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Wie katalogisiert man eine Smartphone-App?

von Paul Rowe

Some app symbolsMuseumssammlungen bestanden bisher aus physisch greifbaren Objekten, wobei der Bogen weit gespannt war, von Käfern zu Kunstwerken, von Büchern zu ganzen Archiven. Fotosammlungen bestanden aus analogen Werken – den Negativen oder Abzügen der Fotos. Die Neuzugänge der Museen bestehen aber zunehmend aus ursprünglich digitalen Arbeiten, wie Fotos, die mit einer Digitalkamera aufgenommen wurden oder Filmen, die mit dem Smartphone festgehalten wurden.

Auf unserem Nutzer-Forum bat vor kurzem jemand um Rat, wie eine Smartphone-App katalogisiert werden solle. Wie passen digital erstellte Arbeiten in den traditionellen Dokumentationsprozess der Museen? Und was fängt man mit komplexeren Erwerbungen wie einem Software-Paket oder einer App an?

Hier finden Sie in paar allgemeine Hinweise für die Inventarisierung genuin digitaler Objekte, zusammen mit ein paar Tipps für Multimediamaterial, das sie vielleicht in analoger Form haben (z. B. Spulen mit Filmen).

Verlinken Sie die Quelldateien

Wenn Sie originär digitale Arbeiten inventarisieren/katalogisieren, dann sollten Sie die Quelldateien direkt mit dem Katalog verbinden. Das wäre zum Beispiel ein hochauflösendes Foto oder auch kleinere, reduzierte Bilder, wenn das System das erlaubt. Bei einer Smartphone-App könnten es Standbilder der Benutzeroberfläche sein oder ein Trailer/Hilfevideo der App.

Vielleicht kann man auch eine Webadresse für das digitale Material verlinken, zum Beispiel zum GitHub Quellcode oder zur Wikipedia-Seite, die ein komplexeres digitales Element wie eine Smartphone-App beschreibt.

Viele Systeme erlauben auch einen automatischen Import der Metadaten der gelinkten Dateien, sodass man das Entstehungsdatum mit weiteren Details hat und ebenso Hinweise auf die nötigen Geräte, die Größenordnung und die Laufzeit.

Die genormten Katalogfelder benützen

Viele der Felder, die für traditionelle Sammlungen benützt werden, sind auch für Multimediamaterial geeignet, einschließlich genuin digitalem Material. Typische Felder, die genutzt werden können, sind zum Beispiel:

Objekt: Einfache Beschreibung, um welche Art von Material es sich handelt, z.B. Hörbuch, Smartphone-App
Maße: Wenn man die Abspieldauer nicht direkt in den Metadaten hat, dann sollte sie zusammen mit der Dateigröße im Katalog angegeben werden.
Größenkategorie: Analoges Filmmaterial wird meist in standardisierten Blechdosen verwahrt; deren Größen könnten als Standardkategorien im System angelegt werden.
Wiedergabemedien: Beschreibe die Ausrüstung, die benötigt wird, um die Aufnahme wieder zu geben oder die App zu nutzen.
Format: z.B. Digital Video Diskette, 35mmFarbfilm, iOS app
Ton: z.B. Dolby 5.1
Farbe: Technicolor
Maßstab: z.B. 4:3 oder 1200px x 900px.
Zeitangaben: Man kann die Anfangs- und Endzeit von Sequenzen oder Episoden notieren. Jede Anfangs- und Endzeit sollte einen Titel haben oder eine Beschreibung des Clips.
Besondere Merkmale: Auch Informationen zu einem kommerziellen Filmverleih oder besondere Eigenschaften eines Softwarepakets oder einer App sollten festgehalten werden.
Technische Details: alle wichtigen technischen Details wie die DVD Zone oder die Videokompression sind fest zu halten.

Medium oder Titel

Große Audio- oder Videosammlungen enthalten oft mehrfache Kopien der selben Aufnahme. Jede Kopie wird oft als Medium bezeichnet. Ein Beispiel wäre ein Film, den die Organisation als 16mm Originalkopie hat, aber auch als analoge VHS- und digitale DVD-Kopie für die Ausleihe.
Bei großen Katalogen kann es nützlich sein, die Aufnahme zu splitten, einerseits in die eigentliche Titelaufnahme und diese dann andererseits mit den Aufnahmen für die verschiedenen Medien zu verlinken. Die Titelaufnahme hält die inhaltliche Beschreibung fest (den Titel, den Urheber, wann und wo die Arbeit entstand). Die Aufnahmen für die einzelnen Medien halten die Details der Kopien fest (ihr Format, wo sie aufbewahrt werden, zu welchem Leihvorgang sie gehörten und welche Restaurierungsarbeiten ausgeführt wurden). Dies ist eine komplexere Struktur und nur nötig, wenn eine größere Anzahl von Duplikaten zu verwalten ist.

Vernon CMS

Dieser Artikel entstand als Antwort auf eine Frage, die an Vernon CMS gestellt wurde, die Katalogisierung einer App betreffend. Unsere Hinweise können bei vielen ähnlichen Katalogsystemen berücksichtigt werden. Über das Sammlungs-Management-System von Vernon erfahren Sie mehr auf der Vernon Systems website.

Paul Rowe ist CEO bei Vernon Systems, einer Softwarefirma aus Neuseeland. Vernon Systems entwickelt Software für Organisationen, die ihre Sammlungen registrieren, interpretieren und zur Verfügung stellen wollen. Paul interessiert sich besonders für Systeme auf Web-Basis in Museen und die Zunahme des öffentlichen Zugangs zur Museumsdokumentation. Manchmal kann man ihn beim Höhlenwandern sehen.

Übertragung aus dem Englischen ins Deutsche von Brigitte Herrbach-Schmidt.

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Was soll das sein: Linked Data?

Von Richard Light

PenClipartVectors via pixabay (CC0)Es kann sein, dass Ihnen schon einmal jemand begegnet ist, der (wie ich) enthusiastisch dafür plädiert hat, die Museumssammlung in der Form von Linked Data zu publizieren.
Ihre Reaktion war dann möglicherweise mit den Schultern zu zucken, zu sagen “ich weiß nicht was das ist und ich weiß nicht wie man das macht“, um sich dann der Inventarisierung und Verwaltung der eigenen Sammlung zu zu wenden.

Dieser Beitrag versucht aus kulturhistorischer Sicht zu erklären „was Linked Data sind“, welche Möglichkeiten sie bieten und warum es im Augenblick noch sehr schwierig ist, sie anzuwenden.

Das Internet als dezentrale Datenbank

Wir alle wissen, wie das Internet funktioniert. Man findet eine Seite mit Informationen, die einen interessieren, dorthin gelangt man in der Regel über eine wohlbekannte Suchmaschine. Diese erste Seite mit Suchergebnissen enthält eine Menge Links zu relevanten Seiten und man klickt einfach auf die Seiten, die einem selbst wichtig erscheinen. Auf jeder neuen Seite gibt es weitere Links, denen man folgen kann. Wenn man viel Glück hat kann das damit enden, dass man sich im Kreis bewegt. Diesen Vorgang bezeichnet man als browsen (blättern) im Internet. Das ist gut, solange es darum geht, Informationen nach zu schlagen und zu lesen, eine Seite nach der anderen.

Wenn man diese Seiten aber als Datensatz nutzen möchte (zum Beispiel, um Hintergrundinformationen zu einem Katalogeintrag hin zu zu fügen), dann stößt man rasch an Grenzen. Man kann eine (oder alle) der Webseiten mit copy und paste in die eigene Dokumentation einfügen. Aber schließlich wird man entweder eine ärgerliche Anzahl von HTML Auszeichnungen zusammen mit dem Text in den eigenen Daten haben, oder die Auszeichnungen verschwinden und aller Text wird irgendwie zusammengeschoben. In keinem Fall kann man erwarten, aus Webseiten Daten so zu extrahieren, dass sie mit dem eigenen Inventarisierungsprogramm kompatibel sind.

Auch Linked Data funktioniert wie Webseiten. Der große Unterschied ist aber, dass jede „Seite“ eine Art Datenbankeintrag ist. Man kann von einer Linked Data Seite zur nächsten blättern, so wie man zwischen Webseiten blättert. Im Endeffekt ist das Linked Data Netz eine lose verbundene Datenbank, die das ganze Internet umfasst.

URLs Nutzen um Begriffe zu definieren

Linked Data, das ist etwas, das wir nutzen können, um die Gesamtheit der Dinge, die die Welt des kulturellen Erbes ausmachen darzustellen. Es um fasst Personen, Orte, Ereignisse … und Objekte. Ein zentrales Merkmal der Arbeit mit Linked Data ist, dass jeder Begriff seine eigene unverwechselbare Kennung hat. Das ist seine Internetadresse (URL), die genau den gleichen Regeln folgt, die auch Webseiten eindeutig identifizieren.
Das zum Beispiel ist die Kennung einer Person aus dem Künstlernamen Thesaurus des Gettymuseums (ULAN) als Linked Data:
http://vocab.getty.edu/ulan/500077287
Wenn man diese URL im Browser eingibt, so erscheint eine etwas fremd anmutende Webseite, die alle über diese Person bekannten Fakten auflistet. Die Überschrift macht deutlich, dass es sich um John Gerald Patt handelt, was aus der URL nicht erkenntlich ist.

So weit, so gut, nichts Aufregendes – aber hier beginnt nun der Zauber der Linked Data. Wenn man auf einem anderen Weg die gleiche URL eingibt, dann bekommt man die dahinterstehenden Daten zurück. Ich übergehe jetzt den genauen Weg dahin1 und die technischen Details der Daten2 und stelle nur vor, wie es aussieht. Das ist ein Teil der XML-Version von John Gerald Patts Daten:

Dieses Fragment listet die verfügbaren biographischen Daten auf. Der springende Punkt ist, dass jedes biographische Faktum seine eigene Linked Data URL hat, die man dann nachschlagen kann. Zum Beispiel zeigt:

http://vocab.getty.edu/ulan/bio/4000231223

Dieses bibliographische Fragment enthält einige echte Fakten: 2 Daten und eine summarische Beschreibung. Ebenso gibt es URLs für John Gerald Patts Geschlecht und seinen Geburtsort, die man finden und die Daten übernehmen kann. Sie werden bemerkt haben, dass die Daten aus unterschiedlichen Thesauri des Gettymuseum stammen: das Geschlecht findet sich im AAT (Art and Architecture Thesaurus) und der Geburtsort im TGN (Thesaurus of Geographic Names). Das ist ein gutes Beispiel für den Umgang mit Linked Data: schon existierende Strukturen verwenden, um die Dinge auszudrücken, zu denen man etwas beitragen möchte und nicht neue erfinden.
Das wirklich erfreuliche, wenn man die Linked Data URLs in den eigenen Unterlagen benutzt ist, man bekommt zusätzliche Informationen „umsonst“. Wenn man, zum Beispiel, einen Geographiethesaurus wie Geonames 3 benutzt, dann erhält man für jeden Ort auch die geographischen Koordinaten, das heißt man kann Verteilungskarten voller Pins erstellen und es braucht dafür nur ein klein wenig Programmierarbeit.

