Wir basteln uns einen Datenlogger – Daten verarbeiten mit Microsoft Excel

Im letzten Beitrag habe ich OpenOffice Calc von Apache (https://www.openoffice.org/product/index.html) als Tabellenkalkulationsprogramm empfohlen, aber einige von Ihnen haben wahrscheinlich ohnehin das Office-Paket von Microsoft, deshalb hier das Ganze nochmal in Excel:

Statt „MyLogger.csv“ zu öffnen (was die Daten ziemlich durcheinanderwürfelt), erstellen wir zunächst eine neue Arbeitsmappe. Dann wählen wir das „Daten“ Menü und dort „Aus Text“. Wir wählen unsere Datei aus und klicken auf „Importieren“. Wir wählen „Getrennt“ und dann „Weiter“.

Our csv file in the preview window.

Unsere CSV-Datei im Vorschaufenster.

Im nächsten Dialog können wir auswählen, wie unsere Werte voneinander getrennt sind. In unserem Fall also durch „Komma“.

lala

Wenn wir „Komma“ wählen, sehen wir im Vorschaufenster, wie die Werte getrennt werden.

Nach einem Klick auf „Weiter…“ haben wir die Möglichkeit, für unsere Werte ein Format festzulegen. Auch einfach, dadurch seine Daten durcheinander zu bringen. In den meisten Fällen kann man hier alles auf „Standard“ lassen.

You can choose the format of the data in all the columns seperately.

Man kann für jede Spalte ein eigenes Format auswählen.

Hier kann man sich selbst ein Bein stellen, wenn man mit einem anderen Sprachpaket als dem Englischen arbeitet. Im Deutschen werden die Dezimalstellen durch Komma getrennt, nicht durch den Punkt. Im Deutschen Sprachpaket interpretiert deshalb Excel die Dezimalzahlen nicht als Dezimalzahlen, wenn man den „.“ als Dezimalstellentrenner stehen lässt und macht alle möglichen komischen Dinge mit den Werten, indem es z.B. alles hinter dem Punkt wegfallen lässt oder bei den Diagrammen die Zahlen nicht als Zahlen interpretiert. Man muss also das Dezimaltrennzeichen unter „Weitere…“ von Komma auf Punkt umstellen.

Tweak for decimals in foreign languages.

Umstellen des Dezimaltrennzeichens.

Nach einem Klick auf „Fertig stellen“ kommt noch ein weiterer Dialog, den man einfach mit „OK“ bestätigen kann. Jetzt haben wir unsere Daten in der Tabelle. Wir machen so ziemlich genau so weiter, wie wir es in Calc auch gemacht haben. Wir fügen eine neue Spalte für unseren Datums- und Zeitstempel ein. Den erzeugen wir, indem wir unsere Daten im richtigen Format verketten: Wir setzten den Mauszeiger in A1 und tippen das Gleichheitszeichen „=“ das anzeigt, dass wir eine Formel beginnen. Dann tippen wir das erste Feld „D1“, setzten ein „&“ um es mit dem nächsten benötigten Zeichen zu verketten, das ein Schrägstrich „/“ ist. Wir tippen den Schrägstrich in Anführungszeichen, da unser Programm sonst denkt, dass wir den Wert aus D1 mit etwas dividieren möchten. Wir fügen das nächste Feld, E1, mit einem & an, und so weiter. Nach 6 Feldern, zwei „/“ und zwei „:“ haben wir:
=D1&“/“&E1&“/“&F1&“ „&G1&“:“&H1&“:“&I1
Wenn wir Enter drücken, sollten wir einen schönen, sauberen Datums- und Zeitstempel in A1 sehen:

Our first timestamp.

Einen Zeitstempel aus den Feldern D bis I erzeugen.

Nun möchten wir das natürlich für die gesamte Spalte A. Wir stellen fest, wie viele Zeilen mit Daten wir insgesamt haben, das sind in diesem Fall 8484, bei Ihnen kann das anders sein. Wir gehen in das Adress-Feld und schreiben „A1:A8484“ und drücken Enter. Das sagt Excel, dass wir etwas mit allen A-Feldern von A1 bis A8484 tun möchten. Folgerichtig sind diese jetzt markiert. Jetzt gehen wir in das „Start“ Menü und wählen am äußersten rechten Rand „Füllbereich“. Dort wählen wir „Unten“. Jetzt haben alle unsere Datensätze einen Datums- und Zeitstempel aus ihren Werten in D bis I.

We select all our A fields in the address field and choose the fill option.

Wir wählen alle A-Felder im Adress-Feld aus und füllen sie mit unserer Formel.

Bereit für ein nettes Diagramm? Na dann, los. Sie markieren als erstes die Spalten A bis C, die die Daten enthalten, die wir im Diagramm haben wollen. Dann wählen wir „Diagramm“ in unserem Menü „Einfügen“. Sie können entweder „Empfohlene Diagramm“ wählen oder direkt auf „Linien“ gehen.

Choose your diagramm options.

Auswahl der Diagrammoptionen

Wenn Sie „Linien“ wählen, wird das Diagramm sofort erzeugt, im anderen Fall können Sie sich die Empfehlungen ansehen und damit herumspielen:

Diagramm options.

Diagrammoptionen.

Jetzt haben wir ein schönes Diagramm, das wir vergrößern, verschieben und mit dem wir herumspielen können:

Climate graph ready.

Klimagrafik fertig.

Nun sind Calc- und Excel-Kapitäne auf dem gleichen Stand und wir können ein paar Dinge mit unseren Daten anstellen….

Weitere Beiträge zu diesem Projekt:

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Wir basteln uns einen Datenlogger – Daten verarbeiten mit OpenOffice Calc

Daten sammeln ist nett, aber kein Wert an sich. Wir wollen schließlich etwas mit unseren Werten anfangen. Um die Daten weiter zu verarbeiten verwende ich OpenOffice Calc von Apache (https://www.openoffice.org/product/index.html). Warum Calc und nicht Excel? Dafür gibt es verschiedene Gründe: es ist kostenlos, es ist Open Source, es ist für Windows, Linux und Mac erhältlich und, vielleicht am wichtigsten, es ist sehr benutzerfreundlich beim Daten verarbeiten. Es schlägt Excel in vielen Bereichen, jedenfalls meiner Meinung nach (trotzdem gibt’s auch eine Excel-Version dieses Beitrags).

Wir haben bisher ein Programm geschrieben, das unsere Klimadaten als „MyLogger.csv“ auf unserer SD_Karte ablegt. Als nächstes speichern wir die Datei auf unserem Rechner und öffnen sie mit OpenOffice Calc. Das sollte dann ungefähr so aussehen:

Window when you open a csv-file directly with Calc

Fenster, wenn man eine csv-Datei direkt mit Calc öffnet.

Natürlich in der Sprache, in der Sie arbeiten. Das Programm schlägt also vor, eine Tabelle aus ihren durch Komma getrennten Werten zu machen – was ja genau das ist, was wir haben wollen. Falls Ihre Werte nicht durch Komma getrennt sind, können sie das Trennzeichen hier angeben. Wenn Sie mit der Voransicht zufrieden sind, drücken Sie „OK“.

Your raw data spreadsheet.

Ihre Roh-Tabelle.

Wir könnten jetzt natürlich direkt ein Diagramm mit Luftfeuchte und Temperatur machen. Aber vielleicht wäre es besser, wenn wir Datum und Uhrzeit in einem Format hätten, das wir auch gebrauchen können. Das hätten wir natürlich auch in unserer Arduino-Software schon tun können – aber niemand ist perfekt, wir notieren das aber für unsere weiteren Verbesserungen. Jetzt fügen wir erst einmal eine neue Spalte in unser Datenblatt ein: Wir markieren die Spalte A und wählen „Einfügen“–>Spalte. Eine neue Spalte erscheint links von der ursprünglichen Spalte, die jetzt „B“ heißt.

Our new empty column A.

Unsere neue leere Spalte A.

