Archiv für Derek Swallow

Kunstwerk, Werkstück, Auto und Heiligtum der Pop-Kultur

Transport und Ausstellung des Rolls-Royce von John Lennon, Teil 1

Von Derek Swallow Royal BC Museum

Lennon Rolls – RBCM 992.66.2 Collection Royal British Columbia Museum - RBCM

Lennon Rolls – RBCM 992.66.2 Sammlung des
Royal British Columbia Museum – RBCM

Widmung: Dem Team der Registrare in den Nordischen Ländern, das die Europäische Registrar-Konferenz 2014 gesponsert hat, die ich vor kurzem im Helsinki besucht habe und allen Kollegen, die ihre Objekte exakt vermessen (s. den zweiten Teil dieses Artikel).

Einleitung

rolls2Als Gerücht zog die Nachricht schon seit etwa einem Monat durch das Museum, aber dann schlug sie zu, während ich an jenem kalten Januarmorgen im Jahr 2013 meine Nachrichten überflog. Mein Auge blieb an der Betreffzeile hängen: „Ausleihe Lennon Rolls“.
Ich zögerte und öffnete dann die Nachricht. Es war also wahr: wir hatten fünf Wochen Zeit um den Transport des Rolls Royce von hier nach Montreal zu planen. Er ist groß und schwer: 6 Meter lang und 2,2 breit, mit einem Gewicht von 2.700 Kilogramm. 5000 Kilometer sind zu überwinden, quer-feld-ein, während des kältesten kanadischen Winters, möglicherweise bei strenger Kälte, von Blizzards bedroht auf trügerischen Highways.
Ich atmete tief durch, beunruhigt wegen des engen Zeitrahmens, des Gewichts des Objekts, der möglichen Gefahren bei ungünstigen Witterungsverhältnissen aber auch, weil ich keine Erfahrung mit einem solchen Projekt hatte. Trotz jahrzehntelanger Erfahrung mit hunderten von Ausleihen hatte ich nie einen Wagen betreut. Das Unwohlsein wuchs noch, denn ich wusste, dass dies nicht einfach ein museumswürdiges Auto war, ein Repräsentant seiner Zeit, seines Stil und seiner Produktionstechnik. Dieses Auto war eine verehrte Ikone der Pop-Kultur und ein wirkliches Kunstwerk, einmalig und viel wertvoller als sein Versicherungswert.

Der John-Lennon-Rolls-Royce

Ein Gebrauchsfahrzeug

Beatles in the Rolls at Buckingham Palace Oct. 26,1965 www.beatlebrunchclub.com

Beatles im Rolls vor dem Buckingham Palast, 26. Oktober 1965 www.beatlebrunchclub.com

Diese voll funktionsfähige 1965er Rolls-Royce Phantom Touring Limousine, die jetzt dem Royal BC Museum gehört, war ursprünglich im Besitz der Rockmusiklegende John Lennon und wurde von den Beatles drei Jahre lang genutzt.

Eine Ikone der Popkultur

John Lennon in the Rolls in Spain Oct.1966 www.beatlebrunchclub.com

John Lennon im Rolls in Spanien im Oktober 1966
www.beatlebrunchclub.com

Die 60er Generation erhob Lennon und die andern Mitglieder der Band in den Stand von „Halbgöttern“ der Popkultur. Deshalb verlieh die Tatsache ihrer physischen Präsenz in diesem Fahrzeug diesem einen solchen Assoziationswert, dass es einem „Heiligtum“ gleich geachtet wird. Dass es später von anderen Superstars der Musikszene, wie den Rolling Stones, Moody Blues und Bob Dylon ausgeliehen wurde verstärkte diese mystische Qualität noch.

Kunstwerk

John and Julian Lennon beside Rolls 1967 thegilly.tumblr.com

John und Julian Lennon neben dem Rolls, 1967 thegilly.tumblr.com

1968 beschloss Lennon dieses teure Gebrauchsfahrzeug in ein Kunstwerk zu verwandeln. Er beauftragte den Künstler Steve Weaver das düstere „Valentine-Schwarz “ der Karosserie des Autos in eine spektakuläre, leuchtende Malerei zu verwandeln. Weaver grundierte seine metallene „Leinwand“ mit mehreren Schichten chromgelber Farbe und versah sie dann eigenhändig mit plakativen Motiven, die von Zigeunerkunst inspiriert waren. Dabei verwendete er grelle Farben, die mit den gesättigten Pigmenten der „Psychedelischen Kunst“ verwandt waren, einem in Europa in den 1960ern populären Stil. Das Endprodukt, mit Malerei auf der ganzen Oberfläche des Autos, war eine kraftvolle, einzigartige Komposition. Diese Transformation schuf mehr als nur ein dreidimensionales Kunstwerk. Der Rolls-Royce, das vollkommene Sinnbild von Prestige und traditionellem Establishment, war nun umgeformt in das Symbol der Gegenkultur der 1960er Jahre und eine eindrucksvolle Ikone der Werte des Anti-Establishments. Die Beatles sollten eine Generation verkörpern, die begierig war, das „Establishment“ an zu prangern, und so entfachten sie die „Beatlemania“.