Die eigene Sammlung als Linked Data veröffentlichen

Kehren wir also zu meinem anfänglichen Vorschlag zurück, die Informationen zu Ihren Objekten als Linked Data zu veröffentlichen. Es gibt zwei gute Gründe das zu tun: man beansprucht schon mal einen Platz für das eigene Material in der Welt der Linked Data, und man stellt eine API zur Verfügung, die andere nutzen können, wenn sie Zugang zu ihren Daten haben möchten. Ich konnte einen Versuch für Museenm in England starten und einige der Museen haben die Gelegenheit genutzt4.

Aber, worauf ich am Anfang auch hingewiesen habe, es gibt auch gute Gründe, die Sammlung nicht mit Linked Data zu veröffentlichen. Drei sind augenfällig: ich wette darauf, dass Ihr Datenbanksystem keine Unterstützung für die Eingabe von Linked Data URLs bietet; auch kann die Umgebung der Software für Veröffentlichungen im Internet Linked Data nicht nutzen, um die Webpräsenz zu verbessern und (vielleicht am wichtigsten) es fehlt noch an der Struktur bei Linked Data für die Begriffe, über die wir nun Informationen teilen wollen: Leute, Orte und Ereignisse.

Ich werde auf diese Dinge in zukünftigen Beiträgen detaillierter eingehen, in der Zwischenzeit freue ich mich darauf, auf Ihre Kommentare und Fragen zu antworten.

Richard Light ist ein Informatiker und Softwareentwickler aus England und hat sich fast sein ganzes Berufsleben lang mit Museums-Informations-Systemen beschäftigt. Er war an der Digitalisierung des Sedgwick Museums in Cambridge beteiligt, als es noch Lochstreifen und Großrechner gab und dann erarbeitet er für die Museum Documentation Association (heute: Collections Trust) Datenstandards und Datensysteme. Seit 1991 ist er selbständiger Berater im Bereich des Kulturerbes mit dem Schwerpunkt auf Markup-Sprachen und Linked Data. Er ist der Vorsitzende von Free UK Genealogy5 und besucht regelmäßig die Treffen von CIDOC6: etwas, das jeder, der in der Museumsdokumentation arbeitet tun sollte!

Übertragung aus dem Englischen ins Deutsche von Brigitte Herrbach-Schmidt.

  1. Man braucht den Kopfdatensatz der HTTP-Header-Felder
  2. Es ist RDF (Resource Description Framework, sinngemäß „System zur Beschreibung von Ressourcen“) ein Datenmodell, das auf gerichteten Graphen basiert: https://www.w3.org/RDF
  3. z.B. http://sws.geonames.org/7298484/about.rdf
  4. z.B. http://collections.wordsworth.org.uk/Object/WTcoll/id/rdf/GRMDC.C144.9
  5. http://www.freeukgenealogy.org.uk/
  6. http://network.icom.museum/cidoc/
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Quecksilber – eine Geschichte von der Bedeutung einer guten Dokumentation

Es ist eine merkwürdige Sache. Immer einmal taucht das Problem der gefährlichen Substanzen in unseren Sammlungen auf, aber als menschliche Wesen neigen wir dazu, nicht daran zu denken, denn wir sind der Meinung, diese Gefahren gibt es – natürlich – aber wir sind uns sicher, dass wir unsere eigene Sammlung kennen und dass wir auf der sicheren Seite sind, wenn wir uns an unsere Sicherheitsvorschriften halten.
Als bei einer Schadstoffanalyse in einem unserer Depots Quecksilber in der Luft gefunden wurde war ich geschockt und sehr überrascht. Natürlich wusste ich, dass wir in unserer Sammlung Quecksilber hatten. Wir besitzen schließlich eine Sammlung von Thermometern und Quecksilber-Schaltern. Aber bis zu jenem Tag hielt ich unsere Handlungsanweisungen und unsere Vorsichtsmaßnahmen für ausreichend sicher. Dieses Quecksilber war alles gut verwahrt, nicht wahr? Aber wir hatten nicht an andere Quecksilberquellen gedacht, offene Quellen, die sich in unserer Sammlung verbargen.

Offene Quellen entdecken und was man daraus lernt

Musikautomat mit offener Quecksilberquelle im Inneren (entschuldigen Sie die schlechte Bildqualität).

Musikautomat mit offener Quecksilberquelle im Inneren (entschuldigen Sie die schlechte Bildqualität).

Als wir begannen unsere Sammlung mit der Lupe „Quecksilber?“ zu durchsuchen stießen wir auf eine Reihe von Objekten, an die wir nie gedacht hatten. Es kam heraus, dass es einen Musikautomaten gab, der mit Kontakten arbeitete, die in Quecksilberbehälter tauchten. In der Medizinhistorischen Abteilung gab es Geräte, die mit offenem Quecksilber Thrombozyten im Blut messen. Wie klein auch immer, da Quecksilber bei Raumtemperatur verdampft sind auch kleinste Öffnungen ein Problem. Es gab Barometer und selbst Chronometer mit offenen Quecksilberquellen. Es bedurfte einer ziemlichen Anstrengung, heraus zu finden, wo sie alle waren. Und einer noch größeren, um das Quecksilber entweder zu entfernen oder zu versiegeln und die kontaminierten Objekte entsprechend zu beschriften.

Dabei lernten wir eine ganze Menge:

  • Glaube nie, dass Du alles über Deine Sammlung weißt
  • Glaube nie, dass die Richtlinien und Handlungsanweisungen jeden Aspekt abdecken
  • Glaube nie, dass alles in Ordnung ist – und habe ein Auge auf die Forschung

Das Wichtigste aber war die Lektion, die wir über die Bedeutung einer guten Dokumentation lernten – wenn auch auf unbequemem Weg.

Alles Expertenwissen vorhanden – und trotzdem…

Aus der Rückschau sieht man: wenn jemand die Arbeitsweise dieser Objekte gründlich genug studiert hätte, dann hätten er oder sie entdeckt, dass sie Quecksilber brauchten um zu funktionieren. Wir wissen nicht, ob es zum Zeitpunkt der Erwerbung im Museum jemanden gab, der das wusste. Zumindest erwähnte derjenige, der das Objekte inventarisierte das Quecksilber in der Dokumentation und im Katalogeintrag nicht.
Der aus unverbundenen Abschnitten bestehende Arbeitsprozess ist wohl die wirkliche Gesundheitsgefahr! Wenn wir uns die Gegebenheiten in einem klassischen Museum ansehen, dann gibt es unterschiedliche Personen mit unterschiedlichem Wissen, die den Dokumentationsprozess betreiben.
Es sind Leute, deren Fähigkeiten wunderbar zusammenpassen, aber ihr Wissen ist nutzlos, wenn es im Workflow nicht verbunden wird:

Quecksilberkontakte im Innerene des Musikautomaten.

Quecksilberkontakte im Innerene des Musikautomaten.

Der Konservator wusste vielleicht sehr gut, dass Quecksilber nötig war, damit das Objekt funktionierte, aber er machte sich möglicherweise keine Gedanken darüber, dass Quecksilber problematisch ist. Der Restaurator hat auf Grund seine Ausbildung vertieftes Wissen über gefährliche Substanzen, aber nicht über das Objekt und wenn es in gutem Zustand ist, bekommt er es eventuell auch gar nicht zu Gesicht, bevor es eingelagert wird. Aber auch wenn er oder sie es vor der Einlagerung kontrolliert – das Quecksilber kann im Inneren versteckt sein und so realisiert er die Gefahr nicht. Der Sammlungs-Verwalter weiß einiges über gefährliche Substanzen aber nichts über den Gegenstand und wird die Gefahr nicht erkenennen, wenn es sich nicht um eine in seinem Beruf häufige Gefahr handelt (wie bei Arsen bei Tierpräparaten). Der Verantwortliche für die Datenbank weiß zwar, wie man gefährliche Substanzen in der Datenbank auffindbar machen kann und wird vielleicht sogar wissen, wie man sie richtig kennzeichnet, aber auch hier: er oder sie hat keine Kenntnis des Objekts, er oder sie weiß nicht, dass es da ein Problem gibt.
Alle diese Experten arbeiten für die gleiche Institution aber wenn sie das Objekt nicht zusammen bearbeiten und dabei ihr Wissen einbringen, dann können sie sehr leicht eine Gefahr übersehen und Kollegen, spätere Forscher und Besucher einem Gesundheitsrisiko aussetzen.

Die Bedeutung der Fachkenntnis beim Katalogisieren

Es ist offensichtlich, wie gefährlich es ist, wenn die Person, die den Katalogeintrag verfasst
keine in die Tiefe gehenden Kenntnisse der Objekte hat. Es gibt in den Museen die Tendenz zu glauben, dass das Inventarisieren eine Aufgabe sei, die „irgendjemand“ erledigen könne. Wissen ist nicht wichtig, jeder Praktikant kann eine Beschreibung und ein paar Maße herunterklopfen, nicht wahr? Natürlich wissen wir alle, dass das Blödsinn ist, aber dagegen zu halten ist harte Arbeit. Es ist schwer zu vermitteln, welche Schäden es heraufbeschwört, wenn Daten, Maße und Zuordnungen nicht korrekt sind. Bei gefährlichen Substanzen sollte die Gefahr offensichtlich sein: wenn jemand den Katalogeintrag verfasst, der nicht genügend Wissen hat um zu verstehen, wie das Ding funktioniert, wird er vermutlich auch die Gefahrenpunkte übersehen und bringt daher die Kollegen und Besucher in Lebensgefahr.

Wenn der Konservator den Eintrag aus guten Gründen nicht selbst vornehmen kann (und wohlgemerkt: zu faul, zu alt, zu beschäftigt um zu lernen wie das geht ist kein guter Grund, jedenfalls nicht aus meiner Sicht!) dann sollte er sein Wissen zu dem Objekt dem oder derjenigen mitteilen, die den Katalogeintrag dann macht.

Wie man es besser macht

Quecksilberhaltiges Objekt, korrekt nach internationalen Standards beschriftet.

Quecksilberhaltiges Objekt, korrekt nach internationalen Standards beschriftet.