Jetzt machen aus dem Geschnipsel in den Spalten D bis I einen schönen Datums- und Zeitstempel. Er soll so aussehen: „2017/4/1 0:1:22“ Um das hinzukriegen, verknüpfen wir die Angaben in den Spalten mit einer Formel, das heißt wir klicken in A1 und tippen erst einmal ein Gleichheitszeichen „=“ was anzeigt, dass wir nun eine Formel eingeben. Dann tippen wir die Bezeichnung des ersten Feldes, „D1“, und fügen ein „&“ ein, um es mit dem nächsten Zeichen das wir brauchen zu verbinden, das ist ein Schrägstrich „/“. Das tippen wir in Anführungszeichen, denn sonst würde unsere Software denken, dass wir den Wert teilen möchten. Jetzt fügen wir mit & das nächste Feld, E1, an, und so weiter. Nach 6 Feldern, zwei „/“, einem Leerzeichen “ “ und zwei Doppelpunkten „:“ haben wir:
=D1&“/“&E1&“/“&F1&“ „&G1&“:“&H1&“:“&I1
Wenn wir Enter drücken, haben wir einen schönen, sauberen Datums- und Zeitstempel erzeugt:

The formula entered and executed.

The formula entered and executed.

Das möchten wir nun so in der ganzen A-Spalte, richtig? Aber erst müssen wir feststellen, wie viele Zeilen mit Daten wir überhaupt haben, also schauen wir in die letzte Zeile, die in unserem Fall die 8484 ist, bei Ihnen kann das anders sein. Wir gehen nun ins Adressfeld und tippen „A1:A8484“ und bestätigen mit Enter. Das sagt Calc, dass wir etwas mit allen A-Feldern von A1 bis A8484 unternehmen möchten. Deshalb sind die jetzt markiert.

We select all our A fields in the address field.

Wir wählen alle A-Felder im Adressfeld aus.

Jetzt kommt der Trick. Aus dem Menü „Bearbeiten“ wählen wir „Füllen“ und „Unten“. Jetzt haben alle unsere Daten einen schönen Datums- und Zeitstempel, der aus den jeweiligen Einträgen in D bis I erzeugt wurde.

From the "edit" menu, choose "fill" and then "down".

Aus dem Menü „Bearbeiten“ wählen wir „Füllen“ und „Unten“.

Fertig um ein nettes Diagramm zu erzeugen? Also los. Wir markieren zunächst die Spalten A bis C, die alle Daten enthalten, die wir in unserer Grafik sehen möchten. Dann wählen wir aus dem Menü „Einfügen“ „Diagramm…“.

Choose the "diagramm..." option from the "Insert" menu.

„Diagramm…“ im Menü „Einfügen“.

Als Diagrammtyp wählen wir „Linien“, im Hintergrund sehen wir schon eine Vorschau auf das Ergebnis.

We choose the lines for a type.

Wir wählen ein Liniendiagramm.

Jetzt können wir „Ferigstellen“ wählen oder noch ein paar Einstellungen vornehmen, z.B. unserem Diagramm einen Titel geben. Sobald wir „Fertigstellen“ wählen haben wir eine Grafik, die wir herumschieben, vergrößern oder sogar ausschneiden und in ein neues Tabellenblatt einfügen können, genau so wie wir das haben möchten.

The finished graph.

Fertiggestelltes Diagramm.

There, we have a nicely enhanced graph in an added spreadsheet.

Eine schön vergrößerte Ansicht in einem neuen Tabellenblatt.

Mit all dem Calc-Wissen, das wir jetzt haben, können wir nun daran gehen, unsere Daten so zu bearbeiten, wie wir das wollen. Zum Beispiel sind ja alle unsere Temperaturen in Celsius und wir brauchen sie vielleicht in Fahrenheit. Aber zunächst einmal machen wir das ganze nochmal in Excel für diejenigen, die sich damit sicherer fühlen…

Weitere Beiträge zu diesem Projekt:

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Der klitzekleine Klima-Ingenieur

Unsere museumspädagogische Abteilung thematisiert in diesem Sommer Wetter und Klima und fragte deshalb, ob wir vielleicht einen Logger für sie erübrigen könnten? Klar doch!

Und wir könnten sogar einen ganz besonderen bauen, der außerdem noch den Luftdruck misst! Wer würde nicht gerne lernen, wie man mit einem Blick auf das Barometer das Wetter vorhersagen kann? Aber halt, braucht es dann nicht auch auch einen Ingenieur, der den Logger beaufsichtigt, wenn der arbeitet?

Hier ist er:

plastic spider on data logger

Und der klitzekleine Sensor-Ingenieur hält eine Menge Augen auf…

Übertragung aus dem Englischen ins Deutsche von Brigitte Herrbach-Schmidt.

Dieser Text ist auch auf italienisch erhältlich, übersetzt von Silvia Telmon.

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Wir basteln uns einen Datenlogger – Die Software, dem Logger sagen, dass er loggen soll

790px-Kaffeetasse_Milchkaffee_Cafe-au-Lait_CoffeeGut, mit dem Arduino, dem Loggershield und der Verdrahtung, sowie mit dem Sensor, haben wir jetzt alles beieinander und können unseren Logger zum Aufzeichnen bringen. Um das zu tun, müssen wir dem Arduino sagen, was er zu tun hat. Das tun wir mit der Arduino-Programmiersprache. Was ist das und warum brauchen wir das?

Wie wir im letzten Teil gesehen haben, ist ein Arduino nicht besonders intelligent. Zu jedem normalen Menschen kann man sagen: „Wärst Du so nett und bringst mir eine Tasse Kaffee?“ und er oder sie wird in der Lage sein, diesen Auftrag ohne weiteres auszuführen, vorausgesetzt, alles Notwendige ist vorhanden. Wenn man nun das gleiche von einer Maschine erwartet, muss man ihre Sprache sprechen (oder einen Übersetzer haben, der sich „Compiler“ nennt) und man muss über die Aufgabe für das Dings so nachdenken, als ob das Dings nichts von dieser Welt weiß. Was, genau betrachtet, ja für jede Maschine zutrifft. Also, um bei unserem Beispiel zu bleiben, um eine Maschine zu programmieren muss man sagen:

Wenn Du das Kommando „Wärst Du so nett und bringst mir eine Tasse Kaffee?“ hörst, tue folgendes:

1. Gehe in die Küche
2. Falls die Tür zu sein sollte, öffne sie, um in die Küche zu gelangen
3. Gehe zum Schrank
4. Öffne die Schranktür
5. Nimm eine Tasse heraus
6. Schließe die Schranktür
7. Platziere die Tasse unter der Kaffeemaschine
8. Drücke den ersten Knopf
9. Warte, bis die Flüssigkeit die Tasse gefüllt hat
10. Nimm die Tasse in aufrechter Position heraus
11. Bringe die Tasse der Person, die das Kommando gegeben hat

Blöd, oder? Sie würden wahnsinnig werden an einem Assistenten, der so präzise Anweisungen braucht. Das ist es, weswegen es manchen Menschen schwer fällt, zu programmieren – es ist sehr kompliziert, so einfach zu denken. Aber egal, wir wollen, dass unser Logger loggt, also lassen Sie uns Schritt für Schritt die Programmierung durchgehen. (Das komplette Programm können Sie aus dem Schnellstart heraus kopieren):

Der Teil, der durch /* eingeleitet wird und mit */ endet ist ein Kommentar, etwas, das für Menschen geschrieben wurde, nicht für den Arduino. Stellen Sie es sich so vor, wie man manchmal Wörter buchstabiert, damit Kinder sie nicht verstehen. Nun, bei Kindern kann man nie sicher sein, aber mit /* */ beim Arduino schon.

Sie verwenden Kommentare um sicher zu gehen, dass ein anderes menschliches Wesen versteht, was Sie mit einem bestimmten Teil der Programmierung bezwecken. Die Chance ist hoch, dass Sie dieses menschliche Wesen sind, denn nach einer gewissen Zeit werden Sie sich nicht mehr daran erinnern, warum Sie manche Dinge so und nicht anders gelöst haben. Kommentare sind Teil einer guten Dokumentation, etwas, was wir Sammlungsmenschen lieben, richtig?

Als nächstes fügen wir einige Bibliotheken, „libraries“, in unser Programm ein.

