Wörterbuch Amerikanische Registrare – Internationale Registrare

dictionaryJede Tätigkeit hat ihre Fachsprache und die zugehörigen Abkürzungen. Als Funkamateurin sage ich Dinge wie „Ich bin um 1900 UTC QRV für ein QSO auf 40 Meter, 73!“ ohne überhaupt darüber nachzudenken wie seltsam das für einen Außenstehenden klingen muss. Während aber diese Codes international standardisiert sind, um Verständigung über Sprachgrenzen hinweg zu ermöglichen, ist das im Bereich der Sammlungsbetreuung eine ganz andere Geschichte. Mein Englisch ist ganz passabel, aber ich stolpere oft über Abkürzungen (oft Akronyme), die im amerikanischen Museumswesen gängig zu sein scheinen und die mir überhaupt nichts sagen. Für die internationale Zusammenarbeit habe ich hier unter tätiger Mithilfe der Kolleginnen und Kollegen aus der RC-AAM Mailingliste einen Spickzettel zusammengestellt. Die Liste wird von Zeit zu Zeit aktualisiert, wenn ich über weitere Abkürzungen stolpere oder wenn jemand einen neuen Begriff einsendet.

Wörterbuch Amerikanische Registrare – Internationale Registrare Druckversion

AP = „Abandoned Property“, zurückgelassenes Objekt, dazu zählen u.a. die im Museumswesen so bekannten wie gefürchteten „Findelkinder“, die in Plastiktüten an der Kasse abgegeben werden. Während es in Deutschland äußerst schwierig ist, solche Dinge rechtlich einwandfrei ins Eigentum zu überführen, gibt es dafür in den USA genaue gesetzliche Regelungen, die allerdings von Bundesstaat zu Bundesstaat unterschiedlich sind.

AR = „Artifact Receipt“, Eingangsbestätigung für ein Objekt.

BOL = „Bill of Lading“, Frachtbrief.

CCMS = „Collections Cataloging and Management System“, Datenbank.

CMS = entweder „Collections Management System“, eine Datenbank oder „Content Management System“, eine Datenbank, mit der man Inhalte verwalten und veröffentlichen kann, zum Beispiel für die Website.

COA = „Certificate Of Authenticity“, Echtheitszertifikat, das belegt, dass das Werk original ist und dass es rechtmäßig erworben wurde – muss das Werk jederzeit begleiten. Besonders üblich im Bereich der zeitgenössischen Kunst und bei limitierten Auflagen.

COI = „Certificate Of Insurance“, Versicherungsbescheinigung.

CR = entweder „Custody Receipt“, Übergabebescheinigung oder „Condition Report“, Zustandsprotokoll.

DAMS = „Digital Asset Management System“, eine Datenbank zum Verwalten digitaler Daten.

Del = „deliver“, liefern.

DOG = kein Hund sondern ein „Deed of Gift“, eine Schenkungsurkunde, die bestätigt, dass ein Objekt dem Museum geschenkt wurde, es also rechtmäßig in dessen Eigentum übergegangen ist.

DOR = „Dead On the Road“, „tot auf der Straße“, Begriff wird vor allem in naturkundlichen Museen, bei der Dokumentation von Exemplaren der Zoologie verwendet.

D/O = „drop-off“, Auslieferungsdatum und/oder Ort.

FCL = „Full Container Load“, eine komplette Containerladung. Entweder, weil die Ladung wirklich einen ganzen Überseecontainer beansprucht, oder weil man den Container exklusiv für den Transport gebucht hat.

FIC = „Found in Collection“, „Gefunden im Sammlungsbestand“, ein Objekt, das bei der Arbeit in den Sammlungen „auftaucht“ und meist weder eine Inventarnummer noch sonst einen Hinweis auf seine Herkunft trägt. Diese Objekte zu recherchieren kann sehr zeitaufwändig und ärgerlich sein. Wenn man aber durch die Recherche wirklich die ursprüngliche Dokumentation wieder findet und damit dem Objekt seine Geschichte und Bedeutung wieder zuordnen kann ist es einer der befriedigendsten Momente im Berufsleben eines Sammlungsbetreuers. Siehe auch FITS und FOP.