Es gibt einige Dinge, die man tun kann, um unerfreuliche Überraschungen zu vermeiden.:

  1. Wenn ein Objekt erworben wird, sollte man sich mit allen in Verbindung setzten, die in den Erwerbungsprozess eingebunden sind. Alles Expertenwissen an einem Tisch wird es möglich machen, so viel Gefahren als möglich zu entdecken.
  2. Wenn man nur ein EinMann-/ EinFrau-Museum ist, dann sollte man Experten aus der Gegend, aus dem regionalen Museumsverband oder auch internationale Experten über Mailinglisten und Online-Gruppen nach möglichen Gefahrenquellen bei der neuen Erwerbung fragen.
  3. Wenn die Gefahrenquelle neu ist definiert man Sicherheitsvorschriften für Handhabung und Lagerung. Wenn die Gefahr schon länger bekannt ist sollte mach sich vergewissern, dass Handhabung und Lagerung noch dem neuesten Stand der Forschung entsprechen.
  4. In der Datenbank: sicherstellen, dass das gefährliche Material benannt wird. Idealerweise hat man einen Thesaurus gefährlicher Substanzen zur Auswahl, der verlinkt ist mit Sicherheitsvorschriften und korrekten Beschriftungen.
  5. In der Datenbank: sicherstellen, dass ein Objekt mit gefährlichen Substanzen klar von anderen Objekten zu unterscheiden ist, sodass jeder wahrnimmt, dass hier besondere Handhabungs- und Lagerungsbedingungen zu berücksichtigen sind.
  6. Im Depot: gefährliche Substanzen den Internationalen Vorschriften entsprechend beschriften.
  7. Im Depot: gefährliche Substanzen den Internationalen Vorschriften entsprechend lagern. Das kann bedeuten, dass besondere Behältnisse zu verwenden sind oder Räume mit einem Ventilationssystem und deutlich auf dem Behälter angebrachten Anweisungen für die Handhabung.

Leben Sie lange und gesund!
Angela Kipp

Übertragung aus dem Englischen ins Deutsche von Brigitte Herrbach-Schmidt.

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Heiliger Scheiss – da ist was drin !

Objekte mit Inhalt in Sammlungen

Vor kurzem bin ich über diesen Artikel zu Pietro Manzonis Arbeit “Künstler-Scheiße” gestolpert:
https://www.sartle.com/artwork/artists-shit-no-014-piero-manzoni

Er erinnerte mich an ein Problem mit dem jeder Sammlungsmanager mindestens einmal in seinem Berufsleben kämpfen muss: mit dem Objekt, das etwas enthält. Nicht immer ist der Inhalt so fragwürdig wie eingedoste Scheiße, aber von Arsen bis Zwieback gibt es eine endlose Liste von Dingen, die aus unterschiedlichen Gründen Kopfzerbrechen bereiten können. Was also soll der Verantwortliche in diesen Fällen tun? Es überrascht nicht, dass er sich erst einmal ein paar Fragen stellen sollte, ehe er sich entscheidet.

Passt das zur Sammlung?

The can reads “no shit” in German, thus avoiding copyright infringement. “Kein Scheiß” in Germany means both  “no shit” and “I am not kidding you”.

Natürlich begehen wir keinen Urheberrechtsverstoß – wir haben für unverfänglichen Ersatz gesorgt.

Das ist natürlich die erste Frage oder sollte es doch sein, wenn einer Institution wie einem Museum etwas angeboten wird. In diesem Fall ist es die Frage, ob es dem Museum hilft, seiner Aufgabe gerecht zu werden und ob es zur Erwerbungspolitik des Hauses passt. Ist das nicht dasselbe? Wie wir alle wissen sollte die Erwerbungspolitik eines Museums aus einer festen Definition seiner Ziele erwachsen. Ja, aber die Erwerbungspolitik kann auch Grenzen ziehen, um zu definieren was nun wirklich gesammelt wird.
Die Aufgabe des Hauses könnte es sein, italienische Kunst von 1960 – 1970 zu sammeln, sodass Piero Manzonis Arbeit dazu passen würde. Aber die Erwerbungspolitik könnte einen Rahmen ziehen, der nur die Erwerbung von Gemälden und Arbeiten auf Papier erlaubt, da die Depots nur für diese Materialien geeignet sind und keine Möglichkeit besteht, Skulpturen oder andere dreidimensionale Objekte zu deponieren. In dem Fall ist eine Dose mit Künstler-was-weiss-ich glücklicherweise nicht unser Problem.

Was ist wichtig? Die Hülle, der Inhalt oder beides?

Wenn klar ist, dass das Objekt zur Sammlung passen würde, ist die nächste Frage, ob das für alle seine Teile gilt.
In einem Museum für Produktdesign will man sicher die Hülle erhalten. Enthielte die Dose also Fleischextrakt anstelle dieses Künstler- … – Produkts, hätten Sie sicher keine Hemmung, die Dose zu öffnen und auf minimalinvasive Weise zu leeren, um das Design des Behältnisses zu erhalten.

Wenn es die Aufgabe des Museums ist, Menschen über Fäkalien zu informieren (nicht meine Erfindung! Siehe: https://www.poomuseum.org), und diese deshalb zu erhalten, dann ist es wichtiger den Inhalt zu erhalten, als die Hülle. Im wirklichen Museumsleben bedeutet das oft, dass man Behältnis und Inhalt trennen muss und den Inhalt in ein anderes Behältnis übertragen, das für seinen Erhalt besser geeignet ist. Nun habe ich keine besonderen Studien angestellt, was menschliche Fäkalien betrifft, aber mein Bauchgefühl sagt mir, dass eine Weißblechdose wohl nicht der richtige Behälter für eine Langzeit-Aufbewahrung wäre.

Dann gibt es noch die Fälle, bei denen Inhalt und Behältnis es Wert sind erhalten zu werden. Das wäre wohl der Fall der Künstle-Scheiße. Die unendliche Diskussion, ob Piero Manzoni das wirklich getan hat, ob die Dose wirklich enthält, was das Etikett behauptet, ist ein valides Argument. Ein offensichtlich leeres Behältnis mit der Beschriftung Künstle-Scheiße wäre witzlos. Genau so witzlos wäre es wahrscheinlich, Herrn Manzonis Fäkalien zu bewahren. Wenn ich da auch nicht ganz sicher bin. Ein zukünftiger Kunsthistoriker könnte Interesse daran haben, den Inhalt analysieren zu lassen um etwas über die Lebensumstände des Künstlers zu erfahren. Wenn ich genauer darüber nachdenke: es KÖNNTE von Interesse sein, wenn das von der Sammlungspolitik gedeckt ist und das Problem der Langzeiterhaltung gelöst ist.

In diesem Fall bilden Behältnis und Inhalt gleichwertig das Kunstwerk und beide sollen dann erhalten werden. Also könnten wir in dem Fall Behältnis und Inhalt nicht trennen, selbst wenn die Fäkalien andere Lagerungsbedingungen erfordern als die Dose. Wir würden ja den originalen Zustand des Kunstwerks verändern, was wir als Museumsfachleute vermeiden. Eine Randnotiz: zahllose Sammlungsverwalter haben die Gelegenheit verpasst, selbst Künstler zu werden, da sie die Dose Manzonis ließen wie sie war – jemand öffnete eine Dose und das ist nun selbst ein Kunstwerk: http://beachpackagingdesign.com/boxvox/opening-can-boite-ou%C2%ADver%C2%ADte-de-pie%C2%ADro-man%C2%ADzo%C2%ADni

Ist es gefährlich?

Das ist eine der Schlüsselfragen für jeden, der für eine Sammlung verantwortlich ist. Die Frage ist eine doppelte: ist es für sich selbst bzw. für andere Sammlungsobjekte gefährlich oder für die Mitarbeiter? Traurig aber wahr, ich habe niemals einen Sammlungsleiter getroffen, der diese Fragen in anderer Reihenfolge gestellt hat – das sollten wir aber!

Die Frage ob es selbstschädigend ist spielt auch eine Rolle, wenn entschieden werden muss, ob Behältnis und Inhalt getrennt werden müssen. Manche Dinge zerstören sich selbst, wenn sie luftdicht aufbewahrt werden. Ich glaube jedes Museum mit einer Sammlung von Objekten aus Zelluloid kann ein Lied davon singen. Bei Fäkalien halte ich dieses Risiko eher für gering. Aber, ich bin kein Experte.

Ob das Objekt eine Gefahr für den Rest der Sammlung darstellt ist eine Schlüsselfrage bevor ein Objekt in die Sammlung übernommen werden kann. Da die Bandweite von sehr gefährlich zu ziemlich harmlos unter den meisten Bedingungen reicht, kann eine solche Risikoanalyse einem Sammlungsverantwortlichen schon mal schlaflose Nächte bereiten.

Im Fall des Kunstwerks von Manzoni … Nun, da besteht eine gewisse Möglichkeit dass die Fäkalien im Inneren (wenn sie denn darin sind) zu fermentieren beginnen, besonders wenn es im Depot zu warm ist. Unter diesen Umständen besteht eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass das Kunstwerk zu einer Splitterbombe mutiert. Das ließe sich aber bei angemessener Lagerung vermeiden.

Die Gefahr für die Menschen, die dem Objekt umgehen müssen, bewegt sich auf der gleichen Linie. Die Gefahr ist aber nicht so groß, dass die Erwerbung deshalb abgelehnt werden müsste (wie es wohl der Fall wäre, wenn dem Museum chemische Kampfstoffe angeboten würden).

Es sollte eine schriftliche Anweisung zum Umgang mit dem Objekt geben, etwa den Hinweis, dass eine regelmäßige Kontrolle wegen eventueller Aufwölbungen zu erfolgen hat. Auch der Hinweis auf eine mögliche biologische Gefahr sollte festgehalten werden, da wir ja nicht wissen ob echte Fäkalien enthalten sind und wir auch nicht ganz sicher sein können, ob Herr Manzoni ganz gesund war als er … Sicherheit steht an erster Stelle!

Zusammenfassung

Wenn der Sammlungsverantwortliche weiß,

  • ob das Objekt zur Sammlung passt
  • ob Inhalt und Behältnis es Wert sind erhalten zu werden
  • ob sie getrennt werden können, oder unverändert zusammen bleiben müssen, und
  • ob sie gefährlich sind und worin die Gefahr besteht,

dann wird der Sammlungsverantwortliche

  • Empfehlungen geben, ob das Objekt übernommen werden soll oder nicht
  • Behältnis und Inhalt in angemessener Weise lagern und
  • Handlungsanweisungen für seine zukünftigen Kollegen schreiben.

Ich habe verzweifelt nach einem Schlusssatz für diesen Artikel gesucht, der kein schlechter Witz ist oder aus anderen Gründen unangemessen. Es ist mir nicht gelungen. So schreibe ich nur: Leben Sie wohl!

Angela

Übertragung aus dem Englischen ins Deutsche von Brigitte Herrbach-Schmidt.