Wir haben ja schon gesehen, was ein Arduino-Gehirn braucht, um eine Tasse Kaffee holen zu können. Nun, jemand hat schon mal alle Schritte, angefangen von „1. Gehe in die Küche…“ in einer Bibliothek zusammengefasst. Wenn man jetzt seinen Arduino-Assistenten programmieren möchte, muss man nur am Anfang „#include <Kaffee.h>“ in das Programm einfügen und wann immer Sie sagen „Wärst Du so nett und bringst mir eine Tasse Kaffee?“ wird der Assistent in der Lage sein, alle notwendigen Schritte auszuführen, um Ihnen eine schöne, heiße Tasse Kaffee zu bringen. Die Bibliothek wird auch enthalten was er tun soll, wenn die Maschine abgeschaltet ist, der Wassertank leer ist, der Kaffee aus ist…

Nun muss ich zugeben, dass ich auch nicht alle Bibliotheken verstehe, die bei unserem Logger eingebunden wurden. Von manchen weiß ich nur so viel, dass ich sie brauche und das weiß ich, weil sie in einigen Beispielprogrammen eingebunden waren. Ich denke, das ist als ob man eine Restauratorin/Restaurator bräuchte – natürlich muss ich wissen, was er oder sie können sollte, aber man muss nicht vollständig verstehen, was er oder sie tut. Obwohl es natürlich auch so ist, dass, je besser man versteht was er oder sie macht, es desto effektiver ist, zusammen zu arbeiten.

Bei unserem Logger haben wir einige Bibliotheken eingebunden, damit er:

  • einige Funktionen der Programmiersprache C versteht (stdlib.h)
  • weiß, wie man mit Zeit umgeht, also versteht, dass es Sekunden, Minuten, Stunden, Tage,… gibt (Time.h)
  • weiß, wie man die Echtzeitumhr auf dem Loggershield abliest (DS1307RTC.h)
  • weiß, wie man über I2C kommuniziert (Wire.h)
  • versteht, was unser Sensor ihm zu sagen hat (DHT.h)
  • weiß, wie man mit Peripheriegeräten wie einem SD-Karten-Leser kommuniziert (SPI.h)
  • weiß, wie man eine SD-Karte liest und auf ihr schreibt (SD.h).

Als nächstes definieren wir, wo unser Sensor ist und welchen Typ wir verwenden. Die DHT-Bibliothek, die wir eingebunden haben kann nämlich unterschiedliche Sensoren verstehen: DHT11, DHT21 und DHT22, also müssen wir angeben, dass wir einen DHT22 verwenden und diesen an Pin 9 angeschlossen haben. Die Bemerkungen hinter den // sind wieder Kommentare für den Menschen, nicht für den Arduino:

Als nächstes bekommt der Sensor einen Namen, so dass wir ihm Befehle geben können.

Um die Sache einfach zu machen, haben wir ihn „dht“ in Kleinbuchstaben genannt, aber wir hätten ihn genau so gut „Walter“, „Gretchen“ oder „sensor1“ nennen können. Es ist nur wichtig, dass er konsequent so genannt wird und dass wir mit der Groß- und Kleinschreibung aufpassen. Denn für unseren Arduino ist „Gretchen“ etwas anderes als „gretchen“ und das Programm wird nicht laufen, wenn wir hier einen Fehler machen.

Die nächste Zeile stellt sicher, dass wir die SD-Karte verwenden können, obwohl wir ein Shield verwenden. In unserer Bibliothek ist nämlich der Pin 4 für eine bestimmtes Aktion vorgesehen, aber der wird vom Shield für etwas anderes verwendet. Also muss der Arduino statt dessen Pin 10 verwenden.

Bisher haben wir nur dafür gesorgt, dass der Arduino grundsätzlich ein paar Dinge weiß. als nächstes gehen wir ins „setup“. Stellen Sie sich einfach vor, ihr neuer Assistent kommt zur Tür herein. Bevor Sie ihm irgendwelche Aufträge erteilen können, müssen Sie ihn herumführen. Wo ist die Toilette? Wo ist die Küche? Wo ist die Kaffeemaschine… Das passiert alles innerhalb der geschweiften Klammern nach „void setup“.

Tatsächlich sagen wir unserem neuen Assistenten erst einmal, wie er/sie mit uns reden soll. Unser Arduino wird in der Lage sein, uns zu sagen was er tut, in dem er etwas verwendet, was „serial communication“ heißt. Er wird in der Lage sein, Informationen über das USB-Kabel zu schicken, die wir dann auf dem Serial Monitor unserer Arduino-Software lesen können. Die Zeile Serial.begin(9600) ist als ob wir unserem Assistenten sagen, dass er deutsch mit uns reden soll.

Als nächstes sagen wir unserem Arduino dass er Pin 7 und 8 als Ausgang (output) verwenden soll. Dort sind unsere beiden LEDs angeschlossen, aber das weiß unser Arduino nur, wenn wir es ihm sagen. Es gibt für einen Pin zwei Möglichkeiten: entweder er ist ein Ausgang oder ein Eingang (input). Wenn wir ihn als Ausgang definieren können wir an ihn Signale senden, die dann mit dem Ding, das dort angeschlossen ist, etwas tun. In unserem Fall können wir ein „HIGH“ Signal senden, dann schaltet sich die LED an, oder ein „LOW“ Signal, dann schaltet sie sch aus.
Wenn wir einen Pin als Eingang definieren, dann „hört“ der Arduino darauf, was an diesem Pin passiert. Wenn der Arduino dort ein Signal erhält, kann er darauf entsprechend reagieren. Aber in unserem Fall brauchen wir nur einen Ausgang für die LEDs.

Jetzt testen wir, ob unsere SD-Karte funktioniert. Zunächst schicken wir den Satz „Initializing SD card…“ an unseren Serial Monitor, so dass wir es sehen können.
Dann definieren wir noch einen Pin, Pin 10, als Ausgang, da unser SD-Karten-Leser es so braucht (das wissen wir aus dem Beispielprogramm).

Nun testet der Arduino, ob er die SD-Karte lesen kann. Wenn er sie nicht lesen kann, schickt er die Nachricht „Card failed, or not present“ an den Serial Monitor.
Aber „in freier Wildbahn“ haben wir kein USB-Kabel und keinen Computer, nur den Logger an sich. Also benutzen wir unsere rote LED um uns die gleiche Nachricht mitzuteilen. Wenn der Arduino den SD-Karten-Leser nicht erkennt, schaltet er für 5 Sekunden die rote LED an. In Arduino-Sprache werden Zeitintervalle in Millisekunden angegeben. Sie sehen, dass wir der LED ein „HIGH“ Signal senden, dann für 5000 Millisekunden warten (delay), um dann ein „LOW“ Signal zum Abschalten der LED zu senden.
Hier kommt nun auch das Wattestäbchen zum Einsatz: Wenn die rote LED anzeigt, dass die SD-Karte fehlt oder nicht richtig eingeschoben ist, kann man die SD-Karte erneut einsetzen und auf das Wattestäbchen drücken, das im Inneren des Gehäuses mit dem Reset-Knopf verbunden ist. Der Arduino macht einen Neustart und versucht es noch einmal.

Wenn der Arduino die SD-Karte dagegen lesen kann, sendet er die Nachricht „card initialized.“ an den Serial Monitor. Als nächstes schickt er „DHTxx test!“. Wieder haben wir keine Ahnung, ob die SD-Karte gelesen werden konnte, also schalten wir die grüne LED an Pin 8 für 5 Sekunden ein wenn alles in Ordnung ist.

Mit dem einfachen Befehl „dht.begin();“ teilen wir unserem Sensor mit, dass er anfangen soll, seine Umgebung zu überwachen.

Damit ist unser setup beendet und wir können unserem Assistenten sagen, was er oder sie den lieben langen Tag tun soll. Das tun wir in der „loop“-Funktion. Diese Funktion wird sich ständig wiederholen, wenn wir nichts hineinschreiben, was sie stoppt (oder wenn der Stecker gezogen wird).