Verbindung mit den Nordischen Ländern

Beatles in Copenhagen at the KB June 4th, 1964  http://thegilly.tumblr.com

Beatles in Copenhagen at the KB June 4th, 1964 http://thegilly.tumblr.com

1963 rollte die Welle der Beatlemania über Großbritannien und strömte dann nach Norden in diese wunderbare Skandinavische Region. Schweden war für den ersten Schritt außer halb der Vereinigten Königreiche gewählt worden. Fünf Tage lang tourte die Band und erschien sogar im Schwedischen Fernsehen http://www.youtube.com/watch?v=-clOQdFRyig . Im gleichen Jahr 1963 puschte die Jugend eines einzigen Landes den bahnbrechenden Beatle-Song „Twist and Shout“ an die Spitze der Musikcharts. Diese Land war Finnland http://www.youtube.com/watch?v=pVlr4g5-r18&feature=kp (Twist and shout Video, in Deutschland gesperrt). Letzte Woche (am 4. Juni 2014) feierten Beatles-Enthusiasten in Dänemark das 50jährige Jubiläum des Konzerts der Gruppe in Kopenhagen, wo die Beatls ihre zweijährige „Welt-Tour“ begannen http://www.youtube.com/watch?v=8_zzoJYoeao (Video der Beatles in Dänemark).

Trotz ihrer Herkunft aus England bleiben die Beatle, ihre Musik und das Phänomen der Beatles–Manie ein dauerhafter Teil der Geschichte der Popkultur der 60er Jahre in Skandinavien, Europa und Nordamerika und der Lennon Rolls Royce eines seiner hervorstechendsten Symbole und Ikonen. Das Royal BC Museum bewahrt den Rolls Royce nicht nur für die Bewohner von British Columbia, sondern für die ganze Welt.
http://www.youtube.com/watch?v=imXZS6WTxEw (Victoria news cast about the Rolls).

Die Überstellung des Lennon Rolls Royce vom Royal BC Museum in Victoria nach Montreal, Quebec diente dazu, diese Ikone beim Jubiläum der „Beatle Mania“ zu zeigen und an das Konzert der Gruppe in Montreal bei ihrer Welt-Tour zu erinnern. Es war ein Beatles-Fest für die ganze Welt.

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Images from Pointe-à-Callière website: http://pacmusee.qc.ca

Bilder von der Pointe-à-Callière website: http://pacmusee.qc.ca

Bleiben Sie dran für den 2. Teil: Der Transport des John Lennon Rolls Royce kommt bald…

Übertragung aus dem Englischen ins Deutsche von Brigitte Herrbach-Schmidt.

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Rückblick auf 2013 – Ein gewaltiger Fortschritt: Die Gründungskonferenz des internationalen Vereins der Registrare und Sammlungsspezialisten (ARCS)

Von Derek Swallow

Üppige Kristalllüster tauchen die mit Wandmalerei des Historismus geschmückten und mit vergoldeten Reliefs verzierten Wände des beeindruckenden Ballsaals in sanftes Licht: ein atemberaubendes Ambiente, das einer der Teilnehmer als „das Versailles Chicagos“ beschrieb. Dieser riesige, üppige Saal im historischen Hotel Hilton in Chicago, der einst rauschende Bälle und hochoffizielle Empfänge beherbergte, war unser Versammlungsraum. Im Vergleich zu unseren kleinen, zweckmäßigen Büros in den jeweiligen Museen eine überwältigende und fast niederdrückende Umgebung. Das schien eine wenig passende Wahl für den Veranstaltungsort. Beim Nachdenken sprang mich dann aber die wahre Bedeutung dieser Umgebung an.

Grand Ballroom in the Chicago Hilton – Conference room

Der große Ballsaal im Chicago Hilton – Konferenzraum

Der weiträumige Saal und das dynamische Ornament standen metaphorisch für die Energie, den Optimismus und die umfassenden Interessen des neu gegründeten, internationalen Vereins der Registrare und Sammlungsbetreuer sowie den funkelnden Reichtum an Wissen, den die 530 Teilnehmer aus 28 Ländern mitbrachten. Auch die Wahl des Ortes, Chicago, war ideal, ist es doch die Heimat von innovativen, weltberühmten öffentlichen Kunstsammlungen und hochgeschätzten Institutionen wie dem Art Institute of Chicago und dem Field Museum, um nur zwei zu nennen.

The Field Museum, Chicago

Field Museum, Chicago

Art Institute of Chicago

Art Institute of Chicago

Die dreitägige Konferenz bot 24 Veranstaltungen mit 60 Referenten. Die vielfältigen Themen repräsentierten in angemessener Weise das breite Interessenfeld, das eine so große, bunt gemischte Gruppe vertritt. Ich war sehr glücklich, an dieser wichtigen Gründungssitzung teilnehmen zu können und möchte mich ganz persönlich bei allen Organisatoren und Referenten bedanken und ganz besonders bei den Sponsoren der Gründungsveranstaltung, deren großzügige Unterstützung das alles möglich machte. Um es uns besonders angenehm zu machen, wurden wir von den Sponsoren mit köstlichen, nahrhaften Lebensmitteln überschüttet. So waren die informationsgesättigten Sitzungen gut aus zu halten.

