Direkt ab Lager – Anfragen von der Öffentlichkeit

Nur für den Fall, dass Sie meinen, dass ich Däumchen drehe zwischen all den Aufgaben, über die ich bisher geschrieben habe, erzähle ich Ihnen heute etwas über

Anfragen von der Öffentlichkeit

Lassen Sie mich das Bühnenbild aufbauen – ich habe zwei Praktikanten, die darauf warten, dass ich ihnen ihr nächstes Projekt erkläre. Nicht nur, was es ist, sondern auch, wie man es macht. Und es ihnen nicht nur erkläre, sondern es ihnen auch zeigen. Und einige Beispiele werde ich erst einmal selbst machen, damit sie die Idee dahinter begreifen. Dann ist Kris am Telefon, die mir sagt, dass ich die Texte der Texttafeln des Eagle Project Korrekturlesen muss, ehe sie sie um 2:30 Uhr an den Drucker schickt. Es ist 1:00 Uhr. Ich rufe die Texte auf dem Computer auf und gehe dann zu dem Tisch der Praktikanten, um ihnen zu zeigen, wie man Kinderklamotten in Seidenpapier einschlägt und in Archivkartons verpackt. Aber das Telefon klingelt, es ist eine ältere Stimme, sanft wie Hirsesirup……

In attic, 1780s house, Nine Mile Point, Jefferson Parish, Louisiana. View towards 20th century closet constructed within the attic. by Infrogmation via flickr“Die haben mir gesagt, dass ich mit Ihnen reden muss. Wir haben unseren Hühnerstall auf dem Bauerhof meines Großvaters saniert und wir haben da diesen Stein gefunden. Ich denke, der ist wirklich alt, sieht aus wie etwas, was die indianer verwendet haben müssen. Er funkelt, aber hat da so Kratzer drin. Wir haben ihn gut gewaschen, so dass er nicht allzuschlimm riecht und ich bin mal mit der Feile drüber gegangen, um ein paar von den Kratzern rauszukriegen. Ich bringe ihn in 15 Minuten vorbei, ich hoffe, das stört Sie nicht, ich bin sicher, dass er wertvoll ist.“

Ja, okay, ich übertreibe. Aber die bei weitem häufigsten Anrufe, die ich von potentiellen Spendern erhalte, beginnen mit dem Satz: „Wir haben den Dachboden im Haus von meiner/meinem (hier Verwandten einsetzen) aufgeräumt…“. Wenn es nach etwas klingt, was uns interessieren könnte, spreche ich mich mit Kris ab und wir vereinbaren entweder einen Besichtigungstermin oder lassen es uns vorbeibringen. Wenn es nicht in unser Sammlungskonzept passt, schlage ich andere Museen vor, die interessiert sein könnten. Wenn der Anrufer wissen will, was der Gegenstand wert ist, besonders wenn er ihn spenden will, verbietet mir die Museumsethik einen Wert zu nennen. Wir haben eine Liste von Sachverständigen, auf die wir verweisen. Wenn sie nur wissen wollen, was es ist, versuche ich ihnen über das Telefon weiterzuhelfen. Wenn ich das nicht kann, müssen sie es vorbei bringen oder ich schlage jemanden vor, der ihnen weiterhelfen könnte.

Ein anderer üblicher Anruf kommt von Leuten, die wissen wollen, wie sie einen Familienschatz am besten erhalten können. Ich versuche, so viel wie möglich herauszubekommen – aus was das Objekt besteht, in welchem Zustand es ist, was die Person damit machen will. Ich frage auch, ob sie es in einem geheizten und klimatisierten Raum aufbewahren wollen und welche Art von Licht es dort abbekommt. Es ist manchmal eine kitzlige Situation, weil ich herausfinden muss, ob die anrufende Person willens und dazu in der Lage ist, Geld für spezielle Archivmaterialien auszugeben. Wenn das der Fall ist, schlage ich ihnen vor, was sie brauchen und wo sie es bekommen können. Wenn nicht, suche ich oft einen Ausweg über die bewährte „Bettdecke im Kissenbezug“-Strategie. Es gibt auch die Zippbeutel-Strategie, die „Wenn Sie sich wohlfühlen fühlt es sich wahrscheinlich auch wohl“-Strategie und schließlich die „Alles, bloß nicht im Schuhkarton auf dem Dachboden“-Strategie. Ich versuche normalerweise, sie davon zu überzeugen, dass häufiges Waschen und Polieren mehr Schaden anrichtet, als es unter nicht ganz idealen Umständen zu lagern. Wenn ich selbst recherchieren muss, sagen ich das und sage, dass ich zurückrufe. Und mache das dann auch.

Ich habe mir sogar schon selbst durch eine telefonische Anfrage nach einer Information einen ehrenamtlichen Hilfseinsatz verschafft. Ich werde dem einzigen bezahlten Mitarbeiter und einigen Ehrenamtlichen eines kleinen Heimatmuseums in der Nähe beibringen, wie man Inventarnummern auf Objekten anbringt.

Ich liebe es, Leuten solche Dinge beizubringen, aber es braucht Zeit. Und ich muss die Datenbank auf den neuesten Stand bringen.

Shanti
Anne

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2 Kommentare

  1. Hi, just wanted you to know that I love your articles, the way you tell a story and the story itself.
    Regards from Rio de Janeiro,
    Claudia Porto

    ________

    Español:

    Hola, solo para que sepan que amo vuestros artículos, el modo como cuentan una historia, y la historia en sí misma.
    Saludos desde Río de Janeiro,
    Claudia Porto

    • Fernando sagt:

      Muchas gracias, Claudia. Tus comentarios son bienvenidos, así como los aportes que tengas a bien dar para nuestro blog.
      Saludos cordiales,
      Fernando

      ________

      Thank you very much, Claudia. Your comments are welcome, as well as the contributions you have to either give to our blog.
      Best regards,
      Fernando

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