Was wir immer wieder machen wollen ist zu lesen, wie hoch die relative Luftfeuchtigkeit und Temperatur in unserem Raum ist, richtig? Um die Werte von unserem Sensor zu lesen, rufen wir „dht.readHumidity“ für die Feuchtigkeit und „dht.readTemperature“ für die Temperatur.
Wenn wir diese Werte noch ein paar Mal in unserem Programm brauchen, benutzen wir etwas, was sich „Variable“ nennt. Eine Variable ist so etwas wie eine Tasche. Wir können einen Wert darin speichern und mit uns herumtragen. In unserem Fall nennen wir eine Variable „h“ für Feuchtigkeit (humidity) und „t“ für Temperatur. Taschen gibt es in allen Größen und Formen, genau so Variablen. Sie würden die kleine, schwarze Handtasche für eine Essenseinladung nehmen und Ihren Rucksack für einen Tagesausflug, eben für jeden Anlass und Platzbedarf genau das richtige. Unsere Daten vom Sensor sehen z.B. so aus: 14.5 oder 34.8, sie kommen als Fließkommazahlen. Also wählen wir den Variablentyp „float“ (Fließkommazahl) für sie. Es gibt noch viele andere Variablentypen, aber für heute reicht uns erst einmal zu wissen, dass „float“ der richtige Typ für unsere Sensorwerte ist.
Zusammengefasst: Die folgenden Zeilen unseres Programmes speichern die Sensorwerte in den Variablen „h“ und „t“. Wenn wir diese Variablen im folgenden Teil des Codes aufrufen, werden sie die aktuellen Sensorwerte ausspucken.

Aber was passiert, wenn unser Sensor etwas ausgibt, das kein gültiger Wert für Feuchtigkeit oder Temperatur ist? Der nächste Teil des Programms überprüft genau das und reagiert dementsprechend.

Wenn entweder der Feuchtigkeitswert in „h“ oder der Temperaturwert in „t“ keine Zahl ist, wird uns der Arduino darüber informieren, indem er auf dem Serial Monitor schreibt: „Failed to read from DHT sensor!“ Der Ausdruck dafür, dass etwas keine Zahl ist heißt „isnan“ (für IS Not A Number). Statt „oder“ zwischen diesen beiden Bedingungen zu schreiben, müssen wir eine Sprache verwenden, die der Arduino versteht, das sind hier die beiden vertikalen Striche || (davon gibt es wieder einige, wie && für „und“, > für „größer als“ oder < für „kleiner als“ ).

Wieder können wir das in freier Wildbahn nicht sehen, also lassen wir unsere rote LED wie verrückt blinken, wenn die Sensorwerte keinen Sinn ergeben, z.B. weil der Sensor falsch angeschlossen wurde. Es mag wesentlich elegantere Methoden geben so etwas zu programmieren, aber ich bin schließlich nur Depotleiterin, kein IT-Profi.

Als nächstes lassen wir uns die ausgelesenen Werte auf dem Serial Monitor anzeigen, für den Fall dass ein Computer angeschlossen ist. Inzwischen sollten Sie in der Lage sein zu verstehen, was passiert:

Jetzt brauchen wir die Zeit von der Echtzeituhr. Übrigens: vergessen Sie nicht, dass Sie die Zeit am Anfang einmal einstellen müssen, wenn Sie die korrekte Zeit haben möchten, das passiert mit dem Beispielprogramm aus der RTC library. Im Grunde genommen sagen wir mit den folgenden Zeilen einfach „schau auf die Uhr und merke dir alles, was Du liest in der Variablen „tm“.“ Auf diese Weise können wir später nach dem spezifischen Tag, Monat, Stunde, Minute, Sekunde… fragen.

Was nun folgt, ist vielleicht ein wenig verwirrend zu erklären und anzusehen. Wir wollen unsere Daten auf der SD-Karte speichern, auf eine Art und Weise, bei der jeder Datenpunkt durch ein Komma vom nächsten getrennt ist. Auf diese Art können wir die Daten später in jedem beliebigen Tabellenkalkulationsprogramm verarbeiten, indem wir die Daten in einem Format einlesen, das CSV für „comma separated values“ heißt. Das Problem ist, unsere Daten sind Nummern. Sie erinnern sich, dass wir unsere Sensorwerte als Fließkommazahlen definiert haben? Genau!

Was wir aber brauchen, um die Daten abspeichern zu können sind Zeichen, in anderen Worten, einen „string“. Um noch genauer zu sein, wir brauchen einen string, eine Aneinanderreihung von Zeichen, der alle Daten umfasst, die wir speichern wollen. Wir möchten etwas erhalten, was in etwa so aussieht:
„34.8, 14.5, 2017, 04, 14, 2, 45, 23,“
Das können wir dann so in unser Tabellenkalkulationsprogramm importieren, dass wir eine Zeile erhalten, die 34.8 % Luftfeuchtigkeit, 14.5 Grad Celsius am 14. April 2017 um 14:45 (und 23 Sekunden) angibt.

Um das zu erreichen, nehmen wir eine neue Variable, unsere „Tasche“ heißt dieses Mal „dataString“ und soll alle unsere Daten aufnehmen. Ich muss zugeben, dass ich nicht verstanden habe, was Zeile 116 wirklich tut, aber sie hat etwas damit zu tun, welcher Platz für unsere Werte zur Verfügung steht.

Was als nächstes passiert ist, dass wir alle unsere Werte, die wir speichern wollen in unsere „Tasche“ namens „dataString“ packen. Das machen wir Stück für Stück, genau so, wie wir im wirklichen Leben unsere Tasche öffnen würden, um das Maßband, die Handschuhe, den Lippenstift,… hineinzutun. Das Tückische ist, dass wir erst unsere Nummern in Zeichen umwandeln müssen. Hmmm… vielleicht so, wie wenn man Flüssigkeiten in eine Tasche tun will. Man muss sie erst in einen Behälter packen. Naja, vielleicht nicht ganz so, aber so ähnlich.

Also tun wir unseren Feuchtigkeitswert in ein Behältnis. Wir nennen das Behältnis „stringH“. Die Funktion „dtostrf“ macht das mit unserer Variablen „h“, die, wie wir wissen, die Fließkommazahl unseres Luftfeuchtigkeitswertes ist. Dann tun wir unseren Behälter „stringH“ in unsere Tasche „dataString“:

Wir haben gesagt, wir wollen am Ende durch Komma getrennte Werte, also müssen wir jetzt noch ein Komma anhängen. Wir nehmen unsere „dataString“ Tasche und tun ein Komma rein, indem wir „+=“ als Kommando zum Anfügen verwenden. Los geht’s:

Das gleiche für unseren Temperaturwert:

Was ist jetzt in unserer Tasche? Etwas, was folgendermaßen aussieht: „34.8, 14.5,“. Man kann sicher gehen, wenn man sich das über den Serial Monitor bestätigen lässt, indem man folgende Zeile einfügt:

Das haben wir jetzt mal gelassen. Statt dessen sammeln wir nun in unserer Tasche nach und nach die Werte für den Tag, Monat, Jahr, Stunde, Minute und Sekunde, alle durch Komma getrennt. Randnotiz: Ich habe später herausgefunden, dass man nicht alle Werte hätte mit Komma trennen müssen, aber dazu vielleicht später in der Serie. Im Moment wissen wir erstmal nur, dass es funktioniert.

Puh, das ist eine Menge Programm. Unsere „Tasche“ dataString hat jetzt folgenden Inhalt: „34.8, 14.5, 2017, 04, 14, 2, 45, 23,“. Als nächstes schreiben wir das auf die SD-Karte. Dafür müssen wir erst einmal die Datei öffnen, auf die der string geschrieben werden soll.

Wenn der Arduino die Datei „Mylogger.csv“ auf der Karte findet, öffnet er sie, schreibt den Inhalt von „dataString“ darauf (er hängt ihn ans Ende aller darauf befindlichen Daten an) und schließt die Datei wieder. Auftrag ausgeführt!

Was daran großartig ist: wenn es keine Datei namens „Mylogger.csv“ auf der SD-Karte gibt, erzeugt sie der Arduino einfach. Nur in dem Fall, in dem eine solche Datei existiert, aber nicht geöffnet werden kann oder wenn die SD-Karte fehlt brauchen wir einen Fehlercode, der uns über den Serial Monitor informiert und die rote LED bis zum nächsten Durchgang anschaltet:

Zuletzt müssen wir noch definieren, wie lange der Arduino zwischen den Messungen warten soll. Je häufiger man ausliest, desto mehr Daten erhält man, was natürlich detaillierter ist, aber auch mehr Speicherplatz braucht. Im Beispiel warten wir 5 Minuten zwischen den Messungen, 300000 Millisekunden. Für ein 10-Minuten-Interval müsste man es auf 600000 Millisekunden setzen und so weiter.

Das ist alles, das ist das ganze Programm. Da ist natürlich noch viel Spielraum für Verbesserungen, zum Beispiel wenn wir die Temperatur in Fahrenheit messen oder den Taupunkt berechnen möchten. Aber das wird ein anderer Teil der Serie sein…

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Nur eine der kleinen, versteckten, großen Gefahren

Letzte Woche wurden unsere Elektrogeräte überprüft.