Public art sculpture near the Art Institute of Chicago

Public art sculpture near the Art Institute of Chicago

Für diejenigen, die die ARCS noch nicht kennen: die Abkürzung steht für Association of Registrars and Collections Specialists (= Vereinigung der Registrare und Sammlungsspezialisten). Seine Aufgabe:
„… Registrare und Sammlungsverwalter zu repräsentieren und zu fördern, sowohl national als auch international, sie am Beispiel von best practice in beiden Bereichen aus zu bilden, sowie Kommunikation und Networking zu erleichtern.“
(http://www.arcsinfo.org/home).

Zum Nutzen der Registrar Trekker werde ich in weiteren Artikeln die Informationen aus den Sitzungen zusammenfassen, die meiner Meinung nach für Registrare, Sammlungsverwalter und andere Museums-Mitarbeiter von besonderem Interesse sind. Der erste wird über die Sitzung „Deakzise: gibt es da einen richtigen Weg?“ berichten. Sie wurde moderiert von Devon Pyle-Vowles Mitglied des ARCS Vorstands und Vorsitzender der Konferenz, es sprachen Dawn Roberts, Sammlungsverwalter der Chicago Academy of Sciences, Peggy Notebaert Nature Museum; Elizabeth Varner, Executive Director of the National Art Museum of Sport; und Linda Wilhelm, Associate Registrar, Collections, The Museum of Fine Arts, Houston.

“Cloud Gate” affectionately known as “The Bean” in Millennium Park

“Cloud Gate” (Wolkentor), liebevoll “The Bean” (die Bohne) genannt, im Millennium Park

Zum Schluss möchte ich noch mal auf die Gründungsphase des ARCS zurück kommen. Die Wurzel dieser Organisation reichen weit zurück, es beginnt alles mit der Anstellung der ersten Registars der USA, der 1880 mit der Verwaltung der Sammlungen des National Museum des Smithonian Instituts betraut wurde. Dann dauerte es fast 100 Jahre, bis der nächste größere Schritt erfolgte. 1977 bildeten die Registrare in den USA das Registrar-Komitee innerhalb der American Association of Museums (RC-AAM) und zwei Jahre später entstand auch eine Registrar-Gruppierung in Großbritannien. In den folgenden Jahren wuchsen überall auf dem Globus weitere Registrar-Gruppen. „Best practice“ und verbesserte Möglichkeiten des Dialogs verbanden nun weit entfernte Kollegen. Das beginnende 21. Jahrhundert brachte eine bedeutende Zunahme internationaler Ausleihen und damit verbunden die Notwendigkeit, weltweite Standards für Transporte, Dokumentation etc. zu etablieren. Um diese Standards zu entwickeln war ein angemessenes Forum nötig. Das bot das RC-AAM, indem es vier internationale Symposien sponserte, das erste 2004 in New Orleans. Beim letzten, 2011 in Houston, schlug der anerkannte US-amerikanische Registrar Jean Gilmor vor, eine neue Organisation zu gründen, die den Bedürfnissen des 21. Jahrhunderts entspricht. Nach vielen Monaten intensiver Arbeit entstand die Association of Registrars and Collections Specialists: eine offene, aber doch sehr präzise umschriebene Gruppe, die sich den Herausforderungen unseres Berufes im neuen Jahrtausend stellt.

„Erstmals in der Geschichte haben sich Registrare und Sammlungsverwalter zusammengefunden, um als einheitliche, unabhängige, internationale Gruppe Programme und Unterstützung speziell für Betreuer von Sammlungen bereit zu stellen“
(Geschichte der Association of Registrars and Collections Specialists http://www.arcsinfo.org/about/history).

Übertragung aus dem Englischen ins Deutsche von Brigitte Herrbach-Schmidt

Dieser Artikel ist auch auf italienisch erhältlich, übersetzt von Marzia Loddo und auf französisch, übersetzt von Marine Martineau.

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Sie verdienen Ihren Lebensunterhalt womit?

Von Derek Swallow

„Und was ist ihr Beruf?“ werde ich gefragt. „Ich arbeite als Registar in einem Museum“ antworte ich und sehe, wie die Augen meins Gegenübers leer werden. Ich fahre fort und beschreibe kurz meine dienstlichen Pflichten: mögliche Ankäufe registrieren, den Ankaufsprozess begleiten und schließlich die Akzession. Daraufhin kommen meist die niederschmetternden Worte: „Das klingt interessant“ in einem Ton, der mit „Das ist aber ein tödlich langweiliger Job“ zu übersetzen ist.

Schönes: Bupresti aurulenta – der goldene Budprest. Interessant – die Larven ernähren sich vom Holz kürzlich gestorbener oder sterbender Bäume. Wenn die Bäume sehr trocken sind kann es über 60 Jahre dauern bis die Tiere geschlechtsreif sind. (Aus der Entomologischen Sammlung – Royal BD Museum)

Schönes: Bupresti aurulenta – der goldene Budprest. Interessant – die Larven ernähren sich vom Holz kürzlich gestorbener oder sterbender Bäume. Wenn die Bäume sehr trocken sind kann es über 60 Jahre dauern bis die Tiere geschlechtsreif sind. (Aus der Entomologischen Sammlung – Royal BD Museum)