FITS = „Found In the Stacks“, eine Art FIC bei Archivalien.

FOP = „Found On Property/Premises“, „auf dem Gelände gefunden“, siehe FIC.

FR = „Facilities Report“/“Facility Report“ wird auch in Deutschland mit dem englischen Begriff bezeichnet. Ein Dokument, das der Leihgeber vom Leihnehmer fordert und in dem Basisdaten zum Ausstellungsort (z.B. Klima, Sicherheitseinrichtungen) abgefragt werden.

FTC = „Foot Candles“, eine amerikanische Maßeinheit für Licht, eine „foot-candle“ entspricht 10,76 Lux.

FTL = „Full Trailer Load“, eine komplette LKW-Ladung. Entweder, weil die Ladung wirklich einen ganzen LKW beansprucht, oder weil man den LKW exklusiv für den Transport gebucht hat. Siehe auch FCL.

GFR = „General Facilities Report“, herausgegeben von der AAM, ein über 30 Seiten umfassendes Dokument, das 2008 den bis dahin gültigen „Standard Facilities Report“ (siehe SFR) ersetzte. Er enthält jetzt mehr Angaben, die für die Versicherungsindustrie nach den katastrophalen Ereignissen der frühen 2000er Jahre wichtig wurden und auch einige Ergänzungen, die durch Veränderungen im Museumswesen notwendig wurden. Für den Leihverkehr mit amerikanischen Museen ist er ein unumgängliches Dokument, da die meisten Museen ihn vor einer Ausleihentscheidung anfordern. In Amerika selbst wird er nicht nur für den Leihverkehr genutzt, sondern auch als Grundlage für Ausschreibungen und Arbeiten an der Liegenschaft, weil in ihm kompakt alle wichtigen Angaben zum Museumsgebäude zusammengefasst sind.
Die Namensänderung zu „General Facilities Report“ wurde notwendig, weil das „Standard“ in „Standard Facilities Report“ oft so mißverstanden wurde, als ob die dort gemachten Angaben die erstrebenswerten Anforderungen definieren.

IL = „Incoming Loan“, eingehende Leihe.

IPM = „Integrated Pest Management“, etwa „ganzheitliche Schädlingsbekämpfung“, Sammelbegriff für alle Maßnahmen zur Schädlingsbekämpfung, sowohl aktiv als auch passiv.

LOFO = „Last On, First Off“, als letztes rein, als erstes raus. Kann von Leihgebern zur Bedingung gemacht werden, dann ist das Objekt das letzte, das auf einer Fahrt abgeholt wird und dementsprechend natürlich das erste, das abgeladen wird. Das minimiert die Gesamtzeitspanne, in der sich das Objekt auf dem LKW befindet und stellt sicher, dass es am wenigsten bewegt wird.

LTL = „Less Than Trailer Load“, die Fracht beansprucht nicht die volle Ladekapazität des LKW.

NAC = „Non-accessioned collection“, nicht aufgenommene Sammlung, entweder weil die Sammlung noch nicht inventarisiert wurde oder weil es sich um einen Bestand handelt, den das Museum nur vorübergehend in seiner Obhut hat.

OL = „Outgoing Loan“, ausgehende Leihe.

PBS = „Packed By Shipper“, Sendung wird vom Spediteur gepackt.

PO = „Purchase Order“, Auftrag, Bestellung.

POA = „Power Of Attorney“, Vollmacht.

PR = „Payment Request“, Zahlungsaufforderung.

PTL = „Proposed Temporary Loan“, zugesagte Leihgabe.

PU = „Pick Up“, aufnehmen, abholen, z.B. ein Paket, eine Sendung.

P/U = „pick-up point“, Abholstelle.

R = „Recto“, Gebrauch wie im Deutschen, Vorderseite, z.B. einer Münze oder eines Dokuments. Bezeichnet bei zweiseitigen Objekten die „richtige“, wichtigere Seite. Bei Büchern ist es die rechte Seite.

RA = „Related Accessory“, Zubehör, Teil, das zu einem Objekt gehört.