One of the power cables taken out of service due to the check...

Eines der Verlängerungskabel, die aufgrund der Überprüfung außer Dienst gestellt wurden…

Das passiert regelmäßig, da die Sicherheitsvorschriften in Deutschland erfordern, dass mit allen Geräten sicher gearbeitet werden kann.

...it soldered itself to a three way adapter, the connection was nearly inseparable.

…es hatte sich mit dem angeschlossenen Dreifachstecker fest verschweißt, die Verbindung war beinahe unlösbar.


Das ist eine gute Sache, denn Sie wollen sicherlich nicht von einem defekten Gerät getötet werden, noch möchten Sie, dass ihr Depot wegen einem fehlerhaften Netzgerät abbrennt. Wenn so eine Überprüfung in ihrem Land also nicht Vorschrift ist, sollten Sie ihre Geräte vielleicht trotzdem überprüfen lassen…

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Ziemlich unbeeindruckend – Der Monat eines Registrars

Ich kam einen Monat lang nicht dazu, für diesen Blog zu schreiben, hauptsächlich, weil ich einen Online-Kurs zum Thema Managing Previously Unmanaged Collections für MuseumStudy.com gegeben habe, der einfach die Zeit aufgefressen hat, die ich bereit bin für Museumsthemen außerhalb der Arbeitszeit einzusetzen. Jetzt habe ich einen Blick zurück auf das geworfen, was ich im letzten Monat getan habe.

Zunächst fand ich es enttäuschend. Ich habe nicht die Welt gerettet. Ich habe nicht die große Ausstellungseröffnung gerettet. Ich habe nicht diesen einen, wichtigen Vertrag ausgehandelt. Verdammt, ich hatte nicht mal diese eine geniale Idee, die mehr Platz geschaffen hat als erwartet.

Statt dessen war es ganz normale Arbeitsroutine. Aber dann dachte ich mir, vielleicht ist ja gerade das einen Beitrag wert. Denn in gewisser Weise ist es diese Arbeitsroutine, die den Grundstein dafür legt, dass andere fantastische Dinge tun können. Also, fangen wir an:

20170223_135124

Radios und andere Unterhaltungselektronik, ausgewählt um umzuziehen.


Wir führen unsere gerade neu angeschaffte Sammlung von Radio- und Übertragungstechnik zusammen mit den Stücken dieses Themas, die wir bereits haben. Das heißt, dass wir auswählen, was an einen neuen Lagerplatz kommt und was bleibt wo es ist.

20170214_120147

Umzugskartons, aufgefaltet, beschriftet und bereit gepackt zu werden.


Die Auswahl wird gepackt, korrekt beschriftet und die Objekte und Kartons werden in der Datenbank nachverfolgt. Anmerkung: die „richtige Arbeit“ machen zwei Volontäre. Ich bin nur die Datenbank- und Logistikberaterin, stelle das Packmaterial zur Verfügung und fahre den Gabelstapler.

Boxes packed, ready for transport.

Kartons gepackt, bereit zum Abtransport.

Ich werde oft belächelt oder sogar angegangen, weil ich darauf bestehe, dass jede Bewegung eines Objektes dokumentiert wird, auch wenn es „nur“ aus einem Depot in ein anderes oder ins Museum ist. Aber genau diesen Monat ist es passiert, dass ich zufällig ein Objekt gefunden habe, das schon geraume Zeit vermisst wurde und von dem man vermutete, dass es eventuell gestohlen worden ist. Es hat seinen Karton nie verlassen. Wenn der Standort des Kartons korrekt verfolgt worden wäre, hätte niemand seine Zeit damit verschwenden müssen, das Objekt zu suchen. Es scheint, dass nie jemand die 30 Sekunden Zeit hat, einen Standortwechsel zu notieren, aber immer genügend Zeit, stundenlang etwas zu suchen.

Radios still to be processed.

Radios, die noch bearbeitet werden müssen.

Es erscheint unsinnig, alle Radios an einem Ort zusammen zu führen. Wozu ist schließlich eine Datenbank da? Aber sie an einem Ort beieinander zu haben hat viele Vorteile: gleiche Objektarten haben gleiche Lagerungsbedürfnisse und sind von den gleichen Schädlingen bedroht. Einige Radios sind doppelt und sie an einem Ort zusammen zu haben wird uns dabei helfen, zu entscheiden, ob wir wirklich einen zweiten oder dritten brauchen, oder ob wir einfach nur das beste Exemplar behalten. Und schließlich ist es auch viel einfacher, Ausleihen und Ausstellungen zu diesem Thema vorzubereiten, wenn wir dazu nicht an unterschiedliche Standorte gehen müssen.

Several small bike related labels and pins.

Mehrere kleine Plaketten und Anstecknadeln mit Fahrradbezug.


Unsere Fahrrad-Ausstellung ist eröffnet und macht sich gut, aber es gibt einige Objekte, die in der Vorauswahl waren und es nicht in die Endauswahl geschafft haben. Während ich die an ihren ursprünglichen Standort zurück räume überprüfe ich auch ihre Einträge in der Datenbank und ergänze die fehlenden Angaben. Maße, Beschreibungen, Zustand,… einige schicke ich auch zum Fotografieren, damit sie sozusagen ihr Passfoto bekommen. Wenn man Ausstellungen vorbereitet, ist nie genügend Zeit das zu tun. Das macht man nur mit den Dingen, die dann wirklich ausgestellt werden. Indem ich das jetzt mache, haben zukünftige Ausstellungsmacher bessere Daten zur Verfügung und mehr Zeit für andere Aufgaben.

Assmann psychrometer on a tripod.

Assmann-Psychrometer auf Stativ.


Ich habe unsere Datenlogger mit dem Assmann-Psychrometer überprüft und dann kalibriert.
20170214_120213
Ich habe die Verlässlichkeit unserer Sensoren auch mit zwei verschiedenen Salzlösungen überprüft. So wissen wir nun, dass unsere Klimawerte im Moment verlässlich sind. Wir werden sie in sechs Monaten wieder überprüfen.

Roll of polyethylene tube for packing maps.

Rolle mit Polyethylen-Schlauch zum Verpacken der Wandtafeln.


Zusammen mit der zuständigen Referentin habe ich etwa 200 gerollte Wandtafeln verpackt. Sie haben mir immer Kopfzerbrechen bereitet, weil ich keine gute Lagerungslösung gefunden habe. Dann hatte die Referentin eine größere Sammlung Karten übernommen, zusammen mit einem Gestell zur Wandmontage, das dafür gebaut wurde, sie zu hängen. Weil dieses Gestell mehr Platz bietet, als Karten übernommen wurden, können wir nun alle unsere Wandtafeln hängend lagern.

A pallet of bagged maps.

Palette mit verpackten Wandtafeln..


Das heißt aber auch, dass wir sie Eintüten und an denjenigen, die keine Haken haben, noch eine Hängevorrichtung anbringen müssen. Weil sie hoch über dem Boden hängen schaffen wir da wo sie ursprünglich gelagert waren mehr Platz, was großartig ist. Aber ich kann den Erfolg nicht für mich beanspruchen, da es die Idee der Referentin war.

Empty shelves, ready to be filled again.

Leere Regale, bereit neu befüllt zu werden.


So ist dieser Monat ins Land gegangen. Natürlich gab es noch viel mehr Dinge zu tun, alle an sich unbeeindruckend, aber im größeren Zusammenhang wichtig.

Also, wenn Sie mit ihren eigenen unbeeindruckenden Aufgaben kämpfen, vergessen Sie nie, dass Sie vielleicht nicht gerade die Welt retten, aber große Verbesserungen herbeiführen, auf die Art und Weise, wie man einen Elefanten isst: Häppchenweise.

Weiter so!

Angela

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Heiliger Scheiss – da ist was drin !

Objekte mit Inhalt in Sammlungen

Vor kurzem bin ich über diesen Artikel zu Pietro Manzonis Arbeit “Künstler-Scheiße” gestolpert:
https://www.sartle.com/artwork/artists-shit-no-014-piero-manzoni

Er erinnerte mich an ein Problem mit dem jeder Sammlungsmanager mindestens einmal in seinem Berufsleben kämpfen muss: mit dem Objekt, das etwas enthält. Nicht immer ist der Inhalt so fragwürdig wie eingedoste Scheiße, aber von Arsen bis Zwieback gibt es eine endlose Liste von Dingen, die aus unterschiedlichen Gründen Kopfzerbrechen bereiten können. Was also soll der Verantwortliche in diesen Fällen tun? Es überrascht nicht, dass er sich erst einmal ein paar Fragen stellen sollte, ehe er sich entscheidet.