Mit Mühe kann ich dann meinen Ärger unter Kontrolle halten, um nicht etwas aus zu spucken wie: „Ich liebe meinen Beruf. Er ist sehr interessant, Sie wissen ja Garnichts davon. Und zum Teufel was für einen wunderbaren Beruf haben Sie denn? Astronaut?“. Statt dessen atme ich einmal tief durch, lächle freundlich und bereite einen Gegenschlag vor.
Bizarre: Goose-neck Barnacle (Pollicipenes polymerus) Stalked barnacles that grow in clusters or colonies along exposed shores of the BC Coast) (From the Invertebrate Collection – Royal BC Museum)

Bizarres: Gänsehals-Rankenfüßler (Pollicipenes polymerus) Rankenfüßler mit Stiel, der in Klustern oder Kolonien an exponierten Stellen der Küste von BC wächst (aus der Sammlung der Wirbellosen Tiere – Royal BC Museum)

Ich wende mich halb ab, um gleichgültig zu scheinen und lass dann die Worte fallen:„Und ich organisiere millionenschwere Ausleihen, indem ich unsere unschätzbaren Museumsobjekte zu Ausstellungen rund um die Welt sende.“ Darauf herrscht erst einmal Stille, der Zuhörer dreht sich um und sein Gesichtsausdruck zeigt großes Erstaunen, dann kommt seine Antwort: „Was für einen faszinierenden und wichtigen Beruf Sie haben!“. Ich muss unwillkürlich „Hab Dich!“ denken. Dann werde ich mit Fragen zu diesen Ehrfurcht gebietenden Ausleihen gelöchert. Ja – Ausleihen haben etwas Fesselndes. Aber in Wirklichkeit bescheren sie einen ganzen Berg von sehr unromantischer Arbeit, haben oft kaum zu erreichende Zeitvorgaben und können einen Abstinenzler in das nächste Wirtshaus treiben.

Ethnologically enlightening: Kwakwaka’wakw model sealing canoe (early 20th century) (From the Ethnology Collection – Royal BC Museum #14097 a, b)

Ethnologisch erhellend: Modell eines Kanus der Kwakwaka’wakw für die Robbenjagd (aus der Ethnologischen Sammlung –Royal BC Museum‚ 14097 a, b)

Ich sage nicht, dass ich Ausleihen nicht mag – im Gegenteil. Aber der Arbeitsbereich Erwerbung ist ein unterschätzter Teil unserer Arbeit. Ohne Zweifel hat diese Arbeit mechanisch zu erledigende Bereiche, aber wenige Arbeitsplätze im Museum eröffnen wie dieser den Zugang zu Informationen über das ganze Spektrum der Sammlung. Ich habe das Privileg genau zu wissen, was in die Sammlungen aufgenommen wird, und das jeden Monat, gleich ob es sich um Archivmaterial, oder Dinge zur modernen Geschichte, zur Ethnologie oder Naturgeschichte handelt. Zugleich sehe ich, auf welche Weise diese Aufzeichnungen, Gegenstände oder Exemplare für die menschliche oder Naturgeschichte unserer Provinz wichtig sind; intellektuelle Leckerbissen für einen, der sein Leben lang lernt, wie ich. Es macht mir Vergnügen, meine kleine Rolle bei der Erwerbung von wichtigen Objekten zu spielen – vom historischen Leuchtturmobjekt zum ethnologisch Erhellenden, zum Bizarren und Schönen.

Sir James Douglas – A-01229 (from the BC Archives Collection – Royal BC Museum

Sir James Douglas – A-01229 (aus dem Provinzarchiv von BC – Royal BC Museum)

Meist ist der Registrar erst beteiligt, wenn eine Sammlung schon ins Haus gekommen ist. Vor einigen Jahren hatte ich aber das Glück, einen unserer Konservatoren bei der Erwerbung des Douglas-Armstuhls und anderer Objekte aus der Douglas-Sammlung begleiten zu dürfen, da der Konservator im Hinblick auf die Größe der Objekte noch zupackende Hände benötigte. Der Schenker war ein Verwandter von Sir James Douglas, einer bekannten politischen Figur in der Geschichte British Columbias. Douglas gründete die Pelzhandelsniederlassung Fort Victoria in der Mitte des 19. Jahrhunderts, und war der führende Politiker unter den wenigen weißen Siedlern, als dieser Bereich der Westküste den Status einer Britischen Kolonie erhielt. Nach seiner Pensionierung schloss sich 1871 die Kolonie als 6. Provinz an Kanada an: British Columbia. map of Canada-DEBald nach dieser Vereinigung erlitt Douglas einen Herzinfarkt. 1877 starb er zu Hause in seinem Armstuhl. Der Stuhl wurde in der Familie weiterhin benutzt und als der Bezugsstoff abgenutzt war, wurde er in den 1960/70er Jahren neu gepolstert mit einem gängigen Stoff in einer zeitgenössischen Farbe: modernem Dänischem Orange. Sir James Douglas war trotz seiner glücklichen Karriere und seinem gesellschaftlichen Rang ein praktischer Mensch. Ich bin sicher, er hätte es für richtig gehalten, die Nutzbarkeit des Stuhls mit einer solchen Auffrischung auf über 140 Jahre auszudehnen.