RFP = „Request For Proposal“, Ausschreibung.

RFQ = „Request For Quote/Quotation“, Anfrage, unverbindliches Angebot einholen.

ROD = „Receipt Of Delivery“, Empfangsquittung.

RTD = „Return To Depositor“, an denjenigen zurückgeben, der es abgeliefert hat, z.B. den Leihgeber nach der Ausstellung.

SFR = „Standard Facilities Report“, ein Dokument, das um 1989 von der AAM herausgegeben wurde mit dem Ziel, große Museen, die oft ver- und entleihen auf einen Stand zu bringen. Ein Fragenkatalog, der unter anderem Beschäftigte, vergangene Ausleihvorgänge, Sicherheitseinrichtungen, Klimabedingungen und -kontrollen und Angaben zum Gebäude umfasst. Ob eine Institution gut genug aufgestellt ist, um eine Leihgabe zu erhalten wird u.a. anhand der Antworten auf diese Frage entschieden. Wurde 2008 auf den neuesten Stand gebracht und heißt nun General Facility Report, siehe GFR.

SOP = „Standard Operating Procedures“, Standardvorgehensweise.

SOW = „Statement Of Work“, Lastenheft, Anforderungskatalog.

TC = „Temporary Custody“, „vorübergehend in Obhut genommen“, z.B. ein Objekt für ein Ausstellungsprojekt.

TIN = „Temporary Inventory Number“, „vorläufige Inventarnummer“.

TL = „Temporary Loan“, „vorrübergehende Leihe“, der Normalfall für Sonderausstellungen usw.

TLC = „Tender Loving Care“, etwa „mit viel Liebe und Sorgfalt zu behandeln“, gilt eigentlich für alle Museumsobjekte, wird aber gerne beim Kümmern um bisher vernachlässigte Objekte gebraucht.

TR = „Temporary Receipt“, vorläufige Empfangsbestätigung.

VIC = „Very Important Cargo“, „sehr wichtige Ladung“, VIP unter den Objekten.

V = „Verso“, Gebrauch wie im Deutschen, Rückseite z.B. einer Münze oder eines Dokuments. Auch die „falsche“, weniger wichtige Seite eines zweiseitigen Objektes. Bei Büchern ist es die linke Seite.

 

Und hier ein Blick auf gängige Abkürzungen bei Zustandsprotokollen:

 

BC = „Bottom center“, unten Mitte (auch: LC)

BLC = „Bottom left corner“, unten linke Ecke (auch: LLC)

BRC = „Bottom right corner“, unten rechte Ecke (auch: LRC)

LC = „Lower center“, unten Mitte (auch: BC)

LLC = „Lower left corner“, unten linke Ecke (auch: BLC)

LRC = „Lower right corner“, unten rechte Ecke (auch: BRC)

N/C = „No changes“, Zustand unverändert

PR = „proper right“, heraldisch rechts, sehr praktikable relative Angabe. Wenn man z.B. ein Zustandsprotokoll eines Frauenporträts macht und es ist ein Schaden an der Hand auf der linken Seite, schreibt man PR für heraldisch rechts. Die Hand ist für den Protokollanten links, für die dargestellte Person ist es aber ihre rechte Hand.

PL = „proper left“, heraldisch links, siehe PR, nur gilt jetzt natürlich „ihre linke Hand“.

UC = „Upper center“, oben Mitte

ULC = „Upper left corner“, oben linke Ecke

URC = „Upper right corner“, oben rechte Ecke

 

 

Ausdrücke und Abkürzungen, die auch im allgemeinen amerikanischen Sprachgebrauch vorkommen

 
ASAP = „as soon as possible“, „so schnell wie möglich“, normalerweise wird jedes Dokument, Leihvertrag, Versicherungsbescheinigung… ASAP benötigt, am besten schon einen Tag bevor angefragt wurde.

brb = „be right back“, „bin gleich zurück“.

etc. = „et cetera“, Gebrauch wie im Deutschen, zum Beispiel „Mein Depot ist voller Kartons, Kisten, etc.“

g2g = „got to go“, „ich muss gehen“.

misc. = „miscellaneous“, „Diverses“ bzw. „Verschiedenes“, ein Wort das die meisten Sammlungsbetreuer hassen, weil es so vage ist. Es heißt „Zeug“ und wird gerne (von Nicht-Registraren) verwendet, um Aktenordner oder Kisten zu bezeichnen, deren Inhalt zu unterschiedlich ist, um vernünftig bezeichnet zu werden (oder man ist zu faul, all das aufzuschreiben, was sich wirklich in dem Ordner oder der Kiste befindet).