Passt das zur Sammlung?

The can reads “no shit” in German, thus avoiding copyright infringement. “Kein Scheiß” in Germany means both  “no shit” and “I am not kidding you”.

Natürlich begehen wir keinen Urheberrechtsverstoß – wir haben für unverfänglichen Ersatz gesorgt.

Das ist natürlich die erste Frage oder sollte es doch sein, wenn einer Institution wie einem Museum etwas angeboten wird. In diesem Fall ist es die Frage, ob es dem Museum hilft, seiner Aufgabe gerecht zu werden und ob es zur Erwerbungspolitik des Hauses passt. Ist das nicht dasselbe? Wie wir alle wissen sollte die Erwerbungspolitik eines Museums aus einer festen Definition seiner Ziele erwachsen. Ja, aber die Erwerbungspolitik kann auch Grenzen ziehen, um zu definieren was nun wirklich gesammelt wird.
Die Aufgabe des Hauses könnte es sein, italienische Kunst von 1960 – 1970 zu sammeln, sodass Piero Manzonis Arbeit dazu passen würde. Aber die Erwerbungspolitik könnte einen Rahmen ziehen, der nur die Erwerbung von Gemälden und Arbeiten auf Papier erlaubt, da die Depots nur für diese Materialien geeignet sind und keine Möglichkeit besteht, Skulpturen oder andere dreidimensionale Objekte zu deponieren. In dem Fall ist eine Dose mit Künstler-was-weiss-ich glücklicherweise nicht unser Problem.

Was ist wichtig? Die Hülle, der Inhalt oder beides?

Wenn klar ist, dass das Objekt zur Sammlung passen würde, ist die nächste Frage, ob das für alle seine Teile gilt.
In einem Museum für Produktdesign will man sicher die Hülle erhalten. Enthielte die Dose also Fleischextrakt anstelle dieses Künstler- … – Produkts, hätten Sie sicher keine Hemmung, die Dose zu öffnen und auf minimalinvasive Weise zu leeren, um das Design des Behältnisses zu erhalten.

Wenn es die Aufgabe des Museums ist, Menschen über Fäkalien zu informieren (nicht meine Erfindung! Siehe: https://www.poomuseum.org), und diese deshalb zu erhalten, dann ist es wichtiger den Inhalt zu erhalten, als die Hülle. Im wirklichen Museumsleben bedeutet das oft, dass man Behältnis und Inhalt trennen muss und den Inhalt in ein anderes Behältnis übertragen, das für seinen Erhalt besser geeignet ist. Nun habe ich keine besonderen Studien angestellt, was menschliche Fäkalien betrifft, aber mein Bauchgefühl sagt mir, dass eine Weißblechdose wohl nicht der richtige Behälter für eine Langzeit-Aufbewahrung wäre.

Dann gibt es noch die Fälle, bei denen Inhalt und Behältnis es Wert sind erhalten zu werden. Das wäre wohl der Fall der Künstle-Scheiße. Die unendliche Diskussion, ob Piero Manzoni das wirklich getan hat, ob die Dose wirklich enthält, was das Etikett behauptet, ist ein valides Argument. Ein offensichtlich leeres Behältnis mit der Beschriftung Künstle-Scheiße wäre witzlos. Genau so witzlos wäre es wahrscheinlich, Herrn Manzonis Fäkalien zu bewahren. Wenn ich da auch nicht ganz sicher bin. Ein zukünftiger Kunsthistoriker könnte Interesse daran haben, den Inhalt analysieren zu lassen um etwas über die Lebensumstände des Künstlers zu erfahren. Wenn ich genauer darüber nachdenke: es KÖNNTE von Interesse sein, wenn das von der Sammlungspolitik gedeckt ist und das Problem der Langzeiterhaltung gelöst ist.

In diesem Fall bilden Behältnis und Inhalt gleichwertig das Kunstwerk und beide sollen dann erhalten werden. Also könnten wir in dem Fall Behältnis und Inhalt nicht trennen, selbst wenn die Fäkalien andere Lagerungsbedingungen erfordern als die Dose. Wir würden ja den originalen Zustand des Kunstwerks verändern, was wir als Museumsfachleute vermeiden. Eine Randnotiz: zahllose Sammlungsverwalter haben die Gelegenheit verpasst, selbst Künstler zu werden, da sie die Dose Manzonis ließen wie sie war – jemand öffnete eine Dose und das ist nun selbst ein Kunstwerk: http://beachpackagingdesign.com/boxvox/opening-can-boite-ou%C2%ADver%C2%ADte-de-pie%C2%ADro-man%C2%ADzo%C2%ADni

Ist es gefährlich?

Das ist eine der Schlüsselfragen für jeden, der für eine Sammlung verantwortlich ist. Die Frage ist eine doppelte: ist es für sich selbst bzw. für andere Sammlungsobjekte gefährlich oder für die Mitarbeiter? Traurig aber wahr, ich habe niemals einen Sammlungsleiter getroffen, der diese Fragen in anderer Reihenfolge gestellt hat – das sollten wir aber!

Die Frage ob es selbstschädigend ist spielt auch eine Rolle, wenn entschieden werden muss, ob Behältnis und Inhalt getrennt werden müssen. Manche Dinge zerstören sich selbst, wenn sie luftdicht aufbewahrt werden. Ich glaube jedes Museum mit einer Sammlung von Objekten aus Zelluloid kann ein Lied davon singen. Bei Fäkalien halte ich dieses Risiko eher für gering. Aber, ich bin kein Experte.

Ob das Objekt eine Gefahr für den Rest der Sammlung darstellt ist eine Schlüsselfrage bevor ein Objekt in die Sammlung übernommen werden kann. Da die Bandweite von sehr gefährlich zu ziemlich harmlos unter den meisten Bedingungen reicht, kann eine solche Risikoanalyse einem Sammlungsverantwortlichen schon mal schlaflose Nächte bereiten.

Im Fall des Kunstwerks von Manzoni … Nun, da besteht eine gewisse Möglichkeit dass die Fäkalien im Inneren (wenn sie denn darin sind) zu fermentieren beginnen, besonders wenn es im Depot zu warm ist. Unter diesen Umständen besteht eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass das Kunstwerk zu einer Splitterbombe mutiert. Das ließe sich aber bei angemessener Lagerung vermeiden.

Die Gefahr für die Menschen, die dem Objekt umgehen müssen, bewegt sich auf der gleichen Linie. Die Gefahr ist aber nicht so groß, dass die Erwerbung deshalb abgelehnt werden müsste (wie es wohl der Fall wäre, wenn dem Museum chemische Kampfstoffe angeboten würden).

Es sollte eine schriftliche Anweisung zum Umgang mit dem Objekt geben, etwa den Hinweis, dass eine regelmäßige Kontrolle wegen eventueller Aufwölbungen zu erfolgen hat. Auch der Hinweis auf eine mögliche biologische Gefahr sollte festgehalten werden, da wir ja nicht wissen ob echte Fäkalien enthalten sind und wir auch nicht ganz sicher sein können, ob Herr Manzoni ganz gesund war als er … Sicherheit steht an erster Stelle!

Zusammenfassung

Wenn der Sammlungsverantwortliche weiß,

  • ob das Objekt zur Sammlung passt
  • ob Inhalt und Behältnis es Wert sind erhalten zu werden
  • ob sie getrennt werden können, oder unverändert zusammen bleiben müssen, und
  • ob sie gefährlich sind und worin die Gefahr besteht,

dann wird der Sammlungsverantwortliche

  • Empfehlungen geben, ob das Objekt übernommen werden soll oder nicht
  • Behältnis und Inhalt in angemessener Weise lagern und
  • Handlungsanweisungen für seine zukünftigen Kollegen schreiben.

Ich habe verzweifelt nach einem Schlusssatz für diesen Artikel gesucht, der kein schlechter Witz ist oder aus anderen Gründen unangemessen. Es ist mir nicht gelungen. So schreibe ich nur: Leben Sie wohl!