Historically Stellar – Douglas Chair – C1870 – Victorian Parlour Chair - History Collection – Royal BC Museum

Historisches Highlight – Douglasstuhl – C1870, Viktorianischer Wohnzimmerstuhl (Historische Abteilung – Royal BC Museum)

Konservatoren, Sammlungsverwaltern und Registraren stellt der restaurierte Stuhl interessante Fragen. Ist er noch „echt“? Muss ein Objekt sein ursprüngliches Aussehen behalten, oder genügt es, dass es noch seine ursprüngliche Funktion hat und die entsprechenden Assoziationen vermittelt? In diesem Fall ist es noch immer ein Stuhl, genau der Stuhl in dem James Douglas starb, gleich ob der ursprüngliche Bezug erhalten ist oder nicht. Beim Nachschlagen in der Vereinbarung zu unserer Sammlungspolitik, die den Leitfaden bildet für das, was wir sammeln oder nicht, zeigte sich, dass der Douglas-Armsessel den Anforderungen der Sammlung entsprach. Die Objekte, die in die Sammlung des RBCM (Royal British Columbia Museum) aufgenommen werden, sollen – wenn möglich – vollständig sein, intakt und/oder im Originalzustand. Der Zusatz „wenn möglich“ erlaubt es uns, Objekte mit großer historischen Bedeutung zu sammeln, auch wenn sie, wie der Douglas-Stuhl, im Lauf der Zeit Änderungen unterzogen worden waren.

Ich bin auf diesen interessanten Link gestoßen, den ich mit Ihnen teilen möchte: http://ejarchaeology.wordpress.com/2013/03/29/my-bike-the-authentic-object-with-its-own-biography/.
Es geht um den Begriff „Authentizität“ im Zusammenhang mit Denkmalpflege/Museum. Die Autorin macht einige interessante Bemerkungen. Ich warte auf Ihre Kommentare zu diesem Thema. Es wäre auch schön, etwas über die Richtlinien Ihrer Museen zur Frage der „Authentizität“ zu hören.

Übertragung aus dem Englischen ins Deutsche von Brigitte Herrbach-Schmidt

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Wie ich Museumsregistrar wurde IV

Ausstellungstechniker, Depotverwalter, Registrar, Lehrer – nie mit dem Lernen aufhören!

Derek Swallow

Mein Interesse für die Kulturgeschichte begann in den Mit-Siebzigern, als ich im Ft. Edmonton Park als Führer arbeitete, das ist eine rekonstruierte Poststation für den Pelzhandel und daneben ehrenamtlich die EDV der Strathcona Historical Society in Edmonton betreute. Diese Anregung brachte mich dazu Anthropologie und Geschichte zu studieren und auf diesem Gebiet meinen Bachelor-Abschluss zu machen. Danach kam ich in Kontakt mit Museumskunde und erarbeitete mir im Selbststudium die Kenntnisse für die Arbeit als Registrar/ Depotverwalter.

springcleaningSeitdem und für fast drei Jahrzehnte, waren Registrartätigkeit, Museumsdokumentation und Betreuung von Ausleihvorgängen mit Museumsgut im Zentrum meiner Berufswünsche. Meine praktischen Erfahrungen damit begannen 1982, als ich ehrenamtlich langfristiger Assistent des Registrars in der Art Gallery of Greater Victoria (AGGV) wurde. 1984 begannen meine Kontakte zu dem Royal BC Museum in Victoria, British Columbia, Canada. Dort arbeitete ich als Ehrenamtlicher im Bereich Ethnologie und katalogisierte die Sammlung von Objekten der First Nation (kanadische Ureinwohner). Das inspirierte mich zu einem Studium der Kunst der First Nations und daraufhin zu einem Bachelor und Master in Kunstgeschichte. 1990 folgte ein Jahr Collections Management Internship, das auch verschiedene Kurse zum Cultural Resource Management an der Univeristät in Victoria beinhaltete.

1991 begann ich im British Columbia Archiv als Ausstellungstechniker und Depotverwalter zu arbeiten. Um meine Kenntnisse zu vermehren arbeitete ich auch ehrenamtlich im Meeresmuseum in Sidney (BC), knapp außerhalb von Victoria. Der Schwerpunkt dieser Sammlung ist die Naturgeschichte. Dort arbeitete ich in den Bereichen Registrierung und Depotverwaltung. Mit dem Zusammenschluss des Royal British Columbia Museums mit dem British Columbia Archive im Jahr 2003 eröffneten sich viel neue interessante Perspektiven im Hinblick auf meine Weiterbildung. Die lohnendste war die Abmachung mit dem Chefregistrar, der anbot, mein Mentor auf dem Weg zum ausgebildeten Registrar zu sein. Im Lauf der letzten mehr als 10 Jahre haben sich so meine beruflichen Aufgaben gewandelt von einen Depotverwalter/Ausstellungstechniker zu einem Vollzeit-Registrar.

Vom Anfang meiner Berufslaufbahn an, war mir Stellenwert und Bedeutung des Registrars als eines Bindeglieds klar, das die durchgängige Kontrolle über den Standortnachweis der Objekte, die angemessene Handhabung, Lagerung und Erhaltung hat. Ebenso betreut er die Papierdokumente und elektronischen Aufzeichnungen mit den wichtigen Daten zu diesen Sammlungen. Darüber hinaus versteht und steuert der Registrar die Abläufe und die Vorsichtsmaßnahmen, die nötig sind, um Artefakte rechtzeitig und sicher aus zu leihen und die Objekte zu betreuen, die für Ausstellungs- oder Forschungszwecke ins Haus gebracht werden.