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Wie sollten sich Museen auf schnelles Eingreif-Sammeln vorbereiten?

von Kathleen Lawther

by Liz Lemon via flickr (CC0)Im Nachgang des Women’s March on Washington (Frauenmarsch nach Washington) und der Solidaritätsmärsche, die rund um die Welt am 21. September 2017 statt fanden sah ich auf Twitter und vom britischen Museumsbund Beiträge auftauchen, dass Museen Protestschilder, Pink Pussy Hats 1 und andere Objekte, die mit dem Protest in Verbindung stehen, für ihre Sammlungen suchten. Es ist großartig, dass Museen diesen Moment dokumentieren möchten, aber ich frage mich, ob es zu dem Zeitpunkt, als die Museen den Sammlungsaufruf veröffentlichten, nicht schon zu spät war? Nehmen Leute ihre Protestplakate normalerweise mit nach Hause? Ich war selbst nicht auf dem Women’s March am 21., aber ich war schon auf Demonstrationen und ich habe mit Sicherheit am Abend kein unhandliches Schild mit nach Hause geschleppt. Das sind keine Objekte, die dazu gedacht sind, länger als einen Tag, oder wie lange es ihr Zweck, eine bestimmte Botschaft zu einer bestimmten Zeit zu übermitteln, erfordert, zu überdauern. Das heißt nicht, dass Museen sie nicht sammeln sollten, Museen haben schon immer Dinge gesammelt und bewahrt, die von ihren Machern nicht dazu gedacht waren, lange zu halten. Aber es macht die Arbeit, sie physisch zu sammeln sehr viel schwieriger.

By Mobilus In Mobili via flickr (CC BY-SA 2.0)Eines meiner Bedenken gegenüber Museen, die einen Aufruf nach Protestschildern nach dem Ereignis starten, ist dahin gehend, dass die Zahl der verfügbaren Schilder nicht nur durch die Zahl derer begrenzt ist, die sich die Mühe gemacht haben, ihr Schild mit nach Hause zu nehmen, sondern auch dadurch, wie viele dieser Menschen dann den Sammlungsaufruf zur Kenntnis nehmen und sich bereit erklären ihr Schild zu spenden. Das begrenzt die Zahl des verfügbaren Materials auf eine kleine Auswahl der Millionen Schilder, die für diesen Tag hergestellt wurden. Daher ist es unwahrscheinlich, dass Museen in der Lage sein werden, aus dem Material dasjenige auszuwählen und anzunehmen, das die Vielfältigkeit der Schilder auf dem Protestmarsch wiederspiegelt, von lustigen, augenzwinkernden, aber gezielten Attacken auf die neue Verwaltung bis zu Schildern, die die Bedeutung von Intersektionalität hervorheben und die Verbindung zu anderen Bewegungen wie „black lives matter“ oder den Rechten von sexuellen Minderheiten 2 herstellen. Man kann die Spannweite dieser Ereignisse nicht in einer pinken Miezen-Mütze zusammenfassen. Wieder ist es so, dass bestimmte Dinge zu sammeln, die für bestimmte Themen und Ereignisse stehen und diese zu nutzen, um über diese Themen nachzudenken, zur täglichen Arbeit in Museen gehört. Dies aber in einer gewissen Geschwindigkeit tun zu müssen, macht den Prozess viel schwieriger. Die sozialen Medien bedeuten auch, dass Menschen auf der ganzen Welt bereits Bilder der am meisten zum Nachdenken anregenden, kraftvollsten und witzigsten Schilder des Tages gesehen und geteilt haben. Wenn also ein Museum nur in der Lage ist, einige dieser Dinge zu sammeln, die sich aber nicht mit dem messen können, was bereits über den Protestmarsch geteilt wurde, dann wissen die Menschen, dass das, was gesammelt wurde den Protest nicht wirklichkeitsgetreu wiederspiegelt.

by Liz Lemon via flickr CC0Was ist die Lösung? Um die besten und relevantesten Objekte einer Demonstration sammeln zu können, müssten Museumsmitarbeiter bei den Ereignissen anwesend sein, entweder die Objekte selbst gleich an Ort und Stelle einsammeln oder wenigstens Flugblätter mit Kontaktdaten und Informationen darüber, wie gespendet werden kann, austeilen. Beide Ansätze haben ihre ganz praktischen Probleme. Um Objekte gleich anzunehmen, bräuchten die Museumsmitarbeiter Annahmeformulare, müssten sich die Zeit nehmen, die Annahmeformalitäten den Protestierenden zu erklären und sie dazu bringen, die Formulare zu unterschreiben – was alles denjenigen die Zeit raubt, die dort sind, um selbst Aktiv zu werden, nicht, um diese Aktion für die Nachwelt zu dokumentieren. Wenn statt dessen nur Informationen ausgehändigt werden, bürdet man den Spendern die Last auf, ihre Schilder nach Hause zu tragen, sie gut aufzubewahren und sie dann später ins Museum zu bringen. Eine weitere Möglichkeit wäre ein alternatives Aufnahmeformular, das speziell für schnelles Eingreif-Sammeln entwickelt worden ist, etwas, das schneller und einfacher an Ort und Stelle zu erledigen ist, das Museen erlauben würde, Objekte mit einem Minimum an Aufwand für Spender und Sammler anzunehmen und dabei gleichzeitig gute Dokumentationspraxis wahrt.

by  AnubisAbyss via flickr  (CC BY-NC-ND 2.0) Das ist nur die praktische Seite der Angelegenheit. Zunächst muss ein Museum die Entscheidung treffen, dass ein kommendes Ereignis signifikant genug ist, dass es eine Sammelaktion an Ort und Stelle rechtfertigt. In der Rückschau ist es einfach zu sagen, dass der Women’s March signifikant war und deshalb Objekte erhalten werden sollten. Aber im gegenwärtigen Klima wird die ganze Zeit protestiert, immer als schnelle Reaktion auf neue Ereignisse. Am 28. Januar fluteten Menschenmassen die Terminals einiger U.S. amerikanischer Flughäfen, als Reaktion auf einen Durchführungsbefehl des Präsidenten, der Flüchtlingen die Einreise verbot. Am darauffolgenden Tag gabe es in vielen Städten in den USA spontane Proteste. Wie kann ein Museum als Institution schnell genug auf Proteste reagieren und vor Ort sein, um zu Sammeln, wenn sie an verschiedenen Orten an einem Samstag abend passieren? Vielleicht ein/e einzelne/r Museumsmitarbeiter/in, aber wäre er oder sie in der Lage unter diesen Umständen das Museum zu repräsentieren, ohne Erlaubnis der Institution?

by Liz Lemon via flickr CC0Die andere Frage, die sich mir stellt ist die, ob es für ein Museum oder eine es repräsentierende Person ethisch vertretbar ist, an so einem Ereignis teilzunehmen, nur um Spenden zu sammeln. Eine relevante Parallele könnten die Journalisten und Fotografen sein, die als Beobachter und Berichterstatter teilnehmen. Bei der Reaktion auf aktuelle Ereignisse müssen Museen vielleicht mehr wie Journalisten agieren und die Ereignisse unabhängig betrachten und begleiten. Aber Museumsmitarbeiter und die etablierte Museumspraxis des Sammelns sind für diese Art der Feldforschung nicht vorbereitet. Die Demonstranten könnten den anwesenden Museumsmitarbeitern skeptisch gegenüber stehen, insbesondere dann, wenn sie glauben, dass das Museum gegen ihr Anliegen ist, oder dass es eine neutrale oder nicht hilfreiche Position einnimmt gegenüber der Sache, wegen der protestiert wird. Es ist mir unbehaglich bei dem Gedanken, dass das Museum Platz einnimmt und Menschen bei einer Demonstration Energie und Zeit raubt, wenn das Museum nur da ist, um seine eigenen Interessen zu verfolgen. Vielleicht ändert sich das mit der Zeit, wenn Museen insgesamt eine aktivere soziale Rolle einnehmen, im Gegensatz zu ihrer traditionellen Rolle des Sammelns und Aufzeichnens.

by Liz Lemon via flickr CC0Die Antworten auf zumindest einige dieser Fragen können nur die einzelnen Museen liefern, indem sie eine klare Mission formulieren und ein Sammlungskonzept haben, dass diese unterstützt, ebenso wie ein solides Sammlungsmanagement und einen Dokumentationsprozess, der den Anforderungen des schnellen Eingreif-Sammelns gewachsen ist. Museen haben traditionell immer reagiert und sie müssen Wege finden, wie sie mehr agieren können. Das kann bedeuten, dass Museumsmitarbeiter, die bislang dafür verantwortlich waren, Neuerwerbungen zu prüfen und anzunehmen, sich die Zeit nehmen, kommende lokale Ereignisse daraufhin unter die Lupe zu nehmen, ob sie das Potential haben, interessante Ephemera oder sonstige sammlungswürdige Objekte zu erzeugen und dann jemanden dort hin schicken, der aktiv nach Spenden sucht. Es bedeutet auf jeden Fall, dass Museen jetzt ihre Richtlinien und Prozesse anpassen und ergänzen müssen, z.B. um ein sofortiges, vorläufiges Eingangsformular zu entwickeln, wenn sie in der Lage sein wollen, schnell auf das zu reagieren, was um sie herum passiert. Wie so vieles, hängt alles von guter Sammlungsverwaltung ab: Museen, die ihre Sammlung wirklich kennen und die wirklich wissen, was sie mit ihrer Sammlung erreichen möchten.

Kathleen Lawther ist die Verwalterin der Regionalgeschichte und des Archivs bei Hastings Museum & Art Gallery in Südostengland und freiberufliche Museumsberaterin mit einem besonderen Interesse an Sammlungsverwaltung, Lernen und Besucherbindung an den Schnittstellen, wo sie einander begegnen. Sie hat in einer ganzen Reihe von Organisationen im Vereinigten Königreich gearbeitet, vom kleinen Kommunalmuseum bis zu einem Nationalmuseum. Sie hat einen persönlichen Blog, in dem sie über aktuelle Themen in Museen schreibt: acidfreeblog.com

  1. Pinke „Miezen-Mützen“, die von vielen Aktivistinnen selbst gestrickt wurden https://www.pussyhatproject.com/. Das Wort „pussy“ bedeutet im Englischen unter anderem Kätzchen, ist aber auch ein abwertender Ausdruck für das weibliche Geschlechtsorgan.
  2. Im Original „LGBTQ rights“ = „Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender, Queer rights“ = Rechte von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und queeren Menschen“
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Die Berge und die Sträucher – Überlegungen zu ICOM Mailand 2016

shrubbery2Als ich von der ICOM Konferenz in Mailand nach Deutschland zurück fuhr, fiel mir in der majestätischen Landschaft der Alpen folgendes auf: während ich die ruhige Schönheit der Berge mit ihren Villen und kleinen Bauernhäusern bewunderte, konnte ich die Stille der Bergwelt mit der Kamera nicht einfangen. Mein Fotoapparat tat das, worauf er spezialisiert ist, er fing alles ein, was da war, einschließlich des Gesträuchs neben den Gleisen, das immer wieder den Blick auf die Landschaft verstellte. Dabei hatte ich die Sträucher gar nicht wirklich wahrgenommen, ehe ich versuchte den Blick auf das Gebirge fest zu halten.