Angela

Übertragung aus dem Englischen ins Deutsche von Brigitte Herrbach-Schmidt.

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Wie sollten sich Museen auf schnelles Eingreif-Sammeln vorbereiten?

von Kathleen Lawther

by Liz Lemon via flickr (CC0)Im Nachgang des Women’s March on Washington (Frauenmarsch nach Washington) und der Solidaritätsmärsche, die rund um die Welt am 21. September 2017 statt fanden sah ich auf Twitter und vom britischen Museumsbund Beiträge auftauchen, dass Museen Protestschilder, Pink Pussy Hats 1 und andere Objekte, die mit dem Protest in Verbindung stehen, für ihre Sammlungen suchten. Es ist großartig, dass Museen diesen Moment dokumentieren möchten, aber ich frage mich, ob es zu dem Zeitpunkt, als die Museen den Sammlungsaufruf veröffentlichten, nicht schon zu spät war? Nehmen Leute ihre Protestplakate normalerweise mit nach Hause? Ich war selbst nicht auf dem Women’s March am 21., aber ich war schon auf Demonstrationen und ich habe mit Sicherheit am Abend kein unhandliches Schild mit nach Hause geschleppt. Das sind keine Objekte, die dazu gedacht sind, länger als einen Tag, oder wie lange es ihr Zweck, eine bestimmte Botschaft zu einer bestimmten Zeit zu übermitteln, erfordert, zu überdauern. Das heißt nicht, dass Museen sie nicht sammeln sollten, Museen haben schon immer Dinge gesammelt und bewahrt, die von ihren Machern nicht dazu gedacht waren, lange zu halten. Aber es macht die Arbeit, sie physisch zu sammeln sehr viel schwieriger.

By Mobilus In Mobili via flickr (CC BY-SA 2.0)Eines meiner Bedenken gegenüber Museen, die einen Aufruf nach Protestschildern nach dem Ereignis starten, ist dahin gehend, dass die Zahl der verfügbaren Schilder nicht nur durch die Zahl derer begrenzt ist, die sich die Mühe gemacht haben, ihr Schild mit nach Hause zu nehmen, sondern auch dadurch, wie viele dieser Menschen dann den Sammlungsaufruf zur Kenntnis nehmen und sich bereit erklären ihr Schild zu spenden. Das begrenzt die Zahl des verfügbaren Materials auf eine kleine Auswahl der Millionen Schilder, die für diesen Tag hergestellt wurden. Daher ist es unwahrscheinlich, dass Museen in der Lage sein werden, aus dem Material dasjenige auszuwählen und anzunehmen, das die Vielfältigkeit der Schilder auf dem Protestmarsch wiederspiegelt, von lustigen, augenzwinkernden, aber gezielten Attacken auf die neue Verwaltung bis zu Schildern, die die Bedeutung von Intersektionalität hervorheben und die Verbindung zu anderen Bewegungen wie „black lives matter“ oder den Rechten von sexuellen Minderheiten 2 herstellen. Man kann die Spannweite dieser Ereignisse nicht in einer pinken Miezen-Mütze zusammenfassen. Wieder ist es so, dass bestimmte Dinge zu sammeln, die für bestimmte Themen und Ereignisse stehen und diese zu nutzen, um über diese Themen nachzudenken, zur täglichen Arbeit in Museen gehört. Dies aber in einer gewissen Geschwindigkeit tun zu müssen, macht den Prozess viel schwieriger. Die sozialen Medien bedeuten auch, dass Menschen auf der ganzen Welt bereits Bilder der am meisten zum Nachdenken anregenden, kraftvollsten und witzigsten Schilder des Tages gesehen und geteilt haben. Wenn also ein Museum nur in der Lage ist, einige dieser Dinge zu sammeln, die sich aber nicht mit dem messen können, was bereits über den Protestmarsch geteilt wurde, dann wissen die Menschen, dass das, was gesammelt wurde den Protest nicht wirklichkeitsgetreu wiederspiegelt.

by Liz Lemon via flickr CC0Was ist die Lösung? Um die besten und relevantesten Objekte einer Demonstration sammeln zu können, müssten Museumsmitarbeiter bei den Ereignissen anwesend sein, entweder die Objekte selbst gleich an Ort und Stelle einsammeln oder wenigstens Flugblätter mit Kontaktdaten und Informationen darüber, wie gespendet werden kann, austeilen. Beide Ansätze haben ihre ganz praktischen Probleme. Um Objekte gleich anzunehmen, bräuchten die Museumsmitarbeiter Annahmeformulare, müssten sich die Zeit nehmen, die Annahmeformalitäten den Protestierenden zu erklären und sie dazu bringen, die Formulare zu unterschreiben – was alles denjenigen die Zeit raubt, die dort sind, um selbst Aktiv zu werden, nicht, um diese Aktion für die Nachwelt zu dokumentieren. Wenn statt dessen nur Informationen ausgehändigt werden, bürdet man den Spendern die Last auf, ihre Schilder nach Hause zu tragen, sie gut aufzubewahren und sie dann später ins Museum zu bringen. Eine weitere Möglichkeit wäre ein alternatives Aufnahmeformular, das speziell für schnelles Eingreif-Sammeln entwickelt worden ist, etwas, das schneller und einfacher an Ort und Stelle zu erledigen ist, das Museen erlauben würde, Objekte mit einem Minimum an Aufwand für Spender und Sammler anzunehmen und dabei gleichzeitig gute Dokumentationspraxis wahrt.

by  AnubisAbyss via flickr  (CC BY-NC-ND 2.0) Das ist nur die praktische Seite der Angelegenheit. Zunächst muss ein Museum die Entscheidung treffen, dass ein kommendes Ereignis signifikant genug ist, dass es eine Sammelaktion an Ort und Stelle rechtfertigt. In der Rückschau ist es einfach zu sagen, dass der Women’s March signifikant war und deshalb Objekte erhalten werden sollten. Aber im gegenwärtigen Klima wird die ganze Zeit protestiert, immer als schnelle Reaktion auf neue Ereignisse. Am 28. Januar fluteten Menschenmassen die Terminals einiger U.S. amerikanischer Flughäfen, als Reaktion auf einen Durchführungsbefehl des Präsidenten, der Flüchtlingen die Einreise verbot. Am darauffolgenden Tag gabe es in vielen Städten in den USA spontane Proteste. Wie kann ein Museum als Institution schnell genug auf Proteste reagieren und vor Ort sein, um zu Sammeln, wenn sie an verschiedenen Orten an einem Samstag abend passieren? Vielleicht ein/e einzelne/r Museumsmitarbeiter/in, aber wäre er oder sie in der Lage unter diesen Umständen das Museum zu repräsentieren, ohne Erlaubnis der Institution?

by Liz Lemon via flickr CC0Die andere Frage, die sich mir stellt ist die, ob es für ein Museum oder eine es repräsentierende Person ethisch vertretbar ist, an so einem Ereignis teilzunehmen, nur um Spenden zu sammeln. Eine relevante Parallele könnten die Journalisten und Fotografen sein, die als Beobachter und Berichterstatter teilnehmen. Bei der Reaktion auf aktuelle Ereignisse müssen Museen vielleicht mehr wie Journalisten agieren und die Ereignisse unabhängig betrachten und begleiten. Aber Museumsmitarbeiter und die etablierte Museumspraxis des Sammelns sind für diese Art der Feldforschung nicht vorbereitet. Die Demonstranten könnten den anwesenden Museumsmitarbeitern skeptisch gegenüber stehen, insbesondere dann, wenn sie glauben, dass das Museum gegen ihr Anliegen ist, oder dass es eine neutrale oder nicht hilfreiche Position einnimmt gegenüber der Sache, wegen der protestiert wird. Es ist mir unbehaglich bei dem Gedanken, dass das Museum Platz einnimmt und Menschen bei einer Demonstration Energie und Zeit raubt, wenn das Museum nur da ist, um seine eigenen Interessen zu verfolgen. Vielleicht ändert sich das mit der Zeit, wenn Museen insgesamt eine aktivere soziale Rolle einnehmen, im Gegensatz zu ihrer traditionellen Rolle des Sammelns und Aufzeichnens.

