mal waren wir mit der Einrichtung der Ausstellung im Prinzip ein paar Tage vor der Eröffnung fertig, so dass wir ganz unmittelbar einige Verbesserungen vornehmen konnten.
  • Wir werden sehen, ob wir auf mehr Besucher kommen als das letztes Mal, damals kamen mit 14 400 mehr als erwartet.

Kein Grund hier aufzuhören. Wenn es darum geht Sachen besser zu machen gibt es keinen Schlusspfiff. Das nächste Mal heißt es wieder:
 
Los, zeigt wir es uns!
 
P.S. Im Lauf der Vorbereitungen haben wir viel gelernt (zum Beispiel, warum man ein Regal kontrollieren sollte, ehe man die Acrylglasfront befestigt), das gibt noch Material für weitere Geschichten im Registrar Trek. Bleiben Sie dran!

Übertragung aus dem Englischen ins Deutsche von Brigitte Herrbach-Schmidt

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