Dabei kam mir in den Sinn, dass diese Beobachtung gut zu Gedanken und Beobachtungen passte, die mir während der großen ICOM Konferenz in Mailand durch den Sinn gegangen waren. Es gab dort 40 spezialisierte Arbeitsgruppen, einschließlich meiner eigenen, nämlich CIDOC (International Committee for Documentation), es gab die Experten für Textilsammlungen, die für Glasmuseen, die für Geldmuseen…
Ich weiß, dass diese Spezialisierung hilfreich ist, um spezielle Aufgaben zu diskutieren, die sich in diesen besonderen Sammlungen und bei besonderen Aufgaben im Museum ergeben und ich liebe die Konferenzen bei denen ich Spezialisten mit den gleichen Aufgaben treffe, um Ideen und Horrorgeschichten aus zu tauschen. Im Kontext dieses Treffens kam es mir aber irgendwie seltsam vor. Hier, wo alle Spezialisten versammelt waren, hätte es die Gelegenheit gegeben über die Grenzen der einzelnen Sparten hinweg zu diskutieren, über die Fragestellungen und Herausforderungen, die nur gemeinsam bewältigt werden können. Stattdessen gluckten die Spezialisten jeweils zusammen und jeder machte „sein Ding“. Jeder blickte auf das Gebüsch vor seinen Augen, anstatt den Blick auf die Berge zu richten.

Vielleicht beunruhigte mich das besonders, weil CIDOC die Gruppierung ist, die in den 1950er Jahren gegründet wurde, um sich um Information(en) im Museum zu kümmern. Damit war ein sehr breiter Ansatz gewählt, der gut dazu passt, dass Dokumentare und Registrare oft die zentralen Informationsstellen in ihren Häusern bilden. Den Workflow verbessern und das Sammeln, Strukturieren und Weitergeben von Informationen ist uns in Fleisch und Blut übergegangen. Und nun sitzen wir hier und diskutieren sehr spezielle Fragen der Struktur und Definition von Dokumentation, während nebenan Spezialisten für Museumsmanagement, Museumspädagogik oder die Verwaltung kleiner Musen sitzen und mit Problemen kämpfen, die wir nicht kennen – und bei denen wir doch vielleicht helfen könnten. Andererseits könnte vielleicht der frische Blick von außenstehenden Kollegen uns helfen zu sehen, ob wir den Fokus noch auf den richtigen Dingen haben oder ob wir wichtige Entwicklungen übersehen. Vielleicht fokussieren wir Spezialisten uns, wie die Kamera, ganz automatisch auf das Gebüsch direkt vor unseren Augen. Aber, anders als Fotoapparate, können wir als menschliche Wesen den Fokus auf entferntere Ziele verschieben – es braucht vielleicht nur jemanden, der uns auf die Berge hinweist und auf all die Details, die dort zu sehen sind.

shrubbery1

Ich würde mir wünschen, dass wir bei diesen Konferenzen mehr Diskussionen zu den drängendsten Problemen jeder Berufsgruppe hätten. Ich weiß, dass es schon Arbeitsgruppen zu ähnlichen Themen gibt, aber ich denke an eine breitere Zusammenarbeit. Ich hatte das Glück, mit einer ganzen Reihe von Kollegen aus anderen Berufsgruppen zu sprechen (besonders schön war es, Linda Norris vom Uncataloged Museum zu treffen) und dabei tauchten einig Fragestellungen auf, die gemeinsames Handeln nötig machen würden. Ich will nur ein paar davon aufführen, damit jeder sich seine eigenen Gedanken machen kann:

Wenn Pädagogen überlegen, wie schwierige Geschichten am besten erzählt werden, dann sollten wir nachdenken, wie wir in unseren Datenbanken die besten Informationen für sie finden und ihnen bereitstellen können. Wenn Museen Plätze sind, die sich zu lange nur auf einen kleinen, gut situierten Teil der Bevölkerung konzentriert haben, dann ist an zu nehmen, dass auch die Dokumentation unausgewogen ist und wir brauchen Unterstützung, um Methoden zu entwickeln um hier nach zu bessern. Wenn ein Teil unserer Geschichte verschwindet, weil sie nur auf Magnetbändern gespeichert ist, müssen wir überlegen, wie wir sie retten können – nicht allein als Aufgabe für spezialisierte Restauratoren. Wir müssen gemeinsam überlegen, welche Daten zuerst gerettet werden und wie wir sicherstellen können, dass wir uns für die Zukunft auf die Langzeit-Stabilität der Daten konzentrieren. Wenn die sozialen Medien ein wichtiger Zweig der Kommunikation mit der Öffentlichkeit geworden sind – wie können wir diese Beiträge dokumentieren und nutzen und wie können wir Informationen bereitstellen in einer Art und Weise, dass die Öffentlichkeit sie finden und nutzen kann?

Lassen Sie uns überlegen, wie wir mehr Austausch über die Berufsgrenzen hinaus fördern können – bei großen Konferenzen ebenso wie innerhalb unserer Museen.

Angela

Übertragung aus dem Englischen ins Deutsche von Brigitte Herrbach-Schmidt.

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Sammlung auf dem Prüfstand – Neues Handbuch zum Thema Revision erschienen

Sammlungsrevisionen – die Gelegenheit „klar Schiff“ zu machen, alte Dokumentationssünden zu korrigieren und nach dem Zustand seiner Schätze zu sehen. Doch wo fängt man an und wie zieht man so ein Projekt durch? Lina Lassak hat sich damit in ihrer Bachelorarbeit beschäftigt. Und da es dazu keine aktuelle deutsche Literatur gibt, hat sie gleich ein Handbuch daraus gemacht, das sie auf Zenodo, einer Plattform für das kostenlose Veröffentlichen wissenschaftlicher Texte, unter https://zenodo.org/record/157342#.V-u2gslo2tc zur Verfügung stellt. Ich habe sie gefragt, wie es dazu kam:

handbuchDer Ursprung des Handbuches lag in meinem Fachpraktikum im fünften Semester, welches ich im Wintersemester 2014/15 im Ägyptischen Museum Berlin absolvierte. Dieses Praktikum gehört zum Studienplan des Bachelorstudienganges Museumskunde an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin. Während dieser Zeit lernte ich den Ablauf der Revision, wie es die Mitarbeiter/innen im Ägyptischen Museum Berlin durchführen, kennen. Ich bemerkte während des Studiums, dass mir vor allem die Datenbank sowie die Depotarbeit Spaß bereiteten, weshalb mir die Revision besonders lag. Ich half beim Fotografieren, Ausmessen und dem Datenabgleich mit den alten Archivalien. Während der Recherche zu meinem abschließenden Praktikumsbericht fiel mir auf, dass keine aktuelle Literatur zu diesem Thema existierte. Somit stand meine Bachelorthesis fest.

Während der Recherche half ich weiterhin im Ägyptischen Museum bei der Revision mit und fand zwei deutsche Durchführungshilfen: Zum einem Hans-H. Clemens: „Inventur im Museum. Rekonstruktion und Modernisierung traditioneller Sammlungsverwaltung – ein Praxisleitfaden“ und zum anderen vom Institut für Museumsforschung der Staatlichen Museen zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz: „ Spectrum 3.1 Sonderheft 5“. Das erste Beispiel war jedoch veraltet, da die Digitalisierung kaum zu Wort kam und das Zweite umreißt lediglich den Vorgang. Des Weiteren fiel mir auf, dass es verschiedene Begrifflichkeiten für diesen Vorgang gab und dass in fast jedem Bundesland eine Anordnung existierte, die Mitarbeiter/innen jedoch nicht genau wussten, wie sie diese genau umsetzen sollten.
Nach meiner bestandenen Verteidigung legten mir meine Bachelorbetreuerinnen, Frau Prof. Dr. Kähler und Frau Dr. Zorn, mir nahe aus meiner Arbeit ein Handbuch zu fertigen. Dieses erarbeitete ich im letzten Jahr mit der Unterstützung von Frau Dr. Zorn und konnte das Handbuch nun auf Zenodo veröffentlichen.

Das Handbuch ist keine Anordnung, wie eine ordentliche Revision auszusehen hat, sondern soll eine Hilfestellung zum selbstständigen erarbeiten eines individuellen Handbuches zu der eigenen Sammlung und der anschließenden Revision geben. Deshalb wird nicht nur auf archäolgisches Kulturgut verwiesen, sondern es gibt weitere Beispiele für anderes Kulturgut. MuseumPlus ist als Museumsdokumentationssystem genannt und behandelt, jedoch sind die Felder auf jedes System übertragbar. Das Ägyptische Museum wird als Durchführungsbeispiel so ausführlich benannt, da ich dort meine Erfahrungen sammelte und die Mitarbeiter/innen seit Jahren an ihrem Handbuch arbeiten und dieses immer wieder modifizieren. Die Schritte sind auf alle Sammlungen übertragbar. Es ist ein Versuch der Hilfestellung und soll einen sicheren Umgang mit der Software geben.

Lina Lassak

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CIDOC 2016 – Bei der Dokumentation geht es um Menschen

Als ich meine Notizen von der CIDOC Konferenz in Mailand1 sortierte, stelle ich fest dass ich – anders als bei den Notizen von anderen Konferenzen – Mühe hatte, die einzelnen Sitzungen voneinander zu trennen und meine Gespräche mit Kollegen von den Präsentationen und Diskussionen der Konferenz zu unterscheiden. Schließlich gab ich es auf, Resümees der einzelnen Sessionen zu schreiben und sah auf das Gesamtbild. Gab es ein Generalthema, etwas, das in allen Sessionen und Diskussionen eine Rolle spielte? Ja, das gab es und zu meiner großen Überraschung war das nicht so etwas wie „wir müssen mehr Kontext für unsere Daten schaffen“ oder „wir brauchen bessere Standards“ oder “wir müssen unseren Beruf besser verkaufen“ – das Generalthema war – zumindest für mich: Gute Dokumentation beginnt mit den Menschen, die sie machen und sie ist nur gut, wenn sie für andere Menschen nützlich ist.

Colleagues enjoying the opening ceremony of ICOM 2016 Milano at Castello Sforzesco.

Kollegen bei der Eröffnungszeremonie von ICOM 2016 im Castello Sforzesco in Mailand.

Nehmen Sie zum Bespiel die Präsentation von Alexandro Matos über die Einführung von bestimmten Standards in ein paar Museen von São Paulo: die Übersetzung der SPECTRUM Normen ins portugiesische, die Anpassung an die lokalen Gegebenheiten und die Einführung in drei Museen wurde durch die Leute möglich, die das machten – einschließlich der Personen im Staatssekretariat, vielleicht waren sie sogar die Wichtigsten, die davon überzeugt waren, dass es eine gute und notwendige Sache ist, dass Museen bestimmten Standards genügen. Wie viele gute Projekte im Hinblick auf eine Professionalisierung der Museen werden abgeblockt, weil Entscheidungsträger sie nicht als notwendig ansehen?