OMG = „Oh My God“, „Oh mein Gott“.

SCNR = „Sorry, could not resist“, „Entschuldige bitte, ich konnte nicht widerstehen“, besonders gebraucht bei uralten Kalauern.

VM = „Voice Mail“, Sprachbox, Sprachmitteilung.
 

Eigennamen von Produkten und Organisationen:

 
AAM = „American Alliance of Museums“, Amerikanischer Museumsbund.

ARCS = „Association of Registrars and Collections Specialists“, internationale Vereinigung der Registrare und Sammlungsspezialisten.

ARC = „Australasian Registrars Committee“, Vereinigung der Registrare in Asien und Australien oder „Austrian Registrars Committee“, Vereinigung der Österreichischen Registrare, man sollte also sicherheitshalber nach dem Ort sehen.

RCAAM = „Registrars Committee of the American Alliance of Museums“, Fachgruppe der Registrare im Amerikanischen Museumsbund.

TMS = „The Museum System“, eine Datenbanksoftware, die in amerikanischen Museen weit verbreitet ist.

Diesen Beitrag gibt es auch auf Französisch übersetzt von Aurore Tisserand.

Facebooktwittergoogle_plusredditpinterestlinkedintumblrmail

This post is also available in: Englisch Französisch

8 Kommentare

  1. Mary Case sagt:

    I love reading this insiders scoop this morning. Reminds me a little of Cordelia Rose’s CourierSpeak in Six Languages, which as it turns out is actually a flow chart for the courier’s work. Brilliant. I wonder if these abbreviations might be graphically placed to create a visual teaching tool? Keep up the good work, all of you.

    • Angela sagt:

      Thanks, Mary. We haven’t thought of something like that but if you have an idea how to do it – or know someone who does, we will be glad to feature it on Registrar Trek.

      Cheers,
      Angela

  2. Victoria Merriman sagt:

    Thanks for this wonderful effort. I hadn’t heard the term „proper“ used for condition reporting, and wonder if that’s more commonly-used, AND whether it will be understood 100 years from now. We’ve used „viewer’s left“, etc. or „subject’s hand at viewer’s left“.

    • Angela sagt:

      Hi Victoria, that’s interesting, we will put that into our next update. In Germany, we use „heraldisch rechts“, „heraldic right“ because it was used in heraldry when describing to which side a figure looks or is ascending. „Viewer’s left“ will mean to me the left hand as I look at it, which would be the „proper right“, if I understand you right?

  3. Tara sagt:

    [Marked as spam by Antispam Bee | Spam reason: Server IP]
    What a good idea. Thanks for sharing it. At my last job, we used the term ACP (rather than AP) for Abandoned Cultural Property. The name term is from the South Carolina law governing the settlement of such property.

  4. Anne sagt:

    Matt, the traditional abbreviations for manuscript and manuscripts are MS and MSS. And for the general abbreviations much in use, a couple degrees beyond the overused LOL: ROTFL – Rolling on the floor laughing; ROTLMAO – Rolling on the floor laughing my, er, rear end off.

  5. A Tomalak sagt:

    In books, recto/verso is only right page/left page for languages written left to right – my rule of thumb is that the side that’s foliated is the recto.
    And one for your list:
    UFP = unfit for production (i.e. can’t be exhibited, loaned or issued in the reading room and probably in need of TLC)

  6. Matt sagt:

    fantastic resource – TY!

    I’ve seen others such as OS (for oversize (whatever that might mean)) and MAN (manuscript) for communicating on projects with other departments. Every organization I’ve worked with has had a few idiosyncratic acronyms to boot.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.