by Liz Lemon via flickr CC0Die Antworten auf zumindest einige dieser Fragen können nur die einzelnen Museen liefern, indem sie eine klare Mission formulieren und ein Sammlungskonzept haben, dass diese unterstützt, ebenso wie ein solides Sammlungsmanagement und einen Dokumentationsprozess, der den Anforderungen des schnellen Eingreif-Sammelns gewachsen ist. Museen haben traditionell immer reagiert und sie müssen Wege finden, wie sie mehr agieren können. Das kann bedeuten, dass Museumsmitarbeiter, die bislang dafür verantwortlich waren, Neuerwerbungen zu prüfen und anzunehmen, sich die Zeit nehmen, kommende lokale Ereignisse daraufhin unter die Lupe zu nehmen, ob sie das Potential haben, interessante Ephemera oder sonstige sammlungswürdige Objekte zu erzeugen und dann jemanden dort hin schicken, der aktiv nach Spenden sucht. Es bedeutet auf jeden Fall, dass Museen jetzt ihre Richtlinien und Prozesse anpassen und ergänzen müssen, z.B. um ein sofortiges, vorläufiges Eingangsformular zu entwickeln, wenn sie in der Lage sein wollen, schnell auf das zu reagieren, was um sie herum passiert. Wie so vieles, hängt alles von guter Sammlungsverwaltung ab: Museen, die ihre Sammlung wirklich kennen und die wirklich wissen, was sie mit ihrer Sammlung erreichen möchten.

Kathleen Lawther ist die Verwalterin der Regionalgeschichte und des Archivs bei Hastings Museum & Art Gallery in Südostengland und freiberufliche Museumsberaterin mit einem besonderen Interesse an Sammlungsverwaltung, Lernen und Besucherbindung an den Schnittstellen, wo sie einander begegnen. Sie hat in einer ganzen Reihe von Organisationen im Vereinigten Königreich gearbeitet, vom kleinen Kommunalmuseum bis zu einem Nationalmuseum. Sie hat einen persönlichen Blog, in dem sie über aktuelle Themen in Museen schreibt: acidfreeblog.com

  1. Pinke „Miezen-Mützen“, die von vielen Aktivistinnen selbst gestrickt wurden https://www.pussyhatproject.com/. Das Wort „pussy“ bedeutet im Englischen unter anderem Kätzchen, ist aber auch ein abwertender Ausdruck für das weibliche Geschlechtsorgan.
  2. Im Original „LGBTQ rights“ = „Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender, Queer rights“ = Rechte von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und queeren Menschen“
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RICHTIG GEFÄLSCHT – Ein glückliches Neues Jahr für die Trekker!

Matthew C. Leininger

Matthew C. Leininger

Liebe Mit-Trekker, es ist eine Weile her, dass ich mich gemeldet habe und ich so wollte ich mir jetzt die Zeit nehmen, Ihnen allen ein gutes Neues Jahr zu wünschen.

Ich habe Angelas inspirierende Mail erhalten, die sich auf unseren vierten Geburtstag bezieht und als Mitgründer fand ich es angebracht, zurück zu schauen. Ich werde meine Beiträge weiterhin RICHTIG GEFÄLSCHT nennen, wie ich es immer getan habe. Wie Sie wissen arbeite ich nun schon einige Zeit außerhalb des Museumsbereichs und manchmal überlege ich, welche neuen Aufgaben, Richtlinien oder Protokolle haben in den letzten fünf Jahren das Leben für den Registrar geändert? Wenn ich ins Museum zurück käme, könnte ich den Faden wieder aufnehmen, wo ich ihn 2011 im Cincinnati Museum habe liegen lassen müssen? Oder wäre ich ein Grünschnabel im Hinblick auf die Aufgaben eines Registrars und müsste alles von neuem lernen?

Ich muss wirklich sagen, dass ich eine enge Beziehung zur Kunst und zur Museumswelt habe und sie sehr liebe. Ich werde auch meine Fähigkeiten und Erfahrungen in irgendeiner Weise für die Kunst einsetzten, aber bis heute habe ich nicht das Bedürfnis auf diesem Gebiet zu arbeiten. Auch nach dieser langen Zeit hege ich keinen Groll oder verletzte Gefühle. Es ist schwer, einer Sache auf den Grund zu kommen, wenn man in einem anderen Beruf ganztags arbeitet. Ich bin jetzt seit 4 Jahren bei Amazon Fulfillment (ausgelagerter Onlineversand kleinerer Produzenten), steige dort in der Hierarchie auf und wachse mit der Gesellschaft.

Ich denke immer wieder an die Zeit, als ich ein junger, ehrgeiziger Registrar war und überzeugt davon, dass das mein Leben wäre. Aber die Zeiten ändern sich und man muss die Herausforderungen annehmen. Man muss die Situation selbst in die Hand nehmen und beherzt weitermachen. Ich persönlich danke allen, die in den Silen der Museen arbeiten. Nicht den Direktoren, Beiräten und Spendern, sondern den Registraren, Präparatoren, Kuratoren, Sicherheitsleuten etc. die dafür sorgen, dass die Museen gedeihen und dass das Publikum Vertrauen haben kann.

Mein Wunsch für Sie ist, dass Sie Kurs halten, dass Sie ihre Situation selbst in die Hand nehmen können und sich selbst und ihren Überzeugungen treu bleiben, gleich ob Sie mit ihrer Arbeit einverstanden sind oder nicht. Erlauben Sie sich, nicht einverstanden zu sein und haben Sie dann das Rückgrat, das als Verpflichtung an zu sehen. Nur dann werden Sie weiterwachsen und besondere Leistungen erreichen. Möge das Jahr 2017 Ihnen Erfolg bringen und Fortschritte nach Rückschlägen.

Bis bald!
Matt

Übertragung aus dem Englischen ins Deutsche von Brigitte Herrbach-Schmidt.

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Alles Gute zum vierten Geburtstag, Registrar Trek!

shrubbery2Ich kann nicht glauben, dass es schon 2017 ist! Es scheint erst gestern gewesen zu sein, dass wir den dritten Geburtstag unseres Projektes gefeiert haben.

2016 war im Grunde genommen ein merkwürdiges Jahr. Für mich persönlich war es sehr erfolgreich, aber im Großen und Ganzen war es fürchterlich. Terrorattacken, Kriege, Konflikte, Wahlpossen,… Sie sagen es, wir hätten sehr gut darauf verzichten können. Und dann, in unserem Bereich, gab es wieder Etatkürzungen, Museen mussten schließen, Personal wird schlecht bezahlt und einige kreative Kolleginnen und Kollegen mit viel Potential wurden entlassen. Auch darauf hätten wir gut verzichten können.

Gibt es überhaupt eine Möglichkeit, einen positiven Blick auf dieses neue Jahr zu richten?

Ja, gibt es.

Wir haben auch gesehen, dass Museen und Museumsleute darauf hin arbeiten, dass Museen sichere Orte für alle werden. Wir sehen auch, dass immer mehr Museumsleute aufbegehren gegen das, was in unserem Sektor schief läuft, lassen Sie mich hier stellvertretend den #MuseumWorkerSpeak-Ansatz nennen. Und wir sehen darüber hinaus, dass immer mehr Museumsleute den Mut finden, aufzubegehren gegen das, was in ihrem Umfeld und in der Politik schief läuft. Das macht mir Hoffnung für das neue Jahr.

Wenn wir nun auf unser Registrar Trek Projekt schauen, was bringt uns die Zukunft? Nun, meine bisherigen Prophezeiungen lagen alle mehr oder weniger daneben, wie das bei solchen Voraussagen oft der Fall ist. Aber ich hoffe wirklich, dass es uns gelingt, im neuen Jahr mehr Menschen zu ermutigen, sich mit Artikeln und Geschichten aus aller Welt einzubringen. Um ehrlich zu sein, war mir dieses Jahr zu viel „Angela Kipp“-Zeug auf dem Blog. So sehr ich meine Projekte wie das Buch oder den Datenlogger (eine neue Generation davon hat kurz vor Weihnachten seinen Dienst angetreten, um sich unter realen Bedingungen unter Beweis zu stellen) auch mag, war dies nie die Intention dieses Blogs. Hier kommt also mein Geburtstagswunsch zu unserem Vierten:

Dass viele, viele von Ihnen den Mut finden, sich hinzusetzen und einen Artikel, eine Beobachtung, eine Geschichte oder einen Gedanken für uns aufzuschreiben.

Wir lesen uns bald!

Angela

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