So ist es auch mit anderen Projekten, wie der Entwicklung eines umfassenden und verbesserten Textilthesaurus aus den verschiedenen, schon existierenden an der HTW in Berlin oder mit dem “International Image Interoperability Framework (IIIF)” (http://iiif.io/) das in Yale entwickelt wurde, um die Arbeit von Forschern zu unterstützen oder die Erfahrungen mit Automatisierten Prozessen in einer Museumsbibliothek in Sambia. Immer kommt es auf die Personen an, die die Initiative ergreifen, um laufende Prozesse zu verbessern oder neue zu entwickeln – und das nicht einfach aus der Freude an dieser Arbeit sondern mit dem Blick auf ihre Nutzer und ihre Kollegen.

Presentation ”Spreading the word: explaining what Museum Documentation is - and why it is important“ (photo via @CIDOCevents)

Präsentation von: Erwecken Sie Aufmerksamkeit: Was ist Dokumentation und wozu ist sie gut?

Ich hatte Sorge gehabt, mich als Depotleiterin unter Dokumentaren fremd zu fühlen. Schließlich nutze ich die Datenbank oft, aber um ein Objekt an dem Ort zu finden, den sie mir angibt und nicht um mir den Kopf über Thesauri und Definitionen zu zerbrechen. Aber ich entdeckte, dass die Themen, die behandelt wurden für meine Arbeit sehr relevant sind. Das wurde mir vielleicht am deutlichsten in der Präsentation von Michael Jones: „Achtung Fehlstelle: fehlende Verknüpfungen in Museumsdokumentationen.“ Er beschrieb den Fall, dass bei der Suche in der Dokumentation oft Verknüpfungen fehlen, da man oft etwas entweder im Archiv, oder in der Objektdatenbank oder im Fotoarchiv sucht, aber keine Verbindungen zwischen ihnen hat. Man könnte also ein Expeditions-Tagebuch im Archiv haben und doch nicht merken, dass Objekte, die bei der Expedition gefunden wurden im Depot liegen und im Fotoarchiv Aufnahmen der Expeditionsmannschaft. Das sprach mich sehr an, denn wir schaffen diese Verknüpfungen in unserer Datenbank im TECHNOSEUM ständig. Wann immer ich eine Verbindung zwischen zwei Dingen finde, dokumentiere ich das in der Datenbank. Wenn wir Archivmaterial zu einem Objekt haben, oder wenn dieses in einem Buch erwähnt wird, steht das oft schon im Objektkatalog. Wenn das Objekt in einer Ausstellung gezeigt wurde findet man den Text des Beschriftungsschildes in der Datenbank. Ich hielt diesen hohen Grad von Vernetzung immer für selbstverständlich, nicht für etwas, worüber man groß nachdenken müsste. Erst hier, bei der CIDOC Konferenz erkannte ich, dass das nicht selbstverständlich ist. Und wieder sind es Menschen, die dafür sorgen, dass die Daten verfügbar sind. Die Personen, die bei der Entscheidung für eine Software für die Datenbank eine solche wählten, die die Verknüpfung verschiedener Kategorien von Material ermöglicht, Personen, die Felder zur Verfügung stellten und Prozesse einrichteten, die es jedem einfach machen, solche Verbindungen her zu stellen.

Ein Projekt, das meine Aufmerksamkeit gleich auf sich zog und mich faszinierte, war die “Encyclopaedia of Museum Practice” (http://cidoc-dswg.org/ ), die von Jonathan Whitson-Cloud auf den Weg gebracht wurde. Es ist ein Projekt, das einen mehrsprachigen Wiki für Museumsterminologie entwickeln soll, so dass jeder, der irgendwo auf der Welt auf diesem Gebiet arbeitet, die Begriffe nachschlagen und ihre Bedeutung verstehen kann. Es gab eine ertragreiche Diskussion zu diesem Projekt und wir konnten einiges ganz praktisch mit der Software ausprobieren. Ich brachte die Erfahrungen ein, die wir beim Registrar Trek mit Mehrsprachigkeit gemacht haben. Wieder ist das Projekt in hohem Grad abhängig von Leuten, die sich ein Herz fassen, Begriffe beisteuern und Übersetzungen bereitstellen, sodass ich Sie hier, liebe Leser, ermutigen möchte, einen Nutzeraccount zu eröffnen, um die „Encyclopaedia“ mit Inhalt zu füllen.

Marzia Loddo and I at the Museo Nazionale della Scienza e della Tecnologia "Leonardo da Vinci"

Marzia Loddo und ich im Museo Nazionale della Scienza e della Tecnologia „Leonardo da Vinci“

Vielleicht sind aber die Menschen, die ich traf und die Gespräche, die ich führte das, woran ich mich am meisten erinnern werde, wenn ich an Mailand denke. Und wieder spielte die Dokumentation eine Rolle. Wenn man einen Kunsthistoriker wie Rupert Shepherd an der „Porta Nuova“ in Mailand trifft, dann lernt man, dass sie für einen Renaissanceforscher an andere Stelle liegt, als für einen reisenden Depotleiter. Ja, Terminologie ist wichtig, aber wir fanden uns und die Mit-Dokumentarin Susanne Nickel um zusammen wunderbar italienisch Abend zu essen. Natürlich gibt es nichts Besseres als Horrorgeschichten aus der Dokumentation mit anderen Dokumentaren zu tauschen und ich habe das mit vielen Kollegen getan, die ich bislang nicht getroffen hatte, oder nur über das Internet kannte. Es ist lustig, dass man seit Jahren in der Nachbarstadt arbeitet, aber nach Italien gehen muss, um sich zu treffen und eine Tasse Kaffee oder ein Glas Wein zusammen zu trinken. Und ich habe erfahren, dass nichts einen Registrar-Trekker aufhalten kann! Marzia Loddo, eine unserer Italienisch-Übersetzerinnen und ich schafften es, uns zu treffen, obwohl eine Reihe von Zwischenfällen, darunter eine kaputte Waschmaschine, alles taten, das zu verhindern.

Es war ein wunderbares Erlebnis, danke Mailand! Und vielleicht treffen wir uns bei der Mitarbeit an der “Encyclopaedia” wieder?

Herzliche Grüße

Angela

Übertragung aus dem Englischen ins Deutsche von Brigitte Herrbach-Schmidt.

Dieser Beitrag ist auch auf Polnisch erhältlich, übersetzt von Marcin Mondzelewski, die Übersetzung erschien ursprünglisch auf dem Blog der Polish Museum Registrar Association http://inwentaryzatorzy.blogspot.de/.

  1. Wenn Sie wissen wollen, was Teilnehmer während der Konferenz bemerkenswert fanden, dann sehen Sie sich das Hashtag #CIDOC2016 auf Twitter an
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Erwecken Sie Aufmerksamkeit: was ist Dokumentation und wozu ist sie gut?

In Zusammenarbeit mit Rupert Shepherd, der Vortrag wurde am 4. Juli 2016 auf der CIDOC-Konferenz im Rahmen der ICOM Milano 2016 gehalten.


Spreading the word title slide

Titelbild der Präsentation

Rupert: Im Dezember 2013 besuchte ich eines der größeren Londoner Museen. Dort entdeckte ich eine Spendenbox, bei der ich wählen konnte, ob ich für die Konservierung der Objekte spenden wollte oder für die Museumspädagogik. Warum konnte ich mich nicht für die Dokumentation entscheiden? Wie wir wissen, kann ein Museum ohne sie nicht funktionieren.

Aber Dokumentation findet – wie andere Bereiche der Museumarbeit – in der Regel hinter den Kulissen statt, dem Publikum verborgen. So kam mir die einfache Idee, dass Mitarbeiter der Dokumentation versuchen sollten, jeden Tag über Twitter zu zeigen, was sie taten und – ganz entscheidend – warum das für das Museum wichtig ist. Das Hashtag sollte #MuseumDocumentation sein.


Übersetzung: Ich schlage vor, dass alle, die sich beruflich mit Museumsdokumentation beschäftigen einmal am Tag twittern was sie gemacht haben und warum das wichtig ist. Bitte retweet (=weitersagen)!


 

Seitdem hat das Hashtag Fahrt aufgenommen. Vor kurzem sah ich in einem Monat mehr als 500 Tweets von über 200 Beiträgern in einer einzigen Woche. Das Hashtag wurde auf unterschiedliche Art und Weise genutzt. Manche haben uns ganz allgemein auf die Wichtigkeit guter Dokumentation hingewiesen.


Übersetzung: Die Macht der Museumsdokumentation - ungefähr im Jahr 2008 habe ich eine Sammlung von Postkarten indischer Soldaten im Royal Pavillion @BrightonMuseums inventarisiert 1/2


 

https://twitter.com/KatieAliceHobbs/status/736643500947693568


Übersetzung: 2/2 @fauxtoegrafik hat daraus eine Ausstellung im Royal Pavillion gemacht. Zeitsprung: 8 Jahre später besuchen uns tausende Leute um #DrBlighty zu sehen.


 

Andere haben Twitter ganz klassische genutzt und getwittert, was sie gerade machen.


Übersetzung: Am Samstag bei der Arbeit im @SeaportMuseum um etwas Museumsdokumentation (= #MuseumDocumentation) für Dinge aus unserem Archiv (= #fromthearchives) zu betreiben. #ITweetMuseums (= "Ich twittere über Museen", Hashtag der vornehmlich von Museumsmitarbeitern, aber auch von Museumsbesuchern verwendet wird, um entweder über den eigenen Besuch eines Museums oder über die Arbeit im Museum zu twittern).
pic.twitter.com/3mbOD5ImIn


 


Übersetzung: Habe die Erkenntnisse aus einem Restaurierungsbericht einschließlich der Bilder in die Datenbank eingegeben. #MuseumDocumentation


 

Der Hashtag wurde auch genutzt, um Hilfe zu erbitten; oder um Termine für Dokumentare an zu kündigen, gleich ob diese auf Twitter oder in der realen Welt statt finden.


Übersetzung:
Brauche Handschriften-Lese-Hilfe! Was soll der Titel dieses Dings sein? #itweetmuseums #museumdocumentation pic.twitter.com/lEyRS2Ai2r


 


Übersetzung: Dank allen die beim Entziffern der Handschrift geholfen haben, der Titel ist nun geändert in der Datenbank! #museumdocumentation


 


Übersetzung: Was kann #MuseumDocumentation für mich tun? Kostenloser Workshop von @swmuseums und CT (= Collections Trust, Britische Museumsorganisation) #SPECTRUM (SPECTRUM = Standard für Museumsdokumentation und Sammlungsverwaltung, der inzwischen in mehrere Sprachen übertragen ist und weltweit genutzt wird) http://bit.ly/22zACQG


 


Übersetzung: Beteiligt Euch HEUTE von 20.00 -21.00 Uhr Eastern Standard Zeit an einer lebhaften Debatte bei dem Chat von ARCS (Association of Registrars & Collections Specialists) über gute oder schlechte Museumsdokumentation, Co-Moderiert von @BergFulton. pic.twitter.com/GSzTJYlkd7


 

Wir nützen den Hashtag um gute Problemlösungen oder bestimmte Dokumentationskenntnisse zu teilen, auch die Information über Dinge, die man hätte besser machen können.