Derek privat:

Ich bin verheiratet und habe 3 Kinder: einen Sohn, eine Tochter und einen großen, struppigen Hund, der davon überzeugt ist, auch zur Familie zu gehören. Ich lese gerne gut geschriebene Romane, schreibe Aufsätze, segle mit einem Dinghy und unternehme mit meinem Hund lange Spaziergänge auf den Pfaden der Umgebung oder an der Küste.
Ich bin aber auch dem verpflichtet, was meine Frau meinen zweiten, unbezahlten Full-Time-Job nennt: ich koordiniere, erstelle Stundenpläne und unterrichte ehrenamtlich in einem ESL-Program (English as a Second Language) für Erwachsene, das vor allem die mündliche Ausdrucksfähigkeit entwickelt. Ich habe einen TESOL-Abschluss (der erlaubt Englisch als Fremdspreche zu unterrichten) und ich bin ein in British Columbia geprüfter Grundschullehrer.

Ich habe das große Glück, in Victoria (British Columbia, Kanada) zu leben. Das ist eine der schönsten Städte unseres Landes und eine mit dem mildesten Klima. Auch wenn wir nicht in den Tropen wohnen, sprechen wir doch mit leichter Übertreibung davon, nur zwei Jahreszeiten zu haben: Winter und Trockenzeit im Sommer. Die Stadt liegt auf der Insel Vancouver an der Westküste Kanadas.

Aufgewachsen bin ich im Alberta, einer Provinz im Osten von British Columbia. Meine Heimatstadt ist die Hauptstadt der Provinz, Edmonton. Im Frühjahr rutschten wir durch Berge von matschigen Schnee, schwitzten in unseren Winterjacken und froren in dünneren. Erholung kommt mit einen relativ heißen und trockenen Sommer, der von heftigen Gewitterstürmen begleitet wird. Die Kehrseite ist, dass Gebiete mit stehenden Gewässern Brutstätten für Moskitos sind. Die wundervollen warmen Abende werden von Wolken dieser blutrünstigen Insekten gestört, die alle Menschen in die Häuser treiben. Der Herbst ist wundervoll. Die Moskitos sind verschwunden und die Bäume färben sich rot, orange und gelb – und dann kommt der Winter. Wir haben oft von November bis Mai Schnee. Die Temperaturen schwanken, aber wir leiden oft unter extremer Kälte und Wind, manchmal fallen die Temperaturen unter -40 Grad oder noch darunter. Dann können nackte Finger oder Teile des Gesichts in weniger als einer Minute erfrieren.

Jetzt wisst ihr, warum ich nach Victoria floh, wo sich die mittleren Wintertemperaturen zwischen +6 und +9 Grad bewegen. Hier ist man im Himmel, allerdings einem nassen Himmel. Wir haben wundervolle Sommer aber verregnete Winter.

Ich bin so froh, Teil von Registrar Trek: Die nächste Generation zu sein. Der Blog ist eine wunderbare Idee – er eröffnet nicht nur die Möglichkeit, weltweit mit anderen Registraren zu kommunizieren, sondern er hilft auch, um Informationen zu unserem Beruf zu verbreiten. Und er bietet das Potential kleineren Museen und Anfängern im Beruf des Registrars weltweit Lernmaterial zur Verfügung zustellen.

Danke schön!

Derek Swallow
Registrar
Royal BC Museum

Übertragung aus dem Englischen ins Deutsche von Brigitte Herrbach-Schmidt

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Der Registrar bei Leihen ist…

von Derek R. Swallow
Registrar am Royal BC Museum

…Jongleur/in, Mediator/in, Kapellmeister/in, Regler/in, ultimative/r Sammlungsverwalter/in, Yogameister/in, Risikomanager/in, Zollagent/in, Transportkoordinator/in, Ausstellungstechniker/in, Bestandskontrolleur/in, Diplomat/in, Bürokrat/in, Rechtsberater/in, Kommunikationsknotenpunkt, Papierkriegsdiva oder -divo und Hirte/Hirtin: Das sind alles Begriffe, die die Tätigkeiten von Registraren bei Leihvorgängen beschreiben.

Der Grundgedanke dieses Artikels ist das Verständnis für die Rolle des Registrars zu erweitern, indem die oben genannten Fähigkeiten mit konkreten Arbeitsaufgaben verknüpft werden. Diese Fähigkeiten bestehen aus vier Kategorien: mentale Veranlagung, kommunikative und organisatorische Belastbarkeit, Fähigkeiten der Sammlungsverwaltung und Dokumentationsfähigkeiten.

I’ve got this under control, I think?