Übersetzung: So sieht ein ordentlicher Museumsdokumentations-Porno aus: https://t.co/V2KUExmmS3


 


Übersetzung: Kleines Objekt, kleine Inventarnummer! #MuseumDocumentation @CannaNTS
#CannaHouseCats (= Hauskatzen der Insel Canna) pic.twitter.com/L9UdeNfoQP


 


Übersetzung:
Unter Wirbelsäule abgelegt, wo es niemand finden wird #MuseumDocumentation pic.twitter.com/z3I702z4tQ


 


Übersetzung: Museumsdokumentation im 19. Jh.:
1) Doppelnamen wählen der passend klingt
2) Ihn schlecht auf Beschriftungsschilder schreiben
3) sterben


 


Übersetzung: Ergänzende Angaben sind auf einer Website, die wir 2001 erstellt haben, sprich: IN DER GÄHNENDEN LEERE #MuseumDocumentation


 

Und natürlich wurde der Hashtag genutzt, um von den Geschichten zu erzählen, die uns jeden Tag in der Dokumentation begegnen.


Übersetzung: Historische Museumsdokumentation: Bei der Durchsicht der Inventare der 1930er Jahre kam diese traurige Geschichte zu Tage... pic.twitter.com/YPJ6J9f3sh


 


Übersetzung: Notiz zu einem grünen Hochzeitskleid mit grünen Accessoires aus #Boston Provenienzforschung in Museen (= #provenance #museums) #MuseumDocumentation pic.twitter.com/9Z9zh2XMVg


 

Dieses Teilen der Dinge, die unser Interesse entfachen hat mir das Gefühl gegeben, Teil einer Gemeinschaft zu sein, mit geteilten Anstrengungen und gegenseitiger Unterstützung. Hat das aber die Museumswelt insgesamt beeinflusst? Da bin ich mir weniger sicher. Im März diesen Jahres wurde von einem Zusammenschluss von Verbänden von Museumsvertretern im Vereinigten Königreich ein Fragebogen verschickt. Bei einer der Fragen wurde 16 verschiedene Tätigkeiten aufgezählt, die es im Museum gibt – und Dokumentation kam dabei gar nicht vor und Objektverwaltung auch nicht.

2016 UK musuem workforce survey screengrab

Bildschirmfoto von Frage Nummer 11 der Befragung von Museumsmitarbeitern im März 2016, einer gemeinsamen Evaluation des Arts Council England, Museums and Galleries Scotland, The Museums Association und The Association of Independent Museums.

(Übersetzung:
11.In welchem dieser Bereiche sind Sie überwiegend tätig:

O Gebäude und Einrichtung
O Publikumsbereich / Besucherinformation
O Museumspädagogik / Teilhabe / Bürgerengagement
O Ausstellungen und Leihverkehr
O Kuratorische Arbeit
O Restaurierung / Konservierung und Vorbeugende Maßnahmen / Wissenschaft
O Entwicklung des Hauses / Sponsoren / Partnerschaften
O Marketing und Kommunikation
O Museumsshop / Events / Catering
O Rundfunk / Publikationen / Lizenzvergabe
O Beratung / Weiterbildung
O Besucherbefragungen und Evaluation
O Organisationsentwicklung und Management
O Digitalisierung und IT
O Finanzen
O Personal
O Sehr kleine Organisation sodass ich alles mache
O anderes (bitte angeben))

Restaurierung und Museumspädagogik waren natürlich vertreten – es scheint sich nichts geändert zu haben, seit ich 2013 die Spendenbox sah.

Angela: Als ich diesen Fragebogen sah, war ich ziemlich ratlos. Seit wir 2013 Registrar Trek begannen, hat eine Handvoll Autoren und ein ganzer Strauß an Übersetzern aus der ganzen Welt versucht, die Arbeit von Registraren und Objektverwaltern der Öffentlichkeit näher zu bringen. Weder Objektverwaltung noch Dokumentation in dieser Umfrage zu sehen war sehr ernüchternd und ich machte mir Sorge, dass wir etwas falsch gemacht hätten.

Schließlich überlegte ich, dass wir vielleicht nicht genug getan hatten. Die Entscheidungsträger und das Publikum haben noch immer nicht begriffen, dass unsere Arbeit wichtig ist.

Jetzt könnten wir natürlich einfach unsere Berufsbezeichnung bei „andere“ einsetzen und dann zurück an die Arbeit gehen; einfach all das Zeug mit den Sozialen Medien vergessen und unsere Aufgaben anpacken?

Das wäre aber gefährlich. Das Internet und die Sozialen Medien haben die Welt verändert.
Wenn man heute nicht über das spricht, was man tut, glaubt keiner, dass es wichtig ist! In den Zeiten vor Twitter beklagte man sich bei einer Zugverspätung bei den Mitreisenden und das war’s. Heute twittert man und erklärt der Bahngesellschaft, dass ihr Service bescheiden sei – und hofft auf eine Antwort mit Entschuldigung und Informationen.


Übersetzung:
Vor dem Bahnhof Fratton, @SouthernRailUK bietet keine Lösung an, nachdem ein Zug ausgefallen ist. #southernrail pic.twitter.com/0TAGGdPWgw


 


Übersetzung: Es tut uns leid, wenn Sie heute morgen von den Verspätungen betroffen waren.
Versäumen Sie nicht https://t.co/eC7tiSP6rI zu besuchen, um Informationen zu Kostenerstattungen bei Verspätungen zu erhalten.


 

Es gibt eine aktive Kommunikation, und selbst wenn die Erklärung fadenscheinig ist, so sieht man doch, dass hinter den Kulissen gearbeitet wird. Wenn man keine Antwort erhält, nun, dann nimmt man an, keiner würde arbeiten, offenbar noch nicht einmal der Zugführer.

Darum ist es so gefährlich, dass unser Berufsbild in der Umfrage fehlte. So wie dem Publikum so ist es auch den Direktoren, zuständigen Behörden und Sponsoren verborgen. Im besten Fall wissen die für die Finanzen Verantwortlichen nichts von der Dokumentationsarbeit im Museum. Im schlechtesten Fall halten sie sie für unwichtig.

Rupert: Was können wir also tun, damit unsere Stimme gehört wird? Ein Weg ist sicher, das #MuseumDocumentation Hashtag weiter zu nutzen, dabei aber öfter meinem ursprünglichen Plan zu folgen und darzulegen, warum unsere Arbeit wichtig ist. Das ist nicht immer leicht: es kann im Gegenteil sehr schwierig sein, immer neue Worte zu finden, um zum 10ten Mal zu sagen, dass es wichtig ist ein Arbeitsblatt, das in die Datenbank eingegeben werden soll, den Regeln gemäß zu bearbeiten.


Übersetzung:
Provenienzeinträge der @NationalGallery durchgesehen und Sorgfaltsprüfungen vorgenommen, um Abläufe zu verbessern und Aufwand zu reduzieren #MuseumDocumentation


 


Übersetzung: Neuen Katalog der italienischen Gemälde des 16. Jh. mit der Datenbank abgeglichen, sodass alle Infos aktuell sind pic.twitter.com/o4N70C5qGt


 


Übersetzung: Besprechung zu Verknüpfung der Objekte der National Gallery für @CrossCult_H2020 mit unserer Museumsdokumentation, sodass wir allen mehr Info bieten können.


 


Übersetzung: Diskussion über das Teilen historischer, erwerbungsbezogener Informationen mit Forscher um die Museumsdokumentation der National Gallery zu verbessern und Forschung zu helfen.


 


Übersetzung: Erarbeitet welche Bilder am wenigsten oft bewegt werden, damit @AppliedStudio den Besuchern behilflich sein kann, sich in der @NationalGallery zurecht zu finden #MuseumDocumentation


 

Sie sehen, auch ich habe es nicht geschafft, täglich zu twittern.

Angela: Trotzdem ist es in mehrfacher Hinsicht nützlich. Das Hashtag zu nützen zwingt dazu zu überlegen, was man den lieben langen Tag gemacht hat.

Nika Novak cataloguing at the TECHNOSEUM

Nika Novak cataloguing an item in the TECHNOSEUM’s newly-acquired broadcasting collection in 2015. TECHNOSEUM, Foto Hans Bleh

Dokumentation: Dokumentation: Katalogisieren, die Datenbank pflegen, eine Reportvorlage schreiben, um Beschriftungsschilder aus der Datenbank zu erhalten, einen Ablauf verbessern, eine Tabelle für den Datenimport anpassen, eine Liste der Zugriffsberechtigten aktualisieren, Unterrichtsmaterial vorbereiten …

Angela Kipp scanning a barcode at the TECHNOSEUM

Angela Kipp scanning a barcode whilst recording a radio’s change in location at the TECHNOSEUM. TECHNOSEUM, Foto Hans Bleh

Objektverwaltung: Packen, reinigen, eine Ausleihe vorbereiten, Bericht über einen Unfall schreiben, Mottenfallen kontrollieren, Archivmaterial bestellen, Standortangaben überprüfen. Maßangaben in der Datenbank korrigieren, einem neuen Regal eine Bezeichnung geben …

Die meiste Zeit sind Objektverwalter und Dokumentar so gefangen von ihren vielfältigen Aufgaben, dass es am Ende des Tages wirklich schwierig ist zu sagen, was man denn gemacht hat, ja man kann das Gefühl haben, nichts erledigt zu haben. Aber wenn man darüber nachdenkt, dann sieht man: man hat eine Menge Dinge getan, die wichtig, interessant, herausfordernd oder einfach lustig waren. Dann besteht die Herausforderung darin, das mit 140 Zeichen zu sagen, wobei das Hashtag schon 20 braucht. Das scheint zuerst unmöglich, aber mit ein bisschen Übung macht es Spaß. Blicken Sie einfach einmal auf das Hashtag bei Twitter um zu sehen, was Kollegen gemacht haben.


Übersetzung: Abgleich temporärer Notizen, so dass die Objekte mit ihren richtigen Inventarnummern ausgestellt werden können. Viele sind aus der Gründungszeit! #MuseumDocumentation


 


Übersetzung: Checkliste für die Inventarisierung ist fertig. Neue Praktikanten, Studentische Hilfskräfte und Volontäre werden es leichter haben! #museumdocumentation


 

Wenn das zu kompliziert erscheint – fangen Sie einfach an. Alles was getwittert wird hilft.

Um das Ganze in einen größeren Rahmen zu stellen: Immer wenn ich unsere Datenbank durchsehe finde ich Dinge die mich verblüffen: Dinge, die ich nicht kannte, oder interessante Geschichten. Zum Beispiel: wussten Sie, dass es ein elektrisches Haushaltgerät gibt, das Ihr Bier auf genau die gewünschte Trinktemperatur bringt? Oder dass das TECHNOSEUM 473 Lötkolben besitzt, die schon mal dabei geholfen haben einen Weltrekord zu holen? Und was „cat content“ betrifft, so wird auch das bei uns abgedeckt.

A tin for gramophne needles, decorated with a picture of a cat playing with the needles

Schachtel zur Aufbewahrung von Grammophonnadeln mit Werbung für die Heroldnadeln, einer Marke der Schwabacher Nadelfabrik GmbH, Nürnberg, 1920-1925 Inventarnummer: EVZ:1989/0804-001. TECHNOSEUM, Mannheim, zu finden über TECHNOSEUM online catalogue.

Es wird Zeit diese Schätze zu teilen. Wenn Ihr Museum einen Verantwortlichen für die Sozialen Medien hat, dann zeigen Sie ihm doch diese interessanten Dinge: Schließlich ist er nicht so nah an den Objekten und der Dokumentation und wird sie ohne Hilfe nicht finden. So vermehren Sie das Wissen, das ihr Museum mit dem Publikum teilen kann und Sie zeige Ihren Kollegen, dass es am besten ist, den Dokumentar oder den Objektverwalter zu fragen, wenn man interessante Tatsachen, Geschichten oder Bilder braucht. Und damit schärft sich das Profil der Museumsdokumentation.

Rupert: Und wenn es keinen Verantwortlichen für die Sozialen Medien oder Pressebeauftragten gibt, dann muss man diese Dinge eben selbst mitteilen. Der Tumblr Account des Horniman Museums wurde den Dokumentaren und Sammlungsangestellten anvertraut – und gewann 2014 den „Best of the Web“-Preis beim Wettbewerb „Museum and the Web“.

The Social Media Best of the Web Award won by the Collections People Stories review team on the mantelpiece at the SCC

Der „Best of the Web“-Preis der sozialen Medien, den das Team der Sammlungsmitarbeiter für ihren Blog in-the-horniman.tumblr.com erhalten hat, auf dem Kaminsims des Studienzentrums des Horniman Museums, London.

Deshalb:

  • Twittern sie unter dem Hashtag #MuseumDocumentation was Sie getan haben und warum das wichtig ist
  • Wenn sie einen Tweet sehen, der durch Museumsdokumentation ermöglicht wurde, dann retweeten Sie ihn und kommentieren ihn mit dem Hashtag


Übersetzung:
Ein Grund warum #MuseumDocumentation wichtig ist. Ich überlege, was sich noch alles in den Sammlungen versteckt #MuseumHour (= Hashtag einer regelmäßig montags zwischen 21 und 22 Uhr deutscher Zeit stattfindenden Diskussionsrunde zu einem aktuellen Museumsthema) https://t.co/U1R0T8F7uG


 


Übersetzung: Woher wissen wir wann das gemacht wurde? Durch #MuseumDocumentation https://t.co/FLiDbRavE4


 

  • Schreiben Sie eine Geschichte oder einen Artikel, über das, was Sie gemacht oder entdeckt haben für Registrar Trek oder einen ähnlichen Blog
  • Nützen Sie einen Blog, Twitter, Facebook, Tumblr, Vine, Instagramm oder was immer Sie am liebsten nutzen, um Ihre Arbeit sichtbarer zu machen.

Wer weiß – vielleicht bittet man Sie dann, eine Vitrine zu gestalten, die ihre Arbeit dokumentiert.

Norsk Folkemuseum collections management display

Eine Vitrine zum Thema Sammlungsverwaltung im Norsk Folkemuseum, Oslo, im Oktober 2018. Foto: Rupert Shepherd.

Norwich Castle Museum's documentation display

Vitrine zur Dokumentation im Museum von Norwich Castle, Foto: Rupert Shepherd

Norwich Castle Museum's MODES display

Darstellung zur MODES-Datenbank in Norwich Castle, aufgenommen im Januar 2016, Foto: Rupert Shepherd

Sicher ist: je mehr Dokumentare und Objektverwalter im Internet sichtbar sind, desto schwerer wird es sein, unseren Beruf zu vergessen.


Übersetzung: @rbkilgo @RegistrarTrek @Doodleology *Jeder* liebt einen guten #museumdocumentation Tweet! #ARCSchat


 

Übertragung aus dem Englischen ins Deutsche von Brigitte Herrbach-Schmidt.

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Wie man sehbehinderten Personen den Museumsbesuch erleichtert – Einfache Lösungen für kleine Museen

Janice Klein und Chuck Dean, 5. April 2016, ursprünglich auf dem AASLH Blog erschienen

Der 25. Jahrestag der Verabschiedung des Gesetzes zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen (Americans with Disabilities act – ADA) war für Museen und Museumsverbände eine Gelegenheit darüber nach zu denken, auf welche Weise Besucher mit Behinderungen leichter Zugang zu Museen erhalten können. Erst vor kurzem haben Weiterbildungsseminare, Internetfortbildungen und Zeitschriftenartikel gezeigt, dass eine Reihe von Museen Programme entwickelt haben, die ihren Besuchern mit Behinderungen sehr einfallsreich neue Wege aufzeigen, wie sie Museen erleben können. Leider ermöglichen diese Ideen oft nur Zugang zu einem einzelnen Exponat oder es braucht sehr viel Zeit oder Geld um diese Programme um zu setzen.

 Chuck Dean demonstrates the use of the KNFB Reader app on his iPhone at the Scottsdale Historical Society Museum.


Chuck Dean führt die Nutzung der KNBF-Reader App auf seinem iPhone im Museum der Historischen Gesellschaft von Scottsdale vor.

Hier konzentrieren wir uns aus zwei Gründen auf Besucher mit Sehschwächen. Zum einen gibt es mehr als 800 Augenkrankheiten, die sich bei unterschiedlichen Menschen unterschiedlich manifestieren. Manche Personen mit Sehschwächen können groß gedruckte Texte lesen oder Braille benutzen; manche können gar nicht lesen. Einige sehen bei hellem Licht besser, für andere verschwinden die Texte dann ganz oder teilweise. Im Grunde gibt es nichts, was allen hilft.

Zum andern hat die Entwicklung von Smartphone Apps die Art und Weise wie sehbehinderte Personen ihr tägliches Leben meistern revolutioniert: das reicht vom Reisen mit individualisierten GPS-Wegbeschreibungen bis zum Zugang zu sehr viel gedrucktem Material mit Hilfe von Bildschirmlesern und OCR Apps (Apps zur optischen Zeichenerkennung)1. Museen fangen gerade erst damit an heraus zu bekommen, wie sie diese relativ preiswerten Fortschritte der Technik nutzen können, um zugänglicher zu werden.

Der beste Weg für sehbehinderte Personen um ein Museum zu erleben ist natürlich eine Führung. Für viele Museen wird es schwierig sein, das für jeden Ausstellungsbereich im ganzen Haus anzubieten. Es gibt aber drei sehr einfache Dinge, die in jedem Museum dem sehbehinderten Besucher den Zugang erleichtern.

  1. Alle Objektbeschriftungen (und alle anderen Texte, wie Abteilungsführer) so auf der Website wiedergeben, dass sie heruntergeladen werden können. Geschrieben sind sie ja sowieso. Dann kann die sehbehinderte Person sie so rezipieren, wie es für sie am bequemsten ist. Sie kann die Texte zu Hause in großer Schrift oder in Braille ausdrucken und zum Besuch im Museum mitbringen. Oder sie liest diese mit dem Bildschirmleser des Smartphones direkt von der Website.
  2. QR-Codes auf den Beschriftungsschildern nutzen, um die Verbindung zur Website her zu stellen. Während QR-Codes – milde gesagt – in der Werbung nicht so erfolgreich waren, wie Marketingleute sich das erhofften, sind sie doch für diesen Zweck perfekt. In der Tat, wenn Museen nur eine Aktion im Hinblick auf ihre Zugänglichkeit in Angriff nehmen wollen, dann sollte das unserer Meinung nach die Verwendung von QR-Codes auf den Beschriftungsschildern sein. Ein Besucher mit einem Smartphone kann den Code scannen und den Text hören (wieder mit Hilfe eines Bildschirmlesers). Es gibt auch Smartphone Apps, die das Schild selbst scannen und es dem Nutzer vorlesen. Einige werden es dem Nutzer sogar sagen, wenn das Smartphone nicht im korrekten Winkel zur Beschriftung steht und den Text in eine von 200 Sprachen übersetzen. (Die Museumsaufseher müssen dann allerdings auch wissen, dass es erlaubt ist, zu diesem Zweck die Beschriftungsschilder zu „fotografieren“).
  3. Damit Beschriftungsschilder und QR-Codes wirklich nützlich sind, sollten sie grundsätzlich an der gleiche Stelle angebracht sein (z.B. untere rechte Ecke bei Tischvitrinen, 3 Fuß hoch (ca. 90 cm) und mit 1 Fuß Abstand (ca. 30 cm) von einem Bild), sodass man sie leicht finden kann. Hilfreich wäre auch ein eigener standardisierter Rahmen für die QR-Codes. Idealerweise sollten alle Museen sich auf eine einheitliche Platzierung der QR-Codes einige, aber schließlich kann man den Besuchern auch sagen, wo sie im jeweiligen Haus angebracht sind.

Keine dieser Lösungen ist schwierig oder teuer, sie würden aber einen großen Unterschied im Hinblick auf die Zugänglichkeit machen.

Zu den Verfassern

Janice Klein ist Geschäftsführende Direktorin der Museumsgesellschaft von Arizona. Sie arbeitet schon über 30 Jahre für Museen und war auch Präsidentin der Abteilung für die Leiter kleiner Museen bei der American Alliance of Museums (AAM) und dem Komitee für kleine Museen bei der American Association for State and Local History (AASLH).

Chuck Dean arbeitete als Werkzeugmacher und Modellbauer als in seinen frühen 30er Jahren das Morbus Stargardt (eine juvenile Makuladegeneration) bei ihm diagnostiziert wurde. Seitdem er amtlich als blind eingestuft ist arbeitet er als selbständiger, geprüfter Masseur. Er ist ein ausgefuchster Nutzer neuester Technologien und benützt Smartphone Apps als Hilfe bei Reisen (und Museumsbesuchen) seit mehr als 10 Jahren. Er ist regelmäßiger Beiträger der Apple Vis Website und bei der ViPhone discussion list.

Übertragung aus dem Englischen ins Deutsche von Brigitte Herrbach-Schmidt.

  1. Übliche Bildschirmlese-Apps sind TalkBack für Android und voiceOver auf allen Appel Produkte. Zu den OCRs gehören auch ABBYYTextGrabber und KNFB Reader.
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