Ich habe das unter Kontrolle, glaube ich?
Image I-27378 courtesy of Royal BC Museum, BC Archives

Multi-tasking, die Fähigkeit, mehrere Dinge gleichzeitig zu tun oder im Blick zu halten ist eine Veranlagung, die „Jongleure“ und Registrare gleichermaßen besitzen müssen. Gleichzeitig verschiedene Leihvorgänge betreuen, die sich in verschiedenen Stadien des Gesamtablaufs befinden und unterschiedliche Komplexitätsgrade aufweisen gleicht der Aufgabe eines Jongleurs, der den Fluß verschiedener Objekte verschiedener Größe und unterschiedlichen Gewichts in der Luft halten muss, ohne dass eines davon herunter fällt. Wie ein „Yogameister“ ist die Grundeigenschaft des Registrars, dass er oder sie Ruhe bewahrt und diese auch ausstrahlt und das in diesem Fall unter hoher beruflicher Belastung, flexibel zwischen verschiedenen Leihvorgängen hin- und herwechselnd, getrieben von sich ständig ändernden Prioritäten im Ablauf der Leihvorgänge.

Okay, I guess we’re not on the same page yet.

Okay, ich glaube, wir sind noch nicht ganz auf dem gleichen Stand
Image C-04790 courtesy of Royal BC Museum, BC Archives

Aus der Rolle des Kommunikators erwächst die Rolle des „Mediators“. Der Registrar trägt dazu bei, dass Probleme zwischen Teammitgliedern des Ausleihteams, der eigenen Institution und dem Leihnehmer oder Leihgeber gelöst werden. Das Taktgefühl, das hierbei von Nöten ist, entspricht dem eines „Diplomaten“. Um den Fluß der richtigen Informationen and die richtigen Stellen zu ermöglichen, wird der Registrar zum „Kommunikationsknotenpunkt“, er oder sie ist der eine Ansprechpartner für die Institution und der Kommunikationskanal, der Fragen, Antworten und Informationen vom Leihnehmer zum Ausleihteam weiterleitet und umgekehrt.


In seiner Funktion als Organisator konzentriert sich der Registrar sowohl auf das große Ganze, so dass der Leihvorgang am Laufen gehalten wird, verliert aber auch die Details nicht aus dem Auge, so dass an keiner Stelle ein wichtiger Schritt vergessen wird.

The loans team at the ready. Image   C-02802  courtesy of Royal BC Museum, BC Archives

Das Ausleihteam am Start.
Image C-02802 courtesy of Royal BC Museum, BC Archives

Dies entspricht der Rolle des „Hirten“, der die Herde zusammenhält, sie vorantreibt und aufpasst, dass kein Gruppenmitglied auf der Reise verloren geht. Als „Kapellmeister“ agiert der Registrar wie ein Dirigent, der alle Beteiligten des Leihverkehrs harmonisch zusammenspielen lässt, seinen Teammitgliedern oder dem Leihnehmer das Zeichen zum Einsatz gibt, wenn es Zeit ist, aktiv zu werden. Die Fähigkeiten des „Hirten“ und des „Kapellmeisters“ unterstützen die Tätigkeit des „Projektmanagers“, der sicherstellt, dass alle Schritte mit dem effizientesten Zeit- und Arbeitseinsatz abgearbeitet werden, so dass alle Deadlines eingehalten werden können.

So what were those crate dimensions again?

Wie groß sollte die Transportkiste nochmal werden?
Image B-03338 courtesy of Royal BC Museum, BC Archives

Der Registrar übernimmt auch die allumfassende Rolle des „ultimativen Sammlungsverwalters“. Sie kann so definiert werden: weitgehendes Wissen zum Umgang mit Sammlungen und Erfahrung im Umgang mit allen Sammlungstypen, die in seinen Aufgabenbereich fallen. Unterstützt von Restauratoren und auf ihren Bereich spezialisierten Sammlungsmanagern sorgt diese Fähigkeit dafür, dass alle Vorgaben und Handlungsanweisungen korrekt beachtet werden, so dass bei der Ausleihe die speziellen Bedürfnisse jedes erdenklichen Objekts aus jeder erdenklichen Sammlung beachtet werden. Wenn die Leihgaben für den Transport vorbereitet werden, ermöglicht das Wissen, das der Registrar als „Ausstellungstechniker“ hat, den Verpackungsprozess zu überwachen und wenn nötig einzugreifen, damit das geliehene Objekt auf die bestmögliche Art und Weise mit dem bestmöglichen Schutz transportiert wird.

Perhaps we should find a new artefacts transport company.

Vielleicht sollten wir doch eine andere Kunstspedition beauftragen.
Image B-07174 courtesy of Royal BC Museum, BC Archives

Das leitet über zu den Aufgaben des Registrars als „Transportkoordinator“, der nur solche Transportspeditionen beauftragt, die die optimalen Sicherheitsvorkehrungen und Transportbedingungen bieten können. Der Registrar als „Risikomanager“ sucht Unternehmen aus, die Verpackung und Transport in wirklicher Museumsqualität im besten Sinne des Wortes anbieten. Zu dieser Rolle gehören noch weitere Verantwortlichkeiten: sicherzustellen, dass Leihobjekte zum korrekten, aktuellen Wert versichert sind und dass die ausleihende Institution die internationalen Standards in Bezug auf klimatische Bedingungen, Gebäudesicherheit, Sicherheitstechnik, Sicherheitspersonal, qualifiziertes Sammlungspersonal, etc. erfüllt. Als „Regler“ veranlasst der Registrar die Beschaffung von Dokumenten und Informationen, die zum Risikomanagement gehören, wie z.B. Versicherungsbestätigungen, Facility Reports 1, usw. Der „Bestandskontrolleur“ ist eine weitere Facette des Risikomanagements, alle Leihobjekte werden kontrolliert wenn sie ankommen oder herausgegeben werden, sei es nun eine Leihnahme oder eine Leihgabe und natürlich werden alle Standortveränderungen dokumentiert, wenn die Leihnahmen im Hause sind.

You don’t have the loan agreement signed. I see.

Sie haben also keinen unterschriebenen Leihvertrag dabei. Aha.
Image C-04362 courtesy of Royal BC Museum, BC Archives

Bevor eine Leihe die Institution verlassen kann, um ans andere Ende der Stadt, des Landes oder ins Ausland zu kommen, kommt der Aspekt des „Rechtsberaters“ im Registrar zu tragen. Juristisch verbindliche Dokumente wie Leihverträge werden erstellt und andere wichtige Dokumente, wie z.B. CITES-Zertifikate 2 oder andere Genehmigungen werden angefordert. Die Regelungen und erforderlichen Dokumente für den Im- und Export zu kennen und zu verstehen ist die Aufgabe des „Zollagenten“ im Registrar. Das Beschaffen und sichere Aufbewahren all dieser wichtigen Dokumente macht den Registrar zum „Dokumentar“ und „Papierkriegsdiva“ und das unnachgiebige Festhalten an präzisen Regeln erfordert, dass er auch ein guter „Bürokrat“ ist.

Die eben beschriebenen Fähigkeiten sind weder vollständig noch gehören sie ausschließlich zur Rolle des Registrars. Verschiedene Kombinationen dieser Fähigkeiten gehören zu vielen Berufen. Das komplette „Paket“ dieser Fähigkeiten macht jedoch die Rolle des Registrars einzigartig.

Also, sind wir Meister in allen diesen genannten Fähigkeiten? Ich bin es sicherlich nicht. Ich habe den erforderlichen akademischen Hintergrund, gefestigt und gemäßigt durch die Ausbildung direkt im Beruf und mit mehr Erfahrung, so denke ich, wächst die Befähigung. Ralph Waldo Emerson schrieb: “The years teach much which the days never know.” („Die Jahre lehren viel, was die Tage niemals wissen werden.“)

I’m serious. Don’t mess with the collection                 Image   C-02996 courtesy of Royal BC Museum, BC Archives

Ich meine es ernst. Macht keinen Unsinn mit unserer Sammlung.
Image C-02996 courtesy of Royal BC Museum, BC Archives

Trotz meiner über dreißigjährigen Karriere im Sammlungmanagement von Kunst, ethnologischen, zeitgeschichtlichen und naturkundlichen Sammlungen, mit Aufgaben als Ausstellungstechniker, Kurator, Bewahrungsspezialist und Registrar, lerne ich immer noch neue Dinge und verfeinere meine Fähigkeiten. Für mich waren die Jahre der praktischen, weniger der akademischen, Erfahrungen die besten, manchmal die einzigen Lernprogramme. Am Anfang meiner Karriere lernte ich zum Beispiel indem ich als Ausstellungstechniker zusammen mit einem Veteranen in diesem Beruf arbeitete. Ich machte viele Fehler, aber diese führten oft zu einmaligen Lernerfahrungen. Mark Twain hat einmal gesagt “A man who carries a cat by its tail learns something he can learn in no other way.” („Ein Mann der eine Katze am Schwanz trägt lernt etwas, das er auf keine andere Art und Weise lernen kann.“)

Es gibt noch eine hervorstechende Fähigkeit, die ich oben nicht erwähnt habe. Vielleicht sollte man es besser eine Besessenheit nennen. Wir setzen uns verbissen für die Sammlungsstandards unserer Institution ein. Wir sind in unserem Berufsbild als Registrare darauf trainiert, uns an hohe ethische Standards zu halten und unsere professionellen Fähigkeiten auf ein immer höheres Niveau zu bringen. Das ist eine gute Sache. Um es mit einem Zitat zu sagen, das Michelangelo zugeschrieben wird: “The greatest danger for most of us lies not in setting our aim too high and falling short, but in setting our aim too low and achieving our mark.” („Die größte Gefahr für die meisten von uns besteht nicht darin, dass wir unsere Ziele zu hoch stecken und sie dann verfehlen, sondern darin, dass wir unsere Ziele zu niedrig setzen und sie erreichen.“)

Dieser Beitrag ist auch auf Polnisch erhältlich, übersetzt von Natalia Ładyka, die Übersetzung erschien zuerst auf dem Blog der Vereinigung der Polnischen Museumsregistrare http://inwentaryzatorzy.blogspot.de/.

  1. hierfür gibt es keine gute deutsche Entsprechung, der Begriff hat sich im deutschen Museumswesen eingebürgert. Der Facility Report einer Institution umfasst Angaben zur Gebäudekonstruktion, klimatischen Bedingungen, Sicherheitseinrichtungen, usw. die für die Zu- oder Absage von Leihgaben entscheidend sein können. Anm. d. Übers.
  2. CITES = Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora, deutsch: Übereinkommen über den internationalen Handel mit gefährdeten Arten freilebender Tiere und Pflanzen
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